Diese Liste führt die Vorfälle während der Unruhen in Osttimor 2006 auf.
2006 Januar 2006 11. Januar 2006: Präsident Xanana Gusmão erhält eine Petition von Soldaten des 1. Bataillons der Verteidigungskräfte Osttimors F-FDTL, in denen sie sich über die schlechten Arbeitsbedingungen und Beförderungsregelungen, die Bewohner des westlichen Teils Osttimors benachteiligen würden, beschweren.
Februar 2006 8. Februar 2006: Über 400 Soldaten ziehen in die Hauptstadt Dili und forderten die Entlassung des Kommandanten des 1. Bataillons Colonel Falur aufgrund der Diskriminierungen. Präsident Xanana Gusmão kann zunächst die Soldaten zur Rückkehr in die Kaserne bewegen, doch dann desertierten 404 der insgesamt etwa 1.600 Soldaten der F-FDTL und schlagen ihr Lager in Aileu auf.Wikinews, 27. Mai 2006, Internationale Truppe soll Lage in Timor-Leste stabilisieren
25. Februar 2006: Weitere 177 Soldaten schließen sich den Deserteuren an. Premierminister Alkatiri wird beschuldigt, Firaku aus dem Osten des Landes bei den Beförderungen zu bevorzugen.
14. Februar 2006: Brigadegeneral Taur Matan Ruak entlässt die inzwischen insgesamt 591 Deserteure offiziell aus dem Dienst.
März 2006 März: Die Soldaten verweigern einen Aufruf zur Rückkehr in die Kasernen.Bloomberg, 26. Mai 2006, East Timor Soldiers Kill 9 Unarmed Police, Wound 27, UN Says Einige Zeit später schließen sich einige Polizisten den Soldaten an. Premierminister Alkatiri entlässt daraufhin die Deserteure.
April 2006 Anfang April: Außenminister José Ramos-Horta kündigt die Einsetzung eines Ausschusses an, der die Beschwerden der ehemaligen Soldaten anhören sollte.
24. April bis 28. April 2006: Die ehemaligen Soldaten demonstrieren mit zivilen Unterstützern, zumeist arbeitslose Jugendliche, in den Straßen von Dili. 3.000 Menschen protestieren gegen die Entlassung der Soldaten und fordern den Rücktritt Alkatiris. Der ursprünglich friedliche Protest schlägt in Gewalt um, als die Soldaten einen Markt angriffen, der von Firaku geführt wurde.
24. April: Meuterer beschießen das Wohnhaus von General Taur Matan Ruak. Es kommt zum Schusswechsel.Timor-Leste Democracy Support Network: Media Relaease: Capture of Reinado rebel group in Timor Leste , 4. März 2007 (PDF) abgerufen am 3. Mai 2014.
28. April 2006: Bei den Protesten kommt es zum Zusammenstoß zwischen den Deserteuren und den F-FDTL, die in die Menge schossen. In den darauf folgenden Ausschreitungen sterben fünf Menschen, mehr als 100 Häuser werden niedergebrannt und etwa 21.000 Bewohner Dili fliehen aus der Stadt. Rebellenchef Salsinha behauptet, dass bei den Kämpfen Alkatiri-treue Soldaten 60 Zivilisten getötet hätten. Diese Zahl wird in keiner weiteren Quelle bestätigt oder aufgeführt.
Mai 2006 4. Mai 2006: Major Alfredo Alves Reinado desertiert zusammen mit 20 in Australien ausgebildeten Militärpolizisten, vier Polizisten und zwei Lastwagen voller Waffen und Munition. Er schließt sich den Rebellen an und fordert die Entlassung Premierministers Marí Bin Amude Alkatiri. Alkatiri soll den Beschuss der Demonstranten am 28. April befohlen haben.
5. Mai 2006: Am Abend fordert Leutnant Salsinha Präsident Gusmão auf, Alkatiri zu entlassen und die F-FDTL innerhalb der nächsten 48 Stunden aufzulösen. Zuvor hat Salsinha einen Kontaktversuch Gusmãos mit den Worten beantwortet, es sei jetzt „zu spät“.
Unter den Bewohnern von Dili kommt es zu einer Panik. 75 % der Bevölkerung flieht in die nahen Berge, als sich Gerüchte von neuen Kämpfen verbreiteten. Diese bleiben aber aus, und die Flüchtlinge beginnen einige Tage später wieder in die Stadt zurückzukehren. Ausländische Botschaften geben Sicherheitswarnungen heraus und ziehen ihr Personal ab. Premierminister Alkatiri kündigt die Untersuchung von Vorwürfen der Desertierten an und bietet an, rückwirkend ab März wieder Gehälter an sie auszuzahlen. (PDF; 156 kB)
8. Mai 2006: Beim Sturm auf das Büro eines regionalen Staatssekretärs außerhalb Dilis durch etwa 1.000 Menschen, stirbt ein Polizist.
9. Mai 2006: Premierminister Alkatiri bezeichnet die Gewalt als Staatsstreich, der die demokratischen Institutionen behindern wolle, bis die einzige Lösung die Auflösung des Parlamentes durch den Präsidenten wäre, wodurch die Regierung gestürzt würde.
10. Mai 2006: Die Regierung führt offizielle Verhandlungen mit den Rebellen. Den ehemaligen Soldaten wird angeboten, dass sie eine Unterstützung für ihre Familien entsprechend dem vorherigen Sold erhalten würden.
11. Mai 2006: Der Abzug der letzten Verwaltungsbeamte und UN-Polizei des United Nations Office in Timor-Leste (UNOTIL), der für den 20. Mai geplant war, wird auf Juni verschoben.
Außenminister Ramos-Horta beschuldigt Fernando Lasama, den Vorsitzende der Partido Democrático, die Unruhen angeheizt habe.
12. Mai 2006: Der australische Premierminister John Howard gibt bekannt, dass, obwohl es noch keine offizielle Anfrage der osttimoresischen Regierung gab, australische Streitkräfte mit den Landungsschiffen HMAS Kanimbla (L-51) und HMAS Manoora (L-52) zur Unterstützung bereitstünden.
Mitte Mai: Über mehrere Wochen liefern sich die Rebellen in den Hügeln bei Dili immer wieder heftige Feuergefechte mit F-FDTL-Truppen. Diese forderten viele Tote und Verletzte. Major Reinado verübt mehrere Angriffe auf die Hauptstadt Dili, darunter einen am 23. Mai, bei der ein F-FDTL-Soldat getötet und sechs weitere verletzt werden. Zusätzlich erschweren nun plündernde Banden in Dili und ausbrechende ethnische Konflikte die Situation. Die Bevölkerung flieht in Kirchen in und Flüchtlingslager außerhalb der Stadt.
24. Mai 2006: Außenminister Ramos-Horta ruft offiziell die Regierungen von Australien, Neuseeland, Portugal und Malaysia um militärische Unterstützung an.
Der portugiesische Außenminister Diogo Freitas do Amaral kündigt die Entsendung von 120 Mann der Republikanischen Nationalgarde (GNR) an. Sie sollen sich acht hohen Offizieren der Spezial Operationsgruppe der portugiesischen Nationalpolizei anschließen. Die portugiesische Luftwaffe beginnt mit der Evakuierung von mehr als 600 portugiesischen Bürgern aus Osttimor.
Der portugiesische Präsident Aníbal Cavaco Silva und Premierminister José Socrates rufen zu einem Ende der Gewalt auf. Auf einem Treffen der Außenminister der EU fordert Portugals Außenminister die EU-Mitgliedstaaten auf, die Gewaltakte der Rebellen zu verurteilen.
25. Mai 2006: Ein australisches Vorauskommando trifft in Dili ein, um den internationalen Flughafen abzusichern. Am selben Tag dringen einige Rebellen in Dili ein und liefern sich schwere Gefechte mit den F-FDTL und Polizeikräften. Mindestens acht unbewaffnete Polizisten werden erschossen, 25 Menschen verletzt.asia-pacific-solidarity.net:
Die neuseeländische Premierministerin Helen Clark verlangt mehr Informationen, welche Unterstützung Osttimor von Neuseeland erwartet, bevor sie Truppen zusagen würde. Clark sagt: „Es ist wichtig, dass man nicht in das, was einige für einen Konflikt zwischen zwei Gruppen halten, reingeht und anscheinend Partei für eine Seite ergreift.“ Auch Entscheidungen des Weltsicherheitsrates sollten berücksichtigt werden.
Die UNOTIL eröffnet außerhalb Dilis ein Flüchtlingscamp für 1.000 Personen.
26. Mai 2006: Neuseeland entsendet 42 Soldaten.
27. Mai 2006: Banden, die aus verschiedenen Landesteilen stammten, kämpfen in den Straßen von Dili. Autos und Häuser werden angezündet, drei Timoresen ermordet. Die Einwohner Dilis fliehen aus der Stadt und sammeln Flüchtlinge sich in Kirchen, der australischen Botschaft und am Flughafen.
Erstmals werden Journalisten Ziel der Gewalt als ein Wagen mit vier Mitarbeitern von AFP und AP angegriffen wird. Als ein Firaku in das Auto springt und ein weiterer aufs Dach um vor mehreren Kaladi zu fliehen, wird das Auto vom Mob attackiert.channelnewsasia.com:
Präsident Gusmão Malaysia bittet Malaysia die Landesgrenze zu Indonesien zu sichern. Zivilisten sollten daran gehindert werden, aus dem Land zu fliehen. Malaysia lehnt dies ab.
Ein zweites Kontingent mit 120 neuseeländischer Soldaten verlässt Christchurch in Richtung Osttimor über Townsville. Laut Clark sollten die Truppen dort eingesetzt werden, wo das australische Kommando sie benötigt.TVNZ, 27. Mai 2006, NZ aid and troops for East Timor
Die UN kündigt den Abzug des Großteils ihrer Mitarbeiter an.
29. Mai 2006: Die revoltierenden Soldaten unter Major Agosto de Araújo bieten Friedensgespräche an.
Bewaffnete Banden in Dili plündern trotz internationaler Truppen weiter. Es kommt zu Zusammenstößen mit australischen Truppen, als diese Zivilisten in Sicherheit bringen wollen. Laut einem australischen Major verwenden die Plünderer Mobiltelefone, um ihre Angriffe zu koordinieren.
Brigadegeneral Slater trifft militärische und zivile Führer Osttimors und bekommt zugesichert, dass die F-FDTL-Soldaten in ihrer Kasernen zurückgezogen werden würden. Der australische Verteidigungsminister Brendan Nelson fordert, dass Osttimor die Rechte der internationalen Eingreiftruppe ausweiten und ihr zum Beispiel Polizeiautorität übergeben müsse, um die Gangs zu bekämpfen.The Age, 29. Mai 2006, Troops frustrated by lack of policing powers
Der australische Premierminister John Howard weist Kritik an den australischen Truppen zurück, sie hätten Dili nicht schnell genug gesichert. Die Krise sei gefährlicher als die Unruhen von 1999. Außerdem erklärte er: „Wir können eine Situation – weltweit, aber besonders in unserer eigenen Nachbarschaft – nicht hinnehmen, in der Australien ermahnt wird, die Unabhängigkeit eines Landes zu respektieren, wenn einerseits behauptet wird, wir würden uns bevormundend verhalten, indem wir unsere Ansicht äußern oder zu intervenieren versuchen, wir andererseits aber kritisiert werden, nicht eingegriffen zu haben, sobald etwas schiefgeht“.
Sitzung des Staatsrat Osttimors mit Präsident Gusmão.ABC, Peter Cave, 29. Mai 2006, Gusmao, Alkatiri meet Council of State Gusmão unterbricht die Sitzung am Nachmittag, als sich draußen eine Menschenmenge versammelte, die pro Gusmão/Ramos-Horta und contra Alkatiri demonstrieren. Gusmão fordert die Demonstranten auf, ihre Waffen niederzulegen und nach Hause zurückzukehren.
30. Mai 2006: Fortsetzung der Sitzung des Staatsrates mit Präsident Gusmão. Nach dem Ende der Sitzung und einer Krisensitzung des Kabinetts erklärt Gusmão den nationalen Notstand für mindestens 30 Tage und übernimmt das alleinige Oberkommando über Polizei und Streitkräfte. Armee und internationale Streitkräfte sollen Polizeigewalt erhalten, um die kriminellen Banden in den Griff zu bekommen. Gusmão ruft zur Ruhe auf.Vienna, 31. Mai 2006, Osttimor: Straßenkämpfe dauern anBoston News, 30. Mai 2006, Foreign peacekeepers move to quell violence in East TimorThe Age, 30. Mai 2006, Gusmao takes over security in East TimorBBC, 30. Mai 2006, Emergency rule for E Timor leader Premierminister Alkatiri widersetzt sich aber der Übernahme und betonte, dass Verteidigung und innere Sicherheit immer noch Aufgabe der Regierung sei.
Hunderte Demonstranten fordern den Rücktritt von Premierminister. In der Nacht des 31. Mai brannten Banden den Markt von Dili und weitere Häuser nieder.abc.net.au:
Juni 2006 1. Juni 2006: Gusmão besucht ein Flüchtlingscamp beim Hauptquartier der Vereinten Nationen. Er ruft die Leute zur Rückkehr in ihre Häuser auf, wo sie selbst für Ruhe und Ordnung sorgen sollten.
Die Alkatiri-Vertrauten Innenminister Rogerio Lobato und Verteidigungsminister Roque Rodrigues treten zurück. Lobato machte für die Krise Gegner der Regierung verantwortlich, die zu Gewalt anstatt zu politischen Mitteln greifen würden. Außenminister Ramos-Horta übernahm umgehend auch das Verteidigungsministerium.ABC, Lynn Bell, 3. Juni 2006, Ramos Horta takes over Timorese Defence Ministry Neuer Innenminister wurde Alcino Baris.