Hilal Ercan (* 22. September 1988. In: Justizportal Hamburg, 16. Juni 2021, abgerufen am 31. Oktober 2022 (PDF; 224,8 KB).) ist ein Mädchen, das 1999 im Alter von zehn Jahren in Hamburg spurlos verschwand. Der Fall löste eine der größten Fahndungsaktionen der Hamburger Kriminalgeschichte aus.

Verschwinden mini Die damals zehnjährige, türkischstämmige Hilal Ercan lebte in Hamburg-Lurup und verschwand dort am 27. Januar 1999. Sie hatte ein gutes Schulzeugnis nach Hause gebracht und durfte sich zur Belohnung Süßigkeiten kaufen.

Um 13:22 kaufte sie in einem Laden des rund 100 Meter von der elterlichen Wohnung entfernen Elbgau-Einkaufszentrums ein Päckchen Kaugummi, anschließend verlor sich ihre Spur. Der Vater Kamil und die Mutter Ayla Ercan glaubten nicht, dass ihre Tochter einfach weggelaufen sein könnte. Die eingeleitete groß angelegte Suche blieb vergeblich.

Ermittlungen Die Ermittlungen hatte die Sonderkommission „Morgenland“ übernommen. Die 25-köpfige Sonderkommission unter dem Kriminalbeamten Reinhard Chedor, dem späteren Leiter des Hamburger LKA, verfolgte im Laufe der Jahre mehrere tausend Hinweise und suchte mit Hundestaffeln, der Bereitschaftspolizei und Polizeitauchern. Zwei Zeugen sagten aus, sie hätten am Tag des Verschwindens auf dem Parkplatz vor dem Einkaufszentrum einen kräftig gebauten Mann mit lichtem rotblonden Haar gesehen, in dessen Begleitung sich ein dunkelhaariges Kind befand, das Hilal ähnelte. Die Kommission dehnte ihre Ermittlungen auch auf das familiäre Umfeld und die Türkei aus: Ein Onkel Hilals, gegen den wegen eines Sexualdelikts ermittelt worden war, wurde ohne Ergebnis überprüft. Hilals Großmutter mütterlicherseits geriet unter Verdacht, nachdem sie ein falsches Alibi angegeben und sich in Widersprüche verstrickt hatte. Daraufhin durchsuchte die türkische Polizei, unterstützt von der Sonderkommission, in mehreren türkischen Städten Häuser, weil vermutet wurde, das Kind könne dort versteckt gehalten werden. Später stellte sich heraus, dass die falschen Angaben keinen Zusammenhang mit dem Verschwinden hatten.

Für die Fahndung nach dem Mädchen setzten die Behörden eine Belohnung von 20.000 D-Mark aus. Auch Hinweise und Aufrufe in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY … ungelöst sowie der RTL-II-Sendung Ungeklärte Morde – Dem Täter auf der Spur blieben erfolglos. Das Schicksal von Hilal Ercan ist trotz intensiver Nachforschungen unbekannt.

Als früher Verdächtiger galt den Ermittlern Hans-Joachim Q., der am 7. Mai 1999 - kurz nach Hilals Verschwinden - im Hamburger Stadtteil Lohbrügge eine elfjährige Schülerin vor einem Einkaufszentrum in sein Auto gezerrt, sexuell missbraucht und anschließend freigelassen hatte. Er wurde wegen Geiselnahme, sexueller Nötigung und sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu sieben Jahren Haft verurteilt. Wegen der Parallelen hielten die Ermittler ihn für einen möglichen Täter im Fall Hilal. Eine Gegenüberstellung mit den beiden Zeugen vom Parkplatz blieb ohne eindeutiges Ergebnis. Eine Beteiligung am Verschwinden Hilals bestritt er und angeklagt wurde er in dieser Sache nicht.

Am 27. April 2005, genau sechs Jahre und drei Monate nach dem Tag des Verschwindens, kam wieder Bewegung in den Fall: Der wegen Sexualstraftaten an Kindern vorbestrafte Dirk A. aus der Psychiatrie der Asklepios Klinik Nord am Standort Ochsenzoll in Hamburg-Langenhorn gestand, das Mädchen entführt und ermordet zu haben. Noch während die Polizei den von ihm angegebenen Tatort auf Spuren durchsuchte, zog der Mann das Geständnis wieder zurück. Er bestreitet die Tat bis heute und es kann ihm auch nichts nachgewiesen werden. Damit rückte neben Hans-Joachim Q. ein zweiter Verdächtiger in den Fokus der Ermittlungen.

Anfang 2018 suchten Beamte der Ermittlungsgruppe „Cold Cases“ erneut mit einer Plakatkampagne nach Hinweisen im Fall.Vermissten-Fall der 10-jährigen Hilal Ercan nach 19 Jahren neu aufgerollt. In: YouTube, 31. Januar 2018. Im September 2018 durchsuchte die Polizei nach dem Hinweis eines neuen Zeugen den Altonaer Volkspark.Daniel Wüstenberg: Neue Spur in Hamburg: Hilal verschwand vor 19 Jahren – jetzt gräbt die Polizei einen Park um. In: stern.de, 10. September 2018.

Im Juni 2021 lobte die Staatsanwaltschaft Hamburg erneut eine Belohnung aus, diesmal in Höhe von 20.000 Euro für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat führen. Ebenfalls seit 2021 unterstützen die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) die Suche mit einem großflächig mit einem Zeugenaufruf beklebten Linienbus.

Nachdem Ermittler im Zuge der Auswertung alter Akten auf einen mehrfach verurteilten Sexualstraftäter gestoßen waren, durchsuchte die Hamburger Polizei im Sommer 2022 an mindestens 25 Tagen mit je 18 bis 25 Beamten ein Waldstück am nördlichen Stadtrand. Eine Auswertung von gesammelten metallischen Gegenständen werde vorgenommen. Die im Juli 2022 durchgeführte, auch ein Gewässer umfassende Durchsuchung blieb erfolglos. Im Herbst 2022 wurde bei einer unabhängig davon durchgeführten Maßnahme zudem ein Kleingartengrundstück im Altonaer Volkspark gerodet und auf Bodenanomalien untersucht, nachdem dort bei einer privaten Suche der Familie Spürhunde angeschlagen hatten. Eine anschließende Untersuchung mit einem Bodenradar ergab an drei Stellen Auffälligkeiten, die dafür sprachen, dass dort früher Erde bewegt worden sein könnte. Polizei und Rechtsmedizin gruben später mit einem Bagger nach, fanden aber erneut keine neuen Beweismittel.

Im November 2025 startete der Getränkehersteller True Fruits auf Initiative der Familie eine Kampagne, bei der die Vermisstenanzeige von Hilal auf Smoothie-Flaschen gedruckt wurde, die in Supermärkten in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertrieben wurden. Nach Unternehmensangaben wurden die Flaschen in über 30.000 Märkten verkauft - zusätzlich wurden großflächige Plakate in Hamburg und München angebracht. Ferner lobte das Unternehmen eine zusätzliche Belohnung in Höhe von 80.000 Euro aus, die zusammen mit der von der Staatsanwaltschaft Hamburg ausgesetzten Belohnung eine Gesamtsumme von 100.000 Euro ergibt. Die Kampagne diente auch der Suche im Vermisstenfall Scarlett Salice, die seit 2020 gesucht wird.

Mediale Rezeption Bereits 2005 hatte sich Spiegel TV in dem Beitrag "Mordfall Hilal - Ein Fahnder gibt nicht auf" mit dem Fall befasst. Im Oktober und November 2022 strahlten Das Erste und das NDR Fernsehen die Dokumentation "Wo ist Hilal?" aus dem Format "ARD Crime Time". Zwei Reporter hatten den Bruder von Hilal, Abbas Ercan, über 18 Monate bei der Suche nach neuen Hinweisen begleitet. Im Mai 2026 widmete sich die erste Folge der neuen ZDF-Reihe "XY Spuren des Verbrechens", die bekannte Fälle aus Aktenzeichen XY ... ungelöst mit neuen Erkenntnissen aufgreift, dem Fall von Hilal.

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Einzelnachweise

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