Der Park an der Ilm (kurz Ilmpark) ist der größte und bekannteste Landschaftspark in Weimar (Thüringen). Er wurde seit seiner Errichtung im 18. Jahrhundert unter Beteiligung von Johann Wolfgang von Goethe kaum verändert und zählt damit zu den am besten erhaltenen Parkanlagen des Klassizismus und der Romantik. Charakteristisch sind seine Sichtachsen, die Brücken über die Ilm-Bögen, die vielseitigen Parkarchitekturen und der wertvolle Baumbestand, der zum Teil aus Übersee stammt. Der Ilmpark ist Teil des Ensembles Klassisches Weimar, das 1998 von der UNESCO in die Welterbeliste aufgenommen wurde.

Lage mini|links|hochkant=1.2|Übersichtsplan Der Park an der Ilm hat eine Fläche von 48 Hektar und erstreckt sich beiderseits der Ilm über eine Länge von 1,6 km und eine Breite von ca. 300 m vom Weimarer Stadtschloss im Norden bis zum Weimarer Stadtteil Oberweimar im Süden. Dort beginnt die Ilmstraße. Dabei ist der Park Teil eines kilometerlangen Grünzugs, der ilmaufwärts bis zum Fuße des Schlossparks Belvedere und ilmabwärts bis zum Schlosspark Tiefurt reicht.Wolfgang Huschke/Wolfgang Vulpius: Park um Weimar, Weimar 1955. Kommentar: Außer diesen wird auch der Park Ettersburg darin beschrieben; es ist eine gut lesbare Darstellung der Parkanlagen mit zahlreichen Illustrationen.Wichtiger ist jedoch Wolfgang Huschke: Die Geschichte des Parkes von Weimar. (= Thüringische Archivstudien, Bd. 2) Hrsg. von Willy Flach, Weimar 1951. Die nachfolgenden auf Huschke sich berufenden Belege beziehen sich auf dieses Werk. Der eigentliche Park an der Ilm unterteilt sich in den Goethe-Park und den Dux-Garten. Diese beiden Teile sind mit einer über die Ilm führenden Brücke, der Dux-Brücke, miteinander verbunden. Nördlich und westlich des Ilmparks befindet sich die Parkvorstadt. Diese Teile gehörten einst auch zum Ilmpark.

Geschichte Vorgeschichte mini|links|Vorgänger des Parks an der Ilm war der Lustgarten; Stich von Caspar Merian (um 1650) Erste Parkanlagen an der Ilm entstanden bereits im 14. Jahrhundert wie die Schlossgärten mit dem Baumgarten am Schwansee um 1370 bis zu seinem Untergang 1613 sowie der Welsche Garten, ein Barockgarten, der jenem folgte. Die Entwicklung der Schlossgärten und des späteren Ilmparks ist eng verbunden mit der Entwicklung des Schlosses selbst. Diese Gärten waren nicht nur Schauanlagen, sondern auch Nutzgärten. Vor der Anlage des Ilmparks ging dem eine lange Verfallsphase der Schlossgärten voraus. Überreste von ihnen gibt es nicht, da die Umgestaltung zu einer kompletten Entfernung aller Pflanzen und Wege führte. Der Baumgarten war in seiner Gründungsphase zunächst ein Obstgarten, der auch als Lustgarten genutzt wurde. Er entstand mit dem Bau der Burg Weimar. Die erste Erwähnung von Gärten erfolgte in der Zeit, als Weimar von den Wettinern übernommen wurde. Die Besitzungen des Grafen Hermann VIII. von Weimar und Orlamünde gingen nach dessen Tod 1373 in die Hände der Markgrafen Friedrich III., Balthasar und Wilhelm, über. In unmittelbarer Nähe der Burg wurde ein baumgarten gensyt der Ylmena erwähnt.Huschke, S. 13. 1487 ist von einem nuwen Baumgarten die Rede.Huschke, S. 15. Um 1512 soll der Baumgarten auch Renngarten geheißen haben, weil sich dort eine Rennbahn befunden hatte.

Das Ende des Baumgartens kam mit dem als Thüringer Sintflut bezeichneten Unwetter vom 29. Mai 1613, das sowohl die Lustgärten als auch die wirtschaftlich genutzten Anlagen derart vollständig zerstörte, dass die Herzogin Dorothea Maria auf deren Wiederaufbau verzichtete. Danach fiel dieser Bereich in eine Art Dornröschenschlaf und blieb zunächst reiner Nutzgarten, zumal der Dreißigjährige Krieg gartenkünstlerischen Aktivitäten im Wege stand.Huschke, S. 25. Diese kamen erst ab 1648 unter Herzog Wilhelm langsam in Gang.Huschke, S. 29. Ab 1685 taucht ein Sterngarten auf – obwohl offenbar existent, wurde er zunächst nicht unter die herzoglichen Gärten gezählt.Huschke, S. 30. Der Stern spielte im Folgenden für die weitere Geschichte bei der Gestaltung des Ilmparks eine Rolle. Auch die Schnecke, die im Hintergrund des etwa 1650 entstandenen Stichs von C. Merian dargestellt ist,Um 1650 entstand noch ein weiterer Stich von W. Richter. Huschke, Taf. IV. spielte noch bei der Umgestaltung des Welschen Gartens eine Rolle, weil eine 1794 entstandene Darstellung des oberen Einganges zur Schnecke im Park von Georg Melchior Kraus gibt, der allerdings bereits eine gewisse Reduzierung erfuhr.Georg Melchior Kraus: Aussichten und Parthien des Herzogl. Parks bey Weimar. Hft. 3, Blatt III, hrsg. von Ernst-Gerhard Güse und Margarete Oppel. Weimar 2006, S. 18. -Müller-Wolff, Taf. XLI. Ab 1739 sprach der Chronist G. A. Wette von einer Stern-Wiese. In der Nähe lagen auch Fischteiche. Der Floßgraben und die Floßbrücke werden in den Quellen häufiger erwähnt.Huschke, S. 31 f. Nach einer Blütephase unter der Regentschaft Herzog Wilhelm Ernst 1683 bis 1728 und einer letzten Blütezeit unter Herzog Johann Ernst 1728 bis 1748 verfiel der Garten langsam bis 1775,Huschke, S. 36–48. auch ohne direkten Bezug zum Siebenjährigen Krieg.

Entstehung des Ilmparks mini|Goethes Gartenhaus am östlichen Hang des Ilmparks Die Gestaltung des Parks begann 1776 unter maßgeblicher Einflussnahme durch Johann Wolfgang Goethe im Stil eines sentimentalen englischen Landschaftsgartens. Der ehemalige Lustgarten, der zuvor noch an die Formensprache des Barock angelehnt war, erfuhr damit eine radikale Umgestaltung. Der älteste erhalten gebliebene Teil des Parks ist die Felsentreppe als Nadelöhr nahe der Floßbrücke, welches Goethe in Erinnerung an den Freitod der Christiane Henriette Sophie von Laßberg, von Goethe genannt Christel von Laßberg, anlegen ließ.Dieses war gewissermaßen Ausdruck der Empfindsamkeit. Christiane stürzte am 16. Januar 1778 in die Ilm bei der Floßbrücke. Sie soll angeblich ein Exemplar von Goethes Roman Die Leiden des jungen Werther bei sich gehabt haben. Motiv war dabei unerfüllte Liebe. Müller-Wolff, S. 40 f. Es soll sich um den livländischen Baron von Wrangel gehandelt haben, in den sie sich unglücklich verliebt hatte. Außer der Felsentreppe ist das Borkenhäuschen, welches ein Rückzugsort für Karl August war, der älteste erhaltene Bestandteil des Ilmparks.Müller-Wolff, S. 40 ff. und S. 67. Der an der Parkhöhle befindliche Felsenbrunnen ist natürlichen Ursprungs. Dieses ist der einzige übrig gebliebene Teil des sogenannten Luisenklosters, wo zuvor der alte Pulverturm stand, welcher in das Luisenkloster einbezogen wurde. Es diente gewissermaßen als Theaterkulisse. In dessen Nähe wurde auch die künstliche Ruine 1784 errichtet, in welche die alte SchießmauerDas Schießhaus für die Büchsenschützengesellschaft unweit des Webicht war gewissermaßen dafür ein Ersatz. einbezogen bzw. umgestaltet wurde.Müller-Wolff, S. 49 ff. Namensgeberin war die Herzogin Luise, zu deren Namenstag, dem 9. Juli 1778 dieses angelegt wurde. Im Frühjahr 1776 erwarb Goethe auch das nach ihm benannte Gartenhaus am Osthang des Parks, das möglicherweise vormals ein Winzerhaus war, da dort bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts Weinbau betrieben wurde, was zur Zeit Goethes allerdings nicht mehr der Fall war. Danach wurde der Hang zur Obstwiese, auf der auch Gemüse angebaut wurde. Dies ist auf einer Darstellung aus dem Jahr 1777 von Georg Melchior Kraus zu sehen, der einige Ansichten von Teilen des Ilmparks schuf. Im Garten befindet sich der Stein des guten Glücks. Bei der Parkgestaltung wurde auf die Erfahrungen bei der Anlage des Wörlitzer Parks zurückgegriffen, was auf die engen Beziehungen zwischen dem Weimarer Großherzog Karl August und Fürst Franz von Anhalt-Dessau zurückzuführen ist. Zur Erinnerung und als Symbol seiner Freundschaft mit dem Fürsten von Dessau ließ Karl August 1782 am Westufer der Ilm aus einer fünf Meter hohen Travertinplatte den Dessauer Stein im Park errichten, welcher auf einer 1787 eingelassenen Tafel aus Sandstein die Inschrift „Francisco Dessaviae Principi“ trägt. Dieser große Stein wurde bereits November 1782 an einer Wegbiegung in der Kalten Küche aufgerichtet. Es wurden auch kleinere Travertinsteine am Fuße mit angeordnet. Dieses wiederum ist Adam Friedrich Oesers letzte Arbeit für Weimar im direkten Zusammenwirken mit Goethe.Timo John: Adam Friedrich Oeser 1717–1799: Studie über einen Künstler der Empfindsamkeit, Beucha 2001, S. 160 f. ISBN 978-3-934544-17-8. Oeser fertigte allerdings auch danach für Tiefurt für die Herzogin Anna Amalia noch mehrere Entwürfe.Müller-Wolff, S. 133 ff. Bemerkenswert ist die Ähnlichkeit des Tiefurter Herderdenkmal mit der des Dessauersteins. Einer Laune des Herzogs Carl August verdankte im Spätherbst 1799 der von Martin Gottlieb Klauer geschaffene Stein Remember Leo südlich des Tempelherrenhauses seine Aufstellung. Remember Leo ist seine Inschrift. Damit wurde dem Hund Leo von Charles Gores Tochter Emily, gedacht. Die Weimarer Bevölkerung nahm daran jedoch derart Anstoß, dass wochenlang Nachtwachen gehalten werden mussten.Gedenkstein „Remember Leo“. In: Gitta Günther, Wolfram Huschke, Walter Steiner (Hrsg.): Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, S. 137.Wolfgang Huschke: Die Geschichte des Parkes von Weimar (= Thüringische Archivstudien, hrsg. von Willy Flach), Weimar 1951, S. 106 u. S. 203. Die Fragmente des Steines sind erhalten und sind im Römischen Haus als zusammengesetztes Relief zu besichtigen.Park an der Ilm. Hg. von Klassik Stiftung Weimar. Deutscher Kunstverlag, Berlin 2021, S. 123.

Nicht nur die Parkarchitektur wurde durch Folgen des Zweiten Weltkrieges zerstört oder beschädigt, sondern auch die Bepflanzungen wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. Unter der Leitung von Hermann Schüttauf erfolgte in den 1950er Jahren die Rekonstruktion bzw. Wiederanpflanzung.

Beschreibung Goethes Gartenhaus und das ihm am anderen Ilmufer gegenüber liegende Römische Haus, welche beide zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Weimars gehören, bilden die Akzente der Parkgestaltung, die durch klare Sichtbeziehungen und zahlreiche architektonische Details wie Denkmale, Figuren und Brücken (z. B. die Schaukelbrücke) bestimmt werden. Im Teil des Dux-Gartens befindet sich u. a. das 1904 aufgestellte und vom Bildhauer Otto Lessing im Auftrag der 1864 in Weimar gegründeten Deutschen Shakespeare-Gesellschaft geschaffene erste Shakespeare-Denkmal auf europäischem Festland.Unter Kunst, Wissenschaft und Literatur wird das Shakespeare-Denkmal erwähnt In: Vossische Zeitung. 15. Januar 1903.Shakespeare-Denkmal im Park an der Ilm im Archiv der UdK.