Die Funktechnische Truppen (FuTT) waren eine Truppengattung der ehemaligen Luftstreitkräfte der NVA, die dem Tieffliegermeldedienst, Radarführungsdienst bzw. dem heutigen Einsatzführungsdienst der Luftwaffe der Bundeswehr vergleichbar war. Sie gliederten sich in Abgesetzte Funktechnische Posten, Funktechnische Kompanien (FuTK) und Funktechnische Bataillone (FuTB).
Der Waffeneinsatz wurde nicht unmittelbar durch den Gefechtsstand FuTB geleitet, sondern durch den jeweils vorgesetzten Gefechtsstand 1. LVD bzw. 3. LVD unter Nutzung der von den FuTT bereitgestellten Radardaten und der Luftlagedaten ARKONA (FüWES).
Aufgaben
Die Einheiten und Verbände der FuTT waren flächendeckend auf dem Territorium der DDR disloziert und stellten bereits im Frieden als Beitrag zum Diensthabenden System der Luftverteidigung (DHS) ein lückenloses Funkmessfeld mit definierter (für die einzelnen Stufen der Gefechtsbereitschaft) Ober- und Untergrenze sicher. Dieses wurde gemessen an einer Funkmessfelduntergrenze, die durch schnell verlegbare Radarstationen noch einmal nach unten (auf eine Flughöhe von etwa 50 m) verschoben werden konnte.
Funkmesstechnik Die Rundsuchradargeräte wurden gemäß ihrem Frequenzbereich eingeteilt in
Meterwellenradargeräte, Dezimeterwellenradargeräte und Zentimeterwellenradargeräte
Dabei wurde das Prinzip durchgesetzt, dass der Luftraum mit allen Frequenzbereichen parallel aufgeklärt werden musste. Das sollte eine Anwendung von aktiven Störungen erschweren, da kaum alle Frequenzbereiche gleich effektiv gestört werden konnten.
Die Höhenmesser gab es jedoch nur als Dezimeter- und Zentimeterstation. Deren Namen ist aus einer russischen Abkürzung entstanden: PRW: (russisch) ПРВ – передвижной радиовысотомер (deutsch) verlegbarer Funkhöhenmesser (Höhenfinder)
Die Betonung auf „verlegbar“ bezog sich auf die Schwierigkeit während der Entwicklung dieser Radargeräte, eine stabile, durch die Schwingungsenergie der geschwenkten Antenne unbeeinflusste Basis zu schaffen. Dies wurde durch den Einsatz von schweren Artillerielafetten als Fahrwerk für diesen Typ Radargeräte erreicht.
Bodenradargeräte der ehemaligen NVA (Quelle: RadartutorialAlphabetische Auflistung aller hier genannten Radargeräte. In: radartutorial.eu.) NameNATO-CodenameKurzbeschreibungAntennensilhouetteMeterwellenradargeräte der FuTTP-3DumboVorläufer der Meterwellenstationen der NVA, sehr wahrscheinlich nicht in der NVA eingesetzt, aber in der GSSD.Datei:P-3 icon.pngP-8Knife Rest AErste Meterwellenstation, bis 1963 im Einsatz, abgesetzter und abgespannter Rohrmast mit vier YagiantennenDatei:P-8 icon.pngP-10Knife Rest Bschmaler Gittermast am Fahrzeug, ebenfalls vier YagiantennenDatei:P-10 icon.pngP-12 MASpoon Rest Astabiler Gittermast am Fahrzeug ZIL-157 mit 12 YagiantennenDatei:P-12 icon.pngP-12 NPSpoon Rest BHängerversion mit zwei Zugmitteln UralP-12 NASpoon Rest Cstabiler Gittermast am Fahrzeug ZIL-131P-12 AMU 14P-13 eine P-12 an einer Antenne der P-14Datei:P-14 icon.pngP-14Tall Kinggroße stationäre Parabolantenne (33 m × 22 m), z. B. FuTK-333 Putgarten (auf Rügen) und FuTK-312 Dobra/Großstöbnitz (bei Altenburg)Oborona (5N84A)Tall King CNachfolger der P-14, mit ähnlich großer AntenneP-18Spoon Rest Dteiltransistorisiert, 16 Yagiantennen, Antenne in 1,5m-Schritten variable AntennenhöheDatei:P-18 icon.pngDezimeterwellenradargeräte der FuTTP-15Flat Face Azwei kleinere Parabolspiegel übereinanderDatei:P-15 icon.pngP-15 AMUSquad Eyemit einer Spezialantenne auf einem abgesetzten hohen Gittermast (15 oder 30m). Entgegen der NATO-Codebezeichnung war dieses kein eigenständiges Radar. Die Antenne mit dem Mast war nur Zubehör der P-15.P-19Flat Face BWeiterentwicklung der P-15, integriertes Sekundärradar 1L22Datei:P-19 icon.pngKabina 66 (5N87)Back Netzwei Sende-Empfangskabinen mit je zwei Antennen mit um 180° versetzter StrahlrichtungDatei:K-66 icon.pngST-68UTin Shield3D-Radargerät, digitalisierte SignalverarbeitungDatei:ST-68 icon.pngZentimeterwellenradargeräte der FuTTP-25Strike Outdrehbare Sendekabine mit zwei sehr stabilen Cosecans²- Antennen (massiv aus durchbohrtem Blech, die obere um ca. 15° schräg gestellt)Datei:P-25 icon.pngP-30Big MeshSchrägstellung wie die P-25, aber leichterer Antennenaufbau, mit Zusatzantenne für aktive AntwortP-35Bar Lockwie P-30, aber paralleler Antennenaufbau, mit 6 Hohlleitern zur Antenne (Stacked-Beam-Cosecans²- Antenne), ebenfalls mit aktiver AntwortDatei:P-37 icon.pngP-37Bar Lockwie P-35, mit 5 Hohlleitern zur Antenne, ebenfalls mit aktiver Antwort, später mit IFF-Balken an der oberen AntenneP-40Long TrackRadargerät der Landstreitkräfte (Heer) auf einem gepanzerten Kettenfahrzeug (426U), hydraulischer Antennenauf- und -abbau.Datei:P-40 icon.pngFunkhöhenmesser der FuTTPRW-9Thin Skin AHöhenfinder für tieffliegende Ziele, sehr schmale, massive Parabolantenne, etwa ab 1972 eingesetztDatei:PRW-9 icon.pngPRW-9A ein PRW- 9, basiert auf einem LKW KrAZ-214PRW-10Rock Cakeerster Höhenfinder der ehem. NVA (ab 1963/64), breitere und massive Parabolantenne (perforiertes Blech)Datei:PRW-10 icon.pngPRW-11Side NetNachfolger des PRW-10, breitere, filigranere Parabolantenne, Reflektor aus genieteten MetallstäbenDatei:PRW-11 icon.pngPRW-13Odd PairNachfolger des PRW-11, größere Parabolantenne mit einer kleineren KompensationsantenneDatei:PRW-13 icon.pngPRW-16Thin Skin BModernisierung des PRW-9; für die Truppenluftabwehr (TLA) auf KrAZ-255-Lkw aufgebaut, für die Nachrichten- und Flugsicherungstruppe als HängervarianteDatei:PRW-16 icon.pngPRW-17Odd Groupwie PRW-13, aber mit mehreren KompensationsantennenDatei:PRW-17 icon.png
Organisation (Stand Ende 1989)
Fachlich waren die Funktechnischen Truppen dem Chef Funktechnische Truppen (Chef FuTT) im Kommando der LSK/LV unterstellt. Dieser führte die Truppenteile über die Chefs Funktechnische Truppen der 1. bzw. 3. Luftverteidigungsdivision.
Literatur Wolf-Rüdiger Stuppert und Siegfried Fiedler: Die Funktechnischen Truppen der Luftverteidigung der DDR – Geschichte und Geschichten. Steffen-Verlag, Friedland 2012, ISBN 978-3-942477-39-0.
Weblinks Funktechnische Truppen
Einzelnachweise
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