mini|Das 1903 eröffnete Zentralposthaus in Stockholm, entworfen von Ferdinand Boberg mini|Karte der Postroute zwischen Stockholm und Åbo von 1749

Die Postgeschichte Schwedens umfasst die Entwicklung des schwedischen Postwesens von älteren Boten- und Kurierdiensten über die Gründung des staatlich organisierten Postverket im Jahr 1636 bis zur Liberalisierung des Briefmarktes, zur Entstehung von PostNord und zum heutigen regulierten Universaldienst. Dazu gehören die Entwicklung von Postrouten, Postämtern, Poststationen, Portoregeln, Briefmarken, Briefkästen, Briefträgerdiensten, Dampfschiff-, Eisenbahn- und Luftpost, Postbussen, Postgirodiensten sowie die Veränderungen durch Digitalisierung, sinkende Briefmengen und wachsenden Paketverkehr.

Die schwedische Postgeschichte ist eng mit der Briefmarkengeschichte verbunden. Die Einführung der Briefmarken 1855 war jedoch nicht nur ein Sammelgebiet, sondern Teil einer größeren Reform: Briefe wurden einfacher zu frankieren, das Porto wurde vereinheitlicht, und neue Briefkästen veränderten die alltägliche Nutzung der Post.

Vorläufer und Gründung des Postverket

Vor der Einrichtung eines allgemeinen Postwesens wurden amtliche Nachrichten in Schweden durch verschiedene Boten-, Kurier- und Sonderpostsysteme befördert. Im Dreißigjährigen Krieg zeigte sich nach Darstellung des Postmuseums besonders deutlich, wie langsam die Nachrichtenübermittlung noch war: Nach dem Tod Gustav II. Adolfs in der Schlacht bei Lützen 1632 dauerte es etwa einen Monat, bis die Nachricht Stockholm erreichte.

Da Finnland bis 1809 zum schwedischen Reich gehörte, hatte die Postverbindung zwischen Stockholm und Åbo besondere Bedeutung. Die Route führte von Stockholm über Grisslehamn und Åland zur finnischen Küste und weiter nach Åbo. Über mehr als zwei Jahrhunderte mussten Bauern die Post über Meer, Eis und Inselverbindungen rudern, segeln oder ziehen.

1636 gründete Reichskanzler Axel Oxenstierna im Namen der noch unmündigen Königin Christina das schwedische Postwesen. Das Grunddokument, die sogenannte Postbådhen, regelte ein Staffelsystem: Nicht mehr ein einzelner Kurier sollte die gesamte Strecke zurücklegen, sondern ausgewählte Postbauern beförderten die Post abschnittsweise zwischen den Städten, in denen Postkontore eingerichtet wurden. Nach der Untersuchung des Historikers Magnus Linnarsson gehörte die Einrichtung dieses Systems zu den großen organisatorischen Projekten des schwedischen frühneuzeitlichen Staates; Postbauern und Postmeister mussten bestellt, Routen festgelegt und Portogebühren berechnet werden.

Postrouten, Postkontore und Nachrichtenwesen im 17. und 18. Jahrhundert

mini|Schwedische Postkutsche aus den 1860er Jahren im Postmuseum

Bereits 1645 bestanden nach Angaben des Postmuseums 29 Postkontore im schwedischen Reich. Aus demselben Jahr stammt auch die Ordinarie Post Tijdender, die spätere Post- och Inrikes Tidningar. Der Postchef sammelte Nachrichten aus den Postorten; die Postmeister lieferten Informationen zu, und das Kanzleikollegium bestimmte bis 1766, was gedruckt werden durfte. Damit war die frühe Post nicht nur Transportorganisation, sondern auch Teil staatlicher Nachrichten-, Verwaltungs- und Informationspolitik.

Die frühe Postorganisation beruhte nicht auf einer geradlinigen Entwicklung von staatlicher Verwaltung zu modernem Unternehmen. Linnarsson beschreibt für das 17. Jahrhundert wechselnde Organisationsformen zwischen staatlicher Kontrolle, lokalen Postmeistern, verpachteten Aufgaben und besonderen Pflichten der Postbauern. Die Postbauern erhielten für ihre Dienste zunächst meist keine reguläre Geldzahlung, sondern Befreiungen von anderen Lasten und Diensten.

1646 durften die Postbauern auf wichtigen Strecken mit der Post reiten; zuvor mussten sie vielfach zu Fuß gehen, weil sie den kürzesten Weg nehmen sollten. In den 1670er Jahren setzte das Postverket auf einzelnen Strecken Postillione ein, wenn Postbauern als zu langsam galten oder Überfälle drohten. Nach der Eingliederung Schonens in das schwedische Reich wurde auch die Verbindung nach Kontinentaleuropa leichter. 1683 kam eine regelmäßige direkte Verbindung zustande; 1695 begann die Postjacht Hjorten zwischen Ystad und Stralsund zu segeln.

1720 kaufte das Postverket das Haus Lilla Nygatan 6 im Stockholmer Stadtteil Gamla stan. Es war das erste Gebäude, das die schwedische Post selbst erwarb; zuvor war das Stockholmer Postkontor im Haus des Postchefs untergebracht. Für lange Zeit war es das einzige Postkontor Stockholms, an dem die Einwohner ihre Post abholten.

Im 18. Jahrhundert nahm das Briefeschreiben vor allem in den oberen sozialen Schichten zu. Nach Angaben des Postmuseums wurden um 1750 etwa 500.000 Sendungen verschickt, während es fünfzig Jahre zuvor etwa 100.000 gewesen waren. Um 1800 waren es bereits rund 2.045.000 Sendungen pro Jahr. Umschläge und Briefmarken gab es noch nicht; der Briefbogen wurde gefaltet, adressiert, mit Siegellack verschlossen und bei der Aufgabe gestempelt.

Vorphilatelistische Post und Postvermerke

Neben der 1636 eingerichteten allgemeinen Post bestanden ältere und besondere Formen der Nachrichtenbeförderung weiter. In der vorphilatelistischen Postgeschichte werden unter anderem Boten- oder Kurierpost, Kronpost, Militärpost und Generalpost unterschieden. Die Kronpost diente amtlicher Korrespondenz von Krone und Behörden und bestand neben der allgemeinen Post bis 1874, als für amtliche Sendungen besondere Dienstmarken eingeführt wurden.

Vor der Einführung von Briefmarken wurden schwedische Briefe durch handschriftliche Vermerke und Stempel gekennzeichnet. Zu den frühen Stempeltypen der allgemeinen Post gehörten Kronenstempel mit den Buchstaben „B“ für betalda (bezahlt) und „F“ für fribrev (Freibrief). Ortsstempel mit dem Namen Stockholm sind seit dem frühen 18. Jahrhundert belegt; im 19. Jahrhundert folgten gerade Ortsstempel, Bogenstempel und rechteckige Kastenstempel.

Eine besondere Form eiliger Beförderung waren sogenannte Federbriefe. Dabei wurden Federn mit Siegellack am Brief befestigt, um eine besonders dringliche Weiterleitung anzuzeigen. Belege aus der Kron- und Militärpost zeigen solche Sendungen noch im 19. Jahrhundert; schwarze und weiße Federn konnten höchste Dringlichkeit und Beförderung bei Tag und Nacht anzeigen.

Modernisierung im 19. Jahrhundert

mini|Schwedischer Eisenbahnbriefkasten von 1871

Dampfschiffe, Diligenzen und Eisenbahnpost

Im 19. Jahrhundert veränderten neue Verkehrsmittel das schwedische Postwesen grundlegend. 1824 nahm das Postverket mit der Constitutionen sein erstes Dampfschiff in Betrieb. Der Raddampfer erleichterte die planmäßige Postbeförderung auf dem Wasser; im Winter blieb die Postbeförderung wegen Eisgangs jedoch weiter schwierig.

1827 wurde die sogenannte Snällpost eingeführt. Das Wort snäll wurde in diesem Zusammenhang vom deutschen „schnell“ abgeleitet. Gegen höhere Gebühr konnte Post mit schnellerem Gästgiveri-Transport befördert werden; die Snällpost sollte eine schwedische Meile in einer Stunde zurücklegen, während die gewöhnliche Post dafür eine Stunde und 45 Minuten benötigte.

Um 1850 kam der Diligenzverkehr erneut in Gang. Das Postverket hatte in den 1830er Jahren bereits mit einer eigenen Paketpost experimentiert; der zweite Versuch hielt sich etwa drei Jahrzehnte, bis die Eisenbahn die Diligenzen zunehmend verdrängte. Die erste Eisenbahnlinie in Schweden wurde 1856 eröffnet. 1862 rollte die erste Postkupé auf der Bahn. Die Beförderung mit der Eisenbahn sparte nicht nur Zeit, sondern erlaubte auch die Sortierung der Post während der Fahrt.

Einheitsporto, Briefmarken und Briefkästen

Am 1. Juli 1855 erschienen die ersten schwedischen Briefmarken. Schweden führte damit zugleich das Einheitsporto für einfache Inlandsbriefe ein: Nicht mehr die Entfernung, sondern die Sendungsart war für das Porto maßgeblich. Die ersten fünf Marken hatten unterschiedliche Farben und Wertstufen in Skilling Banco; Entwurf und Druck werden Pehr Ambjörn Sparre zugeschrieben.

Die Briefmarken veränderten die alltägliche Nutzung der Post. Gleichzeitig wurden in Städten Briefkästen aufgestellt, sodass Briefe nicht mehr zwingend am Postamt abgegeben werden mussten. Bald darauf entstand mit den städtischen Briefträgern eine neue sichtbare Berufsgruppe im Straßenbild. Nach Angaben des National Postal Museum waren schwedische Briefkästen zunächst schwarz; 1912 wurde der erste gelbe Briefkasten eingeführt, 1949 folgte ein vereinfachter gelber Entwurf mit der Aufschrift „Post“ statt „Brevlåda“.

Poststationen, Briefkarten und internationale Vereinheitlichung

1861 wurden kleinere Poststationen eingerichtet. Seit 1873 eröffnete das Postverket mehr als tausend solcher Stationen im ganzen Land, häufig in der Nähe neuer Bahnhöfe. 1872 begann das Postverket mit dem Druck von Briefkarten, einer Vorform der Ansichtskarte. 1870 waren etwa 19,8 Millionen Sendungen verschickt worden; Briefkarten und später Ansichtskarten trugen zum weiteren Anstieg der Postmengen bei.

1874 wurde der Weltpostverein gegründet, um den internationalen Postverkehr zu koordinieren und die zunehmende Zahl bilateraler Postverträge zu vereinfachen. Für Schweden war dies Teil einer Entwicklung, in der der grenzüberschreitende Briefverkehr stärker durch internationale Regeln, Gebühren und Beförderungswege geprägt wurde.

1879 wurde mit AB John Fröberg in Finspång eines der ersten schwedischen Versandhandelsunternehmen gegründet. 1899 gründete ein früherer Mitarbeiter das Unternehmen Åhlén & Holm. Durch das Postnetz und Postorderkataloge konnten Menschen in dünn besiedelten Teilen des Landes Waren beziehen, die zuvor schwer erreichbar waren.

1888 übernahm das Postverket die kirchliche Klockarposten. Parallel zum allgemeinen Postwesen hatten zuvor weitere Sonderformen wie Kronpost, Soldatenpost und Kirchenpost bestanden. Die Eingliederung dieser Systeme führte zu weiteren Zuwächsen im Postaufkommen.

1897 setzte sich in Schweden die Ansichtskarte durch. Auf der Stockholmer Ausstellung von 1897 wurden Ansichtskarten mit Motiven der Künstlerin Anna Palm verkauft; das Postmuseum bezeichnet dies als großen Durchbruch der Ansichtskarte in Schweden.

Massenpost, neue Dienste und Rationalisierung im 20. Jahrhundert

mini|Postdiligence auf der Linie Sollefteå–Strömsund–Jormlien in den 1930er Jahren mini|Landbriefträger Bengt Georg Olofsson auf seiner Route in Jämtland, 1937

Um 1900 war die schwedische Post ein Massenverkehrssystem. Bei einer Bevölkerung von etwas mehr als fünf Millionen Menschen bearbeitete das Postverket im Jahr 1900 nach Angaben des Postmuseums 260.262.264 Sendungen.

1903 wurde in Stockholm das von Ferdinand Boberg entworfene Zentralposthaus eröffnet. Das Gebäude stand für die Zeit großer repräsentativer Postbauten. Wegen der stark gestiegenen Ansichtskartenmengen wurde es zeitgenössisch scherzhaft auch als „Ansichtskartenhaus“ bezeichnet. Im selben Jahr testete das Postverket erstmals ein Automobil für Postzwecke; die Fahrt zwischen Linnégatan und dem Zentralposthaus dauerte sechs Minuten.

1912 wurde erstmals in Schweden Post mit einem Flugzeug befördert. Ein dänischer Pilot flog etwa zehn Kilometer zwischen Eslöv und Åkarp; an Bord waren Ansichtskarten mit einem besonderen Flugpoststempel. 1920 bestanden reguläre inländische Flugpostlinien, und das Postverket eröffnete eine Flugpostverbindung zum europäischen Kontinent.

Während des Ersten Weltkriegs wurde das neutrale Schweden Transitland für Post zwischen Ost und West. Große Mengen an Paketen und Postsäcken liefen über die Postkontore in Karungi und später Haparanda.

Die Landversorgung wurde durch Fahrräder, Kraftfahrzeuge und Postbusse erweitert. Um 1905 begannen Landbriefträger mit Fahrrädern zu arbeiten. 1922 wurde der erste Postbus, die sogenannte Motordiligens Ettan, getestet; im folgenden Jahr nahm er in Västerbotten den Dienst für Post- und Personenbeförderung auf.