El-Lischt () ist ein Dorf in Ägypten, etwa 60 Kilometer südlich von Kairo auf der Westseite des Nils am Rand zur Libyschen Wüste. El-Lischt liegt im Markaz al-ʿAyāt des Gouvernement al-Dschiza, beim Zensus 2006 wurden 7163 Einwohner gezählt.

Direkt westlich an das Dorf el-Lischt angrenzend liegt eine altägyptische Nekropole. Sie besteht aus den königlichen Pyramidenbezirken der beiden Herrscher Amenemhet I. und Sesostris I. aus der 12. Dynastie sowie mehreren Mastaba-Gräbern hoher Beamter und hunderten einfachen Schachtgräbern.

Topografie Die Nekropole von Lischt wurde auf zwei Kalkstein-Plateaus errichtet, die durch ein etwa 500 m breites Wadi voneinander getrennt werden.Dieter Arnold: Middle Kingdom Tomb Architecture at Lisht. New York 2008, S. 63. Zudem gibt es zahlreiche kleinere Wadis, die vom südlichen Plateau nach Nordosten in Richtung des modernen Dorfs Lischt führen. Das südliche Plateau weist am südlichen Ende Steilhänge auf, die im Mittleren Reich als Steinbrüche genutzt wurden.Dieter Arnold: The Pyramid Complex of Senwosret I. New York 1992, S. 100.

Geschichte Die ältesten Monumente in Lischt sind eine Reihe von Felsgräbern an den südlichen Abhängen des nördlichen Plateaus. Sie wurden von den Ausgräbern der Pyramidenbezirke ursprünglich für Bauten des Mittleren Reichs gehalten. Bei genaueren Untersuchungen traten jedoch Fundstücke aus dem Alten Reich zutage.Ambrose Lansing: The Egyptian Expedition 1931–1932: The Museum's Excavations at Lisht. In: The Metropolitan Museum of Art Bulletin. Band 28, Nr. 4/2, April 1933, S. 21–22.

Der erste König (Pharao) der 12. Dynastie, Amenemhet I., errichtete aus politischen Gründen eine neue Hauptstadt, „Itji-taui“ genannt. Von hier aus war das Nildelta besser zu kontrollieren, und vielleicht hat bereits er geplant, das Sumpfgebiet des Fajum zu kultivieren. Itji-taui ist bis heute noch nicht genau lokalisiert worden und wird noch immer gesucht. Durch die Existenz zweier Pyramiden ist jedoch die dazugehörige Nekropole im heutigen el-Lischt bekannt und Itji-taui dürfte sich nicht weit davon entfernt befunden haben.

Die beiden Herrscher Amenemhet I. und Sesostris I., ließen ihre königlichen Gräber in el-Lischt errichten. Hier befinden sich auch die Grabanlagen der hohen unter diesen Herrschern amtierenden Beamten. Das Grab des Schatzmeisters Mentuhotep hatte sogar einen eigenen Aufweg. In der Grabkammer fand sich sein gut erhaltener reich verzierter Sarkophag.

El-Lischt blieb bis in die 13. Dynastie hinein eine wichtige Nekropole, nach der Regierungszeit von Sesostris I. wurden allerdings hauptsächlich einfache Schachtgräber angelegt. In der Zweiten Zwischenzeit wurden Teile des Bezirks der Amenemhet-I.-Pyramide zu einer Siedlung umfunktioniert. Später versank die Nekropole weitgehend in der Bedeutungslosigkeit. Erst in der Römerzeit wurden wieder einige Gräber und landwirtschaftliche Gebäude errichtet. Im Bereich direkt östlich des Totentempels der Amenemhet-I.-Pyramide erstreckt sich zudem ein ausgedehnter bis heute genutzter islamischer Friedhof.

Forschungsgeschichte Eine erste Dokumentation der Nekropole von Lischt führte 1839 John Shae Perring durch. Die Publikation erfolgte 1842 durch ihn selbst und durch Richard William Howard Vyse.John Shae Perring, E. J. Andrews: The Pyramids of Gizeh. From Actual Survey and Admeasurement. Band 3, Fraser, London 1843, S. 19, Tafel 17 (Online).John Shae Perring, Richard William Howard Vyse: Operations carried on at the Pyramids of Gizeh in 1837: With an Account of a Voyage into Upper Egypt, and Appendix. Band 3, Fraser, London 1842, S. 77–78 (Online). Carl Richard Lepsius besuchte el-Lischt während seiner Ägypten-Expedition 1842–1846 und dokumentierte zwischen März und Mai 1843 die dortigen Ruinen. Die beiden königlichen Pyramiden nahm er unter den Nummern LX und LXI in seine Pyramiden-Liste auf.Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien. Text. Erster Band. Unteraegypten und Memphis. Hrsg. von Eduard Naville und Ludwig Borchardt, bearbeitet von Kurt Sethe. Hinrichs, Leipzig 1897, S. 212–216 (Online).

Gaston Maspero stieß 1882 als Erster ins Innere der beiden Pyramiden vor.Gaston Maspero: Étude de mythologie et d'archéologie égyptiennes. Band 1, Paris 1893, S. 148–149 (Online). Erste systematische Ausgrabungen fanden 1894/95 unter Joseph-Étiennte Gautier und Gustave Jéquier statt.Joseph-Étiennte Gautier, Gustave Jequier: Fouilles de Lisht. In: Revue archéologique. Serie 3, Band 29, 1896, S. 39–70 (Online). Zwischen 1906 und 1934 grub hier in 14 Kampagnen ein Forschungsteam des Metropolitan Museum of Art unter der Leitung von Albert M. Lythgoe (1906–1914), Ambrose Lansing (1916–1918 und 1923–1934) und Arthur C. Mace (1920–1922), wobei damals außer Vorberichten keine Publikationen erschienen. Nachgrabungen gab es dann zwischen 1984 und 1991 unter Dieter Arnold. Bereits 1988 legte er die erste vollständige Grabungspublikation der Sesostris-I.-Pyramide vor.Dieter Arnold: The Pyramid of Senwosret I. Metropolitan Museum of Art, New York 1988 (Online). 1992 folgte unter Mitarbeit seiner Ehefrau Dorothea Arnold und seines Sohnes Felix Arnold ein weiterer Band zum Pyramidenkomplex.Dieter Arnold: The Pyramid Complex of Senwosret I. Metropolitan Museum of Art, New York 1992 (Online). Felix Arnold legte zudem 1990 einen Band zu den im Pyramidenkomplex gefundenen Arbeiter-Inschriften vor.Felix Arnold: The South Cemeteries of Lisht II. The Control Notes and Team Marks. Metropolitan Museum of Art, New York 1990 (Online). 2008 folgte ein weiterer Band Dieter Arnolds zu den Mastaba-Gräbern in Lischt.Dieter Arnold: Middle Kingdom Tomb Architecture at Lisht. Metropolitan Museum of Art, New York 2008 (Online). Eine Gesamtpublikation zur Amenemhet-I.-Pyramide erfolgte 2016 in Form eines Bandes von Dieter Arnold zur Architektur des PyramidenkomplexesDieter Arnold: The Pyramid Complex of Amenemhat I at Lisht. The Architecture. Metropolitan Museum of Art, New York 2016. und eines weiteren Bandes von Peter Jánosi zu den Reliefs.Peter Jánosi: The Pyramid Complex of Amenemhat I at Lisht. The Reliefs. Metropolitan Museum of Art, New York 2016.

Weitere Grabungen in Lischt führte 1991–1994 Ahmed Abdel-Hamid durch.Dieter Arnold: Lisht. In: The Oxford Encyclopedia of Ancient Egypt. 2001, S. 296. Während der Revolution in Ägypten 2011 wurde die Nekropole Opfer massiver illegaler Grabungen. Zur Bestandsaufnahme der Schäden wertet Sarah Parcak von der University of Alabama seit 2011 Satellitenbilder aus. Im Mai 2015 erfolgte eine Dokumentation vor Ort, bei der Parcak mehrere bislang unbekannte Schachtgräber entdeckte, die von den Raubgräbern freigelegt worden waren.Sarah Parcak: Archaeological Looting in Egypt: A Geospatial View (Case Studies from Saqqara, Lisht, and el Hibeh). In: Near Eastern Archaeology. Band 78/3, 2015, S. 199–202. In Zusammenarbeit mit dem ägyptischen Antikenministerium erfolgten weitere, noch andauernde Untersuchungen, die von Parcak und Mohamed Youssef, dem Direktor der archäologischen Stätte von Dahschur, geleitet werden. Hierbei wurde im Februar 2016 südlich der Sesostris-I.-Pyramide die bislang unbekannte Grabanlage des hohen Beamten Intef der 12. Dynastie entdeckt. Intef trug die Titel eines Siegelbewahrers, eines Schatzhausvorstehers und des Vorstehers der Armee.Nevine El-Aref: Egyptian Middle Kingdom tomb discovered at El-Lisht. In: Ahram Online. 23. Februar 2016.Gallery: Archaeological mysteries hidden in satellite images. Auf: ideas.ted.com vom 17. Februar 2016.

Grabmonumente in el-Lischt

Lischt-Nord Felsgräber des Alten Reichs Die Gräber des Alten Reichs befinden sich an den südlichen Hängen des nördlichen Plateaus und sind bislang nur unzureichend erforscht worden. Die einzige Untersuchung fand während der Grabungssaison 1931/32 des Metropolitan Museums statt, da die Gräber als provisorische Unterkünfte für Arbeiter hergerichtet wurden, die an den Ausgrabungen im Bezirk der Sesostris-I.-Pyramide beteiligt waren. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden nur in einem Vorbericht vorgestellt, der keine Angaben zur genauen Zahl, Lage oder zu den Abmessungen der Gräber enthält. Die Gräber wurden zunächst für Bauten des Mittleren Reichs gehalten. Es stellte sich jedoch rasch heraus, dass ihre annähernd quadratischen Grabkammern zu klein für einen typischen Sarg des Mittleren Reichs waren. Eines der Gräber wies im Boden der Kammer vier Gruben auf. In einer von ihnen wurden eine runde Alabaster-Tafel, ein Kupfer-Becken und ein Krug aus Keramik entdeckt, die alle ins Alte Reich datieren. Weiterhin wurden in diesem Grab noch mehrere römerzeitliche Begräbnisse vorgefunden. Im Vorhof eines weiteren Grabes wurden eine gut erhaltene Opfertafel und eine durch Salz stark verwitterte Stele entdeckt. Einige weitere untersuchte Gräber enthielten keine Funde.Ambrose Lansing: The Egyptian Expedition 1931–1932: The Museum's Excavations at Lisht. In: The Metropolitan Museum of Art Bulletin. Band 28, Nr. 4/2, April 1933, S, 22, Abbildungen 19, 20.

Die Amenemhet-I.-Pyramide mini|Die Amenemhet-I.-Pyramide

Mastabas des Mittleren Reichs im Umfeld der Amenemhet-I.-Pyramide Grab 384 des Rehuerdjersen (Schatzmeister) Mastaba 400 des Antefiqer (Wesir, Bürgermeister der Pyramidenstadt) Grab 470 des Senimeru (Siegelbewahrer) Grab 493 des Nacht (Obervermögensverwalter, Siegelbewahrer) Grab 758 des Sesostris (Wesir, Oberster Vorlesepriester, Vorsteher der Arbeiten) Grab 954 (Gemeinschaftsgrab) Grab 956 (Gemeinschaftsgrab?) Schacht LN 386 der Nebit, HausvorsteherJames P. Allen: Inscriptions from Lisht: Texts from Burial Chambers. New York 2021, S. 7. Schacht 412 (Königssohn Hepu) Schacht 427 der Renseneb, Herrin des Hauses und des SahtahorJames P. Allen: Inscriptions from Lisht: Texts from Burial Chambers. New York 2021, S. 158. Schacht LN 503 der Henutipu, Herrin des Hauses, des Sehetepib, des User und der Neni Satchui desJames P. Allen: Inscriptions from Lisht: Texts from Burial Chambers. New York 2021, S. 2, 8–9. Schacht LN 706 des ByJames P. Allen: Inscriptions from Lisht: Texts from Burial Chambers. New York 2021, S. 2. Schacht LN 503 des MeriJames P. Allen: Inscriptions from Lisht: Texts from Burial Chambers. New York 2021, S. 7. Schacht LN 513 des MemuJames P. Allen: Inscriptions from Lisht: Texts from Burial Chambers. New York 2021, S. 7. Schacht LN 600 B der HenutamaatJames P. Allen: Inscriptions from Lisht: Texts from Burial Chambers. New York 2021, S. 3–4. Schacht LN 609, des SahathorJames P. Allen: Inscriptions from Lisht: Texts from Burial Chambers. New York 2021, S. 15. Schacht LN 625 des Sii, Schreiber der TruppenJames P. Allen: Inscriptions from Lisht: Texts from Burial Chambers. New York 2021, S. 16. Schacht LN 779 des Debeheni, Vorsteher der FaiencearbeiterJames P. Allen: Inscriptions from Lisht: Texts from Burial Chambers. New York 2021, S. 2. Schacht LN 799, der Sut, Herrin des HausesJames P. Allen: Inscriptions from Lisht: Texts from Burial Chambers. New York 2021, S. 10. Schacht LN 854 des AmeniJames P. Allen: Inscriptions from Lisht: Texts from Burial Chambers. New York 2021, S. 7. Schacht LN 865 des Jauib Intef, Vorsteher von UnterägyptenJames P. Allen: Inscriptions from Lisht: Texts from Burial Chambers. New York 2021, S. 3. Schacht LN 954 der SatsobekJames P. Allen: Inscriptions from Lisht: Texts from Burial Chambers. New York 2021, S. 17. Schacht LN 979 des Mentu...James P. Allen: Inscriptions from Lisht: Texts from Burial Chambers. New York 2021, S. 7. Gräber unbekannter Lage in Lischt-Nord Grab des Sobeknacht (Oberster Obervermögensverwalter) Grab des Inherethetep (Siegelbewahrer) Grab des Sehetepibreseneb (Wab-Priester) zwei anonyme Gräber

Lischt-Süd Die Sesostris-I.-Pyramide mini|Die Sesostris-I.-Pyramide

Die Sesostris-I.-Pyramide besitzt eine Kultpyramide und neun Königinnenpyramiden.

Mastabas und Gräber des Mittleren Reichs im Umfeld der Sesostris-I.-Pyramide Mastaba des Senwosretanch (Hohepriester des Ptah)