mini|hochkant|Wappen derer von Capol Capol bezeichnet ein altes Schweizer Geschlecht aus dem Kanton Graubünden mit den nachweisbaren Namensvariationen Ca Pawli, Capowli, Capal, de Cappal, a Capaulis, de Capaulo. de Cappaul, Capalus. Capoll, Cappol, Capoal, Capaul und de Capol. Der Familienname Ca Pawli ist die älteste Bezeichnung.

Herkunft des Namens Der ursprüngliche Name Ca Pawli bedeutet Haus des Paul, wobei Ca bzw. Casa aus dem Italienischen/Venezianischen und Pawli aus dem Koine-Griechisch stammen. Die Capol benutzten auch die latinisierte Form a Capaulis (siehe den Grabstein von Benedikt von Capol am Eingang zur reformierten Kirche in Flims) oder de Capaulo. Die Capols werden in alten lateinischen Schriften auch mit Capalus bezeichnet.

Herkunft der Familie Die Familie stammt aus Venedig bzw. ursprünglich aus Byzanz. Sie wird in Graubünden erstmals 1377 in Rueun als Besitzerin eines Hofes und 1410 in Flims mit einem bäuerlichen Eigengut erwähnt.

Kapol Unter dem ungarischen König Ludwig I. hatte sich um 1377 ein Johann v. Kapol bei Halitsch als ritterlicher Woiwode und Markgraf ausgezeichnet. Zwischen den Familien von Kapol und den Familien von Capol sind die genealogischen Beziehungen noch unerforscht. Eine direkte Beziehung konnte noch nicht nachgewiesen werden, gilt aber als wahrscheinlich.

De Capaulo Die De Capaulo (lateinisch für 'vom Hause des Paul') stammen ursprünglich aus Byzanz und sind später nach Venedig ausgewandert. In Venedig waren sie als Vir Nobilis bekannt (Seitenlinie der Polo Familie). Wegen der Teilnahme am Aufstand 1310 gegen den Dogen in Venedig haben sie 1311 Venedig verlassen müssen. Von dort sind sie via das Misox in das Bündner Oberland eingewandert. In der Cartula Donationis der Kartause von Calci (IT) wird am 18. September 1111 ein Capaulo erwähnt: "Giovanni del fu Opizo dona a Berta del fu Pietro la metà di tutti i suoi beni, e riceve da Capaulo, per conto della suddetta Berta, un anello d’argento.". Bei den Brüdern des Franziskaner Konvents von Santa Margherita Ligure (IT) wird um 1315 ein Paulus de Capaulo aus Venedig erwähnt. Ein Sebastian von Capaulo wird als Kapuziner bzw. Provikar in der Geschichte des tirolischen kapuziner-ordens-provinx (1593–1893) erwähnt. Verschiedentlich werden die Capol mit de Capaulo in Urkunden benannt: Osvaldus de Capaulo, Volffgang de Capaulo, Susanna de Capaulo, Henriercus de Capaulo, Juliana de Capaulo.

Familienchronik Die Familienchronik des Geschlechts, die Capoliana wurde von Oberst Carl von Capoll (1847–1914) auf der Grundlage genealogischer Studien von Anton Sprecher von Bernegg-Davos zusammengestellt. Sie wird im Staatsarchiv des Kantons Graubünden aufbewahrt. Die Capolia-Saga, erschienen 2024, geht detailliert ein auf den Ursprung und die Geschichte des Geschlechtes.

Münstertaler Capol mini|Chasa Capol Sta. Maria Der Familienname Capol erscheint um 1522 in Sta. Maria im Münstertal. Hier lebten die Junker von Capol, welche als Regierungsstatthalter amteten. Sie residierten in der «Chasa de Capol». 1506 weilte der spätere Kaiser Maximilian I. in der Chasa de Capol.

Flimser Capol Die Capol amteten unter den Freiherren von Sax-Misox in der Zeit von 1371 bis 1485 in Flims bzw. in der Gruob. Die Sax bzw. De Sacco stammen ebenfalls aus Venedig. Die Capol sind das Geschlecht, das vom 15. bis zum 17. Jahrhundert fast unbestritten die Führung im Dorf behielt. Die Flimser Familie Capol wird erstmals im 15. Jahrhundert urkundlich erwähnt: In einem bischöflichen Zinslehen um 1400 werden die Capal als «gebure» bezeichnet, als freie Bauern. Freie Bauern hatten eigenen Grund und Boden, was im Mittelalter selten vorkam. Das Ammannamt wurde 1427 in Flims eingeführt, noch bevor der Bischof von Chur 1485 die Herrschaftsrechte des Grafen Johann Peter von Sax-Misox um 4000 Gulden wieder erworben hatte. Der erste Capol, der Ammann wurde, hatte noch kein Siegel. Erst 1457 siegelte Otto Capol der Ältere mit seinem Pfeilsiegel. 1481 verkauft der verschuldete Johann Peter von Sax seine Misoxer Güter an den Mailänder Grafen Trivulzio. Als "procuratori" fungiert in einer Mailänder Urkunde Otto de Capollo fil.qm. (= filius quondam) domini Polli castelanus Verdenberg, was den Bezug dieses Dienstmannes zu seinen Dienstherren aufzeigt, die im damaligen Bistum Chur tätig sind. 1483 verkaufte er die Rechte in der Gruob an den Bischof von Chur, nachdem er vorher den Zoll zu Ilanz an Johanns Paul von Chapaul aus Ilanz veräussert hatte.

Adelstand Die Flimser Vettern Hertli und Wilhelm von Capol erhielten am 5. Februar 1481 in Innsbruck ('Innspruck') eine Adelsbestätigung ('das vor langen Jahren das Geschlecht derer von Capol edelliut und adiglich gewesen'), eine Wappenbestätigung ('Wappen und Clement confirmieren') sowie die Erhebung in den Grafenstand ('edelständlich in Kraft Grafs gemeinen Isazen') von Kaiser Friedrich III. Der Grafenstand war notwendig zur Übernahme kaiserlicher oder fürstbischöflicher Lehen. Die steht vermutlich im Zusammenhang mit dem Zollrecht zu Ilanz, das die Capol um 1483 vom Grafen von Sax abgekauft hatten. Eine Abschrift des ursprünglichen Adelsdiploms befindet sich im Staatsarchiv in Chur. Diese basiert auf einer vidimierten Abschrift des Originals aus dem Archiv der Salis-Soglio von 20. Juli 1757 (Andiast) sowie einer weiteren beglaubigten Abschrift von 22. März 1864 (Chur). 1489 erhielten beide schliesslich ein von Kaiser Friedrich III unterzeichneten Adelsbestätigungs- und Wappenverbesserungsbrief (ohne Grafentitelerwähnung). Das Original dieses Briefes befindet sich heute im Staatsarchiv Chur und eine Kopie im Stadtarchiv Ulm. Am 12. Juli 1669 wurde eine Abschrift des Wappenverbesserungsbrief erstellt und vom Sekretär des Fürstbischofs von Chur und dem Notar Magister Tobias Zelffe vidimiert. Auch dieser Brief wird im Stadtarchiv Ulm aufbewahrt. Einzelne Vertreter des Geschlechts führten das Prädikat Junker. Den Titel Graf verwendeten die Capols in Dokumenten nicht. Am 25. November 1874 erhielt Karl von Capoll, Premier Leutnant im Württembergischen Infanterie-Regiment Nr. 121, Ritter des Militär-Verdienst-Ordens, vom König von Württemberg eine Adelserneuerung für sich und seine Nachkommen (er hatte keine Kinder).

Flimser Sage Die Familie Capol wird mit einer uralten Flimser Sage verbunden. Im Mittelalter kamen immer wieder Glarner über die Berge nach Flims, um Vieh zu stehlen. Als diese wieder einmal auf der Alp erschienen, begab sich der Senn an den Rand einer Felswand und blies so stark in sein Alphorn, dass sein Herz zersprang. Das Blut rann über die Felsen. Es soll noch heute sichtbar sein. Die Melodie, die er blies, heisst heute noch «Gion Paul da Flem stai si» (Hans Paul von Flims erhebe dich bzw. sei standhaft). Der aus Flims stammende Rätoromane Gian Fontana schrieb ein Gedicht über das Wappen der Capols.

Wappen Das Wappen wird im ersten Wappenbrief von 1481 als mit einem schwarzen Schild sowie einer Pfeilspitze (Strahl) mit einem gelben Schaft und weissen Federn gefiedert beschrieben. Das spätere verbesserte Wappen der Capol zeigt einen goldenen nach oben gerichteten Pfeil mit silberner Spitze und silbernen Flitschen auf schwarzem (oder rotem) Grund. Der Pfeil war im Mittelalter auch ein Zeichen für Macht oder Eile. Das Wappen der Capol diente lange Zeit auch Flims als Dorfwappen. Das Wappen ist an verschiedenen Orten in Graubünden, St. Gallen und im Ausland angebracht, so unter anderem: Am Stadttor von Ilanz (Obertor Porta Sura) Im Rathaus von Chur als Wappenscheibe Über dem Eingang zum Rathaus von Flims und an den Epithaphen der reformierten Kirche In Flims am heutigen Hotel Bellevue und am Erker des Capolhauses nebenan Am Erker des Hauses Reichsgasse 25 / Haus Planaterra in Chur An einer gotischen Truhe im Landesmuseum in Zürich An der Decke des Swiss Rooms im Metropolitan Museum of Art in New York Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt in Degen An einem Leuchter in der Wirtsstube der Hofkellerei in Chur Über dem Tor am Schloss und im Innern von Unter-Tagstein in Masein bei Thusis Am Haus Tscharner in Rothenbrunnen In der Kirche St. Remigius in Falera An der Fassade der Chasa Jaura in Valchava An der Fassade der Chasa Capol in Müstair An Grabplatten im Kloster St. Johann Müstair und der Kirche von St.Maria An der Fassade des ehemaligen Gerichtsgebäudes am Kirchplatz von Bormio An der Wand im Landrichtersaal des Cuort Ligia Grischa in Trun in der Surselva An der Decke im Gartensaal des Schlosses Salenegg in Maienfeld Am Altar in der Kirche St. Luzius und Florinus mit dem Wappen der Capol, Huber und Flück in Walenstadt Am Altar in der Kapelle St. Wolfgang in Walenstadt Epitaph an der Stadtkirche Glarus

Linien Wie erwähnt stammen die Capol von den De Capaulo aus Venedig ab. Sie waren sog. Vir Nobilis (Edelmann). Die De Capaulo waren Händler und Evangelisten. Byzanz/Venezianer Linie Domenico de Capaulo, 971 Byzanz und Venedig Domenico de Capaulo, 1094 im Konzil von Venedig Domenico de Capaulo, 1153 Venedig Andrea de Capaulo, 1168/1195 Venedig, hatte einen Bruder Pietro (Peter) Giovannino de Capaulo, 1282 Venedig, gest. 1319, hatte einen Bruder Andrea und einen Neffen Nicolo Andrea de Capaulo, 1311 Venedig, später Gruob Giovannino de Capaulo, 1311 Venedig, später Gruob

mini|Benedict von Capol mini|Johann Gaudenz von Capol mini|Julius von Capol mini|hochkant|Grabplatte Jacob Capol aus der Münstertaler Linie mini|hochkant|Grabplatte Oswald Capol aus der Münstertaler Linie mini|hochkant|Herkules v. Capol (1642-1706) Arzt u. holländischer Heerführer mini|hochkant|Johann Gaudenz von Capol mini|hochkant|Maria v. Salis-Capol (1679-1715), Ahnfrau von Johann Gaudenz v. Salis-Seewis mini|Haus Antistitium in Chur mini|hochkant|Haus Planaterra in Chur

Gruober Linie (Rueun, Sevgein, Trun, Flims) Verschiedene Vertreter der Familie Capol prägten das Geschehen im Graubünden des 15. bis 18. Jahrhunderts. Hans da Capol (Giovannino de Capaulo), 1311 in Venedig, 1350 in Rueun, Hansen (Hansen = germanisch Sohn des Hans) da Capal, um 1377 in Rueun als Bein = Besitzer eines Hofes erwähnt. Paul Benedikt (Pal, Pol, Paulen) von Capol (von Capal), Flims, der Jüngere, Ammann von Flims 1427 Hansen da Capal (Hans de Ca Pawli) im Gemeindearchiv von Sevgein 1428 als Alpbesitzer erwähnt. 1423 in Sevgein erwähnt als «da Capowli» im Rhätischen Namenbuch ausgewiesen. Hans Paul von Capol (Hannsen Pällen), 'Der Jüngere', 1458-1493, um 1470 in Flims, Vogt in der Gruob. Erwähnt um 1508 in Langwies. Seine Söhne, Gebrüder de Capäl, sind 1508 gemeinsame Besitzer einer Mühle in Flims zusammen mit Hans Gamma und ihrem Cousin Ott, Alt Amman von Flims, Sohn des anderen Hannsen Pälen und dessen Geschwistern. Sie verleihen Hans Allemann die Mühle und Äcker in Flims für 2 Florint, Ott von Capol, Flims Hans Paul von Capol, 1470-1560, Flims Wolf Georg von Capol, 1473-1563, Flims Wolf Paul von Capol Luzi von Capol, Maienfeld und Chur Johann (Hans) Ott von Capol, 1494-1565, Flims Risch Hertly von Capol, Flims Benedicht von Capol, Flims, er stellt am 18. April 1498 einen Antrag auf Dispens vom Vatikan wegen Heirat mit einer Blutsverwandten im 4. Grad zum Ziele der Anerkennung der zukünftigen Nachkommen ("petunt disp. de contrahendo in 4. consang. grad. cum legit. prol. suspiende"). Benedikt (Benedictus de Capaul) von Capol (Bannadicht von Kapaul), Flims, vertritt am 16. April 1570 Morissen gegen die Nachbarn von Surcuolm vor dem Gericht in Vella. Um 1529 Substitut des Hans von Lumerins als Landvogt von Maienfeld. Verheiratet mit Euphemia aus Flims, Tochter des Johannes Puntinger (verschwägert mit Hans von Mont).