Die Quarterlife Crisis (QLC) ist eine psychische Krise, die als Zustand der Unsicherheit im Lebensabschnitt nach dem „Erwachsenwerden“ in etwa im Alter zwischen 21 und 29 auftritt, also in der Endphase des ersten Lebensviertels, dem „Übergang von der akademischen Welt in die reale Arbeitswelt“. Der Begriff wurde in den USA 1997 in Analogie zur Midlife-Crisis gebildet. Popularisiert wurde der Begriff von den amerikanischen Autorinnen Abby Wilner und Alexandra Robbins. Beide befanden sich in der Mitte ihrer Zwanziger in einer Lebenskrise und verfassten im Jahr 2001 ihren Bestseller Quarterlife Crisis: Die Sinnkrise der Mittzwanziger.

Betroffen sind insbesondere Personen, die gut ausgebildet sind, erstmals in das Berufsleben einsteigen und den geschützten Raum der Universität endgültig verlassen. Dieser Übergang ist geprägt von Unsicherheiten, Zweifel und Orientierungslosigkeit, welche sogar zu einer Depression führen können. Auslöser der QLC sind fundamentale Veränderungen im Leben, wie z. B. der erste Job.

Theoretischer Hintergrund des Krisenbegriffs Die Quarterlife Crisis ist eine psychische Krise. Cullberg (1979) beschrieb Krisen als Verlust des seelischen Gleichgewichts, den ein Mensch verspürt, wenn er mit Ereignissen und Lebensumständen konfrontiert wird, die er im Augenblick nicht bewältigen kann, weil sie von der Art und vom Ausmaß her die erworbenen Fähigkeiten und Hilfsmittel zur Erreichung wichtiger Lebensziele oder zur Bewältigung seiner Lebenssituation überfordern.

Caplan (1964) sah die Krise als akute Überforderung eines gewohnten Verhaltens- und Copingsystems durch belastende innere oder äußere Erlebnisse, die sich durch Gefühle von Angst, Hilflosigkeit, Bedrohung und Kontrollverlust, Verlust des seelischen Gleichgewichts und innerem Druck äußern können.

Entsprechend kommt es bei einer Krise zu einer Überlastung von physischen und psychischen Ressourcen beim Bewältigungsversuch, wodurch auf alltägliche Herausforderungen häufig nicht mehr adäquat reagiert werden kann bzw. die Fortsetzung des bisherigen Lebens in Mitleidenschaft gezogen wird. Das ist ein subjektiv belastender Prozess mit der Möglichkeit einer positiven oder negativen Modifikation des Wesens eines Individuums. Zusammengefasst gleicht eine Krise einer Wechselbeziehung von momentanen Erlebnissen/Situationen, der individuellen Vulnerabilität und den zur Verfügung stehenden Bewältigungsressourcen.

Lebensveränderungskrise Veränderungen in der Entwicklung und im Lebenslauf gehören zu einem typischen Lebenslauf. Veränderungen bedeuten, dass man neue Herausforderungen bewältigen muss. Sie können zum Krisenauslöser werden, wenn Anpassungsprozesse nicht gelingen und die Bewältigungsstrategien überfordert werden. Der Krisenanlass ist für die Umwelt und für den Betroffenen nicht immer direkt nachvollziehbar. Ob ein Ereignis zu einer voll ausgebildeten Krise führt, hängt deutlich mehr als bei den anderen Krisenarten von der subjektiven Bedeutung, der Krisenanfälligkeit und der Persönlichkeit ab. Der Beginn ist oft schleichend. Die Entwicklung entfaltet sich meist langsam über Wochen hinweg. Es kommt nur dann zu einer Eskalation, wenn alle Bewältigungsversuche erschöpft sind.

Caplan postulierte 1964 vier Phasen, in denen sich eine Lebensveränderungskrise entwickelt:

Konfrontationsphase: Ein bestimmter Reiz führt zu einer Spannungsauslösung. Es folgt der Versuch, die physische und psychische Homöostase (= Spannungsausgleich) durch Problemlösungsstrategien wiederherzustellen. Sollte das nicht gelingen, beginnt die zweite Phase. Phase des Versagens: Durch Scheitern der Bewältigungsstrategien kommt es zu Kontrollverlust, emotionaler Beunruhigung und Gefühlen des Ausgeliefertseins. Ein Lösungsversuch ist die Mobilisierung von Ressourcen, die die dritte Phase einläutet. Mobilisierung von Ressourcen: Der Betroffene setzt neue Ziele und gibt gleichzeitig bestehende Ziele auf. Problembezogene Perspektivwechsel sind ebenfalls hilfreich sowie die Suche nach Unterstützung im sozialen Umfeld. Sollten diese Strategien den Spannungszustand nicht lösen können, beginnt die letzte Phase: Das Vollbild der Krise entfaltet sich. Vollbild der Krise: Es kommt zu einem Zusammenbruch durch eine zu hohe emotionale Belastung. Schuld- und Wutgefühle stehen im Vordergrund.

„Emerging Adulthood“ Die Quarterlife Crisis findet im frühen Erwachsenenalter statt, welches sich etwa vom 18. bis zum 30. Lebensjahr erstreckt und in der englischen Fachliteratur oft als „Emerging Adulthood“ bezeichnet wird. Nach Eriksons Stufenmodell (1979) ist diese Phase von Intimität und dem Wechselspiel von Solidarität und Isolation geprägt. Havighurst (1948) benennt die in dieser Phase wichtigen Entwicklungsaufgaben mit Hochzeit, Nachwuchszeugen und dem Einfinden in das Berufsleben. Beide Modelle sind verhältnismäßig alt und bedürfen einer Anpassung an den gesellschaftlichen Wandel.

Erikson schlägt in diesem Rahmen eine weitere Stufe der psychosozialen Entwicklung vor, die ursprünglich von Arnett (2000) erstmalig erwähnt worden ist. Resultierend aus deren Beobachtung, dass klassische Entwicklungsschritte zunehmend später stattfinden, wird die „Emerging Adulthood“ als Phänomen eingeführt. Dieses Phänomen ist geprägt von der gesellschaftlichen Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft, der sexuellen Befreiung sowie der Frauen- und Jugendbewegung.

Charakteristika der „Emerging Adulthood“ Allgemein tritt sie zwischen dem 19. und dem 25. Lebensjahr auf. Es handelt sich nicht um ein kulturübergreifendes Phänomen, vielmehr liegt der Fokus auf modernen westlichen Staaten. Sie ist als eigenständiges Stadium in Abgrenzung zur verlängerten Adoleszenz zu verstehen. Die Emerging Adulthood zeichnet sich durch fünf wesentliche Merkmale aus: Identitätssuche Instabilität Selbst-Fokus „Sich dazwischen fühlen“ Zeit der Möglichkeiten

Rezeption der Theorie der „Emerging Adulthood“ Reifman, Arnett und Colwell entwickelten 2007 das Inventory of dimensions of emerging adulthood (IDEA) auf Basis einer Faktorenanalyse. Die Ergebnisse sind die oben genannten Hauptmerkmale dieses Stadiums.

Arnett und Mitra führten 2018 eine Studie mit knapp 3000 Teilnehmern verschiedener erwachsener Altersgruppen (Alter zwischen 18 und 60) durch. Alle Teilnehmer füllten einen Fragebogen mit Items zu den oben genannten fünf Charakteristika der „Emerging Adulthood“ aus. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere 18- bis 25-Jährige deutlich höhere Zustimmungswerte ausweisen.

„Emerging Adulthood“ und QLC Weitere Studien ergeben, dass die QLC tendenziell am Ende der „Emerging Adulthood“ liegt. Möglicherweise ist sie ein Phänomen, welches sich zum Übergang zum jungen Erwachsenenalter einstellt.

Merkmale und Symptome der Krise

Anzeichen und Merkmale der Krise können unter anderem sein: Sich „nicht gut genug“ zu fühlen, wenn man keine den eigenen akademischen oder intellektuellen Fähigkeiten entsprechende Arbeit findet Frust und Konflikte in Beziehungen sowie in der Arbeitswelt Identitätskrise und Persönlichkeitsunsicherheit Zukunftsangst, Unbehagen wegen der nahen Zukunft Ungewissheit über die Qualität der bisherigen Leistungen und Erfolge im Leben Unzufriedenheit mit der beruflichen Stellung Nostalgie und Zurückwünschen in die Zeit als Student, Schüler oder Lehrling Tendenz, gefestigte Meinungen zu einem Thema zu haben Soziale Interaktion mit anderen langweilt einen Finanzielle Sorgen Einsamkeit Der bisher unerfüllte und nun aufkommende Wunsch nach eigenen Kindern Das Gefühl, dass alle um einen herum besser und erfolgreicher sind als man selbst

Diese Phänomene können in jedem Lebensalter auftreten, jedoch scheint sich eine Häufung dieser Symptome zu ergeben, wenn junge Menschen mit der „realen Welt“ in Kontakt kommen und sich nach ihrer Ausbildungszeit bewähren müssen. Es kommen neue Verantwortung und eventuell als neue Erfahrung Jobunsicherheit, Stagnation der erträumten Laufbahn usw. als Aufgabenbereiche zu den bisherigen dazu. In der Ausbildungszeit gab es eine feste Hierarchie (z. B. Lehrer–Schüler, Ausbilder–Lehrling, Dozent–Student) und einen festen Alltag, was sich in diesem Lebensabschnitt stark verändert. Oft bereitet der Ausbildungsweg nicht ausreichend auf die Realität im Berufsleben vor. Darüber hinaus muss man sich unter Umständen im Berufsleben an neue Spielregeln, an Hackordnungen, soziale Regeln und Machtspiele gewöhnen.

Vier Phasen der QLC nach Robinson (2015) Nach Robinson (2015) lassen sich vier Phasen der QLC unterscheiden. Diese laufen nicht immer gleich ab, sondern können in ihrer Reihenfolge variieren. Ebenfalls wichtig anzumerken ist, dass sich die Krise im Prozess zu einer Chance entwickelt.

Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben Zu Beginn entsteht ein Konflikt durch den Wunsch nach Veränderung, eine Angst vor dem Ungewissen und das Gefühl des Scheiterns als Erwachsener. Alle Faktoren können einzeln, aber auch gemeinsam auftreten. Der Betroffene zweifelt an seiner eigenen Identität, an den ihm gesellschaftlich vorgegebenen Rollenbildern sowie daraus resultierenden Verpflichtungen.

Verlangen nach Veränderungen In dieser Phase stehen Emotionen im Vordergrund. Es können sich Gefühle der Verluste und Ängste, wie z. B. durch die Trennung von gewohnten Lebensstrukturen, einstellen oder auch Gefühle der Identitätsverwirrung. Der Betroffene hinterfragt sich zu seiner eigenen Person, zur Gesellschaft und vielen weiteren Aspekten.

Umsetzung von Veränderungen Der Betroffene beginnt, neue Erfahrungen zu suchen. Beispielhafte Veränderungen können der Jobwechsel oder die Beendigung einer Beziehung sein. Insgesamt kommt es zu einem Wandel der Lebensstruktur, bei dem man sich an die typische Lebensstruktur eines Erwachsenen annähert. Zusätzlich treten Gefühle von Verletzlichkeit und Ängstlichkeit auf. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil dieser Phase ist die innere Zerrissenheit bei Betroffenen, die durch Unwissenheit über die eigene Zukunft ausgelöst wird. Fragen wie „Wer bin ich? Was will ich? Wohin will ich?“ sind typisch. Es kommt zu einer Konzentration auf die eigene Person zur Beantwortung dieser Fragen, was zu einer Stabilisierung in dieser Phase führt.

Konzentration auf Werte und Interessen In dieser Phase werden bestimmte Rollen übernommen. Diese sind bewusst und aus eigener Überzeugung gewählt, sodass sich der Betroffene mit diesen neuen Rollen als authentisches Individuum wahrnehmen kann. Die Persönlichkeit ist stabilisiert und der Alltag wird als kontrollierbar und geordnet wahrgenommen.

Typologien der QLC Bei QLCs unterscheidet man zwischen der eingesperrten und der ausgesperrten Krise. Die ausgesperrte Krise zeichnet sich dadurch aus, dass sich die Betroffenen der Erwachsenenrolle nicht gerecht fühlen und sich nicht damit identifizieren können. Folglich schaffen sie den Einstieg in diese Rolle nicht.

Die eingesperrte Krise beinhaltet, dass sich die Betroffenen in der vorgegebenen Rolle wiederfinden. Sie sind damit jedoch nicht zufrieden und suchen einen Ausweg aus der Rolle hinaus.

Ursachen und Auslöser der QLC Generell ist das wahrgenommene „zu schnelle Erwachsenwerden“ die Ursache einer Quarterlife Crisis. Diese Wahrnehmung verursacht: Identitätskrisen durch ein kritisches Lebensereignis ein geschwächtes Selbstwertgefühl gesellschaftliche Veränderungen Instabilität den Übergang zum Erwachsenenalter Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität Kontrollverlust