mini|Korinthisches Erz (Corinthium aes), darunter die japanische Legierung Shakudō Korinthisches Erz, lateinische Bezeichnungen aes Corinthium, häufiger Corinthium aes, ist eine in der Antike häufig genutzte Legierung, deren Herstellung und Verwendung aber schon im alten Ägypten nachgewiesen werden kann. Die Legierung, deren Bezeichnung je nach Zeit und Ort wechselte, ist kupferbasiert mit Beimengungen der Edelmetalle Gold und Silber. Antike Quellen führen neben diesen Hauptbestandteilen noch Zusätze von bis zu 5 % aus Blei, Zinn, Arsen oder Eisen an. Durch verbesserte Abtrennungsverfahren sowie Ersatzstoffe mit gleichen Stoffeigenschaften kann man heutzutage von der Verwendung der toxischen Beimengungen absehen. Korinthisches Erz wurde hauptsächlich für die Herstellung von Luxusartikeln und Statuen verwendet. Die bekanntesten Zentren zur Herstellung waren in der griechisch-römischen Epoche auf Ägina und Delos sowie natürlich in der namensstiftenden Stadt Korinth angesiedelt.

Beimengungen Beimengungen entstanden entweder durch die nicht saubere Abtrennung oder waren beabsichtigt, sowohl zur Änderung der Materialeigenschaft inkl. der Patinabildung als auch, um die Farben und optischen Eigenschaften von Gold, wie bei Bronze und Messing, aber auch Silber, wie bei der Arsenbronze, auch Cuprum album genannt, zu imitieren. Das Senken der Materialkosten durch die Verringerung des mengenmäßigen Anteils der teueren Edelmetalle in der Legierung konnte ebenfalls ein Grund sein. Der Ersatz der giftigen Beimengungen bei Beibehaltung der gewünschten Eigenschaften beginnt schon im 18. und 19. Jahrhundert. So kann man den Ersatz des Arsens durch eine Kupfer-Zink-Nickel-Legierung auf die Ausschreibung des Vereins zur Förderung des Gewerbefleißes im Jahr 1823 für Deutschland datieren.

Verunreinigungen In der Fachliteratur werden giftige Zusätze wie Arsen und Blei angeführt. Diese sind nicht zwingend beabsichtigte Legierungsbestandteile des Corinthium Aes, sondern entstehen bei der schmelzmetallurgischen Gewinnung von Kupfer und waren je nach dem jeweiligen Stand der metallurgischen Kenntnis und Technik nicht vollständig abtrennbar. Das grundlegende Vorgehensprinzip war dabei dennoch einheitlich, nur der Wirkungsgrad differierte.

Das gewonnene Kupfererz besteht, z. B. bei Kupferantimonglanz, aus Kupfer mit Beimengungen aus Antimon, Arsen, Blei, Eisen und Schwefel. Man versucht bei dem geschmolzenen Rohkupfer, das 90–96%igen Cu-Anteil aufwies, durch Lufteinblasung und Zugabe schlackenbildender Zusätze eine Reinigung durchzuführen. Elemente wie Antimon, Arsen, Blei und Zink verflüchtigen sich als Oxide oder bilden Eisen-, Kobalt-, Nickel- sowie Zinnoxidschlacken. Diese Schlacke wiederum kann man vom Garkupfer abtrennen.

Beabsichtigte Beimengungen Eine beabsichtigte Beimengung konnte gegeben sein, um grundlegende Metalleigenschaften zu ändern oder zu verbessern. Als Beispiel für die Verbesserung einer Materialeigenschaft kann man die Änderung von Festigkeit, Geschmeidigkeit, Gleiteigenschaft und Spanbarkeit anführen, wobei gerade Bleizusatz die Warmbrüchigkeit erhöhen kann.Carl Bischoff: Das Kupfer und seine Legierungen, Mit besonderer Berücksichtigung ihrer Anwendung in der Technik, Berlin 1865, S. 40 et passim. Als reine Änderung kann man die Herbeiführung eines neuen Farbtons ansetzen. Arsen, gemeint ist hiermit das goldgelbe Arsenmineral Auripigment, leitet seinen Namen vom mittelpersischen zarnik mit der Bedeutung „goldfarben“ her. Es kommt als normale Verunreinigung bei Kupfer vor und wurde wegen seiner Farbe aber auch beabsichtigt beigegeben.Vgl. Ioannes Alexandrides (Pseudo-Democritus): Physica et Mystica Chrysopoeia, 1880. Die silbrig-weißen Arsenbronzen, vor mehrmaliger Erhitzung auch gold-rötlich, bilden dabei einen deutlichen Kontrast zu den goldgelben Zinnbronzen.

Nicht wenige Beimengungen weisen beide Funktionen auf. So war Blei in den vergangenen Jahrhunderten auf Grund seiner einfachen Herstellung und Verarbeitung, aber auch wegen seiner Korrosionsbeständigkeit und hohen Dichte eine mögliche Beimengung.

Geschichtliche Entwicklung und Abgrenzung mini|Anch-Kreuz-Replik aus Corinthium aes mit Glyphen Mittelmeerraum Herstellung und Gebrauch des Korinthischen Erzes lassen sich bis zur ägyptischen Schwarzbronze, deren ägyptische Bezeichnung mit HMTY-KMVgl. Vgl. Alessandra Giumlia-Mair, Péter Gaboda u. a.: Two statuettes with HMTY KM in the fine arts museum Budapest. In: Metals and Societies, Studies in honour of Barbara S. Ottaway, T. L. Kienlin (Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie, 169), B. Roberts (Hrsg.), Bonn 2009, S. 433–442. wiedergegeben werden kann, zurückverfolgen. Eine ausführlichere metallurgische Betrachtung, wenn auch nicht annähernd so umfangreich wie später bei Alessandra R. Giumlia-Mair, sowie die Verwendung des HMTY-KM findet sich schon 1966 in dem Beitrag „On the Meaning of [black copper/bronze]“; der geklammerte Bereich des Artikels enthält im Originalbeitrag die entsprechenden Hieroglyphen.John D. Cooney: On the Meaning of [black copper/bronze], Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde 93, Berlin 1966, S. 43–48. Giumlia-Mair verwendete ab den 1990er Jahren anfangs zusätzlich die Bezeichnungen HSMN-KMP. T. Craddock, A. R. Giumlia-Mair: HSMN KM Corinthium aes Shakudo: Blackpainted bronze in the ancient world, In: Metal Plating & Patination. Cultural, technical & historical developments (Kap. 9), London 1993. oder NMTI-KM,Vgl. Alessandra R. Giumlia-Mair, Paul T. Craddock: Das schwarze Gold der Alchimisten – Corinthium Aes, Darmstadt 1993. gab dies aber nach 1993 zu Gunsten des schon genannten HMTY-KM auf. Nur kurz fand HMTI-KM Verwendung, wobei durch Giumlia-Mair auch bei späteren Publikationen nicht ausgeführt wurde, ob diese Schreibvariante beispielsweise auf der Fehlinterpretation der Gruppenschreibungen einer Kartusche beruhte. HMTY-KM wird dabei ausgesprochen als ['hɛmp.tʰi kʰæːm]. Die Bedeutung der Hieroglyphen, die man im nebenstehenden Bild sieht, kann man wie folgt angeben: das Ideogramm mit der Bedeutung Kupfer, Messing sowie ganz allgemein ein Objekt aus Kupfer oder Bronze; darunter die Hieroglyphe für Schwarz, getrennt durch die drei Striche des Pluralmarkers von dem phonetischen km, u. a. mit den Bedeutungen Kupferkorn und Kupfererz. Zwei der wohl bekanntesten erhaltenen Figuren aus ägyptischer Schwarzbronze sind die Darstellung des Harpokrates aus der 18. Dynastie, bei der die durchgängige Bronzefigur um goldene Haarapplikationen ergänzt wurde, sowie einer Frauenstatue aus der Spätperiode, bei der Goldeinlagen in die Bronze des Korpus eingearbeitet wurden. mini|Corinthium-aes-Medaille aus dem Jahr 2017, Material und Patinierung durch Markus Eckardt Der Höhepunkt der Herstellung im Mittelmeerraum, dem die Legierung seinen noch gebräuchlichen Namen verdankt, lag räumlich in Korinth und zeitlich in der griechisch-römischen Epoche. Die griechische Bezeichnung lautete Κορινθιακό χάλκινο, Korinthiako chalkino oder verkürzt χάλκινο. Es handelte sich bei der griechischen Bezeichnung um eine Stoff-, vor allem aber Qualitätsangabe.Hilfsweise: Mit Χάλκινο κορινθιακό κράνος wird der Helm aus korinthischer Bronze bezeichnet, und auch αργυρό και χάλκινο gibt Silber und Bronze als Metall-/Stoffangabe wieder. Κορινθιακό mit Bezug auf χάλκινο angepasst. χαλκος κορινθιακος, Chalkos korinthiakos, korinthisches Kupfer, aber Κορινθιακό χάλκινο Korinthische Bronze, im Sinne von aus korinthischer Bronze als Qualitätsmerkmal des Produktes. Die mykenische Bezeichnung κυανός kyanos hingegen referenziert eindeutig auf eine bestimmte Farbeigenschaft der Patina, die man auch in Ägypten schon kannte, die aber vor allem im mykenischen Umfeld verstärkt umgesetzt wurde.Vgl. Ernst Freiherr von Bibra: Die Bronzen und Kupferlegierungen der alten und ältesten Völker mit Rücksichtnahme auf jene der Neuzeit, Erlangen 1869, S. 208 e.p. Sowohl im mykenischen Griechisch als auch dem klassischen Griechisch kann man als deutsche Übersetzungen für den Begriff κυανός „Kornblume“ oder „blau“ angeben. Und tatsächlich ist es nicht falsch als Übersetzungsvariante im konkreten Fall „Kornblumenblau“ zu wählen, da man durch die Behandlung mit schwachen Kupfersalzlösungen das ergänzende Farbenspektrum der Patina von Tiefviolett bis Blau erhält. Die lateinische Bezeichnungen Corinthium aes oder aes Corinthium hingegen sind reine Ortsreferenzen. Das lateinische Nomen aes kann man ins Deutsche mit „Erz“, „Kupfer“ oder „Bronze“ übersetzen, Corinthius ist ein Adjektiv und bedeutet schlicht „korinthisch“. Man erhält also somit als eine mögliche Übersetzungsvariante „korinthische Bronze“. Eine Gleichsetzung des „schwarzen Goldes der Antike“ und auch von Niello mit korinthischem Erz wird mittlerweile als wenig überzeugend zumeist abgelehnt; einzig minderwertiges korinthisches Erz nahm eine schwarze Färbung an.

Da nur vergleichsweise wenige Stücke korinthischen Erzes aus der Antike erhalten sind, ist eine Gesamtbeurteilung schwierig. Der Begriff war in der Antike schon mit Legenden verbunden, häufig auch mit den Namen legendärer Handwerker und Künstler, wobei spätere Zuschreibung nicht selten wenig mit der Realität zu tun hatten. Nach Plinius waren die Säulen der Korinthische Ordnung so benannt worden, weil die ersten Exemplare dieser vor allem an den Kapitellen reich verzierten Säulen aus Corinthium aes gefertigt gewesen sein sollen.Plinius: naturalis historia (Naturgeschichte) 34,13 Aus juristischen Quellen ist bekannt, dass in römischer Zeit ganz klar zwischen korinthischem Erz und einfacher Bronze unterschieden wurde.Digesten 32,100,3 Es wurde vor allem im ersten Jahrhundert vor Christus bis in die mittlere Kaiserzeit zu einem Inbegriff von überbordendem Luxus. Zum Teil wurde es zu horrenden Preisen gehandelt. Neben kostbarem Tafelgeschirr fielen auch reliefierte Gefäße und Bronzen unter den Begriff, die mit Meistersignaturen versehen waren und nicht selten auch gefälscht waren. Die Herstellung ist noch in der frühen Kaiserzeit belegt.Pausanias 2,3,3 Im kaiserlichen Haushalt gab es sogar die Stelle des corinthiarius (Geschirrwart), der früher fälschlich für Hersteller von Corinthium aes missverstanden wurde, sich in Wirklichkeit aber nur um diesen überaus wertvollen und prestigeträchtigen Besitz zu kümmern hatte. Mit Anthus, Neapor, Philemo Agrippianus, Sabinus und Zoilus Agrippianus sind fünf dieser corinthiarii namentlich aus ihrer Grabinschrift bekannt. Die Vorliebe für diese wertvollen Güter konnte durchaus politische Dimensionen annehmen. So baute Cicero seine Anklage im Repetundenprozess gegen Gaius Verres auch zentral um dessen Vorliebe für Korinthisches Erz und die Methoden, wie er mit Unterstützung seiner Agenten Hieron und Cornelius Tlepolemos nach solchen wertvollen Stücken suchte und diese illegal an sich brachte. Auch der Kaiser Augustus musste wegen seiner Vorliebe für Corinthium aes Spott über sich ergehen lassen. Bei Trimalchio in Petronius’ Satyricon ist dessen Vorliebe für Luxusgüter wie unter anderem korinthisches Erz ein zentraler Aspekt des karikierenden Spotts.

Asien Sehr ähnliche Kupferlegierungen fanden auch in Syrien, Persien, Indien und China Verwendungen, was durch ganz unterschiedliche Zeugnisse in Form von Überlieferungen und Artefakten nachweisbar ist. Die japanischen Irogane-Legierungen, darunter das japanische Rotkupfer Shakudō, sind vermutlich eigenständige Entwicklungslinien, wenn auch ein grundlegender Wissensaustausch nicht ausgeschlossen werden kann. Für die These eigenständiger Entwicklungslinien sprechen sowohl die leicht unterschiedliche Zusammensetzung der Legierungsbestandteile, als auch die signifikant unterschiedliche Patinadicke. Diese beträgt ca. 1 µm bei Shakudō, bei den nicht-japanischen Legierungen weist sie hingegen fast 20 µm auf.

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