Das ehemalige Zisterzienserkloster der Heiligen Maria von Alcobaça, O Mosteiro de Santa Maria de Alcobaça, oder auch Die königliche Abtei von Alcobaça, A Real Abadia de Alcobaça, Weltkulturerbe seit 1989, ist eine der größten Klosteranlagen Portugals mit der auch heute noch größten Kirche des Landes. Sie liegt in der gleichnamigen Stadt Alcobaça in der historischen Provinz Estremadura, etwa 100 km nördlich von Lissabon. Über viele Jahrhunderte galt die mit einem eigenen Herrschaftsgebiet beliehene Abtei als geistliches Zentrum des Landes, und sein Abt gehörte zu den wichtigsten Ratgebern des Königs. Sie wurde 1153 vom ersten portugiesischen König Afonso I. Henriques gestiftet. Der Sage nach hatte Afonso Henriques der Gottesmutter Maria gelobt, ihr ein Kloster zu stiften, falls es ihm bei seinem Befreiungskampf gegen die Mauren (Reconquista) gelinge, deren bedeutende Festung Santarém einzunehmen. Dies gelang ihm im Jahre 1147, so dass er, um sein Versprechen zu erfüllen, das Gebiet von Alcobaça dem Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux schenkte, was tatsächlich urkundlich im Jahre 1153 erfolgte. Im Königssaal des Klosters ist diese Geschichte auf blauen Wandfliesen (Azulejos) aus dem 18. Jahrhundert nacherzählt. 25 Jahre nach der Stiftung wurde 1178 mit dem Bau des Klosters durch die Zisterzienser begonnen und eines der reichsten und mächtigsten Klöster dieses Ordens geschaffen.Cocheril,Alcobaça, Abadia Cisterense de Portugal. Alcobaça 1981 Deposito Legal 30 258/89, S. 19 Das Kloster, 1833 von den Mönchen aufgegeben, ist heute eine der attraktivsten historischen Sehenswürdigkeiten Portugals mit über 250.000 Besuchern im Jahr.
mini|300px|Kloster Hauptfront mini|300px|Kloster Südseite mit Bibliothek
Geschichtlicher Hintergrund mini|hochkant|Afonso I Henriques, Statue 1716, Fassade Dormitorium
Die Gründung des Klosters von Alcobaça steht in einem engen Zusammenhang mit der Gründungsgeschichte des Staates Portugals und die Geschichte der Abtei spiegelt nicht weniger diejenige des Staates wider.
Portugals Geburt Afonso Henriques, geboren 1108, beteiligte sich schon in jungen Jahren als Graf von Portugalia an der Reconquista. Mit zwölf Jahren schlug er sich selbst zum Ritter und rüstete eine kleine Armee aus, mit der er von seiner portugiesischen Grafschaft im Norden (Guimarães) sehr erfolgreich nach Süden vordrang. 1131 verlegte er bereits seine Residenz nach Coimbra und brachte 1139 in der Schlacht von Ourique den Mauren eine große Niederlage bei. Hierauf krönte er sich selbst zum König von Portugal und entband sich damit von der Oberhoheit von Alfonso VII., dem König von Kastilien. Das führte zu Auseinandersetzungen zwischen Portugal und Kastilien. Unter Einschaltung eines päpstlichen Legaten erkannte im Jahre 1143 Alfonso von Kastilien die Unabhängigkeit Portugals an.
Päpstliche Anerkennung Noch wichtiger aber musste Afonso Henriques die formelle Anerkennung seines Königtums durch den Papst sein, zu dessen Herbeiführung er sich der Unterstützung von Bernhard von Clairvaux bedient haben sollkritisch dazu Nobre de Gusmão, A real Abadia de Alcobaça. Lisboa 2. Aufl. 1992, ISBN 972-24-0835-6, S. 45–49. Dieser war als Abt und Gründer der Zisterzienser-Abtei von Clairvaux einer der einflussreichsten Kirchenmänner seiner Zeit, im Jahre 1145 bestieg mit Eugen III. erstmals ein Zisterzienser den Papststuhl. Im Jahre 1144 hatte Afonso Henriques den Zisterziensern bereits Kloster Tarouca in Nordportugal überlassen. Nachdem er im Jahre 1147 mit der Befreiung von Santarém, Lissabon, Sintra, Almada und Palmela große Gebietsgewinne erzielt hatte, drängte die päpstliche Anerkennung umso mehr, die im Jahre 1153 noch zu Lebzeiten von Bernhard von Clairvaux – es war die letzte Klostergründung, die er vor seinem Tod verfügte – und des Papstes Eugen III. durch die Schenkung von Alcobaça Auftrieb erhalten sollte. Es handelte sich dabei um ein Gebiet von knapp 500 km², das etwa dem heutigen gleichnamigen Landkreis und dem von ihm an der Atlantikküste eingeschlossenen Landkreis Nazaré sowie einem Teil des Landkreises Caldas da Rainha entsprach und zwischen dem 613 Meter hohen Gebirge Serra de Candeeiros und der Atlantikküste liegt. Die Anerkennung erfolgte aber erst im Jahre 1179 durch eine Bulle des Papstes Alexander III. Im Königssaal des Klosters (s. u.) ist in einer aus dem 18. Jahrhundert stammenden Gruppe aus lebensgroßen Tonfiguren die imaginäre Krönung von Afonso Henriques durch Bernhard von Clairvaux und Papst Innozenz II. (1130–1143) dargestellt.
Besiedlungspolitik Abgesehen von diesem besonderen Anlass entsprach die Überlassung von Teilen des von den Mauren infolge der Reconquista erzielten Gebietsgewinns an Klöster auch einer allgemeinen Besiedlungspolitik, um das besetzte Land zu befrieden und die neuen Untertanen zuverlässig zu bekehren. So wurden auf den Spuren des Befreiungskampfes von Afonso Henriques 1127 Vimieiro an Cluny und 1128 Soure den Templern geschenkt, 1131 das Kloster Santa Cruz in Coimbra gegründet, den Templern 1159 Tomar und 1169 schließlich ein Drittel des im Alentejo eroberten Landes überlassen; 1172 erhielt der Orden von Santiago das Kastell Arruda bei Évora.
Geschichte des Klosters Mittelalterliches Kloster mini|Ruinen des Kastells Die Zisterzienser nahmen mit zwölf Mönchen und einem Abt, entsprechend der Ordensregel über die Mindestgröße einer Abtei, von dem Stiftungsland alsbald Besitz und errichteten nur wenige hundert Meter von dem heutigen Kloster entfernt die provisorische Abtei Santa Maria a Velha am Ufer des Flusses Alcoa, von der heute noch die Kirche Nossa Senhora da Conceição (Maria Empfängnis) zeugt. Als 1178 mit dem Bau der Kirche und den ersten Klosteranlagen begonnen wurde, war das Gebiet noch keineswegs befriedet, und Maureneinfälle verzögerten immer wieder den Baufortschritt. Bei dem Massaker von 1195, als in Pederneira (heute Nazaré) landende Muselmanen aus Marokko das im Aufbau befindliche Kloster überfielen, wurden alle dort arbeitenden 95 Mönche umgebracht. Schutz fanden die Mönche vor allem in einer unmittelbar benachbarten Festung, dem Castelo von Alcobaça, einer alten Maurenburg, nach anderer Meinung auch schon wisigotischen Ursprungs (der West-Goten), die Afonso Henriques und sein Nachfolger Sancho I. hatten wiederherstellen lassen. Von dem Castelo sind heute noch die Außenmauern erhalten. Mit Hilfe des Abtes der Zisterzienserabtei Oseira im damals kastilischen Galicien, Don Fernando Yáñez, wurde das durch den Überfall stark dezimierte Kloster Alcobaça wiederbelebt.Seite des Klosters Oseira, Geschichte, abgerufen am 23. März 2018 (spanisch); Yáñez Neira D.: VIII centenario de los mártires de Alcobaça : 1195-1995. In: Cisterercium , 1995, S. 557–576; vgl. auch Yáñez Neira. D: Protagonismo del monasterio de Oseira en Alcobaça. In: Compostellanum, 40, 1-2 (1993) S. 13–20 Am 6. August 1223 verließen die Mönche die alte Abtei und bezogen das neue Kloster. Das Grab des 1223 verstorbenen dritten Königs von Portugal, Afonso II., wurde 1224 bereits in der neuen Kirche aufgenommen, die selbst aber erst 1240 im Wesentlichen vollendet und 1252 geweiht wurde.
Coutos de Alcobaça Hauptartikel: Coutos de Alcobaça mini|hochkant|Schandpfahl in Aljubarrota 1514 Der den Zisterziensern überlassene Landstrich, der im maurischen Grenzgebiet lag, war wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen vermutlich landwirtschaftlich kaum genutzt. Die Mönche begannen sogleich mit seiner Besiedlung durch die Einrichtung von Meierhöfen, nie weiter als einen Tagesmarsch vom Kloster entfernt, in der Form von coutos (lat. cautum: für Sicherheit), eine Art von Gemeindegründungen unter klösterlicher Anleitung und Aufsicht. Die dortigen Siedler erhielten nach ein paar Jahren eigene Nutzungsrechte und mussten der Abtei Abgaben entrichten. Die ersten Gründungen, wie die von Aljubarrota, erfolgten bereits ab 1164/1167, die letzten noch im 15. Jahrhundert. Von diesen Meierhöfen ist als einziger noch die Quinta do Campo auf dem Gebiet der schon zum Landkreis Nazaré gehörenden Gemeinde Valado dos Frades in seiner Grundstruktur erhalten. Der Hof ist bereits im 13. Jahrhundert nachgewiesen, vermutlich aus dem 12. Jahrhundert stammend und bei Trockenlegung der dortigen Sümpfe entstanden. Ab dem 14. Jahrhundert betrieben die Mönche dort eine Schule für Land- und Wasserwirtschaft. Die Anlage dient heute touristischen Zwecken. Die meisten Ortschaften in den heutigen Landkreisen Alcobaça und Nazaré gehen auf solche Ansiedlungen zurück, wovon die jeweils als Erstes errichteten Kirchen und Kapellen sowie die die eigene Gerichtsbarkeit der Abtei verkündenden Schandpfähle, Pelourinhos genannt (Arme-Sünder-Säulen), zeugen. Der Abt von Alcobaça erhielt das königliche Privileg, dass seine Urteile der königlichen Revision entzogen waren, so dass auch manche Flüchtlinge dort Schutz selbst vor dem König fanden, anfangs auch mancher dort angesiedelte StraftäterCocheril, S. 27. Die Mönche kultivierten und besiedelten auf diese Weise zügig das Land und verfügten bald in Form der Coutos de Alcobaça über eine selbständige geistliche und weltliche Herrschaft. Schon im 13. Jahrhundert besaß das Kloster zwei Häfen (Alfeizerão/São Martinho do Porto und Pederneira, heute ein Teil Nazarés) von denen aus sie auch Fischfang betrieben. Dort verschifften sie bereits zu dieser Zeit Wein und Salz, das sie in den Salinen einer damals sich von Pederneira (Nazaré) bis wenige Kilometer vor Alcobaça erstreckenden Lagune gewannen, später kamen Oliven und hieraus erzeugtes Öl, Nüsse, Trockenobst sowie Holz dazu. 1368 und 1374 wurde durch eine Schenkung von König Fernando I. die Herrschaft der Abtei um Gebiete bei Paredes da Vitória und Pataias erweitert. Der klösterlichen Herrschaft unterstanden schließlich 19 Ortschaften, von denen 13 zu Städten (vilas) wurden, wie Aljubarrota (1164/1167), Alvorninha (1210), Pederneira (1236/1238), São Martinho do Porto (1257), Paredes da Vitória (1282), Évora de Alcobaça (1285), Cela Nova (1286), Salir de Matos (wahrscheinlich 13. Jahrhundert), Cós (1301), Maiorga (1303), Santa Catarina (1307), Turquel (1314), und Alfeizerão (1332, das aber schon zur maurischen Zeit existierte).J. Veira Natividade, Obras Várias, Alcobaça, Bd. II, As Granjas do Mosteiro de Alcobaça, S. 62–64; vgl. auch Saul António Gomes, Um Manuscrito ilumindado alcobacense trecentista: o Caderno dos Forais do Couto, PDF Noch heute prägt diese Siedlungsstruktur den Landkreis Alcobaça, wo die meisten Gemeinden, wie Alcobaça selbst, überwiegend zwischen 3000 und 6000 Einwohner aufweisen. Wegen der Erfahrung der Mönche bedienten sich die Könige deren Hilfe auch in anderen Landesteilen, wie z. B. bei der Trockenlegung von Sümpfen, wo die Abtei mit Gütern belehnt wurde.
Machtzuwachs Der wirtschaftliche Erfolg sorgte für beachtlichen Zuzug, weswegen die klösterlichen Anlagen ständig erweitert wurden. So wurde der heute als mittelalterlich geltende unmittelbar nördlich der Kirche gelegene Teil ausgebaut. Wie neuere Ausgrabungen vor der Jahrhundertwende nahelegen, wurde wahrscheinlich schon im 14. Jahrhundert auf der Südseite der Kirche mit der Errichtung weiterer Gebäude, vermutlich eines zusätzlichen Kreuzgangs, samt ihn umschließenden Anlagen, begonnen, wovon der heutige Südflügel des Klosters ein Teil war.Tavares, Mosteiro de Alcobaça, O Claustro Sul no Mosteiro de Alcobaça. Relatório CB 25, Instituto Português do Património Arquitectónico, 1999, IPPA; derselbe, Hidráulica, Linhas Gerais de Sistema Hidráulico Cisterciense em Alcobaça. in: Roteiro Cultural da Região de Alcobaça. S. 39–109, Alcobaça 2001, ISBN 972-98064-3-8, S. 81 Bislang hatte man angenommen, dass dieser Flügel erst im 18. Jahrhundert hinzugefügt worden sei, als die gesamte Westfront der Klosteranlage mit einer barocken Fassade versehen wurde.