mini|Kath. Pfarrkirche Euerfeld Die Pfarrkirche St. Michael ist die katholische Dorfkirche von Euerfeld, einem Stadtteil von Dettelbach im unterfränkischen Landkreis Kitzingen. Die Kirche liegt in der Kirchstraße inmitten des Dorfes und ist heute Teil des Dekanats Kitzingen.
Geschichte Die Geschichte der Euerfelder Kirche ist eng mit der des Dorfes verbunden. Eventuell stieg das Gotteshaus im Ort bereits im 14. Jahrhundert zu einer eigenständigen Pfarrei auf, die ursprüngliche Pfarreizugehörigkeit ist unklar. Am 26. Oktober 1363 bestand die Pfarrei wahrscheinlich bereits und hatte als Filiale die Simon-und-Judas-Thaddäus-Kirche im benachbarten Bibergau. Spätestens 1450 war Euerfeld eine unabhängige Pfarrei. Im Jahr 1482 ist der erste Pfarrer überliefert.
Im 16. Jahrhundert wurde die Pfarrei zeitweise nicht versehen und die Gemeindemitglieder von Euerfeld wurden vom Pfarrer von Schernau versehen. Die Euerfelder wendeten sich in diesem Jahrhundert dem Protestantismus zu, 1576 waren alle Einwohner lutherisch. Unter dem Würzburger Bischof Julius Echter von Mespelbrunn forcierte man die Rekatholisierung des Ortes und der Fürstbischof dotierte die Pfarrei erneut.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurden die Euerfelder vom Pfarrer von Dettelbach betreut. Im Jahr 1627 brannte die Kirche nieder und man errichtete einen Neubau. Am 29. September 1627 benedizierte der Weihbischof Jodokus Wagenhauber das neue Gotteshaus. Es war damals dem heiligen Martin von Tours geweiht.Bauer, Hans: Landkreis Kitzingen. S. 34. 1672 erhielt der Würzburger Fürstbischof von seinem Domkapitel das Patronatsrecht, also das Einsetzungsrecht des Pfarrers von Euerfeld.
Ein zweiter Brand im Jahr 1685 zerstörte die Kirche neuerlich. Den Neubau erbaute der Baumeister Johann Höfling in den Jahren 1685 bis 1688. Der Mord an Michael Estenfelder im Jahr 1692 ließ eine vom Pfarrer geförderte Wallfahrt entstehen, die im 18. Jahrhundert allerdings schon wieder einging. Im Jahr 1701 wurde der Turm, der aus der Echterzeit stammt, umfassend renoviert. 1808 bis 1810 baute man die Empore ein.Wehner, Thomas: Realschematismus der Diözese Würzburg. S. 62.
Die heutige Erscheinung erhielt die Michaelskirche im Jahr 1892. Damals wurde der Chor erweitert und das Querschiff aufgerichtet. Als Baumeister beschäftigte man entweder den Würzburger Friedrich Friedreich oder der Bibergauer Georg Fehn. Die Kirche konnte bereits am 25. September 1892 re-benediziert werden. 1960 erneuerte man den Außenbau der Kirche, 1961 nahm man eine Innenrenovierung vor. Hierbei entfernte man auch die neoromanische Ausstattung. Wiederum renoviert wurde die Kirche 1981 und 1984.
Im Jahr 2007 wurde mit der Innenrenovierung des Gotteshauses für rund eine halbe Million Euro begonnen, wodurch die Kirche ein neues liturgisches Konzept erhalten sollte. Man will mit den Baumaßnahmen außerdem einen Bezug zur Baugeschichte der Kirche wiederherstellen. Die Renovierung endete im Frühjahr 2009. Die Michaelskirche in Euerfeld wird heute vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Baudenkmal eingeordnet. Hierzu zählen auch die Denkmäler im Kirchhof, wie der Kreuzigungsbildstock von 1565.
Beschreibung Die Pfarrkirche präsentiert sich als kleiner Saalbau mit polygonalem Chorabschluss. Sie ist geostet und wurde im Westen mit einem Turm ausgestattet. Er weist als typischer Julius-Echter-Turm alle charakteristischen Merkmale, wie den Spitzhelm auf. Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein Querschiff angebracht.
Ausstattung mini|Blick von der Empore in den Kirchenraum Das Innere der Kirche wurde um das Jahr 2010 von Domkapitular Jürgen Lennsen völlig neu gestaltet.
Glocken Das Geläut der Michaelskirche besteht aus insgesamt vier Glocken. Sie entstanden zum größten Teil im Jahr 1950, wahrscheinlich waren die ursprünglichen Glocken während des Zweiten Weltkrieges zum Einschmelzen abgegeben worden. Lediglich die kleinste Glocke von 1922 blieb der Gemeinde erhalten.
Name Grundton Gussjahr Durchmesser in Zentimeter Gewicht in Kilogramm Inschrift Kriegergedächtnisglocke fis1 1950 110 800 „Den Gefallenen zum Gedächtnis 1914–18 und 1939–45“ Marienglocke a1 1950 93 500 „Hl. Maria, bitte für uns“ Michaelsglocke h1 1950 82 370 „St. Michael, du starker Held, schütz und schirm dein Euerfeld“ Josefsglocke cis2 1922 60 250 „Hl. Josef, bitte für uns“Wehner, Thomas: Realschematismus der Diözese Würzburg. S. 63.
Weitere Ausstattung mini|Hochaltar und Marienstatue Einen Hinweis auf die ehemalige Wallfahrt zum „Euerfelder Michele“ bildet ein Ölgemälde des 18. Jahrhunderts. Es kam im Jahr 1751 durch die Stiftung der Studenten Johann Paul Rosskopf, Johann Wendelin Hesse und Johann Baptist Euersheim in das Gotteshaus. Auf dem Bild ist der nackte Leichnam des Ermordeten auf freiem Feld vor der Kirche zu sehen. Aus dem Jahr 1724 stammt das Gemälde „Christus am Kreuz“. Es wurde vom Hofmaler Anton Clemens Lünenschloß geschaffen.
Ein weiteres Gemälde mit unbekanntem Inhalt kam im 19. Jahrhundert in die Kirche. Im Chor findet sich eine Muttergottesfigur, die vom Bildhauer Matthäus Schiestl der Ältere geschaffen wurde. Zuvor, im Jahr 1857, kam die Darstellung der vierzehn Nothelfer, ein Ölgemälde vom Volkacher Künstler Peter Geist ins Kircheninnere. Die Figuren von Johannes und Paul waren am ehemaligen Hochaltar zu finden und wurden 1893 gearbeitet.
Die Orgel weist 18 Register auf und wurde 1931 von der Firma Willibald Siemann aus München geschaffen. Im Jahr 1992 restaurierte die Firma Werner Mann aus Marktbreit das Instrument. Die Chorfenster von 1961 schuf Rudolf Schieblon. Im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde ein Volksaltar ins Gotteshaus gebracht. Michael Altenhöfer aus Würzburg arbeitete den Altar im Jahr 1962. Ebenso wurde das Tabernakel von ihm geschaffen.
Wallfahrt Die Wallfahrt geht auf eine sogenannte Ritualmordlegende zurück. Am 6. April 1692, dem Ostersonntag, vermisste man den dreijährigen Johann Michael Estenfelder aus dem Dorf. Ein Schäfer berichtete, dass er das Kind auf dem Weg ins benachbarte Schernau gesehen haben will. Nun kamen Gerüchte auf; so soll der Junge im Haus der Judenfamilie Lämblein aus Schernau zum letzten Mal lebend gesehen worden sein.
Am 9. April 1692 entdeckte der Bauer Johann Michael Scheller die Leiche des Estenfelder in der Flur „Ötzfeld“. Insgesamt war der Junge durch 17 Messerstiche zu Tode gebracht worden. Schnell hatte man als Schuldige die Juden aus Schernau ausgemacht, die den Jungen in einem Ritual getötet haben sollen. Die Behörden des Dorfherren, das Hauger Stift in Würzburg, musste bald eingreifen um gewalttätige Ausschreitungen zu vermeiden.
Die Schernauer Juden wurden festgenommen und nach Dettelbach und Kitzingen ins Gefängnis gebracht. Die Verhöre der Verdächtigen brachten keine Ergebnisse und die Juden wurden wieder freigelassen. Am 17. Mai 1692 ordnete der Fürstbischof von Würzburg Verhöre unter Folter für Sarah Lämblein aus Schernau und Salomon von Bibergau an, die auch keine Ergebnisse brachten. Am 16. Juni desselben Jahres erließ die fürstbischöfliche Regierung einen Fahndungsaufruf. Der Mord blieb letztendlich unaufgeklärt.Bauer, Hans: Das Kitzinger Land. S. 62.
Der Euerfelder Pfarrer Johann Martin Förtsch ließ den Leichnam vor dem Marienaltar bestatten und befeuerte mit seinen Predigten eine Wallfahrt zum „Euerfelder Michele“, den er als „unschuldigen Blutzeugen des Christentums“ bezeichnete. Schnell sollen auch erste Wunderheilungen stattgefunden haben. Die Bistumsverwaltung in Würzburg unterstützte die illegitime Wallfahrt nicht, verbot allerdings auch nicht den Wallfahrern das Anreisen. Erst im 18. Jahrhundert versiegte die Wallfahrt.Bauer, Hans: Das Kitzinger Land. S. 65.
Pfarrer Die Pfarrherrn der Pfarrei Euerfeld sind seit ihrer Gründung in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts nahezu vollständig erfasst. Bis ins 17. Jahrhundert sind die Amtszeiten nur bruchstückhaft überliefert. Die Pfarrei Euerfeld war im Dreißigjährigen Krieg zeitweise unbesetzt. Zwischenzeitlich übernahmen die Franziskaner aus dem Kloster Dettelbach die Seelsorge. Seit deren Weggang besteht eine Pfarreiengemeinschaft mit den kath. Gemeinden auf dem Stadtgebiet Dettelbach.
Name Amtszeit Anmerkungen Leonhard Steublein gen. 1482 Bernhard Stumpf Friedrich Bäcker gen. 1495 Johann Uttenhöfer gen. 1504 Jakob Oberdörfer gen. 1508 Leonhard Schleeriette Michael Hegs gen. 1523 Michael Baum gen. 1535 Johannes Zink gen. 1548 Carolo Reuther gen. 1553 Wolfgang Stöcklein gen. 1569 Albertus Jacobus gen. 1590 Johannes Melcmius gen. 1592 Johannes Lutz 1597–1606 Georgius Hofstetter 1606–1613 Georgius Dürk 1613–1616 Johannes Wachemer 1616–1620 Gabriel Hinold 1620–1621 Magister 1621–1631 unbesetzt 1631–1652 Franziskaner aus Dettelbach: Georgius Zirkelbach, Zacharias Söllner Casparus Horrat 1652–1654 Michael Faber 1654–1655 Philippus Mauter 1655–1657 Mathäus Sommer 1657–1663 Petrus Lares 1663–1673 Franziskus Keller 1673–1678 Johannes Osterberger 1678–1682 Johannes Anding 1682–1685 Gregorius Adolf Bach 1685–1689 Johannes Sartorius 1689–1690 Burcardus Röll 1690–1692 Johannes Martinus 1692–1700 Conradus Gnickel 1700–1702 Christian Obermeder 1702–1706 Johannes Hohn 1706–1721 Georgius Lindner 1721–1724 Petrus Schleret 1724–1725 Valentinus Gessner 1725–1728 Ambrosius Eßig 1728–1762 Nikolaus Krieg 1762–1781 Sebastianus Lehnhard 1781–1797 Michael Rauch 1797–1844 gleichzeitig Dekan des Dekanats Dettelbach, † 1844 Matthäus Nees 1844–1860 Johannes Valentinus Burger 1860–1868 Johannes Nepomuk Wirth 1868–1882 Georg Mann 1882–1888 Michael Adam Berninger 1889–1902 zuvor in Baunach, Neubau der Euerfelder Kirche, † 1902 Georg Rug 1903–1935 * in Kitzingen, zuvor Rektor eines Knabenseminars in München, danach in Dettelbach, † 1941 in Dettelbach Theodor Morhart 1935–1946 * um 1877, zuvor Pfarrer in Bergtheim, † 1946 Michael Waldhäuser 1946–1957 zuvor Pfarrer in Stammheim, † 1960 in Eichelsdorf Eberhard Pfirmann 1957–1991 * 1900 in der Rheinpfalz, zuvor Pfarrer in Donnersdorf, Ehrenbürger von Euerfeld, † 5. Juli 1991 P. Johannes Messerer 1991–1992 OFM Anton HauckStadt Dettelbach (Hrsg.): Euerfeld 1100 Jahre. Ein Dorf stellt sich vor. Dettelbach 1995, ISBN 3-929411-04-0. S. 117–120. 1992–1999 * 1933 in Dampfach, zuvor Pfarrer in Elfershausen, Zellingen, Duttenbrunn, gleichzeitig in Bibergau und Effeldorf Erich Seitz 1999–2002 * 1937 in Schweinfurt, zuvor in Knetzgau, Röthlein Uwe Hartmann 2017–2022 zuvor Pfarrer in Kahl am Main, † 2022Gerhard Spöckl2022–2024Dekan des Dekanates Kitzingen, seit dem Tod von Pfr. Uwe Hartmann PfarradministratorNicolas Kehl2024-* 1989, zuvor bereits Pfarrvikar
Siehe auch Liste von Wallfahrtsorten im Landkreis Kitzingen
Literatur Hans Bauer: Das Kitzinger Land. Kostbarkeiten, Denkmäler, Kuriositäten. Band II. Volkach 2007. Hans Bauer: Landkreis Kitzingen. Ein Kunst- und Kulturführer. Marktbreit 1993. Thomas Wehner: Realschematismus der Diözese Würzburg. Dekanat Kitzingen. Würzburg 1997.
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Einzelnachweise
Kategorie:Pfarrkirche des Bistums Würzburg Kategorie:Erbaut im 14. Jahrhundert Michael Michael Kategorie:Michaeliskirche Kategorie:Kirchengebäude in Dettelbach Kategorie:Kirchengebäude in Europa