Das Amt Norf, bis 1927 Bürgermeisterei Norf, war eine Verwaltungseinheit, die bis 1974 zum Kreis Grevenbroich in der Rheinprovinz (1816 bis 1945) bzw. im Land Nordrhein-Westfalen (ab 1946) gehörte.

Geschichte Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte das Verwaltungsgebiet des späteren preußischen bzw. nordrhein-westfälischen Amtes Norf zum kurkölnischen Amt Hülchrath. Nach der Neuorganisation der Verwaltung des Linken Rheinufers in der sogenannten Franzosenzeit gehörten Norf und Rosellen von 1798 bis 1814 zum Kanton Neuß im Rur-Departement. 1815 kam die Region aufgrund der Vereinbarungen auf dem Wiener Kongress zum Königreich Preußen. Die beiden preußischen rheinischen Provinzen (1822 als Rheinprovinz zusammengefasst) wurden 1816 in Regierungsbezirke, Kreise und Bürgermeistereien gegliedert. Die neu eingerichtete „Bürgermeisterei Norf“ (seinerzeit noch „Norff“ geschrieben) war zunächst eine „ländliche Sammtgemeinde“, die aus den beiden „Spezialhaushaltgemeinden“ Norf und Rosellen bestand und zum Kreis Neuß im Regierungsbezirk Düsseldorf gehörte.Johann Georg von Viebahn: Statistik und Topographie des Regierungs-Bezirks Düsseldorf, J. H. C. Schreinger, 1836, S. 147 (Google Books) Dem Bürgermeister zur Seite stand ein „Bürgermeisterrath“.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Teile der Bürgermeisterei von französischen Truppen besetzt. 1927 erfolgt die Umbenennung der Bürgermeisterei in Amt Norf. 1929 wurden die Gemeinden Grimlinghausen und Uedesheim in die Stadt Neuss eingemeindet. Die Ortschaft Stüttgen kam an die Gemeinde Norf. Damit erhielt diese einen direkten Zugang zum Rhein. Einen zwangsweisen Zusammenschluss mit dem Amt Nievenheim konnte das Amt Norf 1930 abwehren.

1974 scheitert der Plan, aus den Gemeinden Norf, Rosellen, Gohr, Nievenheim und dem Ortsteil Neuss-Erfttal eine neue Gemeinde zu bilden. 1975 wurde das Amt Norf aufgelöst und in die Stadt Neuss eingegliedert.

Die Bürgermeister der Bürgermeisterei Norf

–1798: Pierre Steins 1801–1802: Heinrich Gruben –1802: Heinrich Gruttorfer 1802–1811: August Eichhoff 1811–1812: German Müller 1812–1813: Guill. Gruttorfer 1814–1816: Hermann Müller 1816–: Michael Vahsen –1829: von Sieger 1829–1838: Peter Steins 1839–1841: Wilhelm Mardersteck 1841–1851: Carl Kahler 1851–1855: Hermann Clemens 1855–: Carl Kahler 1856–1858: Wilhelm Berg 1858–1869: F.A.B. Schmitz 1869–: Eduard Bacciocco 1869–1879: Christian Plum 1879–1903: Eduard Bacciocco 1903–1930: Heinr. Wiedenbrüg 1931–1933: H. Rahmen (kommiss.) 1933–1939: Erich Lindhorst 1939–1945: Heinrich Klassen 1946–1948: Adolf Göggel (kom.) 1948–1949: Josef Kluth 1949–1950: Josef Offer 1950–1952: Josef Kluth 1952–1956: Johann Palms 1956–1964: Johann Steinfort 1964–1969: Johannes Esser 1969–1974: Wilhelm Graf von Pfeil Ab 1975 nach Neuss eingemeindet.Rheinische Post: Norfs letzter Bürgermeister, abgerufen am 24. August 2022.

Einwohner 30. Juni 1974: 13.987 Einwohner

Politik Amtsbürgermeister ca. 1834 Peter Steins – auch für Grimlinghausen 1945–1948 Adolf Göggel (CDU) - 1974 Heinrich Schumacher (CDU), Hermann Grunewald (SPD) sein Stellvertreter.

Amtsdirektor 1946–1947 Albert Leusch 1948–1957 Wilhelm Effertz 1958–1970 Bernd Reinders 1970–1974 Willi Kühn. Sein allgemeiner Vertreter war Horst Melchert.

Wirtschaft Im 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts war das spätere Amt Norf überwiegend landwirtschaftlich orientiert. In Grimlinghausen richtete sich ein kleiner Zweig dem Fischfang zu. Mit dem Bau einer Eisenbahnlinie von Köln über Neuss nach Krefeld erhielt Norf im Jahre 1856 eine Bahnstation. Diese beschleunigte die Ansiedlung des ersten gewerblich-industriellen Betriebes, einer Sauerkrautfabrik, in Norf. Nach 1945 entstehen auf dem Gebiet des Amtes Norf auch Großbetriebe. So siedeln sich die Firmen Vereinigte Aluminiumwerke Rheinwerk – die 1962 mit der Verhüttung von Aluminium beginnen – und Alu Norf. Dadurch steigt die Zahl der Industriebeschäftigten in den folgenden Jahren kräftig. Waren noch 1961 unter 74 Personen in der Industrie beschäftigt, so waren es 1974 mehr als 3.000 Menschen.

Landwirtschaft 1816 hatten die Gemeinden Norf und Rosellen folgenden Tierbestand: Fohlen: 7 Pferde: 102 Stiere: 4 Ochsen: 33 Kühe: 300 Jungvieh (Rinder): 90 Schafe: 400 Ziegen: 25 Schweine: 130

Ab 1840 wurde durch die Meliorationen des Norfbaches neue Ackerbauflächen geschaffen. Im 20. Jahrhundert erhielt der Norfer Weißkohl einen breiten Absatzmarkt. 1945 gab es noch 45 landwirtschaftliche Betriebe im Amt Norf. 1960 sank die Zahl auf 25 und 1974 waren es noch 16 Betriebe, davon drei landwirtschaftliche Betriebe in Norf.

Literatur Bert Pütz: Nor apa, Norpe, Norf. Norf 1974. Heinz Ohletz: Jahre Menschen Initiativen 1929–1974 im Großkreis Grevenbroich. Neuss 1975.

Einzelnachweise

Kategorie:Geschichte (Rhein-Kreis Neuss) Norf, Amt Kategorie:Geschichte (Rheinland) Kategorie:Geschichte (Neuss) Kategorie:Aufgelöst 1974