Der Widerstand im KZ Buchenwald waren die vielfältigen Aktionen von Häftlingen des Konzentrationslagers Buchenwald gegen die Maßnahmen des Nationalsozialismus zur Unterdrückung und Ermordung der Häftlinge bis hin zur Übernahme der Lagerleitung im April 1945. Er war Bestandteil des Widerstands gegen den Nationalsozialismus.

Formen des Widerstands In den Konzentrationslagern übertrug die SS die interne Organisation sogenannten Funktionshäftlingen. Sowohl die Kommunisten als auch kriminelle Häftlinge versuchten in Buchenwald wie auch anderswo mit aller Macht, die „Selbstverwaltung“ durch „Funktionshäftlinge“ zu übernehmen. Das führte zu harten Konflikten insbesondere zwischen politischen Gefangenen und Kriminellen. In Buchenwald schreckten beide Seiten selbst vor gegenseitigen Denunziationen und Morden nicht zurück.Lutz Niethammer (Hg.): Der „gesäuberte“ Antifaschismus. Die SED und die roten Kapos von Buchenwald. Berlin 1994, ISBN 3-05-002647-2.

Nach Errichtung des Lagers waren diese Aufgaben zunächst kriminellen Häftlingen zugewiesen worden. Ab 1939 gelang es den politischen Häftlingen, hauptsächlich Kommunisten, schrittweise die von der SS bevorzugten Kriminellen aus diesen Funktionen zu verdrängen. Bis zur Befreiung übernahmen politische Häftlinge wichtige Posten unter den Funktionshäftlingen. Eine erste, grundlegende Darstellung über die Selbstverwaltung und den Widerstand in den Konzentrationslagern der SS verfasste 1960 H. G. Adler.

Seit Abschluss des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes schien der ideologische Gegensatz zeitweise aufgehoben und die SS wusste, dass Kommunisten Menschen organisieren konnten. Außerdem waren die kommunistischen Parteien international vernetzt, was aus Sicht der Lagerleitung wichtig war, weil seit Beginn des Zweiten Weltkrieges in Buchenwald Häftlinge aus ganz Europa interniert waren. Mit dem Überfall auf die Sowjetunion verloren die kommunistischen Häftlinge zunächst ihre Stellung, doch gelang es ihnen, diese Positionen später wieder zu erobern. Die kommunistischen Kapos achteten darauf, dass Funktionsstellen mit Häftlingen aus allen Ländern besetzt waren, um den Zusammenhalt im Lager zu stärken. Außerdem arbeiteten sie nicht nur mit Mitgliedern ihrer eigenen Partei, sondern auch mit Sozialdemokraten und mit bürgerlichen Politikern zusammen und setzten so die Volksfrontpolitik der Kommunistische Internationale (Komintern) seit 1937 um.

Der Handlungsspielraum der „Roten Kapos“ war naturgemäß gering. Stets waren sie davon bedroht, von der Lagerleitung abgesetzt und umgebracht zu werden. Aber diesen Handlungsspielraum nutzten sie, um das Leben der anderen Häftlinge im Rahmen ihrer Möglichkeiten möglichst erträglich zu erhalten. Schwerpunkte der Tätigkeit der roten Kapos waren die Abteilungen der so genannten Arbeitsstatistik, des Häftlingskrankenbaus und des Lagerschutzes.

Einen besonderen Stellenwert für die antifaschistische Untergrundarbeit hatte die Häftlingsschreibstube, in der alle Häftlinge erfasst wurden. Hier wurden Listen für die täglichen Appelle geschrieben. Wichtig war es vor allem, das Eindringen von Spitzeln und Verrätern in die illegalen Organisationen der Antifaschisten zu verhindern. Hier, wie auch im Kleinen Lager, in das die Massentransporte zuerst gebracht wurden, überprüften die Häftlinge die Neuzugänge, um sich vor Denunzianten zu schützen. Um dies wirksam tun zu können, rangen die deutschen Häftlinge, vor allem der Kapo Hans Neumeister, der SS die Genehmigung ab, auch ausländische Kameraden in der Schreibstube arbeiten zu lassen. In den letzten Jahren des KZ war die Häftlingsschreibstube international zusammengesetzt.

In der Arbeitsstatistik wurde der Arbeitseinsatz der Häftlinge geplant, dort wurden aber auch Listen erstellt, welche Häftlinge in welches Außenlager sollten. So konnten zum Beispiel gezielt zuverlässige Widerständler in das berüchtigtste Lager Dora-Mittelbau eingeschleust werden. In den Stollen des Lagers konnte kaum ein Häftling länger als sechs Wochen überleben. Dennoch schafften es Häftlinge wie Albert Kuntz, dort eine Widerstandsorganisation aufzubauen, die gezielte Sabotage an den V2-Raketen verübte.

Im Häftlingskrankenbau konnten Häftlinge kurzfristig vor der SS versteckt werden. Manchmal gelang es sogar, dort einen Häftling, dessen Leben unmittelbar bedroht war, für die Akten sterben zu lassen und ihm die Identität eines wirklich Verstorbenen zu geben. Außerdem überzeugte der Kapo Robert Siewert die SS, polnische Kinder zu Maurern auszubilden, damit die vielfältigen Baumaßnahmen mit geeigneten Fachkräften schneller vorankämen. Damit wurden die Jungen vor dem sicheren Tod gerettet.

Vor der Befreiung des KZs durch die US-amerikanische Armee konnte der Lagerwiderstand die restlichen SS-Wachmannschaften überwältigen und damit weitere Opfer verhindern. Bereits seit dem 8. April 1945 hatten Häftlinge durch Boykott und Sabotage die Räumung des Lagers behindert und die anrückende 3. US-Armee per Funk um Hilfe gerufen. Durch einen bewaffneten Aufstand übernahmen am 11. April 1945 schließlich die Häftlinge die Leitung des Lagers von der abziehenden SS, nahmen 125 der verbliebenen Bewacher fest, öffneten die Tore und hissten die weiße Fahne.Udo Dietmar: Häftling X … in der Hölle auf Erden. Herausgegeben vom Land Thüringen, Landesamt für Arbeit und Sozialfürsorge. Thüringer Volksverlag, 1945, ; für einen Leseausschnitt siehe Beatrix Hasse: kriegsende.ARD.de.

Bruno Apitz beschreibt in seinem Roman Nackt unter Wölfen (1958) das Leben und Sterben im Lager und den Versuch, sich zu organisieren und Kinder zu verstecken, die der sicheren Vernichtung ausgesetzt waren. Er wurde dreimal verfilmt: 1960 von Georg Leopold für den Deutschen Fernsehfunk, 1963 von Frank Beyer für die DEFA und 2015 von Philipp Kadelbach für den MDR.

Jorge Semprúns Roman Was für ein schöner Sonntag! (1980/81) ist eine Reflexion und Wertung des Problemes der roten Kapos unter den Bedingungen des KZ, eine Darstellung nicht als heroische Widerstandskämpfer, sondern als Männer, die zu Macht kamen und sie dann ausnutzten und die dennoch vielen geholfen haben. Er setzt sich mit der Heroisierung des Widerstandes und ihrer Nutzung in der späteren DDR-Propaganda auseinander. Er verdeutlicht die Nähe zum Stalinismus und dessen Folgen.

Internationales Lagerkomitee Buchenwald Das Internationale Lagerkomitee Buchenwald war ein konspiratives Organ von Häftlingen des Konzentrationslagers Buchenwald.

Mit dem Eintreffen von politischen Häftlingen aus den von Deutschland besetzten Ländern im KZ Buchenwald fanden die deutschen Antifaschisten Kontakte zu den jeweiligen nationalen Gruppen. Daraus entstand im Juli 1943 das Internationale Lagerkomitee (ILK), das unter Leitung des deutschen Kommunisten Walter Bartel als illegales, konspiratives Zentrum der politischen Nazigegner den Widerstand im Lager organisierte. Gründungsort und Treffpunkt des ILK war ein abgeschirmter Raum im Häftlingskrankenbau. Im ILK waren in einem romanischen Sektor und einem slawisch-deutschen Sektor alle großen Nationen vertreten.

Unter ihrer Leitung wurde auch eine Internationale Militärorganisation (IMO) gebildet.

Mitglieder des illegalen Internationalen Lagerkomitees 1944/45 Walter Bartel Ernst Busse Domenico Ciufoli Hans Eiden Henri Glineur Jan Haken Květoslav Innemann Jan Izydorczyk Georg Krausz Harry Kuhn Henri Manhès Marcel Paul Otto Roth Nikolaj Simakov Heinrich Studer Rudi Supek Walter Vielhauer

Durch illegales Lagerkomitee gerettete Kinder Die Namen einiger von hunderten Kindern, die gerettet wurden:

Robert J. Büchler Gert Schramm Elie Wiesel (Friedensnobelpreis 1986 für seinen Kampf gegen Unterdrückung, Gewalt und Rassismus) Stefan Jerzy Zweig Imre Kertész (Literaturnobelpreis 2002) Israel Meir Lau (Oberrabbiner der Stadt Tel Aviv sowie ehemaliger aschkenasischer Oberrabbiner des Staates Israel)

Volksfrontkomitee Buchenwald Im Konzentrationslager Buchenwald bauten Antifaschisten eine parteiübergreifende Einheitsfront auf. 1944 gelang es, ein illegales deutsches Volksfront­komitee zu schaffen. Diesem gehörten maßgeblich an: Hermann Brill (SPD) als Vorsitzender Werner Hilpert (Zentrumspartei, später CDU) Benedikt Kautsky Ernst Thape (SPD) Walter Wolf (KPD)

Dokumente Nach der Befreiung des KZ Buchenwald am 11. April 1945 wurden von verschiedenen Gefangenengruppen Resolutionen und Erklärungen erarbeitet:

eine Erklärung des Volksfrontkomitees aus Sozialdemokraten, Kommunisten und Christen das Buchenwalder Manifest von deutschsprechenden Sozialdemokraten und Sozialisten eine Entschließung der KP Buchenwald die Erklärung der internationalistischen Kommunisten Buchenwalds der Vierten Internationale. Die Trotzkisten in Buchenwald. inprekorr.de, abgerufen am 16. Februar 2019. Ausarbeitung eines schulpolitischen Manifestes durch die Erziehungskommission zahlreiche Erklärungen und Manifestationen von anderssprachigen ehemaligen Häftlingen der Schwur von Buchenwald des Internationalen Lagerkomitees Buchenwald in vielen Sprachen

Erklärung des Volksfrontkomitees Am 19. April 1945 auf der Trauerkundgebung des Internationalen Lagerkomitees für die Toten von Buchenwald stellte das Volksfrontkomitee seine Entschließung vor 21.000 Überlebenden dar:Emil Carlebach, Paul Grünewald, Hellmuth Röder, Willy Schmidt, Walter Vielhauer: Buchenwald – ein Konzentrationslager. 2. Auflage. Dietz Verlag, Berlin 1988, ISBN 3-320-00651-7, S. 168–169 (Digitalisat im Internet Archive). Die nächsten Aufgaben der Volksfront Die demokratischen Kräfte der ganzen Welt stehen vor dem Sieg über den Nazismus. Die deutschen Antinazisten dürfen stolz darauf sein, unter vielen Opfern und Leiden ihren Teil zu diesem Sieg beigetragen zu haben. Aber noch liegt der furchtbare Gegner nicht zerschmettert am Boden. Die geschichtliche Stunde erfordert vielmehr die Mobilisierung aller antifaschistischen Kräfte, um den blutbefleckten Feind jeder Kultur endgültig niederzuwerfen und jede Wiederholung seiner verbrecherischen Diktatur verhindern zu können. Deshalb fordern wir für den Augenblick: Sofortige Bildung antifaschistischer Volksausschüsse in Stadt und Land. Übernahme der öffentlichen Gewalt durch die Volksausschüsse im Einvernehmen mit den Besatzungsbehörden. Säuberung der Polizei von nazistischen Elementen, Errichtung einer Verteidigungstruppe auf der Grundlage der Miliz gegen Saboteure, Werwölfe und dergleichen. Einstellung jeder Tätigkeit für Hitler, Verhinderung jeder weiteren Zerstörung Deutschlands, Verhinderung jeder Arbeit, jedes Transports, jeder Nachrichtenübermittlung, jeden Kampfes für die Reste des Dritten Reiches durch die Volksausschüsse und ihre Organe. Verhaftung und Überwachung aller nazistischen Elemente, ihre Überstellung an Volksgerichte. Beschlagnahme aller Nazivermögen und Nazibetriebe. Schaffung einer neuen demokratischen Ordnung gegen die Nazis. Organisation eines Reichsausschusses der Antinazisten, Bildung einer republikanischen Volksregierung. Wiederaufnahme der Arbeit in Stadt und Land, ausschließlich zur Versorgung des deutschen Volkes unter menschenwürdigen Bedingungen. Baldiger Wiedereintritt Deutschlands in die Weltwirtschaft, unverzügliche Aufnahme enger ökonomischer Beziehungen zur Sowjetunion als des natürlichen Wirtschaftspartners auf dem europäischen Festlande. Bildung von antifaschistischen Einheitsgewerkschaften. Herausgabe neuer Zeitungen, Zeitschriften, Ausnutzung des Nachrichtendienstes des Rundfunks und aller Bildungseinrichtungen zur Aufklärung des deutschen Volkes über die Verbrechen des Nazismus, über die wirkliche Lage Deutschlands sowie zur Schaffung einer demokratischen öffentlichen Meinung. Es lebe die Freiheit! Es lebe die deutsche Volksrepublik!

Schwur von Buchenwald Inhalt mini|Schwur von Buchenwald mini|Erinnerung auf dem Stralsunder Zentralfriedhof

Die Kernaussage des Schwures von Buchenwald lautet: