mini|Georg Kastrioti Skanderbeg. Historisierendes Profil aus dem 18. Jahrhundert in den Uffizien von Florenz rechts|rahmenlos Georg Kastrioti ( []), genannt Skanderbeg (, von ; * 6. Mai 1405Nach Marin Barleti soll er 1412 geboren sein; „1430 war Gjergj erst 18 Jahre alt.“ in der Region Dibra-Mat; † 17. Januar 1468 in Lezha), war ein Fürst aus dem albanischen Adelsgeschlecht der Kastrioti und ein Militärkommandant, der von 1423 bis 1443 dem Osmanischen Reich, von 1443 bis 1447 der Republik Venedig und ab 1451 bis zu seinem Tod dem Königreich Neapel diente.
Durch seine Verteidigung des Fürstentums Kastrioti gegen die Osmanen erhielt er von Papst Calixtus III. den Ehrentitel Athleta Christi („Kämpfer des Christentums“) und von Papst Pius II. den des „neuen Alexanders“ (in Anspielung auf Alexander den Großen).Oliver Jens Schmitt: Skanderbeg et les Sultans: Anatomie d’une Rébellion contre L’Empire Ottoman, S. 81 Dazu wurde er auch von seinen Gefährten zum Dominus Albaniae („Herrn von Albanien“) gekrönt. Heute wird er von vielen als albanischer Nationalheld geehrt.
Leben Herkunft mini|hochkant|Wappen der Kastrioti Georg Kastrioti war neben Stanisha, Reposh und Konstandin II. der jüngste von vier Söhnen des Fürsten Gjon Kastrioti I. und seiner Ehefrau Voisava Tripalda,Fan Stylian Noli: George Castrioti Scanderbeg (1405–1468), S. 88, abgerufen am 16. Dezember 2016Oliver Jens Schmitt: Skanderbeg. Der neue Alexander auf dem Balkan, 2009, S. 28. Tochter des Herrn von Polog (in Nordmazedonien). Die Fürstenfamilie hatte außerdem fünf Töchter (Mara, Jelena, Mamica, Angjelina und Vlajka). Seine Familie wuchs in einer ethnischen Mischzone auf und gehörte dem christlich-orthodoxen Glauben an.
mini|Schlacht auf dem Amselfeld (1389) von Adam Stefanović, Ölgemälde auf Leinwand, 1870 Die Koalition der christlichen balkanischen VölkerIrvin Faniko, S. 29 aus dem Jahr 1359 unterlag dem Osmanischen Reich in der Schlacht auf dem Amselfeld (1389), in der Georgs Vater an der Seite seines Vaters Pal kämpfte. Pal fiel in dieser Schlacht; Gjon überlebte und wurde Vasall im Dienste des Sultans Murad II. Das bedeutete, dass er dem Sultan einen Tribut zu zahlen hatte und mit einer Armee einen Beitrag zu den Kriegen des Sultans auf dem Balkan leisten musste. 1402 unterstützte Johannes (Gjon I.) den Sultan Bayezid I. in der Schlacht von Ankara, die die Timuriden gegen die Osmanen gewannen.John Van Antwerp Fine: The Late Medieval Balkans, 1994, S. 422.
mini|hochkant|Stefan Lazarević, Kloster Manasija 1407–1418 Gjons Religion stand direkt unter dem Einfluss des internationalen Gleichgewichtes der politischen Kräfte. Zeit seines Lebens wechselte Gjon mit seinem Fürstenhaus mehrere Male die Religion. Dazu schrieb der albanische Historiker, Politiker und orthodoxe Bischof Fan Noli in seiner Skanderbeg-Biographie: Fan Noli, S. 90–91Andere Quellen geben den 2. Mai 1437 als Todesdatum an. Diese Politik betrieben auch andere albanische Fürsten des Mittelalters. 300px|mini|Karte des Balkans um 1400
Nach dem österreichischen Historiker und Archivar Heinrich Kretschmayr galt Gjon für , wurde Bürger der Republik Venedig und der Republik Ragusa und herrschte als Türkenvasall und gefürchteter Reiterführer in der Gegend von Durazzo bis Dibra.
Um dem wachsenden Druck der Osmanen zu entgehen, hatte Gjon gute Beziehungen zur Republik Venedig geknüpft; 1406 wurde er in den venezianischen Archiven als dominus satis potens in partibus Albaniae („mächtiger Herr in den Landen Albaniens“)Agostino Pertusi: Agostino Pertusi, Martino Segono. Istituto storico italiano per il Medio Evo, Rom 1981, S. 292. und 1409 als magnifici domini Johannis CastriotiJanko Šafařík: Acta archivi Veneti spectantia ad historiam Serborum et reliquorum Slavorum meridionalium, 1860, S. 447. registriert, und um Schutz vor den Osmanen zu erhalten, war Gjon ein Vasall der Republik Venedig geworden, dem einzigen katholischen Land in seiner Nähe.
Gjon Kastrioti führte von 1407 bis 1430 Krieg gegen die Osmanen, wobei er mehrere Niederlagen erlitt: 1410, 1416, 1428 und 1430.Fan Stylian Noli: Scanderbeg, 1993, S. 27.
mini|hochkant|Hamza Kastrioti Als Gjon 1410 seine erste Niederlage gegen die Osmanen erlitt, teilte er Venedig mit, dass er als Unterpfand seiner Loyalität gezwungen worden war, dem Feind einen Sohn als Geisel zu überlassen. Möglicherweise war es Stanisha, der eine Türkin heiratete und mit ihr einen Sohn namens Hamza () hatte.
Im Jahr 1413 wird Gjon in venezianischen Dokumenten als dominus partis Bosine (Herr von Bosnien) erwähnt.Archivio di Stato di Venezia: Acta Albaniae Veneta saeculorum XIV et XV - Parte I. Band 3–4, 1980, S. 405.
Im Jahr 1415 musste Gjon, der Kruja an die Osmanen abgetreten hatte, den Sultan als seinen Herrn anerkennen, indem er ihm Tribut zahlte. Sein Sohn Stanisha, der 1410 als Geisel an die Osmanen ausgeliefert worden war, konnte nach Hause zurückkehren.Fan Stylian Noli: Scanderbeg, 1993, S. 28.
Im Jahr 1420 erstreckte sich das Gebiet von Gjon fast bis nach Prizren im heutigen Kosovo und bis nach Lezha im heutigen Albanien.Christine von Kohl: Albanien, 1998, S. 23.
Am 28. Januar 1423 wurde Juannus Castrioti zum unus ex dominis Albanie (einer der Herren von Albanien) ernannt.Janko Šafařík: Acta archivi Veneti spectantia ad historiam Serborum et reliquorum Slavorum meridionalium, 1860, S. 134. Am 25. Februar 1420 unterzeichneten Johannes Castriota und seine vier Söhne (Stanisha, Reposh, Konstantin und Georg) ein Handelsabkommen mit der Republik Ragusa. In diesem Abkommen wurden die Zölle festgelegt, die die ragusanischen Kaufleute bei der Durchquerung der Ländereien der Kastrioti von Shufada, südlich von Lezha, bis Prizren zu entrichten hatten.
1422 wandte sich Gjon Kastrioti von Venedig ab und verbündete sich mit Stefano Lazarević, dem Despoten von Serbien, dem er einen seiner Söhne, möglicherweise Stanisha, mit einem albanischen Heer gegen Shkodra schickte, das damals unter venezianischer Kontrolle stand.
mini|Das Kloster Hilandar Im Jahr 1426 unterzeichnete Gjon zusammen mit seinen vier Söhnen Stanisha, Reposh, Konstantin und Georg eine Urkunde. In dieser Urkunde schenkte die Familie dem Kloster Hilandar auf dem Athos die Einnahmen von zwei Dörfern, Rostusha und Trebishtë, im heutigen Nordmazedonien. Vielleicht im selben Jahr oder etwas später erwarben Gjon, Reposch, Konstantin und Georg von dem oben genannten Kloster den St. Georgs-Turm, auch Arbanaški pirg (albanischer Turm) genannt. Aus dem Fehlen von Stanisha in dem Dokument lässt sich schließen, dass er es war, der regelmäßig mit seiner Armee den Sultan oder den Despoten von Serbien unterstützte, mit denen Gjon von Zeit zu Zeit verbündet war.
1428 wurde Gjon erneut von den Osmanen besiegt und war gezwungen, mit dem Sultan Frieden zu schließen. Er schrieb an Venedig und bat darum, sich nicht zu ärgern, wenn sein Sohn, der zum Islam konvertiert war, zusammen mit dem osmanischen Heer venezianisches Gebiet besetzen würde. Venedig erwiderte, dass er als Vater seinen Einfluss auf seinen Sohn geltend machen solle, um ihn davon abzuhalten, die Republik zu belästigen. Es ist nicht bekannt, um welchen Sohn es sich handelt, aber es ist wahrscheinlich, dass es sich um Stanisha handelt.Fan Stylian Noli: Scanderbeg, 1993, S. 29.
mini|Ein venezianisches Geschwader versucht die Besatzung einer Eskorte von osmanischen Handelsschiffen zu entern. (Il ratto di Elena oder Battaglia navale von Jacopo Tintoretto (1588–1589); Prado) Schließlich wurde Gjon in der Schlacht von Thessaloniki im Jahr 1430 erneut zum Verbündeten Venedigs. Gjon wurde wie die Venezianer von den Osmanen besiegt. Die Friedensbedingungen waren diesmal noch härter: Vier seiner Burgen wurden zerstört und zwei in osmanische Garnisonen umgewandelt.Ludwig von Thallóczy: Illyrisch-Albanische Forschungen, 1916, S. 140. Seine Ländereien wurden größtenteils unter osmanische Verwaltung gestellt und Gjon musste sich in das schmale Berggebiet zurückziehen, das ihm als Vasall überlassen worden war. Gjon musste dem Sultan außerdem einen jährlichen Tribut zahlen und ihm mit seinem Heer überallhin folgen, wo er gebraucht wurde. Außer Reposh, der mittlerweile Mönch geworden war, dienten seine drei Söhne Stanisha, Konstantin und Georg als Verbündete in der osmanischen Armee. Dieser Zwangsdienst wurde in der Nähe der albanischen Grenze geleistet, von wo aus sie nach Beendigung ihrer Mission zurückkehrten. Nach der Niederlage in der Schlacht von Thessaloniki im Jahr 1430 konvertierten Gjon und seine drei Söhne zum Islam. Allerdings geschah dies nur scheinbar, wie Fan Noli berichtet. Gemäß Papst Pius II. und dem Chronisten von Ragusa, Pietro Luccari, nahm Gjon selbst den muslimischen Namen Hamza an. Seine Söhne Stanisha und Georg nahmen den Namen KaragusFrancesco Pall, Marino Barlezio - uno storico umanista, 1938, S. 78. bzw. İskender (Alexander, in Anlehnung an Alexander den Großen) an.Julius Pisko, Skanderbeg: Historische Studie, 1894, S. 8. Sein vollständiger Name war Yuvan oğlu İskender bey („İskender, Sohn des Yuvan“).
Skanderbeg als osmanischer Vasall Um 1436 muss Skanderbeg als TimarPietro Zattoni: In bilico tra due mondi, 2010, S. 2. in Dibër oder auf den Gütern von Dhimitër Jonima im Dienst des Sandschakbey von Ohrid gestanden haben, denn er erschien bei diesem, um ihn um ein Wohlwollenszertifikat (şefkatname) zu bitten, um das vakante Lehen Misia zu erhalten, das zuvor zum Besitz seines Vaters gehörte. Bis zu diesem Zeitpunkt wird Georg Kastrioti nur unter dem Namen İskender erwähnt. Später, zwischen 1436 und 1438, wurde er von der osmanischen Regierung zum Subashi (türkisch: Subaşı) des Verwaltungsbezirks Kruja ernannt.Pietro Zattoni: In bilico tra due mondi, 2010, S. 6.Oliver Jens Schmitt, Skanderbeg et les Sultans: Anatomie d'une rébellion contre l'Empire Ottoman, 2010, S. 75. Er erwarb den für seine neue Rolle notwendigen Titel Beg und wurde so zum Skënderbeg(u), der modernen albanischen Form von Skënderbej/beu „Skanderbeg“.Jeton Omari: Scanderbeg tra storia e storiografia, 2014, S. 67.
Vom albanischen Historiker Marinus Barletius wird Georg folgendermaßen beschrieben: „groß, stark, perfekt geformter Körper mit klassischen Gesichtszügen des illyrischen Bergvolkes, zu dem seine Familie gehörte.“ Georg unterschied sich durch Fähigkeit, Intelligenz und Kultur. In der Tat lernte er während seiner Zeit am osmanischen Hof perfekt Türkisch, Arabisch, Griechisch, Italienisch, Latein und Kirchenslawisch.Irvin Faniko, S. 32Marinus Barletius, George Castriot surnamed Scanderbeg, S. 11
mini|hochkant|Johann Hunyadi Laut dem albanischen Historiker Kristo Frashëri geben drei osmanische Chronisten (Hoca Sadeddin Efendi, Sollak zade und Munecim Başi) an, dass Skanderbeg im Frühjahr 1438 einen erfolglosen Aufstand organisierte und gezwungen war, den Sultan um „Vergebung“ zu bitten. Anschließend wurde er wieder osmanischer Vasall.Kristo Frashëri: Gjergj Kastrioti Skënderbeu: jeta dhe vepra (1405-1468), 2002, S. 118 ff. Diese Tatsache wird durch Grundbuchdokumente bestätigt. Ende 1438 wurde nicht mehr Skanderbeg, sondern ein gewisser Hızır beg als Subashi in Kruja eingetragen. Es kann jedoch angenommen werden, dass Skanderbeg das Amt des Subashi in einem anderen Bezirk innehatte und in dieser Eigenschaft an den meisten osmanischen Feldzügen dieser Zeit teilnahm.Oliver Jens Schmitt: Skanderbeg et les Sultans: Anatomie d’une Rébellion contre L’Empire Ottoman, S. 74. Im Jahr 1439 eroberten die Osmanen Serbien und dessen Hauptstadt Smederevo. Im Jahr 1440 scheiterte die Belagerung von Belgrad und 1442 fand eine Offensive nördlich der Donau in der Nähe von Hermannstadt statt, wo die osmanischen Truppen von dem ungarischen Generalkapitän Johann Hunyadi vernichtet wurden.Pietro Zattoni: In bilico tra due mondi, 2010, S. 7.