mini|hochkant|Grober Plastikmüll am Ufer des Roten Meeres (nahe Safaga, Ägypten) mini|Gespräch von Holger Klein mit Melanie Bergmann und Lars Gutow vom Alfred-Wegener-Institut zum Thema Plastikmüll im Meer. mini|Eine in einem Geisternetz verfangene Schildkröte mini|300px|Verteilung von Plastikpartikeln an der Meeresoberfläche, hier nur die der Größe ⅓-1 mm:Die zwei orangen Klassen zeigen 1.000 und 10.000 Teilchen/km²; die rote 100.000 (Datenmodell von 2014)
Plastikmüll in den Ozeanen ist eine Form der Verschmutzung der Ozeane; sie umfasst alle Überbleibsel von Kunststoffprodukten, die sich in den Meeren der Welt ansammeln.
Die Verschmutzung der Meere durch Plastik ist ebenso wie die Verschmutzung der gesamten Umwelt durch Plastik enorm: Nach einer Anfang 2015 in der wissenschaftlichen Zeitschrift Science veröffentlichten Studie gelangten z. B. 2010 etwa acht Millionen Tonnen dieses Mülls in die Ozeane, wobei das Konfidenzintervall mit 4,8 bis 12,7 Mio. t pro Jahr angegeben wurde. Insgesamt befinden sich mittlerweile geschätzt 80 bis 150 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren; nach einer Anfang April 2024 veröffentlichten Studie gelange pro Minute das Volumen eines Müllwagens an Plastikmüll in die Ozeane – bei einem sich bis 2040 voraussichtlich verdoppelnden weltweiten Kunststoffverbrauch sei das Verständnis darüber, wie der entsprechende Abfall wohin gelange, entscheidend für den Schutz der Meeresökosysteme und der Tierwelt.
Plastikmüll in den Ozeanen schadet der Natur auf vielfache Weise: Die Plastikteile werden von den Meeresbewohnern häufig mit der üblichen Nahrung aufgenommen. Kleinere, evtl. zuvor degradierte Plastikpartikel steigen (teilweise bereits angefangen beim Plankton) in der Nahrungskette immer weiter auf und gelangen auf diesem Weg auch in die Nahrung anderer Lebewesen, z. B. des Menschen. Da den Plastikteilen viele giftige Chemikalien anlagern, können sie beim Menschen und auch bei anderen Tieren bspw. Krebs verursachen. Vor allem größere Teile können aber auch mechanisch die Verdauung, die Fortbewegung oder andere essenzielle Überlebensfunktionen verschiedener Lebewesen stören. Andere negative Umweltfolgen sind bislang weniger bekannt und weniger gut verstanden, z. B. biologische Invasion durch auf Plastikmüll lebende Organismen.
Die an der Meeresoberfläche schwimmenden Bestandteile sammeln sich teilweise in einigen Meeresdriftströmungswirbeln an und führen zu einer erheblichen Verdichtung in manchen Meeresregionen; die größte ist diejenige im Nordpazifikwirbel, der sogenannte .
Hintergrund Eine Studie im Auftrag des World Economic Forum im Jahr 2016 beschreibt die Plastikwirtschaft als archetypische Linearwirtschaft, bei welcher im Gegensatz zu einer idealen Kreislaufwirtschaft nur zwei Prozent der jährlichen Produktion qualitätsgleich rezykliert wird. Weitere acht Prozent werden in einer Kaskade rezykliert, also auf einer tieferen Wertstufe. Hingegen wird weltweit ein Anteil von 32 Prozent der Kunststoffverpackungen weder deponiert noch verbrannt, sondern verlässt das System unkontrolliert.How can we create a world where plastic never becomes waste? Zusammenfassung der Studie auf dem WEForum, 19. Januar 2016; die komplette Studie: http://www3.weforum.org/docs/WEF_The_New_Plastics_Economy.pdfIn 35 Jahren mehr Plastik als Fische im Meer, Die Zeit, 19. Januar 2016.
Ausdehnung, betroffene Gebiete, Dichte und Menge mini|400px|Viel Plastikmüll in den Weltmeeren bleibt unsichtbar. Schätzung der Plastikmenge in den Weltmeeren, in Tonnen, 2018Plastikatlas 2019, 6. Auflage 2021, dort auf S. 28. mini|Die großen Meeresströmungen der Erde mit Flussrichtungen;blau = kalt, rot = warm mini|Experimentelle Visualisierung der Verteilung des maritimen Plastikmülls zwischen 1985 und 2010 (NASA’s Scientific Visualization Studio, 2. Oktober 2015, englisch)Garbage Patch Visualization Experiment (21. April 2017) mini|hochkant|Curtis Ebbesmeyer mit Plastikstrandgut: Einige der 29.000 Friendly Floatees Laut Informationen der US-amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) und Wissenschaftlern der Sea Education Association (SEA) gab es lange keine präzise Schätzung der Größe der von Plastikmüll verseuchten Gebiete;NOAA: Info: Patch, Marine Debris Program, abgerufen am 27. Februar 2012.Plastic rubbish blights Atlantic Ocean, BBC News, 24. Februar 2010. der Verbleib von 99 % des Plastikmülls in den Ozeanen ist laut Forschern ungeklärt.
Nach Informationen des United Nations Environment Programme (UNEP) von 2005 schwammen zu jener Zeit durchschnittlich bis zu 13.000 Plastikteilchen auf jedem Quadratkilometer (km²) Ozean. Umweltprogramm der Vereinten Nationen, 2005. Die NOAA weist jedoch darauf hin, dass UNEP zu dieser Angabe keine wissenschaftliche Quelle anführt.NOAA Marine Debris Program – FAQs, abgerufen am 27. Februar 2012.
Eine Studie unter der Leitung des Spanish National Research Council (CSIC) hat, basierend auf einer mehrmonatigen Expedition (2010/2011) und Probenentnahmen an über 300 Orten der Weltmeere, berechnet, dass 88 % der weltweiten Meeresoberflächen mit Mikroplastik verschmutzt sind.Die Denker, 2. Juli 2014, 88 % der Meeresoberflächen von Plastikteilchen verschmutzt. Inzwischen beeinflusst der Plastikmüll in den Meeren auch den Tourismus. Eine erste Studie der Universität von Wollongo (Australien) hat direkte Einflüsse von Plastikmüll auf den Tourismus auf der Insel Zanzibar ergeben. Laut deutschem Umweltbundesamt befanden sich 2013 100 bis 150 Mio. Tonnen Abfälle in den Meeren, 60 % davon aus Plastik. 70 % des Abfalls sinken auf den Meeresboden, 15 % schwimmen an der Wasseroberfläche und 15 % wurden an Strände gespült.Umwelt und Verbraucher, Deutschlandfunk, 11. April 2013, Anja Nehls: Müllhalde Meer, deutschlandfunk.de, 12. Dezember 2013. Auf Fotografien vom arktischen Tiefseeboden zwischen Spitzbergen und Grönland fanden sich hochgerechnet „83 Müllteile pro Fußballfeld“;Wissenschaft im Brennpunkt, Deutschlandfunk, 7. April 2013; Anja Krieger: Die Entmüllung der Meere, deutschlandfunk.de, 12. Dezember 2013. 2010 hatte sich dort nach zehn Jahren in 2500 Metern Tiefe die Menge des abgesunkenen Plastikmülls verdoppelt.Immer mehr Plastikmüll in der arktischen Tiefsee, Scinexx von: Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, 22. Oktober 2012.
Das Alfred-Wegener-Institut nennt einen Eintrag von 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen jährlich, berechnet auf der Basis der Produktionsraten und dem an Land entstehenden Abfällen.
Ende 2014 berichtete eine internationale Forschergruppe im Fachmagazin PLOS ONE nach ihrer Auswertung von Zahlen aus 24 Untersuchungen mit über 1.500 einzelnen Datensammlungen, darunter erstmals auch für Plastikteile > 5 mm, dass sich in den Weltmeeren, den fünf subtropischen Meereswirbeln, an belebten Küstengebieten Australiens, im Golf von Bengalen sowie im Mittelmeer mehr als 269.000 Tonnen bzw. mehr als 5,25 Billionen Teilchen Plastikmüll befänden. Die kleinsten Teilchen hätten sich abseits nahe dem Nordpol gefunden.Müllkippe Ozean, Badische Zeitung, Bildung & Wissen 13. Dezember 2014.Marcus Eriksen, Laurent C. M. Lebreton, Henry S. Carson, Martin Thiel, Charles J. Moore, Jose C. Borerro, Francois Galgani, Peter G. Ryan, Julia Reisser: Plastic Pollution in the World’s Oceans: More than 5 Trillion Plastic Pieces Weighing over 250,000 Tons Afloat at Sea. PLoS ONE 2014, 9(12), doi:10.1371/journal.pone.0111913.
Laut einer Science-Studie von Anfang 2015 entspricht das Ergebnis des errechneten Eintrags von schätzungsweise durchschnittlich jährlich ca. acht Mio. Tonnen „fünf Supermarkt-Tüten voller Plastik pro 30 Zentimeter Küstenlinie“,Badische Zeitung, 14. Februar 2015, badische-zeitung.de: Mehr Müll im Meer. laut einem Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP) von Ende 2014 gelangen jedes Jahr rund 6,4 Mio. t Plastik-Abfälle in die Ozeane.Die Welt, 18. Dezember 2014, Anja Garms, Wo irrwitzige Mengen an Plastikmüll verschwinden.
Mitte Oktober 2017 veröffentlichte Berechnungen deutscher Hydrologen nennen eine Menge von zwischen 400.000 und höchstens vier Mio. Tonnen für die jährlich den Weltmeeren zugeführte Plastikfracht.
In einer 2018 veröffentlichten Studie, mit Eisproben von 2014 und 2015, wurden pro Liter Meereis zwischen 33 und 75.143 Mikroplastik-Teilchen gefunden.
Laut einer im Jahr 2020 veröffentlichten Studie des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung befinden sich (Stand August 2020) alleine an der Wasseroberfläche der Ozeane etwa 399.000 Tonnen Plastik.
Arktis thumbtime=33|hochkant|mini|Erklärvideo der Tagesschau, wie Plastikmüll in die Arktis gelangt Vor der Westküste Grönlands und in der Barentssee wurden im Sommer 2013 durchschnittlich 63.000 Plastikteilchen pro km² Wasserfläche gefunden, vor allem Überreste von Plastikfolien von Tüten und Verpackungsmaterial. Die gefundene Menge liegt um ca. 30 % höher als die in den bekannten großen Müllstrudeln im subtropischen Pazifik oder Atlantik vorhandene. Offensichtlich sinken die Plastikteile hier nicht so schnell zu Boden wie das salzreiche Oberflächenwasser im Zug der thermohalinen Zirkulation: die Barentssee scheint eine Art „Sackgasse“ für die Müllteilchen zu bilden.deutschlandfunk.de, Forschung aktuell, 21. April 2017, Lucian Haas: Barentssee – eine Sackgasse für Kunststoffmüll im Meer (21. April 2017)badische-zeitung.de, 27. Mai 2017, Roland Knauer: Vor Grönland sinkt der Plastikmüll in die Tiefe (11. Juni 2017).
Nach einer im Oktober 2015 im Magazin Polar Biology online veröffentlichten Mitteilung des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) fänden sich Plastikabfälle auch bereits auf der Wasseroberfläche der Arktis (Nordpol). Die Herkunft sei unklar; entsprechende Daten wurden erstmals bei einer Expedition 2012 zwischen Grönland und der östlich davon liegenden Inselgruppe Spitzbergen erhoben.Badische-zeitung.de, 24. Oktober 2015: Plastikmüll in der Arktis.
In Eisbohrkernen aus dem arktischen Meereis wurden hohe Konzentrationen von Mikroplastik gefunden. Proben aus der Framstraße enthielten bis zu mehrere Millionen Plastikteilchen pro Kubikmeter Eis, vor allem Polyethylen. Der Eintrag erfolgt an erster Stelle über Zuflüsse, darunter die Beringstraße, den Mackenzie River und die Lena. Auch lokale Quellen spielen für die Plastikverschmutzung eine Rolle, zum Beispiel die Schifffahrt. Ein Teil des Plastiks wird mit dem Treibeis durch die Framstraße in den Atlantischen Ozean transportiert.
Atlantik Anfang 2016 wurden nach über sechs Monate dauernden Messungen an 18 Stellen für das Meer vor New York City an der Ostküste der Vereinigten Staaten 165 Mio. Plastikteile hochgerechnet (bzw. mehr als 250.000 Teile je km²) – zu 85 % mit einer Größe von unter fünf Millimetern.deutschlandfunk.de, Forschung aktuell, Meldungen, 22. Februar 2016: (26. Februar 2016); peconicbaykeeper.org. 2020 ergaben Messungen, dass der Plastikgehalt im Atlantik viel höher ist als vorher angenommen.
Eine auf der im Südatlantik liegenden Inaccessible Island durchgeführten Studie aus dem Jahr 2018/2019 kommt zu dem Ergebnis, dass 90 % der dort angespülten leeren Plastikflaschen, welche 34 % des dort vorgefundenen und untersuchten Mülls ausmachten, nicht älter als zwei Jahre alt sind. Da drei Viertel der untersuchten Plastikflaschen zudem in Asien produziert wurden, kam man in der Studie zu der Schlussfolgerung, dass die Flaschen von Handelsschiffen kamen und über Bord geworfen sein mussten, da sie in der kurzen Zeit seit Produktion nicht den Weg von Asien zurückgelegt haben können. Für diese These spricht laut Bericht außerdem, dass Müll aus Asien überwiegend in den Nordpazifik treibt und die Flaschen nicht von afrikanischen Küsten kommen, da zum Beispiel China kaum Wasser nach Südafrika liefert. Untermauert wird die Begründung durch die Zunahme des Handelsverkehrs, welcher sich von 1992 bis 2012 vervierfachte. So passierten im Jahr 2016 alleine 2400 Frachtschiffe die Inselgruppe Tristan da Cunha, zu der Inaccessible Island gehört.
Mittelmeer