Die Fußball-Regionalliga 1963/64 war die erste Saison dieser Liga. Sie war die Spielklasse unterhalb der 1. Bundesliga. Absteiger aus der Regionalliga landeten in den Amateurklassen der Landesverbände, den (schon vorher bestehenden) 1. Amateurligen, die etwa den heutigen Verbandsligen entsprechen.
Geschichte Bis 1963 existierten in Deutschland als oberste Ligen fünf Oberligen. Als dann die Fußball-Bundesliga eingeführt wurde und damit die Oberligen als erste Ligen abgeschafft wurden, etablierte der DFB als zweite Liga fünf Regionalligen. Die besten 16 Mannschaften der einzelnen Oberligen qualifizierten sich für die Bundesliga, aus den restlichen Mannschaften sowie aus den Führenden der 2. Division (im Norden nur aus den Amateurligen) wurde die Regionalliga zusammengestellt.
Verantwortlich für die einzelnen Regionalligen waren die Regionalverbände: Für Nord – Norddeutscher Fußball-Verband, für West – Westdeutscher Fußball- und Leichtathletikverband, Südwest – Fußball-Regional-Verband Südwest, Süd – Süddeutscher Fußball-Verband und Berlin – Verband Berliner Ballspielvereine. Die besten Mannschaften der einzelnen Regionalligen spielten in zwei jeweils vier Mannschaften umfassenden Aufstiegsrunden die beiden Aufsteiger in die Bundesliga aus.
Die Neu-Einteilung des deutschen Fußballs wird von vielen damaligen Beobachtern als hektisch und chaotisch geschildert. Zwischen Bundesliga und Regionalliga bestanden die Unterschiede Lizenzspieler (Bundesliga) und Vertragsspieler (Regionalliga). „Was erstere sich einzeln ins Portemonnaie stecken, muss bei letzteren erst durch elf geteilt werden.“ Entsprechend war die Tendenz Abwanderung von Spielern in die Bundesliga vor Saisonbeginn. Hiervon besonders betroffen waren in der Regionalliga West die Vereine SW Essen und Bayer Leverkusen.
Nord Saisonverlauf Die Regionalliga Nord setzte sich im Debütjahr 1963/64 aus den 13 verbliebenen Oberligisten der Runde 1962/63 (VfR Neumünster, Holstein Kiel, St. Pauli, VfL Osnabrück, VfV Hildesheim, Hannover 96, Arminia Hannover, Bergedorf 85, VfB Oldenburg, Bremerhaven 93, SC Concordia, FC Altona 93, VfB Lübeck) und fünf Aufsteigern aus dem Amateurlager (SC Victoria Hamburg, VfL Wolfsburg, SV Friedrichsort, VfL Oldenburg, Barmbek-Uhlenhorst) zusammen. Am 11. August 1963 startete die Nord-Liga. Vor 7.000 Zuschauern bezwang St. Paul im Stadtderby Altona 93 mit 4:1 Toren. Hannover 96 setzte sich mit dem neuen Mittelstürmer Walter Rodekamp klar mit 4:0 Toren bei Victoria Hamburg durch, wogegen der Lokalrivale Arminia Hannover mit seiner hochkarätigen Offensive um Lothar Ulsaß, Gerhard Elfert und Helmut Kafka im Heimspiel vor 7.500 enttäuschten Zuschauern gegen den Aufsteiger VfL Oldenburg nicht über ein 0:0 hinaus kam. Nach dem 17. Spieltag hatte überraschend FC Altona 93 die Spitzenposition mit 27:7 Punkten inne, doch in der Rückrunde ging dem Team um Heiko Kurth die Luft aus, denn nur 17:17 Punkte machten alle Meisterschaftschancen zunichte. St. Pauli dagegen erspielte sich mit 26:8 bzw. 25:9 Punkten verdient die Meisterschaft. Hannover 96 holte sich die Vizemeisterschaft, den Titel verloren die Niedersachsen durch sechs Auswärtsniederlagen, wogegen sich St. Pauli mit Spielführer Ingo Porges nur in drei Auswärtsbegegnungen geschlagen gab. Arminia Hannover vergab mit der Heimbilanz von 24:10 Punkten (Heimniederlagen gegen St. Pauli und Altona 93 und sechs Remis) den Einzug in die Bundesliga-Aufstiegsrunde. Lokalderbys prägten die Runde im Norden. In Hamburg spielten St. Pauli, Altona, Victoria, Bergedorf, Barmbek und Concordia gegeneinander. Auch in Hannover (96 und Arminia), Kiel (Holstein und Friedrichsort) und Oldenburg (VfB und VfL) fanden Stadtderbys statt. Am letzten Spieltag, den 3. Mai 1964, hielten der SV Friedrichsort mit einem 2:1-Heimerfolg gegen Bremerhaven 93 und Concordia Hamburg mit einem 1:1-Unentschieden bei Arminia Hannover die Klasse. Die Torschützenliste führten Horst Haecks (FC St. Pauli) mit 36, Walter Rodekamp (Hannover 96) mit 33 und Lothar Ulsaß (Arminia Hannover) mit 30 Treffern an. Verträge zur Runde 1964/65 für die Bundesliga erhielten die Spieler: Heiko Kurth (Altona 93) Manfred Greif (Holstein Kiel) Lothar Ulsaß (Arminia Hannover) Horst-Dieter Berking (Bremerhaven 93) Heiner Klose (VfV Hildesheim)
Abschlusstabelle mini|Gebiet der Regionalliga Nord
(N) Aufsteiger aus der 1. Amateurliga 1962/63
Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord
Gruppe A
Die Amateure des Hamburger SV waren als Hamburger Meister nicht teilnahmeberechtigt. Es rückte der Tabellendritte Rasensport Harburg nach.
Gruppe B
Die punktgleichen Mannschaften aus Göttingen und Pinneberg ermittelten in einem Entscheidungsspiel den Aufsteiger aus der Gruppe B. Das Spiel fand am 14. Juni 1964 im Bremer Burgwall-Stadion statt.
Berlin Saisonverlauf mini|Gebiet der Regionalliga Berlin Die Regionalliga Berlin setzte sich in der Startrunde 1963/64 aus sieben Vereinen der vorherigen Vertragsliga Berlin (Tasmania Berlin, Tennis Borussia, Spandauer SV, Hertha Zehlendorf, Wacker 04, BFC Südring, Berliner SV 92) und drei Aufsteigern aus dem Amateurlager (Blau-Weiß 90, SC Union 06, Reinickendorfer Füchse) zusammen. Der Berliner Meister der Jahre 1959, 1960 und 1962, Tasmania 1900, ging als klarer Favorit in die Runde, die am 18. August 1963 startete. Durchgeführt wurde die Meisterschaft in drei Runden zu je neun Spielen. Nach 27 Spieltagen kamen Tasmania und Tennis Borussia exakt auf 73:22 Tore. „Tas“ holte sich aber mit 46:8 zu 42:12 Punkten gegenüber „TeBe“ die Meisterschaft. Erstaunlicherweise holten die „Veilchen“ aus dem Mommsenstadion in den drei direkten Duellen gegen den Meister 4:2 Punkte und verloren dabei kein Spiel. Die zweite Niederlage gab es für den Meister aus dem Sportpark Neukölln am 12. Januar 1964 mit einer 1:2-Heimniederlage gegen Wacker 04. Wolfgang Neumann gelang in der 58. Minute lediglich der Anschlusstreffer zum 1:2 für den späteren Meister. Absteiger in die Amateurliga wurde der Tabellenletzte SC Union 06 Berlin.
Beim ersten West-Berliner Regionalligameister kamen folgende Spieler zum Einsatz: Klaus Basikow (27), Hans-Jürgen Bäsler (25-2), Eckhardt Peschke (25), Heinz Fischer (25-24), Wolfgang Neumann (24-11), Klaus Konieczka (23-2), Hans-Günter Becker (22-1), Horst Talaszus (21), Wolfgang Rosenfeldt (21-9), Erich Reimer (21-13), Horst Greuel (17), Helmut Fiebach (17-4), Erwin Bruske (14-7), Jürgen Linder (6), Wulf-Ingo Usbeck (6), Bernd Schwier (3), Bernd Brückner (1).Hanns Leske: Der ewige Letzte. Die wahre Geschichte der Tasmanen. Tasmania Berlin. Agon Sportverlag. Kassel 2011. ISBN 978-3-89784-369-1. S. 215
Die Torschützenliste wurde von Heinz Fischer (Tasmania) mit 24 Toren vor Helmut Beekmann (Tennis Borussia) und Siegfried Zacher (Spandauer SV) mit je 17 Treffern angeführt. Zur Runde 1964/65 wechselte Michael Krampitz von Hertha Zehlendorf in die Bundesliga, indem er einen Vertrag bei Hertha BSC unterschrieb. Den besten Zuschauerzuspruch hatte die Paarung Tasmania 1900 gegen Hertha Zehlendorf mit 2.170 Interessierten.
Abschlusstabelle mini|Lage West-Berlins innerhalb Deutschlands
(N) Aufsteiger aus der Amateurliga Berlin 1962/63
West Saisonverlauf Die Regionalliga West umfasste 20 Mannschaften. Vor dem Start in das Premierenjahr der Regionalliga verloren etliche Vereine im Sommer 1963 wertvolle Spieler: Bayer Leverkusen (Heinz Höher, Uwe Klimaschefski, Manfred Manglitz); Schwarz-Weiß Essen (Theo Klöckner, Heinz Steinmann, Horst Trimhold, Manfred Rummel); Viktoria Köln (Klaus Matischak, Carl-Heinz Rühl); Westfalia Herne (Otto Luttrop, Rudolf Pöggeler, Hans Tilkowski); Sportfreunde Hamborn 07 (Horst Podlasly, Werner Rinass, Rolf Schafstall); Borussia Mönchengladbach (Franz Brungs); Rot-Weiss Essen (Otto Rehhagel); RW Oberhausen (Willi Wrenger), VfB Bottrop (Diethelm Ferner).
Klarer Meisterschaftsfavorit war die trotz sportlicher Qualifikation über die Zwölfjahreswertung nicht für die Bundesliga nominierte Alemannia aus Aachen (5. Platz der Oberliga West 1962/63). Die Tivoli-Mannschaft von Trainer Oswald Pfau wurde diesen Ansprüchen voll gerecht und entschied die Meisterschaft bereits in der Vorrunde mit 31:7 Punkten für sich. Da half den Verfolgern Wuppertaler SV, Fortuna Düsseldorf und TSV Marl-Hüls auch die etwas schwächere Rückrundenbilanz mit 28:10 Punkten nicht mehr. In der Herbstserie verlor die Alemannia nur die zwei Auswärtsspiele bei Viktoria Köln (Trainer Hennes Weisweiler) und bei den Sportfreunden Siegen (Trainer Herbert Schäfer). In der Rückrunde unterlag die Mannschaft um Kapitän und Torjäger Josef Martinelli zwar innerhalb einer Woche Marl-Hüls und RW Oberhausen (12. und 19. April 1964), aber mit 13 Siegen wurde trotzdem ein beruhigender Vorsprung von sieben Punkten gehalten und damit in die Bundesligaaufstiegsrunde eingezogen.
Trainer Robert Gebhardt führte dagegen überraschend den 15. der Oberliga des Jahres 1963, den Wuppertaler SV, zur Vizemeisterschaft. Beflügelt durch die Erfolge im DFB-Pokal 1963 – im Viertelfinale gelang ein 1:0-Erfolg gegen Borussia Neunkirchen und das Halbfinalspiel am 7. August gegen den Hamburger SV vor 38.000 Zuschauern im Stadion am Zoo wurde nur knapp mit 0:1 Toren verloren – gelang den Bergischen ein Start mit 19:3 Punkten und sie verloren erst nach der 0:1-Niederlage am 20. Oktober 1963 beim VfB Bottrop die Tabellenführung an Aachen. Gegen den größten Rivalen um die Vizemeisterschaft, Fortuna Düsseldorf, gelang am 19. April 1964 vor 40.000 Zuschauern ein klarer 4:0-Erfolg und damit eine Vorentscheidung um den zweiten Platz.
Vor dem 38. Spieltag ergab sich an der Spitze eine spannende Konstellation zwischen dem Wuppertaler SV und Fortuna Düsseldorf. Sofern die Wuppertaler ihr Abschlussmatch gegen den STV Horst-Emscher mit 1:0 gewannen (was sie auch taten), benötigte Fortuna Düsseldorf bei Westfalia Herne einen 7:0-Auswärtssieg. Als es nach 79 Minuten noch 1:1 stand, lieferte ein Foul des Herners Gerhard Clement an Albert Görtz, dem Torwart der Fortuna, den Anlass für „eine der größten Schlägereien der Regionalliga-Geschichte.“
Der TSV Marl-Hüls, 16. der Oberligarunde 1962/63, erzielte zwar nur 56 Treffer, erreichte aber damit Rang vier der Abschlusstabelle. Bei Heimspielen blieb die Mannschaft 36 Spieltage lang ohne Niederlage. Sogar die bis zum Schlusstag um den Abstieg kämpfenden Mannschaften aus Horst-Emscher (56), Herten (55), Bottrop (53) und Siegen (69!) konnten da auf Augenhöhe agieren. Die Mannschaft um den überragenden Mittelfeldspieler Heinz van Haaren konnte aber auf die gute Defensive bauen, die nur 41 Gegentreffer zuließ.
Borussia Mönchengladbach, trainiert von Fritz Langner, besaß die jüngste Mannschaft der Regionalliga West mit 22,8 Jahren im Durchschnitt. Aus der eigenen Jugendmannschaft, die 1962 Westdeutscher Jugendmeister geworden war, kamen die Spieler Horst-Dieter Höttges, Walter Wimmer und Herbert Laumen neu in die erste Mannschaft. Vom Lokalrivalen 1. FC Mönchengladbach stieß der damals achtzehnjährige Günter Netzer zur Mannschaft. Er wirkte in 35 von 38 Spielen mit, erzielte 9 Saisontore und verbuchte am 4. August 1963 das erste Regionalliga-Tor der „Mönche“: Bei der 1:2-Niederlage bei RW Oberhausen hatte er die 1:0-Halbzeitführung besorgt. Insbesondere der durchschlagkräftige Sturm sorgte bei den Heimspielen für torreiche Siege, so beim 6:1 über den Lüner SV, beim 5:0 über Arminia Bielefeld und beim 5:1 über SW Essen und über RW Essen. Dem standen allerdings 6 Heimniederlagen sowie unnötige Punktverluste gegen unterklassige Mannschaften gegenüber. Am Ende reichte es zu Platz 8.