mini|hochkant|Christuskirche, 1953

Die Christuskirche war eine katholische Kirche am Schröderplatz in der Innenstadt von Rostock. Sie wurde 1909 geweiht und am 12. August 1971 aus offiziell stadtplanerischen Gründen gesprengt. Die umfangreichen Stadtumbaupläne waren jedoch am 12. November 1970 im Rat der Stadt Rostock intern gestoppt worden, da ihre Finanzierung nicht sichergestellt werden konnte.Georg Diederich: Aus den Augen, aus dem Sinn. Die Zerstörung der Rostocker Christuskirche 1971. Mit Dokumenten. Herausgegeben vom Heinrich-Theissing-Institut, Schwerin. Edition Temmen, Bremen 1997, Seite 221f, ISBN 3-86108-703-0

Den gleichen Namen trägt die neue Christuskirche, die als Ersatz an anderer Stelle in einem Wohngebiet gebaut wurde.

Erste Kirche 1909 Die alte Kirche wurde nach Plänen des Architekten Gotthilf Ludwig Möckel im neogotischen Stil am Schröderplatz errichtet und am 24. Oktober 1909 von Bischof Hubertus Voß im Beisein von Großherzog Franz Ferdinand IV. dem Heiligsten Herzen JesuMichael Althaus: Katholische Christen an den Stadtrand gedrängt. In: Tag des Herrn, Ausgabe 33/2021 vom 22. August 2021, S. 16. geweiht. Das dann Christuskirche genannte Kirchengebäude war mit seinem 68 Meter hohen Turm die größte katholische Kirche Mecklenburgs. Pastor der Kirche war während des Baus und bis zu seiner Verhaftung in der Zeit des Nationalsozialismus und der anschließenden Ausweisung aus Mecklenburg 1940 Prälat Wilhelm Leffers. Bei amerikanischen Bombenangriffen am 11. April 1944 wurde die Kirche schwer beschädigt. Dabei starben acht Menschen, darunter Priester und Ordensfrauen, in der Kirche.

Die Kirche wurde zügig wieder aufgebaut, der Turm mit einem Notdach geschlossen. Die drei Glocken (d, e, fis) waren unversehrt geblieben.

Ein von ihr geschaffener Kreuzweg entstand später. Elisabeth Schnitzler verfasste dazu 1948 eine dreiseitige Beschreibung und Würdigung.Quelle: Archiv der Christusgemeinde

Am 15. Mai 1949 wurde die Kirche von Erzbischof Wilhelm Berning aus Osnabrück erneut geweiht. Einer Ende der 1960er Jahre geplanten Magistrale, die Gehlsdorf mit der Südstadt verbinden sollte, war das Kirchgebäude angeblich im Wege und es sollte deswegen abgerissen werden. Die alte Christuskirche, das Pfarrhaus, das Wohn- und Bürohaus und die sogenannte Notkirche mit Gemeindesaal wurden am 12. August 1971 gesprengt.

Die großen Verkehrspläne, denen die Christuskirche geopfert wurde, wurden nur teilweise verwirklicht. Der Standort der Kirche blieb bis 2012 unbebaut. Das legt die Vermutung nahe, dass politische Gründe für die Sprengung und Beseitigung der Kirche entscheidend waren.

In unmittelbarer Nähe des alten Kirchenstandortes wurde am 22. Oktober 2009 ein Mahnmal eingeweiht.Mahnmal für Christuskirche in Rostock eingeweiht Rostock-heute, 23. Oktober 2009 Seit Mitte 2012 steht auf dem ehemaligen Standort der Kirche ein Hotel. Zuvor waren die bis dahin noch vorhandenen Fundamente der Kirche freigelegt und dokumentiert worden.

Zitat

Zweite Kirche 1971 mini|Neue Christuskirche Nach langen Verhandlungen zwischen der katholischen Kirche und dem Rat der Stadt Rostock wurde nach dem Beschluss der Beseitigung der ersten Kirche ein Ersatzbau zugesagt, allerdings an einem nicht zentralen Platz. Dieser Bau wurde in einer Nebenstraße (Borenweg – Häktweg) südwestlich der Innenstadt vom Baukombinat Rostock in neunmonatiger Bauzeit errichtet.

Die Baukosten betrugen mehr als vier Millionen DDR-Mark. Die katholische Kirche musste den Großteil dieser Kosten tragen: 3,5 Millionen D-Mark zahlte die katholische Kirche der Bundesrepublik Deutschland für Kupferlieferungen an das DDR-Unternehmen Intrac, daraufhin stellte die DDR für das Bauprojekt 3,5 Millionen DDR-Mark bereit (Ob die Gesamtsumme bzw. welche Teilsumme davon tatsächlich für diesen Kirchenbau verwendet wurde, ist nicht belegt. Diese Verfahrensweise diente wenige Jahre später als Finanzierungsmuster für die umfangreichen Kirchenbauprogramme in der DDR.) Hinzu kamen 725.000 DDR-Mark aus Spendenkollekten katholischer Kirchgemeinden in der DDR.Georg Diederich: Aus den Augen, aus dem Sinn. Die Zerstörung der Rostocker Christuskirche 1971. Mit Dokumenten. Herausgegeben vom Heinrich-Theissing-Institut, Schwerin. Edition Temmen, Bremen 1997, S. 185f + 188, ISBN 3-86108-703-0

Die neue Christuskirche ist eine Hyparschalenkonstruktion von Ulrich Müther. Am 16. September 1970 erfolgte ihre Grundsteinlegung von Bischof Heinrich Theissing,Grundsteinlegung der neuen Christuskirche in Rostock. In: Tag des Herrn. Ausgabe 45/1970 vom 14. November 1970. und am 12. Juni 1971 wurde sie, ebenfalls von Bischof Heinrich Theissing, geweiht. An die Kirche schließt sich ein kreuzgangartiger Komplex von Gemeinderäumen an, die zum Innenhof hin mit Glaskunst bereichert sind. Das Ensemble steht unter Denkmalschutz.

Glocken Im Jahr der Kirchweihe goss die Glockengießerei Otto aus Hemelingen/Bremen drei Bronzeglocken (d′ – e′ – fis′) für die Rostocker Christuskirche. Pfarrer Leffers hatte sie bei Otto bestellt. Im Ersten Weltkrieg waren die beiden größeren Glocken eingeschmolzen worden. Als Ersatz bestellte Pfr. Leffers 1925 zwei neue Glocken (d′ – e′) bei Otto. Diese Glocken existieren heute noch und hängen neben der neuen Christuskirche in einem Glockenträger aus Beton.

Literatur Georg Diederich: Aus den Augen, aus dem Sinn. Die Zerstörung der Rostocker Christuskirche 1971. Mit Dokumenten. Herausgegeben vom Heinrich-Theissing-Institut, Schwerin. Edition Temmen, Bremen 1997, 240 Seiten, ISBN 3-86108-703-0 Heinrich-Theissing-Institut (Hrsg.), Katholische Christusgemeinde zu Rostock: Christuskirche, Katholische Gemeinde in Rostock im Wandel der Zeit. Heinrich-Theissing-Institut, Schwerin 2010

Siehe auch Kirchensprengungen in der SBZ und in der DDR Christuskirche Liste in der DDR errichteter Sakralbauten Kirchenbauprogramme in der DDR

Weblinks

www.christus-rostock.de Gegen das Vergessen: Die Zerstörung der Rostocker Christuskirche im Jahr 1971 Bilder des „Jüngsten Gerichts“ vor der Sprengung der Kirche 1971

Steffen Zimmermann: In der DDR wurden mindestens 60 Kirchen aus ideologischen Gründen zerstört: Wie die SED den Glauben aus den Herzen der Menschen sprengen wollte auf katholisch.de, abgerufen am 21. August 2024

Einzelnachweise

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