Die Rodney, auch HMS Rodney (Kennung: 29), war ein Schlachtschiff der Royal Navy. Benannt nach Admiral George Rodney wurde sie 1927 als zweites von zwei Schiffen der Nelson-Klasse in Dienst gestellt. Während des Zweiten Weltkriegs durchlebte sie eine wechselhafte Geschichte, anfangs als Teil der Atlantic Fleet und später als Teil der Home Fleet. Dabei partizipierte sie sowohl an der erfolglosen Verteidigung der Alliierten gegen die deutsche Invasion in Norwegen als auch an der Versenkung des deutschen Schlachtschiffes Bismarck. Weiter folgten Einsätze bei der Landung der Alliierten in Nordafrika, bei der Besetzung Siziliens, bei der Einnahme des Italienischen Festlandes und der Deckung der Landung in der Normandie. Den Abschluss der Kriegseinsätze bildeten Fahrten zum Schutz von Nordmeergeleitzügen. 1945 wurde das Schiff der Reserve zugeordnet, um im August 1946 endgültig außer Dienst genommen und bis 1948 abgewrackt zu werden.

Geschichte Die Rodney, benannt nach George Brydges Rodney, 1. Baron Rodney, dem Sieger in der Seeschlacht bei Kap St. Vincent, wurde am 28. Dezember 1922 bei Cammell Laird in Birkenhead auf Kiel gelegt. Schiffstaufe und Stapellauf fanden am 17. Dezember 1925 statt. Am 7. Dezember 1927 wurde das Schiff für den Einsatz im 2. Schlachtgeschwader der Atlantikflotte unter dem Kommando von Kapitän Henry Kitson in Dienst gestellt.Ballantyne: H.M.S Rodney S. 48. die Baukosten betrugen 7,617 Millionen Pfund Sterling.

Nach weiteren ausgedehnten Seeerprobungen schloss sie sich am 28. März 1928 der Atlantikflotte an. Am 21. April wurde Kitson durch Kapitän Francis Tottenham abgelöst. Bis Mai 1930 ersetzte sie ihr Schwesterschiff Nelson als Flaggschiff.Ballantyne: S. 53ff. 1929 nahm die Rodney an den jährlichen kombinierten Manövern der Atlantik- und Mittelmeerflotte im Mittelmeer teil. Während ihres Besuchs in Torquay im Juli erhielt die Rodney den Befehl, H47, das am 9. Juli vor Milford Haven mit einem anderen U-Boot kollidiert war, zur Hilfe zu kommen. Nachdem die Rodney am Abend des 11. Juli an der Unglücksstelle eingetroffen war, konnten keine Überlebenden gerettet werden. Anschließend begab sich das Schiff nach Portsmouth, wo das Schiff einer Überholung unterzogen wurde, die bis Ende des Jahres dauerte. Nachdem Tottenham am 15. Dezember von Kapitän Andrew Cunningham abgelöst worden war,Ballantyne: S. 56f. beförderte sie im Juni 1930 eine Delegation des Britischen Parlaments nach Reykjavík anlässlich der 1000-Jahr-Feier des isländischen Parlaments. Am 16. Dezember wurde Cunningham durch Roger Bellairs abgelöst, der Mitte September 1931 in die Meuterei von Invergordon involviert war, bei der die Besatzung der Rodney sich weigerte aufgrund von Soldkürzungen ihren Pflichten nachzukommen. Da die Admiralität unzufrieden war mit der Art und Weise, wie Bellairs die Besatzung während der Meuterei behandelt hatte, ordnete man an, dass er am 12. April 1932 von Kapitän John Tovey abgelöst werden sollte.Ballantyne: S. 63ff. S. 70ff. Im Rahmen der Umstrukturierung der Flotte im März 1932 wurde die Atlantic Fleet in Home Fleet umbenannt, wodurch die Rodney Teil dieser neuen Flotte wurde. Nachdem die Nelson im Januar 1934 vor Portsmouth auf Grund gelaufen war, übernahm die Rodney die Aufgaben des Flottenflaggschiffs unter dem Kommando von Admiral William Boyle. Zusammen mit dem Rest der Flotte besuchte sie die Karibik und Norwegen. Am 31. August wurde Kapitän Tovey von Wilfred Custance abgelöst. Im folgenden Jahr besuchte sie zwischen dem 15. Januar und 17. März erneut die Karibik, die Azoren und Gibraltar. Kapitän William Whitworth löste Custance am 21. Februar 1936 ab, der wiederum am 25. Juli von Kapitän Ronald Halifax abgelöst wurde. Am 16. Juli 1935 nahm die Rodney an der Flottenschau anlässlich des 25. Thronjubiläums von König George V. in Spithead teil. Zwischen Juni 1937 und Februar 1938 ersetzte sie die Nelson erneut als Flaggschiff. Ebenfalls im Februar besuchte sie zusammen mit der Nelson Lissabon. Im Juli 1937 besuchte sie Oslo und am 16. August wurde Kapitän Witworth von Edward Syfret abgelöst.Ballantyne: S. 80ff.

Zweiter Weltkrieg Bei Beginn des Krieges am 3. September 1939 patrouillierte die Rodney vor Island, Norwegen und Schottland. Am 24. September kam die Rodney zusammen mit der Flotte dem U-Boot Spearfish zu Hilfe, das vor Helgoland auf eine Seemine gelaufen war. Dabei wurden die Schiffe von der Luftwaffe entdeckt und angegriffen, erlitten jedoch keine größeren Schäden.Ballantyne: S. 89f.

Nachdem Syfret am 21. November von Kapitän Frederick Dalrymple-Hamilton abgelöst worden war, erhielt das Schiff Befehl, nach den deutschen Schiffen Scharnhorst und Gneisenau zu suchen, die am 23. November den Hilfskreuzer Rawalpindi vor Island versenkt hatten. Aufgrund des schlechten Wetters konnten die deutschen Schlachtschiffe ihren Verfolgern jedoch entkommen und nach Deutschland zurückkehren.Ballantyne: S. 95.

Am 27. Februar wurde das Schiff von König Georg VI. und Königin Elisabeth besucht. Am 7. März brachte es Winston Churchill nach Scapa Flow, wo die Home Fleet trotz der Gefahr deutscher Luftangriffe stationiert war.

Norwegen

Als Admiral Sir Charles Forbes, Oberbefehlshaber der Homefleet, am 7. April erfuhr, dass deutsche Kriegsschiffe in Richtung Norwegen gesichtet wurden, stach die Rodney zusammen mit einer Flottille aus 14 Schiffen in Richtung Shetland in See.Rohwer: Chronology of the war at sea, 1939–1945 S. 18. Am 9. April wurde das Schiff vor der südwestlichen Küste Norwegens von einer 500-Kilogramm-Bombe getroffen. Die Bombe explodierte, nachdem sie auf dem Oberdeck hinter dem Schornstein eingeschlagen war. Ihre Splitter durchschlugen mehrere Decks, bevor sie an dem 101 mm dicken Panzerdeck abprallten und einen Brand in der Kombüse auslösten. Drei Männer wurden durch die Bombe verwundet, fünfzehn weitere erlitten Verbrennungen, als das zur Brandbekämpfung verwendete Wasser auf einen Verteilerkasten lief. Die Besatzung führte provisorische Reparaturen durch und das Schiff blieb auf See, bis es am 17. April in Scapa Flow vor Anker ging.Ballantyne: S. 105ff. Am 23. August wurde die Rodney von Scapa Flow nach Rosyth verlegt und erhielt den Befehl, die deutsche Invasionsflotte im Ärmelkanal anzugreifen.

Geleitschutz Zwischen November und Dezember wurde sie als Geleitschutz für Konvois von Großbritannien nach Halifax eingesetzt, nachdem der schwere Kreuzer Admiral Scheer den Hilfskreuzer Jervis Bay kurz zuvor versenkt hatte. Im darauffolgenden Monat wurde die Rodney beauftragt, Konvoi HX 93 aus Halifax nach Hause zu eskortieren. Dabei geriet das Schiff am 6. Dezember in einen starken Sturm, der Lecks in der Rumpfbeplankung verursachte und zu mäßigen Überschwemmungen führte. Am 18. Dezember begannen die Reparaturen in Rosyth, die eine strukturelle Verstärkung der Rumpfbeplattung und eine allgemeine Verstärkung der vorderen Rumpfstruktur umfassten.Ballantyne: S. 114ff. Im Januar 1941 beteiligte sie sich an der Suche nach der Scharnhorst und Gneisenau. Am 16. März wurden beide Schiffe gesichtet, doch konnte man keinen Kontakt zu den Schiffen herstellen.

Bismarck

Nachdem die Bismarck am Morgen des 24. Mai in der Schlacht in der Dänemarkstraße den Schlachtkreuzer Hood versenkt hatte, erhielt die Rodney den Befehl, sich an der Verfolgung des deutschen Schiffes zu beteiligen. Nachdem der Kontakt zur Bismarck mehrmals verloren gegangen war, wurde sie am 27. Mai um 8:44 von der Rodney gesichtet, die kurz darauf das Feuer auf das 21 Kilometer entfernte deutsche Schiff eröffnete. Die ersten Schüsse verfehlten ihr Ziel, aber gegen 9:02 Uhr traf sie den Gegner, wobei sie den vorderen Geschützturm und die Brücke schwer beschädigte. Der Bismarck gelang es ihrerseits, die Rodney mit Granatsplittern zu beschädigen, bevor ihre vorderen Geschütze außer Gefecht gesetzt wurden. Während die Rodney wendete, um den Geschützturm „X“ in Stellung zu bringen, setzte es sich dem Feuer der hinteren Geschütztürme der Bismarck aus, deren Granaten die Rodney jedoch nur streiften. Mit abnehmender Entfernung feuerte sie mehrere Torpedos auf die Bismarck ab. Gegen 09:31 Uhr traf die Rodney das linke Rohr des unteren achteren Geschützturms der Bismarck und löste einen Brand im Turm aus. Durch das kombinierte Feuer der Rodney, King George V und der schweren Kreuzer Norfolk und Dorsetshire konnten sämtliche 38 cm Kanonen ausgeschaltet werden. Die Rodney näherte sich der Bismarck auf Kernschussweite und begann, das deutsche Schiff mit einer vollen Breitseite zu bestreichen. Nachdem Dalrymple-Hamilton gegen 10:16 Uhr den Schlachtschiffen den Befehl gegeben hatte das Feuer einzustellen, feuerte die Dorsetshire drei weitere Torpedos auf das zu diesem Zeitpunkt bereits in Flammen stehende Schiff. Um 10:40 Uhr begann die Bismarck schließlich 550 Seemeilen vor Brest zu sinken.Ballantyne: S. 140ff.Kennedy: Pursuit S. 188ff.

Force H

Am 12. Juni begab sich die Rodney nach Boston, um ihre im Gefecht erlittenen Schäden zu beheben. Nach Abschluss ihrer Reparaturen verließ das Schiff unter ihrem neuen Kapitän James Rivett Carnac die USA in Richtung Bermuda. Von Dort fuhr sie nach Gibraltar, wo sie sich bei ihrer Ankunft am 24. September der Eingreiftruppe Force H anschloss. Dort beteiligte sie sich an Operation Halberd, bei der sie dem Flugzeugträger Ark Royal Geleitschutz gab.

1942

Im November kehrte sie nach Großbritannien zurück und wurde bei ihrer Ankunft dem 2. Schlachtgeschwader der Home Fleet zugewiesen. Anschließend wurde sie nach Island beordert um der potentiellen Bedrohung durch deutsche Schiffe im Nordatlantik zu begegnen. Nachdem sie von Februar bis Mai 1942 in Liverpool überholt worden war, erhielt sie den Befehl, sich der Eastern Fleet anzuschließen. Nachdem sie am 31. Mai Clyde in Richtung Freetown verlassen hatte, wurde sie zwei Monate später zurückbeordert, um im Rahmen von Operation Pedestal Konvoi WS 21S Geleitschutz zu geben. Am 11. August entdeckten italienische Aufklärungsflugzeuge den Konvoi bei der Durchfahrt durch die Straße von Gibraltar. U-73 eröffnete mit der Versenkung des Flugzeugträgers Eagle am Nachmittag den Angriff der Achsenmächte auf den Konvoi und seine Eskorte. Später am Abend wurde das Schlachtschiff von zwei Bombern erfolglos angegriffen. Am 12. August um 07:45 Uhr wurde das Schiff erneut von Torpedobombern angegriffen konnte aber sämtlichen Torpedos ausweichen. Das Schiff erhielt mehrere Beinahe Treffer und gegen 14:00 Uhr begann die Ruderanlage zu versagen, konnte aber von den Ingenieuren halbwegs funktionsfähig gehalten werden. Um 18:42 Uhr wurde die Rodney von Junkers Ju 87 angegriffen. Das Schiff war zwar in der Lage, einen der Angreifer abzuschießen, doch eine panzerbrechende Bombe traf Turm X, wobei vier Royal Marines verwundet wurden. Nachdem das Schiff zwei weiteren Bomben ausgewichen war, verschlimmerten sich die Probleme der Ruderanlage. Nachdem der Konvoi am 14. August in Gibraltar eingetroffen war, kehrte die Rodney in die Heimat zurück, wo sie anschließend in Rosyth repariert wurde.Ballantyne: S. 179ff.

Nordafrika