mini|Galopprennen in München-Riem mini|Trabrennen in Dinslaken, NRW mini|Hürdenrennen in Deauville-Clairefontaine mini|Rennstart aus Boxen mini|Wagenrennen im antiken Griechenland, um 550–540 v. Chr.

Pferderennen (Pferderennsport) ist ein Pferdesport, bei dem die Pferde so schnell wie möglich eine bestimmte Strecke zurücklegen müssen. Pferderennen gehören zu den ältesten (organisierten) Sportarten der Menschheit. Sie dienen primär der Zuchtauslese (Pferdezucht), sowie der Unterhaltung. Sowohl das Englische Vollblut als auch die Traber verdanken ihre Zucht den Erfordernissen der Rennbahn. Der dortige harte Ausleseprozess führt zu Leistungsmerkmalen, die auch in der Zucht anderer Pferderassen höchst willkommen sind (zum Beispiel Gesundheit, Widerstandsfähigkeit, Adel in der Erscheinung und im Bewegungsablauf).

Wirtschaftsforscher haben einer Studie zufolge im Jahr 2022 dem internationalen Rennsport einen weltweiten Wirtschaftsanteil von 402,3 Milliarden $ zugesprochen. Grund für diese hohe Summe ist, dass immer mehr Menschen auf der ganzen Welt daran interessiert sind, Pferderennen zu schauen und darüber hinaus Wetten auf diesen Sport zu platzieren. Weiterhin treiben das Wachstum des weltweiten Glücksspiels und Sportwetten, steigende Preisgelder durch wertvolle Partnerschaften und Sponsoren und die Lockerungen von Gesetzen und Förderungen von Online-Wettanbietern, vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika, die steigenden Umsätze an.

Pferderennen werden auf unterschiedlichem Geläuf ausgetragen. Als Synonym zu Pferderennen werden viele Wettbewerbe als Derby bezeichnet. Eine Pferderennbahn, kurz Rennbahn, früher Rennwiese genannt, wird heute auch mit dem Anglizismus Turf bezeichnet. (Siehe auch: Liste von Pferderennbahnen)

Geschichte mini|hochkant|Preisamphora, ca. 500 v. Chr.: Vierergespann mini|Reiterlose Renner in Rom von Théodore Géricault Pferderennen haben eine lange Geschichte. Es gab sie in verschiedenen antiken Kulturen auf der ganzen Welt. Archäologische Untersuchungen belegen Pferderennen im alten Griechenland, Babylonien, Syrien und Ägypten.

Im 4. Jahrhundert vor Christus beriet der chinesische Stratege Sun Bin den General Tian Ji, der vom Kaiser zu einem Pferderennen in drei Läufen herausgefordert worden war, folgendermaßen: Tian Ji sollte gegen das beste Pferd des Kaisers sein schwächstes Tier einsetzen und gegen das zweitbeste kaiserliche Pferd sein stärkstes. Gegen das schwächste Pferd des Kaisers setzte Tian Ji sein mittleres Tier. Tian Ji gewann zwei der drei Läufe. Dem beeindruckten Kaiser erklärte er, er habe den Sieg dem Rat Sun Bins zu verdanken.Jian-Jun Shu: On Generalized Tian Ji’s Horse Racing Strategy. In: Interdisciplinary Science Reviews. Vol. 37, No. 2, 2012, S. 187–193.

Pferdesportwettbewerbe, Hippische Agone, gab es bei verschiedenen athletischen Spielen im antiken Griechenland. Bei den Leichenspielen zu Ehren seines im Kampfe gefallenen Freundes Patroklos veranstaltete Achill ein großes Pferderennen (Ilias, XXIII.Gesang). Bei den Olympischen Spielen der Antike wurde 680 v. Chr. das erste Wagenrennen mit Viergespannen über ungefähr 13 km ausgetragen. Im Laufe der Zeit kamen weitere Wagenrennen-Disziplinen über kürzere Distanzen, mit Zweigespannen und das Rennreiten hinzu.M. Weisenhorn: Die hippischen Agone. In: Forum Archaeologiae. Band 42, Nr. III, 2007,

Im Römischen Reich waren Pferderennen ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die Rennställe, die Zirkusparteien, gewannen im römischen Reich und dem späteren Oströmischen Reich zunehmend auch politische Bedeutung. Die Zirkusparteien entstanden bereits in der römischen Kaiserzeit, wobei zunächst vier gleichberechtigte Rennställe mit ihren Anhängern existierten: Grün, Blau, Rot und Weiß. In der Spätantike (284 bis 641 n. Chr.) hatten die beiden großen Parteien der Blauen und Grünen „Dependancen“ in all jenen Großstädten, die über einen Circus oder ein Hippodrom verfügten.

Nach dem teilweisen Zusammenbruch des Oströmischen Reiches im 7. Jahrhundert wurden fast nur noch in der Hauptstadt Konstantinopel (Byzanz, heute Istanbul) Wagenrennen veranstaltet. Der Einfluss der Zirkusparteien beschränkte sich ab dieser Zeit auf Konstantinopel. Von der Spätantike bis in das 9. Jahrhundert war ein erheblicher Teil der Stadtbevölkerung von Byzanz in ihnen organisiert. Sie erlangten politischen Einfluss, da sie das Volk über die Teilnahme an den Spielen, Theater und Wagenrennen im Hippodrom von Konstantinopel mobilisieren konnten.

In der nordischen Mythologie werden Pferderennen beschrieben, wie der Kampf zwischen Odin und dem Riesen Hrungnir. Sie streiten, wer von ihnen beiden das schnellere Ross besitze. Odin gewinnt zwar auf Sleipnir den Wettkampf, aber Hrungnirs Pferd Gullfaxi ist immerhin so schnell, dass es nach Asgard stürmt, wo Hrungnir eingeladen von den Göttern an einem Gelage teilnimmt.

Auch die Araber trugen mit ihren Pferden Rennen über größere Distanzen aus. Arabische Pferde zeichnen sich noch heute durch besonders gute Ausdauer aus und sind im Distanzsport sehr erfolgreich.

Im Mittelalter werden Pferderennen unter Heinrich II. (1154–1170) erwähnt.Joseph Ritter von Hazzi, Über die Pferderennen…, 1826, S. 16. Es gibt Hinweise auf Pferdewetten im Jahre 1522.Jockey’s Guild: History of Race Riding, 1999, S. 11. Der Begriff Jockey für Rennreiter ist etwa ab 1660 gebräuchlich.Online Etymology Dictionary, Douglas Harper, 2013, über Jockey

Das Palio di Siena findet seit 1633 statt.

In der Neuzeit wurde von der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts bis 1882 der Karneval in Rom mit Pferderennen beendet. Dabei liefen fünfzehn bis zwanzig reiterlose Pferde die lange, gerade Via del Corso entlang.Das Römische Karneval Johann Wolfgang von Goethe: Italienische Reise – Kapitel 84, 1796.

Im 18. Jahrhundert wurden Pferderennen unter europäischen Aristokraten immer beliebter. Das älteste Pferderennen in England ist das St. Leger Stakes, das seit 1776 ausgetragen wird. Mit der Entwicklung des Pferderennsports entstand die Rasse der englischen Vollblüter.

Galopprennsport mini|Galopprennen in Kentucky, Churchill Downs

Bei Galopprennen sind alle Gangarten erlaubt. Da der Galopp die schnellste Fortbewegungsmöglichkeit des Pferdes ist, werden diese Rennen immer im Galopp zurückgelegt. Galopprennen werden hauptsächlich von Englischen Vollblutpferden bestritten, sie werden aber auch für Arabische Vollblüter, Halbblüter und zuweilen für Ponys ausgeschrieben. Die Pferde werden entweder von Jockeys (Berufsrennreitern) oder Amateuren geritten.

Trabrennsport

Es ist nur die Gangart Trab erlaubt. Pferde, die in den Galopp verfallen (fachlich: „springen“, „anspringen“), werden disqualifiziert.

Skijöring und Skikjöring mini|Pferderennen auf Schnee in Arosa

Skikjöring ist ein Pferderennen, bei dem ein Skifahrer von einem reiterlosen Pferd gezogen wird. Das Pferd trägt ein leichtes BrustblattgeschirrBeschreibung eines Skijöring-Geschirrs (PDF; 959 kB). und ist über zwei Zugstränge mit dem Sicherheitsgurt verbunden, den der Fahrer um den Körper trägt. So hat der Fahrer die Hände für die Leinen frei und kann im Notfall die Zugverbindung zum Pferd lösen. Die Leinenführung muss am Pferd über einen Bauchgurt mit Leinenführungsringen sichergestellt werden (zum Beispiel Longiergurt, Einfahrgurt, Selette von Einspännergeschirr oder Kammdeckel von Zweispännergeschirr). Sehr bekannt sind die Skikjöring-Rennen, die alljährlich im Rahmen der Meetings von St. Moritz in der Schweiz ausgetragen werden. Es sind alle Gangarten erlaubt. Dabei werden Skifahrer von unberittenen Vollblütern mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 oder 55 km/h über eine Piste aus Schnee und Eis gezogen. Die Fahrer schützen sich dabei mit speziellen Ausrüstungen, ähnlich denen von Eishockeyspielern, gegen die von den Pferdehufen aufgewirbelten Schnee- und Eisbrocken.

Beim Skijöring hingegen sitzen Reiter auf den Pferden, die die Skifahrer ziehen. Die Skifahrer halten sich an einem Bügel, ähnlich wie beim Wasserskifahren.. In Arosa findet seit 1911 alljährlich ein Skijöring-Rennen statt.IG Pferderennen auf Schnee Arosa. Skijöring und Pferdeschlittenrennen werden auch als Breitensport betrieben.Skijöring bei Kimratshofen. Es gibt auch Snowboarder,Skijöring Holzelfingen 2010. die sich von Pferden ziehen lassen und Kinder, die sich auf gewöhnlichen Holzschlitten von einem ruhigen Pferd (beispielsweise von der Mutter geritten) nachziehen lassen.

Töltrennen Es ist nur die Gangart Tölt erlaubt, eine Viertaktgangart in acht Phasen. Bei einem Töltrennen werden nur die Pferde gewertet, die einen taktklaren Tölt gezeigt haben, die anderen werden disqualifiziert. Töltrennen werden meist von Islandpferden gelaufen, einer Ponyrasse, der zusätzlich zu dieser Spezialgangart auch der Pass angeboren ist.

Passrennen Es ist nur die Gangart Rennpass erlaubt, bei der die Pferdebeine nicht wie im Trab diagonal gesetzt werden, sondern in einer Linie den Boden berühren. (Bsp.: rechtes Hinter- und Vorderbein werden gleichzeitig bewegt, das linke Hinter- und Vorderbein bleibt dabei am Boden) In den USA und Kanada werden mehr Passrennen als Trabrennen abgehalten und momentan werden bei ihnen auch die höheren Geschwindigkeiten erreicht.

Barrel Race mini|Barrel-Race, Spencerville Stampede, USA, 2014 Das Barrel Race ist eine Western-Disziplin, bei der es darum geht, drei Ölfässer möglichst schnell zu umrunden. Beim Barrel Race werden meist Quarter Horses eingesetzt, die dank ihrer kräftigen Hinterhand und Wendigkeit dafür besonders geeignet sind.

Pferdewetten Ein Großteil der Veranstaltungskosten und Preise im Pferderennsport wird durch die Wettleidenschaft der Besucher am Schauplatz selbst und der Wetter bei den Buchmachern getragen. Insbesondere bei Galopprennen und Trabrennen wird viel gewettet.

Wettarten mini|Ergebnistafel mit Quotenanzeige nach dem Rennen Es existieren vier verschiedene Grundwettarten, deren Quoten dann am Totalisator ermittelt werden. Bei den meisten Pferderennen wettet man auf

Sieg: den späteren Sieger des Rennens Platz: das Pferd muss Erster, Zweiter oder Dritter werden, bei weniger als sieben Startern Erster oder Zweiter Zweierwette: die richtige Reihenfolge der Pferde auf Platz 1 und 2 muss vorhergesagt werden Dreierwette: die ersten drei Plätze müssen in richtiger Reihenfolge vorhergesagt werden

weitere in Deutschland spielbare Pferdewettarten sind:

Vierer-Wette: die ersten vier Plätze müssen in richtiger Reihenfolge vorhergesagt werden – Diese Wette wird seit 2007 bei Galopprennen in Deutschland i. d. R. nur in einem Rennen pro Renntag angeboten „Wettchance des Tages“ und ist oftmals mit einer Mindestauszahlung (häufig 10.000 Euro) ausgestattet. Diese Wette kann als die erfolgreichste Neueinführung im deutschen Pferdewettmarkt der letzten Jahre angesehen werden, die Umsätze sind fast immer viel höher als in anderen Rennen ohne Viererwette. Dies ist zum einen auf die Chance hoher Quoten zurückzuführen, zum anderen wird diese Wette auch von Buchmachern zumeist in den Totalisator vermittelt, da sie das Risiko hoher Auszahlungen nicht tragen wollen. 2 aus 4: man sagt 4 Pferde in einer beliebigen Reihenfolge voraus, mindestens zwei dieser Pferde müssen unter den ersten vier sein. (2 aus 4 ersetzte 2019 die Platzzwilling-Wette) Finish-Wette: die Sieger der letzten drei Rennen des Tages müssen vorhergesagt werden TOP-6-Wette (in GB „Scoop6“ genannt): die Sieger von sechs Rennen des Tages müssen vorhergesagt werden

Die Wettformate für Pferderennen aus den USA und dem Magna Racino in Österreich lauten:

WIN: Sieger des Rennens PLACE: das Pferd muss Erster oder Zweiter werden SHOW: das Pferd muss Erster, Zweiter oder Dritter werden

Diese drei Wettformate können auch kombiniert werden zum Beispiel WINPLACE dies entspricht dann aber einer WIN-Wette und einer PLACE-Wette.

EXACTA: die ersten beiden Plätze müssen in der richtigen Reihenfolge vorhergesagt werden