Petar Brzica (* angeblich um 1917) soll ein Oberleutnant der faschistischen Ustascha-Miliz gewesen sein und während des Zweiten Weltkriegs als Wächter des Konzentrationslager Jasenovac Häftlinge misshandelt haben. Diese Angaben beruhen auf einer 1946 veröffentlichten Zeugenaussage des Adrian Wêder (1918–1985) aus Zagreb gegenüber der von 1944 bis 1947 tätigen jugoslawischen Staatlichen Kommission Kroatiens zur Feststellung von Verbrechen der Okkupanten und ihrer Helfer. Brzicas Existenz und seine Taten sind nicht zweifelsfrei belegt.
„Tötungswettbewerb“ Brzica soll bei einem „Tötungswettbewerb“ am 29. August 1942 mit einem Messer einen kriegsverbrecherischen Massenmord an KZ-Häftlingen begangen haben. Je nach Quelle variiert die Angabe über die Opferzahl zwischen 670 und 1.860.
Ohne Quellenangabe schreibt 1951 erstmals der serbische Emigrant Branko Miljuš unter dem Pseudonym Hervé Laurière über diesen „Tötungswettbewerb“ und gibt die Opferzahl mit 1.360 an. Er nennt Brzica als Mitglied der katholischen Laienorganisation Križari („Die Kreuzritter“) sowie Stipendiat des Franziskanerklosters Široki Brijeg. Andere Quellen benennen Brzica als Jurastudenten. Der bosnische Serbe Miljuš war Politiker (Jugoslawische Radikale Union) und ehemaliger Minister ohne Geschäftsbereich der Regierung des Königreich Jugoslawien unter Ministerpräsident Dragiša Cvetković. Er lebte im Exil in Paris und publizierte später in Kanada als Autor der nationalistischen serbischen Emigration.
Im Jahr 1961 wird erstmals der Bericht des Nervenarztes Nedo Zec (1899–1971) mit dem Titel „Radi ti, dijete, svoj posao!“ (Mach du, Kind, deine Arbeit!) veröffentlicht; weitere Veröffentlichungen erfolgten 1969, 1970, 1971, 1973 und während des Zerfalls Jugoslawiens 1992. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Zec der erste Gesundheitsminister der Volksrepublik Bosnien und Herzegowina sowie Gründer und erster Leiter der Klinik für Nerven- und Geisteskrankheiten in der Medizinischen Fakultät der Universität von Sarajevo, die früher auch seinen Namen trug. Wegen seiner kommunistischen Tätigkeit war Zec von 1942 bis 1943 Häftling im KZ Jasenovac. In seinem Bericht erzählt Zec, dass er im Januar 1943 auf Anweisung des KZ-Kommandeurs Ivica Matković als Nervenarzt einem neu gebildeten medizinischen Komitee angehört habe, um KZ-Wächter zu untersuchen. Der Ustascha Žile Friganović habe ihm berauscht berichtet:
Der serbische Arzt Nikola Nikolić, der nach dem Bericht von Zec mit diesem in der KZ-Ärztekommission tätig war, gibt im Jahr 1969 die Zahl der Getöteten mit 670 an. Eine jüngere Quelle gibt die Zahl der Opfer mit 1.860 an und beruft sich dabei auf die kroatische Wochenzeitung Nedjelja vom 19. Oktober 1942, das Blatt der katholischen Križari-Organisation. Der Ustascha Žile Friganović der Zec das Geständnis gemacht haben soll, wird je nach Quelle auch mit dem Vornamen Mile oder Ante bzw. mit dem Familiennamen Riganović bezeichnet.
Brzicas Name soll auf der Liste der 59 Faschisten gewesen sein, die während der 1970er Jahre von jüdischen Organisationen an die US-Immigrationsbehörden als Auslieferungsgesuche übergeben wurden.
Der Bericht über Brzicas angebliche Massentötung hat Eingang in die Literatur gefunden und wurde auch von einigen antikatholischen Autoren wie z. B. Avro Manhattan (Pseudonym Teofilo Lucifero Gardini; 1914–1990) verarbeitet.
Heiligenlegende Ein angebliches Opfer dieses „Tötungswettbewerbs“ soll laut Zecs Erzählung ein alter Mann namens Vukašin gewesen sein. Nach verschiedenen serbische Quellen soll er entweder den Familiennamen Toholj oder Mandrapa getragen haben bzw. wird auch als Vukašin von Klepci (Vukašin Klepački, nach seinem angeblichen Herkunftsort bei Čapljina) oder als Vukašin von Jasenovac (Vukašin Jasenovački) bezeichnet. Er wurde 1998 von der serbisch-orthodoxen Kirche heiliggesprochen.
Kritik Die Erzählung über diesen „Tötungswettbewerb“ und den ermordeten Vukašin wird angezweifelt. Laut dem serbischen Philosophen Aleksandar Pražić hat Nedo Zec die Erzählung für die jugoslawischen Kommunisten erfunden. Auch um sich selbst von jedem Verdacht freizusprechen, da er sich weitgehend als „freier Mann“ im Lager bewegen durfte.
Auch der kroatische Historiker Ivo Rendić-Miočević und der kroatische Akademiker Filip Škiljan bezweifeln die Erzählung des Nedo Zec über die Massentötung und die historische Person des Vukašin. Rendić-Miočević bemängelt das nur Zec diesen „Tötungswettbewerb“ bezeugt und es unmöglich sei, ein Gespräch nach vielen Jahren buchstäblich wiederzugeben. Vukašin sei keine historische Person und die Aufnahme in die Opferliste von Jasenovac sei erst 2007 erfolgt, nachdem der serbische Autor Marko Ručnov Vukašin in einem Buch (2004) unbewiesen den Familiennamen Mandrapa zugeschrieben habe, auch ohne wie üblich den Vatersnamen und den Herkunftsort zu benennen. Filip Škiljan weist in seiner von Sabrina P. Ramet herausgegebenen Schrift „Logorski sustav Jasenovac : konroverze“ (Kontroverse Fragen zu Jasenovac) darauf hin, dass Vukašin in keiner Opferliste der Lager von Jasenovac oder Stara Gradiška enthalten sei.
In den Medien Der „Tötungswettbewerb“ und das angebliche Martyrium des Vukašin wurde in dem serbischen Historien-Dramafilm Дара из Јасеновца Dara iz Jasenovca () des Regisseurs Predrag Antonijević aus dem Jahr 2020 verfilmt.
Belege
Kategorie:Militärperson (Unabhängiger Staat Kroatien) Kategorie:Personal im KZ Jasenovac Kategorie:Ustascha-Mitglied Kategorie:Jugoslawe Kategorie:Geboren im 20. Jahrhundert Kategorie:Mann