Der Hamburger Nationalclub war ein 1919 gegründeterJoachim Petzold: Nationalklub (NK) 1919–1943. In: Dieter Fricke (Hrsg.): Lexikon zur Parteiengeschichte. Die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und Verbände in Deutschland (1789–1945) Band 3. Bibliographisches Institut, Leipzig 1985, S, 399–402, hier S. 400. nationalistischer Herrenklub, dessen Mitglieder überwiegend dem Kreis der Hanseaten entstammten.

Der Klub Im Klub versammelten sich vorwiegend Unternehmer, Kaufleute, Bankiers, Offiziere höherer Ränge, hohe Beamte, Juristen, Mediziner und Pastoren. Als Geschäftsführer amtierte 1924 Gustav Adolf von Wulffen.Peter Longerich: Hitlers Stellvertreter. Führung der Partei und Kontrolle des Staatsapparates durch den Stab Hess und die Partei-Kanzlei Bormann. Europäische VA, München 1992, ISBN 3-598-11081-2, S. 13. 1929 waren 503 Mitglieder verzeichnet. Frauen waren als Mitglieder nicht zugelassen. Der Jahresbeitrag lag in Höhe von 30 Reichsmark. Im Hotel Atlantic fanden regelmäßig Zusammenkünfte statt.

Die Mitglieder des Nationalklubs lehnten die Revolution von 1918 entschieden ab und bekämpften die Weimarer Republik. Die wichtigste Aufgabe sah der Klub in der „Erneuerung des nationalen Bewußtseins“. So heißt es in der Satzung des Klubs:

Der Klub wurde mit zahlreichen anderen Nationalklubs personell und ideologisch verklammert, vor allem mit dem Berliner Nationalklub. In regelmäßigen Abständen lud der Klub führende Persönlichkeiten als Redner ein. Unter ihnen befanden sich beispielsweise Alfred von Tirpitz, Heinrich Claß, Erich Ludendorff, der Reichskanzler Hans Luther, Reichsaußenminister Gustav Stresemann, Hjalmar Schacht und Hans von Seeckt. Themen waren zum Beispiel: „Völkische Abwehr und Aufbaupolitik“ (Wulle, 1922), „Deutsche Volksgemeinschaft“ (v. Gayl, 1924), „Wir und der Osten“ (Volck, 1922), „Was können wir tun, um die Lösung der österreichischen Frage vorzubereiten?“ (Ebert, 1922).

Vorstandsmitglieder Im April 1930 gab es 8 Vorstandsmitglieder, darunter waren: Karl Deters (Direktor der HAPAG) Ricardo Sloman John von Berenberg-Gossler Joachim von Neuhaus Max von Schinckel Hermann Willink Mitglied ab 1931 war Max Mörck.Wulf D. Hund, Christian Seegert: Bürgerliche Hegemonie und konservative Kontinuität der Justiz. Das Beispiel der Wiedereröffnung des Hanseatischen Oberlandesgerichtes in Hamburg 1945. In: Jahrbuch für Sozialökonomie und Gesellschaftstheorie, VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden (1988), S. 59.

Der Hamburger Nationalklub und die NSDAP Nach der Neugründung der NSDAP 1925 erfreute diese sich in den Kreisen der Hanseaten wohlwollender Unterstützung. Am 28. Februar 1926 konnte Adolf Hitler vor dem Hamburger Nationalklub auftreten und wurde von Vorwerk begrüßt:

Hitler sprach erneut am 1. Dezember 1930 vor dem Klub. 1931 wurde Joseph Goebbels als Redner geladen.

Über die Rede Hitlers von 1926 ist eine Aufzeichnung erhalten geblieben. In dieser Rede empfahl sich Hitler dem exklusiven Hamburger Bürgertum als Retter vor dem Marxismus. Hitler führte aus:

Der Historiker Werner Jochmann urteilt, dass finanzielle Mittel der NSDAP vom Klub aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zugeflossen sind, wohl aber von einzelnen Mitgliedern. Aber der Gauleiter der NSDAP in Hamburg Albert Krebs berichtet in seinen Erinnerungen, dass die Hamburger Gauleitung „vorübergehend den Plan verfolgte, die 'Hamburger Nachrichten' mit Spenden des 'Nationalklubs' aufzukaufen“.Albert Krebs: Tendenzen und Gestalten der NSDAP, Erinnerungen an die Frühzeit der Partei. DVA, Stuttgart 1959, S. 86.

Max von Schinkel gehörte zwar als Monarchist und Anti-Demokrat zum rechten Spektrum der hamburgischen Elite, lehnte aber die Nationalsozialisten offen ab.Frank Bajohr: Die Zustimmungsdiktatur. Grundzüge nationalsozialistischer Herrschaft in Hamburg. In: Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (Hrsg.): Hamburg im ‚Dritten Reich‘. Wallstein Verlag, Göttingen 2005, ISBN 3-89244-903-1, S. 119. Der Bruder des Vorstandsmitgliedes John von Berenberg-Goßlers, der Bankier Cornelius von Berenberg-Goßler, war zwar Mitglied der NSDAP, verurteilte 1933 jedoch die Judenverfolgung und den Kampf gegen Österreich und trat 1934 empört aus der Partei aus.

Nach einer Rede von Elard von Oldenburg-Januschau am 18. Januar 1935, in der er u. a. den ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg und den Umgang der NSDAP mit den Konservativen kritisierte, geriet der Nationalklub ins Visier der Gestapo. In der Folge trat der bisherige Vorstand zurück und aus dem Klub aus. Der Hamburger Nationalklub existierte bis 1945.Werner Jochmann: Im Kampf um die Macht. Hitlers Rede vor dem Hamburger Nationalclub von 1919. Europäische VA, Frankfurt/M. 1960, S. 43 f.

Literatur Werner Jochmann: Im Kampf um die Macht. Hitlers Rede vor dem Hamburger Nationalclub von 1919. Europäische VA, Frankfurt/M. 1960. Manfred Asendorf: Hamburger Nationalklub, Keppler-Kreis, Arbeitsstelle Schacht und der Aufstieg Hitlers. Reinhard Opitz zum Gedenken (2. Juli 1934 – 3. April 1986). In: 1999. Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts, 2. Jg. Juli 1987, Heft 3, S. 106ff., , (Digitalisat)

Weblinks

Hitlers Rede vor dem Hamburger Nationalklub von 1919, Werner Jochmann, Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH).

Einzelnachweise

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