mini|Tsuji Masanobu Tsuji Masanobu (; * 11. Oktober 1900; † 20. Juli 1961Tsujis Geburtsdatum differiert je nach Quelle zwischen 1900 und 1903. Sein Todesdatum bezieht sich auf die „Für-Tod-Erklärung“ in Japan, da er in Laos, bzw. Nordvietnam als verschollen gilt.) war ein japanischer Oberst und Taktiker der Kaiserlich Japanischen Armee und späterer Politiker. Tsujis Leben und Wirken, besonders während des Zweiten Weltkriegs im Pazifikkrieg, seine Beteiligung an Kriegsverbrechen, seine eigene Entziehung vor dem alliierten Kriegsverbrecherprozess in Tokio, sowie sein späteres Wirken in der japanischen Politik und seine Bücher, machten ihn zu einem der am kontroversesten diskutierten Japaner.
Leben Geboren in Kaga (Präfektur Ishikawa) besuchte Tsuji ab seinem sechzehnten Lebensjahr die Kadettenanstalt in Nagoya und anschließend die Heeresoffizierschule in Ichigaya, einem Stadtteil im Bezirk Shinjuku in Tokio. Seine damaligen Klassenkameraden sollten im Verlauf seines Lebens immer wieder wichtige Rollen spielen. 1921 begann Tsuji den Dienst im Generalstab der Kaiserlich Japanischen Armee und studierte ab 1924 an der Heereshochschule, die er 1931 abschloss. Er erlernte die chinesische und russische Sprache, was ihm im Verlauf seiner Karriere zugutekam.
China Im Jahr 1932 kam Tsuji Masanobu nach China. Zu diesem Zeitpunkt griffen japanische Einheiten gerade in der ersten Schlacht um Shanghai die Stadt Shanghai an. Tsuji wurde Kommandant einer Kompanie und verlor bei einem Scharmützel mit den Chinesen 16 seiner Soldaten. Kurz darauf bereiste er mit einem Übersetzer die Provinz Xinjiang im Westen Chinas.
Zwei Jahre später diente Tsuji als Kompaniekommandeur an der Heeresoffizierschule. Zu dieser Zeit kam es zum Aufeinandertreffen der beiden unterschiedlichen Richtungsgruppen innerhalb des japanischen Militärs; der Tōsei-ha und der Kōdō-ha. Während die Tōseiha unter Führung von Ugaki Kazushige und Tōjō Hideki als prominentem Mitglied den Kurs des starken Militärs unter Nichteinmischung in die Landespolitik verfolgte, ging die Kōdōha einem deutlich nationalistischeren Weg nach. Tsuji, der der Tōseiha näherstand, meldete, wie er später in einem seiner Bücher anmerkte, fünf seiner ihm untergebenen Studenten, die an der Planung eines Umsturzversuchs – November-Zwischenfall (, jūichi-gatsu jiken) – der Kōdōha beteiligt gewesen sein sollen, an das Hauptquartier. Sie wurden der Offiziersschule verwiesen und zwei Offiziere, die sie rekrutiert hatten, aus der Armee entlassen.
1939 wechselte Tsuji Masanobu im Rang eines Majors zum Stab von General Ueda Kenkichi, dem Kommandeur der Kwantung-Armee. Er zeichnete Mitte des Jahres unter anderem für die Planungen zur Vorgehensweise der Armee während des Nomonhan-Zwischenfalls verantwortlich. Anschließend wechselte er im September zum Hauptquartier der 11. Japanischen Armee nach Hankou.
Invasionsplanungen Als eine militärische Konfrontation im südostasiatischen Raum mit den Briten und Australiern auf der malaiischen Halbinsel näher rückte, versetzte die japanische Führung im Dezember 1940 drei komplette Divisionen nach Formosa. Sie sollten dort unter Colonel Yoshihide Hayashi für den Kampf bei tropischen Bedingungen trainieren. Tsuji Masanobu stieß zu Jahresbeginn 1941 zu ihnen. Widersprüchliche Quelle bezeichnen Tsuji einmal als strafversetzt, andere ihn als Tōjō Hidekis Chefplaner für die malaysischen Operationen.
Unter seinen Untergebenen befand sich ein jüngerer Offizier, von dem er wusste, dass dieser mutwillig seinen Schreibtischjob im Heeresministerium verlassen und sich unter dem falschen Namen Asaeda nach Formosa begeben hatte, um die Niederländer in deren südostasiatischen Kolonien zu bekämpfen. Tsuji ließ ihn unter Bewachung nach Tokio überstellen, damit er sich dort den Behörden stellen könnte, um einem Skandal entgegenzuwirken. Doch schon kurz darauf kehrte Asaeda wieder nach Formosa zurück. Tsuji heuerte ihn daraufhin als Geheimagent an, um die Situation in Burma, Thailand und auf der malaiischen Halbinsel auszuspionieren. Asaeda machte sich mit der Geographie und den Landessprachen vertraut und begab sich im Frühjahr unter dem Deckmantel eines Agraringenieurs nach Thailand. Dort angekommen photographierte er Schlüsselstellen des Landes, die für eine Invasion wichtig waren, sprach mit Inländern höheren und niederen Rangs und kam so zu dem Schluss, dass Thailand einnehmbar wäre. Asaeda begab sich anschließend nach Burma, wo er vor allem die klimatischen Bedingungen im Norden des Landes untersuchte, um sie mit den Theorien zur Kriegsführung unter tropischen Bedingungen abzugleichen. Tsuji entsandte Asaeda kurz nach seiner Rückkehr zur malaiischen Halbinsel, wo dieser die Strände und Gezeitenbedingungen für eine Anlandung untersuchte.
Im Juni fanden im Golf von Tonkin vor der von Japan kontrollierten Insel Hainan Geheimmanöver statt, die von Hayashi und Tsuji geleitet wurden. Um die psychischen und physischen Eigenschaften seiner Soldaten zu testen, ließ er tausende Männer in voller Kampfausrüstung in die brütend heißen Laderäume der Schiffe klettern, wo sie bei Temperaturen von bis zu 50 °C eine Woche verbringen mussten. Auch die Pferde litten unter den gleichen Bedingungen. Anschließend brachten die Schiffe die Einheiten an offene Strände, wo diese unter Gefechtsbedingungen anlanden mussten. Dies geschah mit der Infanterie, der Artillerie und den Pioniertruppen.
Die malaysische Invasion sollte von der 25. Japanischen Armee unter General Yamashita Tomoyuki durchgeführt werden. Yamashita war zwar dankbar über Tsujis gesammelte Informationen, überzeugte sich aber selbst über die Lage, indem er den am japanischen Konsulat in Singapur tätigen Major Kunitake Terundo dorthin entsandte. Kunitake bereiste die Halbinsel und berichtete von etwa 250 Brücken, was deutlich mehr war als Tsuji angenommen hatte. So schlug er vor, jeder Division ein eigenes Pionierregiment zuzuordnen, das über genügend Material zum Brückenbau verfügte, und zusätzliche Übungen zur Überquerung von Flüssen durchführen zu lassen.
Konoe-Attentat In Tokio bahnten sich unterdessen unter der Regierung von Premierminister Prinz Konoe Fumimaro Begegnungen zwischen den Außenministern Japans und der USA an, die zu einer Kriegsvermeidung angesetzt worden waren. Zwei Geheimbünde, die für einen Krieg standen, planten aus diesem Grund einen Umsturz mit Hilfe von Attentaten. Tsuji Masanobu gehörte einer dieser Organisationen an und war für die Planung einer Eisenbahnbombe verantwortlich. Am 18. September 1941 sollte Fumimaro von Tokio nach Yokosuka reisen. Der Zug sollte auf der Rokugo-Brücke außerhalb Tokios zur Explosion gebracht werden. Doch schon einen Tag vorher kamen den Attentätern vier unbekannte Männer zuvor, die versuchten, Prinz Fumimaro auf offener Straße zu erdolchen. Das Attentat schlug fehl und die geplante Reise wurde abgesagt. Am 17. Oktober beauftragte Tennō Hirohito Tōjō Hideki mit der Bildung eines neuen Kabinetts, was die ultrarechten Militaristen an die Macht brachte und weitere Attentate damit überflüssig machte.
Malaysia Am 22. Oktober entschloss sich Tsuji Masanobu die malaiische Halbinsel persönlich in Augenschein zu nehmen. Zusammen mit dem Piloten Captain Ikeda bestieg er in Saigon eine Mitsubishi Ki-46. In der Morgendämmerung hob die Maschine ab. Bedingt durch schlechtes Wetter über der Halbinsel musste Ikeda bis auf unter 2.000 Meter heruntergehen, jedoch blieb das Flugzeug unbehelligt. So konnten sie die nördlichen Flugfelder der Alliierten erkunden und die Beobachtungen an General Terauchi Hisaichi, den neuen Kommandeur der Südarmee, weitermelden. Daraus entwickelten sie neue Invasionspläne, die von Tsuji persönlich in Tokio dem Generalstab präsentiert wurden.
Nachdem das Kabinett von Tojo die kriegerische Annexion der südostasiatischen Länder und den vermeintlich vorbeugenden Angriff auf Pearl Harbor beschlossen hatte, stachen am 4. Dezember die Konvois von Hainan, der Cam Ranh Bay und kurz danach von Saigon in See und setzten Kurs nach Süden. Tsuji Masanobu ging mit den Haupttruppen am Morgen des 8. Dezember bei Kota Bahru an Land. Im Gegensatz zu Tsujis Planungen erwartete die Japaner deutlich mehr Gegenwehr als erwartet. Doch obwohl sie zu Beginn in der Unterzahl kämpften, gelang ihnen ein Ausbau der Brückenköpfe. Vor allem in Thailand, wo die Haupttruppen an Land gegangen waren, konnte der Vormarsch in Richtung Singapur, dem eigentlichen Ziel, schnell aufgenommen werden.
Während der Kämpfe trat Tsuji oft als Motivator der eigenen Truppen in Erscheinung. Außerdem plante er Angriffe, deren Ausführungen aber von der Führungsebene des Öfteren abgelehnt wurden. Seine Beliebtheit hielt sich in Grenzen, da er wegen seines harschen Vorgehens und Umgang mit den Soldaten oft an deren Grenzen ging. Als Tsuji im Frühjahr 1942 in Verdacht geriet, an der Ermordung tausender Chinesen in Singapur beteiligt gewesen zu sein, widersetze er sich der Bestrafung durch Yamashita. Doch kurz darauf erfolgte seine Versetzung auf die Philippinen.
Philippinen Tsuji Masanobu traf einige Tage vor der alliierten Kapitulation auf Bataan auf den Philippinen ein. Zusammen mit Generalmajor Takaji Wachi, dem neuen Stabschef von General Homma Masaharu und etwa 4.000 Entsatzsoldaten für die seit Dezember 1941 kämpfenden Einheiten erlebte er mit, wie mehr als 70.000 alliierte Soldaten gefangen genommen wurden. Tsuji vertrat die Ansicht, alle Gefangenen zu exekutieren. Die Amerikaner, weil sie Kolonialisten waren, und die einheimischen Fillipinos, weil sie ihre „asiatischen Brüder“ betrogen hätten. Diese Meinung vertrat er auch vehement im Generalstab und war dabei so überzeugend, dass ein Stabsoffizier dies wie einen Befehl aufnahm und die angebliche Order an den zuständigen Offizier für die Gefangenen weiterleitete. Selbst die Zeitung The Japan Times & Advertiser nahm Tsujis Vorschläge auf und schrieb in ihrer Ausgabe vom 28. April:
General Homma hatte seine Truppen allerdings angewiesen, die einheimischen Soldaten zu respektieren und von Gewaltaktionen Abstand zu nehmen. Tsujis Einfluss war aber so stark, dass es doch zu einigen Exekutionen kam, darunter einige hochrangige philippinische Politiker.
Guadalcanal Nachdem die Amerikaner im August 1942 die Schlacht um Guadalcanal begonnen hatten und die Japaner dort mehr und mehr zurückgedrängt wurden, ersuchte Tsuji Masanobu seine Vorgesetzten in Tokio ihn als Beobachter nach Rabaul zu schicken. Tsuji fungierte als Vermittler zwischen Armee und Marine, indem er Admiral Yamamoto Isoroku auf dem Schlachtschiff Yamato besuchte, das gerade in Kure im Dock lag, um ihn von der Notwendigkeit einer großangelegten Entsatzaktion für die Truppen auf Guadalcanal zu überzeugen. Yamamoto sah schnell in dieser Aktion die Möglichkeit einer Entscheidungsschlacht für den Pazifikkrieg. Zusammen mit Colonel Haruo Konuma, einem ehemaligen Klassenkollegen von der Heeresoffizierschule und jetzt Stabsoffizier von Generalleutnant Hyakutake Seikichi in Rabaul, erarbeitete Tsuji die Detaillierung des Plans.
Schlachtvorbereitungen