mini|280 px|Töpfermarkt mit Reisstroh mini|280 px|Der Taumadhi-Platz mit seinen stadtbildprägenden Pagodentempeln Bhaktapur ( „Stadt der Frommen“) oder Khwopa (newari ) ist neben Kathmandu und Lalitpur die dritte und kleinste der Königsstädte des Kathmandutals in Nepal. Bei der Volkszählung 2021 hatte die Stadt 79.136 Einwohner.Nepal citypopulation.de, Abschnitt Cities & Municipalities.
Bhaktapur liegt am Fluss Hanumante Khola und wie Kathmandu an einer alten Handelsroute nach Tibet, was für den Reichtum der Stadt verantwortlich war. Vom 14. Jahrhundert bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war Bhaktapur Hauptstadt des Malla-Reiches. Aus dieser Zeit stammen viele der 172 Tempelanlagen, der 32 künstlichen Teiche und der mit Holzreliefs verzierten Wohnhäuser. Zwar verursachte ein großes Erdbeben 1934 viele Schäden an den Gebäuden, doch konnten diese wieder so instand gesetzt werden, dass Bhaktapurs architektonisches Erbe bereits seit 1979 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes steht.Welterbeliste Nr. 121 (englisch) Aufgrund des Erdbebens vom 25. April 2015 starben in der Altstadt etwa 200 Menschen beim Einsturz vieler kleinerer Gebäude und zweier großer Tempel auf dem zentralen Taumadhi-Platz.Tagesschau.de vom 28. April 2015: Niemand hilft uns.
Das Bild der Stadt wird bestimmt von der Landwirtschaft, der Töpferkunst und besonders von einer lebendigen traditionellen Musikszene. Wegen seiner über 150 Musik- und 100 Kulturgruppen wird Bhaktapur als Hauptstadt der darstellenden Künste Nepals bezeichnet. (englisch) Die Einwohner von Bhaktapur gehören ethnisch zu den Newar und zeichnen sich durch einen hohen Anteil von 60 Prozent an Bauern der Jyapu-Kaste aus. Die Bewohner sind zu fast 90 Prozent Hindus und zu zehn Prozent Buddhisten.
Geographie mini|Bhaktapur im Osten des KathmandutalsQuelle: World Wind
Geographische Lage Bhaktapur befindet sich im Zentrum Nepals, 16 Kilometer östlich von Kathmandu und ist Verwaltungssitz des gleichnamigen Distrikts, des kleinsten der 75 Distrikte des Landes. Das Stadtgebiet liegt auf einer Höhe zwischen 1341 und . Der Distrikt Bhaktapur wird nach Norden vom Fluss Manohara begrenzt, nach Osten vom Berg Mahadev Pokhari, nach Süden vom Berg Suryavinayak und nach Westen ebenfalls durch den Fluss Manohara und später durch den Fluss Durge. Die Stadt selbst liegt nördlich des Flusses Hanumante Khola, der nach dem Affengott Hanuman benannt ist. Dieser soll, nach einer Episode aus dem Ramayana-Zyklus, an dem Fluss zum Trinken pausiert haben, als er von einer Reise zum Himalaya zurückkam, um Heilkräuter zur Rettung von Ramas Bruder zu sammeln.
Geologie mini|Bhaktapur, im Hintergrund: Gurkarpo Ri, Dorje Lhakpa, Loenpo Gang und Phurbi Ghyachu
Bhaktapur liegt in der Mittelgebirgsregion, am Südrand des Himalayagebirges im Kathmandutal. Dieses Tal mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von 25 Kilometern und einer Ost-West-Ausdehnung von 19 Kilometern wird von einer bis zu 2900 Metern aufragenden Gebirgskette umgeben, wobei der Talboden auf 1340 Metern liegt. Das Flusssystem des Tals ist unabhängig vom Hochgebirge und wird durch den Bagmati entwässert. Zu dessen Zubringerflüssen zählt neben dem Vishnumati, Moharana, Dhobi und Nakhu Kolar auch der Hanumante, der Fluss, an dem Bhaktapur liegt. Der fruchtbare, aus Schwemmland bestehende Boden des Kathmandutals ist aus Sand und Lehm zusammengesetzt. Die genaue Ursache der Ablagerung ist noch nicht bekannt, könnte aber in einem ehemals hier liegenden See begründet sein.Stürzbecher (1981), S. 15–22. Da Nepal sich etwa dort befindet, wo die Indische Platte mit der Eurasischen Platte kollidiert, in dessen Folge der Himalaya herausgehoben wird, kommt es häufig zu Erdbeben.Geologische Hintergründe: Warum die Erde in Nepal so stark bebte deutschlandfunk.de, 26. April 2015. Die stärksten Beben ereigneten sich in den Jahren 1255 (Stärke 7,7), 1833 und 1934 (Stärke 8,4). (englisch)
Stadtgliederung Im Jahre 1961 wurde die Stadt mit der Einführung des Panchayat-Systems in 17 Verwaltungsbezirke (wards) unterteilt. Traditionell besteht die Newarstadt aus 24 Quartieren, sogenannten Tols. Diese sollen Mitte des 16. Jahrhunderts von Ganga Devi, der Mutter Trailokya Mallas eingeführt worden sein und umfassten zunächst nur 21 Tols. Die genauen Grenzen sind nicht festgelegt, denn die zentralen Elemente eines jeden Tols sind wichtiger: ein Pitha (Opferschrein), an dem entweder Ganesh, Bhairab oder Durga verehrt wird, ein Vishnu-Tempel, in dem keine Tieropfer, sondern Blumen dargebracht werden sowie unbehauene Steine, sogenannte Matrikas, an denen Ganesh oder Bhairab verehrt werden. Während die Pithas nach Süden orientiert sind, sind die Matrika-Schreine zur Stadtmitte hin ausgerichtet. An den Wegkreuzungen des Tols stehen Chwasa-Steine, die Ajma (‚Großmutter‘) genannt werden und an denen die Bewohner des Tols unreine Speisen, die Plazenta und die Nabelschnur Neugeborener, Kleider von Verstorbenen sowie einmal jährlich unbrauchbar gewordene Tonwaren ablegen. Den Tols kommt eine zentrale Rolle bei den Stadtritualen, insbesondere während des Bisket-Jatra-Festes und bei den Stadtbegehungen durch die Nava-Durga-Tänzer zu. Während des Bisket-Jatra-Festes zieht die Prozession in folgender Reihenfolge der Tols durch die Stadt.Stürzbecher (1981), S. 57–60, 256–260.
mini|Lage der 24 Tols in Bhaktapur
1. Taulache 2. Tacapal 3. Kvathandau 4. Gache 5. Thalache 6. Inaco 7. Golmadhi 8. Yache 9. Taumadhi 10. Talako 11. Mamgalache 12. Lakulache 13. Kvache 14. Tibukche 15. Lasku dhoka 16. Khauma 17. Itache 18. Yalache (Tibukche) 19. Coche 20. Bolache 21. Bholache 22. Jemla 23. Tekhaco 24. Bharbaco
Neben der Unterteilung in 17 wards und 24 Tols existiert eine Trennung in zwei Bereiche (Desas): die Oberstadt (Tham) mit 15 Tols im Osten und die Unterstadt (Kvane) mit neun Tols im Westen. Die Grenze verläuft etwa in Nord-Süd-Richtung. Zwar liegt der Palastbereich ungefähr in der Mitte, aber das Gebiet der Tripurasundari ist im Thulache Tol östlich und der heutige Palast in Lasu dhoka westlich angesiedelt.Stürzbecher (1981), S. 66–75
Klima Die Stadt befindet sich in der gemäßigten Klimazone mit winterkaltem Steppenklima. Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Bhaktapur beträgt 18,4 °C. Die wärmsten Monate sind Juni und Juli mit durchschnittlich 27 beziehungsweise 25 °C und die kältesten Dezember und Januar mit 11 beziehungsweise 10 °C im Mittel. Die Temperatur fällt fast nie unter den Gefrierpunkt, im Gegenzug werden nur selten Temperaturen über 30 °C gemessen. Der meiste Niederschlag fällt im Juli mit durchschnittlich 375 Millimetern, der geringste im Januar und Februar mit durchschnittlich 2 und 3 Millimetern. Wegen des Sommermonsuns fallen die Niederschläge besonders im Zeitraum von Mitte Juni bis Ende September, der Jahresdurchschnitt liegt bei 1249 Millimetern.
Geschichte mini|Der Nyatapola-Tempel
Frühgeschichte Für die Zeit vom 7. Jahrhundert v. Chr. bis zum 2. Jahrhundert n. Chr. wird in Bhaktapur eine Stadtkultur der aus Nordindien stammenden Kiratis angenommen. Die Ortschaft soll den Namen Khopo getragen haben. In der Epoche der Licchavi (3. bis 9. Jahrhundert n. Chr.) wurde die Stadt Khopring Drang genannt. Den Licchavi-Königen gelang der Aufbau eines fast imperial zu nennenden Staates, dessen Ausdehnung erst im 18. Jahrhundert wieder erreicht werden sollte. Kophring wurde zu dieser Zeit zu einem Handelsposten ausgebaut und erhielt die dafür notwendigen administrativen Aufgaben. Über die Geschichte der Stadt vom 9. bis zum 12. Jahrhundert ist so gut wie nichts bekannt. Doch deutet die Einführung einer neuen Zeitrechnung im Jahre 879 auf ein neues Herrschergeschlecht, wahrscheinlich die Thakuris, hin. In einem Manuskript aus dem Jahre 1038 wird ein Dorf mit Namen Khrimprimbrumayam an der Stelle des heutigen Bhaktapur genannt. Die Chronik Gopal Raj Vamsavali und andere Chroniken bezeichnen Anand Deva als Gründer der Stadt Bhaktapur im Jahre 1197. Er soll auch den alten königlichen Palast gebaut haben, der den Namen Tripura gehabt hat.Webseite des Departments für Archäologie (englisch) Am Ende des 13. und beginnenden 14. Jahrhundert wurde Nepal Opfer mehrerer Invasionen seiner südlichen und westlichen Nachbarn. Inschriftlich sind je fünf Plünderungen durch die Khasa-Stämme und die Tirhutiyas belegt. Im Jahre 1290 wurde das damalige Bhaktagramma (gramma ‚Dorf‘), seit der Neuzeit Bhaktapur (pura ‚Stadt‘), kurzzeitig von den Tirhutiyas erobert. Als 1325 der indische Nachbarstaat Mithila (im heutigen Bihar und Terai) von Muslimen erobert wurde, floh der Hofstaat des dortigen Herrschers Harasimha Deva, der bei der Flucht starb, nach Nepal und ließ sich in Bhaktapur an der Tripura nieder. Die Malla-Herrscher des 17. Jahrhunderts versuchten sich durch Manipulation ihrer Abstammungsgeschichte als direkte Nachkommen der Ksatrya-Dynastie des Harasimha Deva darzustellen. Höhepunkt der Invasionen war der muslimische Einfall 1349 unter Shams-ud-din aus Bengalen, bei dem die Städte größtenteils zerstört wurden.
Hauptstadt des Malla-Reiches mini|Königspalast
Bhaktapur war die Hauptstadt des Malla-Reiches, das zwischen dem 14. Jahrhundert und der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts das gesamte Kathmandutal umfasste. In dieser Zeit wurden viele Paläste und Tempel in Bhaktapur gebaut, die zum Teil heute noch vorhanden sind. Der große Einfluss hinduistischer Flüchtlinge aus Nordindien führte zu einer klaren räumlichen Trennung der einzelnen Kasten innerhalb des Stadtgebietes. Um landwirtschaftliche Nutzfläche zu sparen und aus dem Bedürfnis heraus, dem heiligen Zentrum der Stadt (im Falle Bhaktapurs der Taleju-Tempel im Palast), nah zu sein, sind die dreistöckigen Häuser platzsparend gebaut. Wegen des in den Häusern fehlenden Platzes wurden die Straßen und Plätze gemeinschaftlich genutzt.
Nachdem König Yakshya Malla im Jahre 1428 an die Macht gekommen war, vergrößerte er das Malla-Reich und umgab die Stadt Bhaktapur mit Gräben, Verteidigungsmauern und Toren. Einige Historiker führen die Errichtung der Tripura in seine Herrschaftszeit zurück und auch die Gründung des Yaksheshwar-Tempel wird mit ihm in Verbindung gebracht. Nach seinem Tod 1482 bestieg sein Sohn Raya Malla den Thron von Bhaktapur. Dieser erwies sich jedoch als ein zu sanfter Herrscher. Sein Bruder Ratna Malla errichtete 1484 in einem Teil des Malla-Reiches sein eigenes Königreich und regierte von Kantipur aus. Ein weiterer Bruder spaltete Lalitpur/Patan als drittes Reich mit eigener Hauptstadt ab. Damit war das Reich von Bhaktapur in die fragmentarischen Reiche Bhaktapur, Kantipur und Lalitpur geteilt.
Hauptstadt des Malla-Teilreiches Von den folgenden Herrschern Bhaktapurs – Pran Malla, Vishva Malla und Jagajyoti Malla – sind keine großen baulichen Veränderungen überliefert. Erst König Naresh Malla, seit 1637 an der Macht, ließ den Taleju-Tempel erneuern und einige Fenster aus Sandelholz im Mul Chowk einbauen. 1644 bestieg König Jagatprakash Malla den Thron. Er ließ einen Tempel Vasantpur errichten, von dem jedoch nichts mehr bekannt ist. Unter seiner Regierung wurde der Taleju-Tempel weiter vergrößert und ein Tempel für Bhavani Shankar nahe dem westlichen Eingang zum Königspalast geweiht.
Für die Bau- und Kunstgeschichte Bhaktapurs bedeutend war die Regierungszeit von König Jitamitra Malla, der 1672 den Thron bestieg. Zu seiner Zeit gab es eine Art Wettstreit um die schönsten Königspaläste unter den Königen des Kathmandutals. Eine Inschrift von 1678 beschreibt, dass in seiner Regierungszeit der Königspalast Thanathu Dubar mit steinernen Wasserspendern, Gärten und Innenhof errichtet wurde. Auch ließ er den Kumari Chowk erneuern, das Bild Astamatrikas herstellen und das Dach des Taleju-Tempels vergolden. Auf seinen Befehl hin wurde die große Glocke im Taleju-Tempel aufgestellt und das kompliziert gearbeitete, hölzerne Tympanon über dem Eingang zum Mul Chowk geschnitzt.