Bei der Boeing P-8 Poseidon handelt es sich um ein Seefernaufklärungs- und U-Boot-Jagdflugzeug. Das zweistrahlige Flugzeug ist das Ergebnis des „Multimission-Maritime-Aircraft“-Programms (vorübergehend auch als „MMA“ bezeichnet) der US Navy und basiert auf dem Kurz- und Mittelstreckenflugzeug Boeing 737-800. Bei der Deutschen Marine ging die erste P-8 im November 2025 offiziell in Dienst. Sie ersetzt dort, wie auch bei der US Navy, die P-3-Orion-Flotte. Als erster Exportkunde verwendet Indien für die Maschine den Beinamen Neptune. Poseidon ist in der griechischen, Neptun in der römischen Mythologie der Gott des Meeres.

Geschichte Entwicklung

Die Entwicklung der P-8 lässt sich bis Mitte der 1980er-Jahre zurückverfolgen. Damals suchte die US-Marine nach einem möglichen Nachfolger für die P-3 und begann, die Anforderungen an solch eine Maschine zu definieren. Die primäre Forderung war dabei die Senkung der Betriebskosten im Vergleich zur P-3. Diese litt unter einer vergleichsweise starken Materialermüdung, weshalb die neue Maschine über eine Flugzeugzelle mit einer hohen Lebenserwartung verfügen sollte. Des Weiteren wurden eine erhöhte Reichweite bzw. eine verlängerte Patrouillendauer sowie ein geringeres Gesamtgewicht gefordert. 1989 vergab dann die Marine einen Entwicklungsauftrag an Lockheed, der den Bau von zwei Prototypen umfasste. Diese als P-7 bezeichneten Maschinen wurden allerdings nie gebaut, da 1990 Lockheed der Auftrag wieder entzogen wurde, nachdem eine Kostenüberschreitung von 300 Millionen US-Dollar eingeräumt werden musste.

Nach dem Ende des Kalten Krieges und den daraus resultierenden Kürzungen im Verteidigungsbudget wurde die Suche nach einem Nachfolger für die P-3 zunächst aufgegeben. Die Lebensdauer der Flugzeugzelle wurde zunächst mit verschiedenen Modernisierungsprogrammen verlängert. Als sich andeutete, dass dies auf die Dauer ebenfalls sehr teuer würde, wurde im Jahre 2000 ein neues Entwicklungsprogramm begonnen – das Multimission Maritime Aircraft Program. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Anforderungen wurde dabei auf die Gewichtsreduzierung verzichtet, da man bereit war, dies für höhere Reichweiten und Einsatzzeiten in Kauf zu nehmen. Des Weiteren wurden die Anforderungen im Bereich Avionik und Kommunikationssystem erhöht. Neu im Lastenheft war zudem die Forderung, dass die neuen Maschinen UAVs ohne zusätzliche bodengestützte Anlagen steuern können sollten.

mini|Rollout der P-8A „Poseidon“, Reg. …954 (30. Juli 2009)

Zunächst nahmen nur Boeing und Lockheed Martin an dem neuen Wettbewerb teil. Lockheed schlug dabei die sogenannte Orion 21 vor, bei der es sich um eine komplett überarbeitete Version der alten Turboprop-P-3 handelte. Derweil ging Boeing einen anderen Weg und legte einen Vorschlag vor, der eine Modifizierung ihres 737-800ERX-Verkehrsflugzeugs vorsah. 2001 stieg BAE Systems mit der Nimrod MRA.4 in den laufenden Wettbewerb ein. Sie boten eine modernisierte Variante der alten Nimrod MR.Mk.2 von 1969 an, die bereits für die britische Marine neu entwickelt wurde. Allerdings zog sich BAE im Oktober 2002 aus dem Wettbewerb zurück, da man erkannt hatte, dass es politisch nicht möglich gewesen wäre, sich gegen die US-amerikanischen Konkurrenten durchzusetzen. Schließlich gewann am 14. Juni 2004 Boeing den Wettbewerb.

Nachdem der US-Hersteller das 3,9 Mrd. US-Dollar schwere MMA-Programm für sich entscheiden konnte, gab die US Navy am 8. Juli 2004 die ersten fünf Maschinen in Auftrag. Anfang August 2008 wurde die Montage des ersten Prototyps P-8A-T1 im Werk Renton abgeschlossen. Daraufhin wurde in Seattle mit der Instrumentierung sowie mit verschiedenen Bodentests begonnen. Am 25. April 2009 absolvierte die erste P-8A ihren Erstflug, so dass sie spätestens ab 2013 die Lockheed P-3 ablösen konnte. Abwurftests von Sonarbojen begannen im Oktober 2010 auf der NAS Patuxent River. Am 19. Juli 2011 startete die erste Vorserienmaschine aus dem sechs Flugzeuge umfassenden LRIP1-Vorserienvertrag in Renton zu ihrem Erstflug. Insgesamt plant die US Navy, 108 Flugzeuge zu beschaffen, wodurch sich die Kosten auf etwa 15 Milliarden US-Dollar belaufen. Neben Boeing sind als Zulieferer auch Raytheon, Northrop Grumman, Spirit AeroSystems, GE Aviation Systems, Marshall Aerospace, CFMI, BAE Systems und Marotta beteiligt. Aufgrund der Absage von Lockheed Martin, das „Aerial Common Sensor“-Projekt weiterzuentwickeln, benutzt Boeing nun ein Linux-System von Wind River Systems für die Aufklärungs- und Missionssysteme.

Die P-8 wurde von den Test and Evaluation Squadrons VX-1 und VX-20 erprobt, die auf der Naval Air Station Patuxent River in Maryland stationiert sind. Am 3. Februar 2012 nahm erstmals eine P-8 an einer Übung der US-Marine teil, wobei insgesamt 34 Übungseinsätze im Rahmen von „Bold Alligator“ geflogen wurden. Das Testprogramm der US Navy wurde Anfang April 2013 abgeschlossen. Die P-8 wurde auf der Dubai Airshow 2013 erstmals auf einer internationalen Luftfahrtschau einem größeren Publikum vorgeführt.Boeing P-8A makes its international show debut. In: Flightglobal.com. 18. November 2013, abgerufen am 18. November 2013 (englisch): „One of the most sophisticated derivatives of the Boeing 737 ever flown is making its international show debut this week, with the US Navy’s new P-8A being put through its paces during the daily flying display.“ Am 29. November 2013 erreichte die P-8 Poseidon ihre Initial Operating Capability (IOC).

Produktion

mini|Prototyp T(Test)-1 der P-8A „Poseidon“, Reg. …951 (April 2010)

Bis Juni 2019 wurden 116 „Poseidon“ ausgeliefert, davon 95 an die United States Navy (inklusive einer Bruchzelle sowie eines weiteren statischen Versuchsträgers), 11 an die Royal Australian Air Force sowie acht an die indische Marine.

MSNManufacturer Serial Number (MSN) – „Herstellerseriennummer (HSN) bzw. Seriennummer des Herstellers (SNH)“ LNLine Number (LN) – Nummer in der Fertigungslinie, gibt die laufende Nummer eines bestimmten Baumusters an BuNo Betreiber Auslieferung Anmerkung Test-Kennzeichen 34395 2722 – United States Navy Dezember 2008 Statische Zelle, mittlerweile zerlegt 34398 3069 – US Navy Dezember 2009 Statisch genutzt, nicht mehr in Betrieb 34394 2599 167951 August 2008 – N541BA 34396 2814 167953 Juni 2009 – N441BA 34397 2931 167954 September 2009 – N397DS 40594 3324 167952 Oktober 2010 – N327DS 40595 3426 167955 Januar 2011 – N328DS 40596 3522 167956 April 2011 – N391DS 40808 3612 168428 Juli 2011 – N392DS 40809 3792 168429 Dezember 2011 – N397DS 40810 3879 168430 März 2012 – N398DS 40811 3916 168431 April 2012 – N507DS 40812 3969 168432 Mai 2012 – N516DS 40813 4055 168433 August 2012 – N530DS 40814 4099 168434 September 2012 – N532DS 40815 4141 168435 Oktober 2012 – N533DS 40816 4219 168436 Dezember 2012 – N536DS 40817 4256 168437 Februar 2013 – N537DS 40818 4294 168438 März 2013 – N327DS 40819 4331 168439 April 2013 – N539DS 40820 4366 168440 Mai 2013 – N708DS 42250 4547 168754 November 2013 – N736DS 42251 4609 168755 Januar 2014 – N740DS 42252 4673 168756 Februar 2014 – N753DS 42253 4728 168757 März 2014 – N755DS 42254 4768 168758 April 2014 – N758DS 42255 4813 168759 Mai 2014 – N762DS 42256 4898 168760 Juli 2014 – N768DS 42257 4938 168761 August 2014 – N771DS 42258 4978 168762 September 2014 – N780DS 42259 5020 168763 Oktober 2014 – N781DS 42260 5098 168764 November 2014 – N783DS 44140 5138 168848 Dezember 2014 – N784DS 44141 5178 168849 Februar 2015 – N785DS 44142 5218 168850 – N789DS 44143 5262 168851 März 2015 – N790DS 44144 5298 168852 April 2015 – N715DS 44145 5338 168853 Juni 2015 – N717DS 44146 5368 168854 – N722DS 44147 5398 168855 Juli 2015 – N729DS 44148 5428 168856 – N805DS 44149 5458 168857 August 2015 – N590DS 44150 5478 168858 September 2015 – N591DS 44151 5542 168860 Oktober 2015 – N593DS 44152 5510 168859 September 2015 – N592DS 44938 5567 168996 November 2015 – N595DS 44939 5623 168998 Dezember 2015 – N598DS 44940 5656 168999 Januar 2016 – N910DS 44941 5680 169000 – N914DS 44942 5587 168997 November 2015 – N597DS 44943 5740 169002 März 2016 – N934DS 44944 5765 169003 – N935DS 44945 5796 169004 April 2016 – N936DS 44946 5851 169005 Mai 2016 – N941DS 44947 5880 169006 Juni 2016 – N942DS 44948 5903 169007 Juli 2016 – N943DS 44949 5936 169008 – N944DS 44950 6020 169010 September 2016 – N957DS 44951 5963 169009 August 2016 – N949DS 44952 5712 169001 Februar 2016 – N931DS 44953 6048 169011 Oktober 2016 – N958DS 62288 5823 A47-001 Royal Australian Air Force Mai 2016 – N940DS 62289 5993 A47-002 September 2016 – N956DS 62290 6076 A47-003 November 2016 – N959DS 62291 6104 169324 US Navy – N960DS 62292 6132 169325 Dezember 2016 – N962DS 62293 6216 A47-004 Royal Australian Air Force Februar 2017 – N974DS 62294 6244 169328 US Navy März 2017 – N964DS 62295 6273 169329 – N968DS 62296 6300 169330 April 2017 – N843DS 62297 6356 169331 Juni 2017 – N852DS 62298 6160 169326 Januar 2017 – N969DS 62299 6189 169327 Februar 2017 – N963DS 62698 6385 169332 Juni 2017 – N848DS 63179 6328 A47-005 Royal Australian Air Force Mai 2017 – N832DS 63180 6412 169333 US Navy Juli 2017 – N838DS 63181 6440 169334 August 2017 – N839DS 63182 6468 A47-006 Royal Australian Air Force – N849DS 63183 6492 169335 US Navy September 2017 – N854DS 63184 6532 169336 Oktober 2017 – N857DS 63185 6560 169337 – N858DS 63186 6595 169338 November 2017 – N860DS 63187 6623 A47-007 Royal Australian Air Force Dezember 2017 – N862DS 63188 6658 169339 US Navy Januar 2018 – N863DS 63189 6687 169340 – N864DS 63190 6720 169341 Februar 2018 – N869DS 63191 6750 A47-008 Royal Australian Air Force Eingelagert N872DS 63192 6784 169342 US Navy März 2018 – N874DS 63193 6812 169343 April 2018 – N873DS 63194 6846 169344 – N304DS 63195 6876 169345 Juni 2018 – N308DS 63196 6909 169346 – N318DS 63197 6941 169347 – N322DS 63198 6974 169348 Juli 2018 – N323DS 63758 7004 169349 August 2018 – N328DS 63759 7044 169426 – N332DS 64073 7074 169542 September 2018 – N348DS 64074 7114 169543 Oktober 2018 – N347DS 64075 7144 169544 November 2018 – N360DS 64076 7184 169545 Dezember 2018 – N364DS 64077 7219 169546 – N368DS 64078 7289 169548 Februar 2019 – N383DS 64079 7359 169549 März 2019 – N392DS 64080 7462 169573 Mai 2019 – N410DS 64083 7254 169547 Januar 2019 – N374DS 64165 7324 A47-009 Royal Australian Air Force März 2019 – N391DS 64166 7392 A47-010 April 2019 – N397DS 64167 7427 A47-011 – N398DS 40610 3702 IN320 Indische Marine September 2011 – N393DS 40611 4014 IN321 Juli 2012 – N521DS 40612 4181 IN322 November 2012 – N535DS 40613 4399 IN323 Juni 2013 – N718DS 40614 4445 IN324 Juli 2013 – N720DS 40615 4481 IN325 September 2013 – N726DS 40616 4859 IN326 Juni 2014 – N763DS 40617 5058 IN327 November 2014 – N782DS 4… . . … … – . 4… . . Royal Air Force (UK) Ende Oktober 2019 – . 4… . . bis Anfang 2022 – . 4… . . – . 4… . . – . 4… . . – . 4… . . – . 4… . . – . 4… . . – . 4… . . – . Stand 27. Juni 2019 + Lieferung an UK

Konstruktion

mini|Erprobungsflug einer P-8A (links) über Patuxent River, rechts eine Lockheed P-3 Orion (April 2010)

Die P-8 Poseidon basiert auf der Zivilmaschine Boeing 737. Der von der Version 737-800 stammende Rumpf wurde verstärkt, um der erhöhten Beanspruchung Rechnung zu tragen und einen Waffenschacht integrieren zu können. Auch die umfangreichen Sensoranlagen, deren Antennenanlagen entlang der Rumpfunterseite sichtbar sind, sowie die Avionik machten diese Verstärkung notwendig. An den von der Boeing 737-900 stammenden Tragflächen können ebenfalls Waffen mitgeführt werden.

Als wichtigstes Element der Überwachungsausrüstung gilt das synthetische Breitbandradar Raytheon AN/APY-10 (JETDS-Bezeichnung), eine Weiterentwicklung des AN/APS-137-Radars mit verringertem Energie- und Raumbedarf.

Versionen P-8A: Basisversion für die US-Navy, dient auch für den Export.