Degenfeld ist ein Stadtteil von Schwäbisch Gmünd in Baden-Württemberg.
Geographie Geographische Lage mini|hochkant=0.6|Der Quellbereich der (Degenfelder) Lauter
Degenfeld liegt etwa 13 km südöstlich von Schwäbisch Gmünd im Tal der hier ungefähr südlich ziehenden („Degenfelder“) Lauter, die auf der Ortsgemarkung unterhalb des Furtlepasses () auf entspringt. Der Furtlepass bildet zusammen mit dem erreichenden Bernhardus in seinem Osten die natürliche Nordgrenze des Gemarkungsgebietes und ist etwa zwei Kilometer vom Siedlungsrand Degenfelds entfernt. Im Nordosten des Dorfes liegt der hohe Eierberg, an seinem Südostrand eine Talspinne mit den größeren zulaufenden Tälern der Glasklinge aus dem Norden und des Schweintals aus dem Südosten. Nach Süden fließt die Lauter zwischen Lützelalb () im Osten und Galgenberg () im Westen ihres Tals in Richtung Weißenstein ab. Am westlichen Ortsrand mündet eine weitere kleine Talmulde, hinter der sich das Kalte Feld () erhebt, von dem ein Ausläufer sich in einem Ostbogen an der rechten Seite des oberen Lautertals über den Steinbühl und den Hornberg nach Norden bis zur anderen Seite des Furtlepasses zieht.Geographie nach der Topographischen Karte 1:25.000 Baden-Württemberg Nord, im Einzelblattschnitt Karte Nr. 7224 Schwäbisch Gmünd Süd.
Geologie Die Gesteinsschichten der Berge rund um Degenfeld an den Talflanken der Degenfelder Lauter wurden vor etwa 160 Millionen Jahren im damaligen Jurameer abgelagert. Leitfossilien sind vor allem Ammoniten. Mit der Auffaltung der Alpen vor rund 50 Millionen Jahren wurden die Juraschichten schräg verkippt.
Das Degenfelder Tal wurde von der Ur-Eyb geformt.
Nachbargemeinden Degenfeld grenzt im Norden an den Schwäbisch Gmünder Stadtteil Weiler in den Bergen, im Osten und Süden an die Stadt Lauterstein und im Westen an Weilerstoffel und Tannweiler, zwei Ortsteile von Waldstetten.
Gliederung Der Stadtteil besteht aus der ehemaligen Gemeinde Degenfeld. Als weiterer Wohnplatz zählt Hornberg.
Geschichte mini|Blick auf Degenfeld
Vor- und Frühgeschichte Für eine Besiedlung während der Steinzeit gibt es keine Belege, wenngleich Heimatforscher verschiedentlich im Zusammenhang mit Degenfeld die Funde der Altsteinzeit am Rosenstein bei Heubach oder die mittelsteinzeitlichen Funde im benachbarten Treffelhausen und auf dem Waldenbühl bei Donzdorf erwähnen. Ebenso werden gelegentlich die Hügelgräber aus der Bronzezeit am östlich von Degenfeld gelegenen Falkenberg mit dem Ort in Verbindung gebracht.Seehofer, S. 20f.
Eine Besiedlung zur Römerzeit ist denkbar, bleibt aber ebenso Spekulation. 1906 ausgegrabene Mauerreste in der Nähe der evangelischen Kirche werden als Reste eines römischen Wachturms gedeutet. Römische Einzelfunde hingegen gibt es keine.Seehofer, S. 22.
Die mittelalterlichen Anfänge des Ortes sind ungeklärt. Der Name des Dorfes leitet sich von einer Flurbezeichnung ab. Degel bedeutet grauer oder blauer, fruchtbarer Lehm. Ungeklärt bleibt auch die Frage, ob Degenfeld bereits von den Alamannen besiedelt wurde. Weiter östlich des heutigen Dorfes befindet sich in einem Wiesengelände oberhalb des Mündungswinkels von Glasklinge und Schweintal die Flurbezeichnung Buittingen. Der Name könnte auf einen früher hier bestehenden abgegangenen Ort hinweisen.Strobel, S. 306.
Mittelalter und Neuzeit Ein „Ůl[ricus] de Degenvelt miles“ ist 1270 der erste schriftliche Hinweis auf den Ort, als dieser Zeuge für eine Stiftung stand. Bereits 1275 wird in einem Verzeichnis des Bistums Konstanz die Kirche („Tegenuelt“) im Dekanat Geislingen aufgeführt.
Ab dem letzten Viertel des 14. Jahrhunderts war der Ort zweigeteilt. Rechts der Lauter regierten die Herren von Degenfeld, denen auch das Kirchenpatronat gehörte, links der Lauter war der Ort der Herrschaft Rechberg-Weißenstein untertan. Wegen der Teilung gab es im kleinen Ort beispielsweise zwei Amtshäuser.
1456 verlegten die Degenfelder ihren Wohnsitz in das neuerworbene Schloss Eybach bei Geislingen.
Christoph von Degenfeld verkaufte 1597 seine Anteile am Ort samt Kirchenpatronat für 17.500 Gulden an Herzog Friedrich von Württemberg, der es dem Klosteramt Königsbronn zuteilte. Württemberg setzte in seinem Herrschaftsteil die Reformation durch, was eine zusätzliche Teilung im Ort manifestierte.
19. Jahrhundert 1806 fiel auch der Rechbergische Teil an Württemberg, das 1809 die Teilung des Ortes beendete, indem es die selbständige Gemeinde Degenfeld im Oberamt Gmünd einrichtete. Kurzzeitig gehörte Nenningen zu Degenfeld, bevor es 1810 ans Oberamt Geislingen fiel.„Degenfeld“ in „einhorn 100/101. Jubiläumsbuch: Dokumentation Landkreis Schwäbisch Gmünd 1970“, Verlag Eduard Dietenberger KG, Schwäbisch Gmünd 1970, S. 144.
Obwohl der Ort abseits bedeutender Verkehrswege lag und die Bevölkerung kaum wuchs – vom frühen 19. Jahrhundert bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs lag ihre Zahl recht konstant bei etwa 300 Einwohnern –, zählte Degenfeld zu den wohlhabenden Orten im Oberamt.
20. Jahrhundert 1934/35 wurde die katholische Kirche erbaut.
Am 16. April 1945 zerstörten Luftangriffe der Alliierten das Fliegerlager Hornberg und die Hütten auf dem Kalten Feld. Am Furtlepass und an den Ortsausgängen in Richtung Schwäbisch Gmünd und Weißenstein waren Panzersperren errichtet, der Ort sollte aufgrund seiner Bedeutung für den Albaufstieg durch eine kleine Einheit der Wehrmacht und Volkssturm verteidigt werden. Die Kreisleitung Schwäbisch Gmünd hielt sich bei ihrer Flucht kurzzeitig in Degenfeld auf und verließ die Gemeinde kurz nach den Einheiten der Wehrmacht am 24. April 1945. Die Bevölkerung öffnete daraufhin die Panzersperren, und der Ort wurde am Abend des gleichen Tages von US-amerikanischen Panzertruppen kampflos besetzt. Bis auf kleinere Scharmützel mit sogenannten Werwölfen verlief die Besetzung Degenfelds ruhig.Albert Deibele: „Das Kriegsende 1945 im Kreis Schwäbisch Gmünd“, herausgegeben vom Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd in der heimatkundlichen Schriftenreihe Gmünder Hefte Band 6, Schwäbisch Gmünd 1966.
Nach 1945 musste die kleine Gemeinde 131 Heimatvertriebene aufnehmen, die größtenteils aus dem Sudetenland stammten. Unter ihnen war der nachmalige Bürgermeister des Ortes, Libor Steppan.
1955 beantragte die Gemeinde Degenfeld die Ausgemeindung aus dem Landkreis Schwäbisch Gmünd, um dem Landkreis Göppingen beizutreten. Kreisrat und Kreistag lehnten das Ersuchen einstimmig ab, da der Landkreis u. a. für Infrastrukturmaßnahmen für das Segelfliegerlager auf dem Hornberg erhebliche Kosten aufbrachte.„Gmünder Stadt- und Vereins-Chronik“ in „einhorn – Illustrierte Zeitschrift zur Pflege des Heimatgedankens und zur Förderung des Fremdenverkehrs in Stadt und Kreis Schwäbisch Gmünd, Nr. 13“, Schwäbisch Gmünd, Oktober 1955. Eine Volksabstimmung erbrachte keine klare Entscheidung, worauf die Gemeinde den Antrag zurückzog.
Eingemeindung nach Schwäbisch Gmünd Nach der Planung des Innenministeriums für die Gebietsreform um 1970 sollte Degenfeld ursprünglich aus dem Landkreis Schwäbisch Gmünd ausgegliedert werden und zusammen mit der Gemeinde Nenningen und der Stadt Weißenstein eine neue Verwaltungseinheit innerhalb des Landkreises Göppingen bilden; dieser Plan stieß in Degenfeld durchaus auf Zustimmung. Denn ins untere Lauter- und diesem anschließende Filstal pendelten mehr Bewohner als ins Remstal. Zudem bildeten Degenfeld, Nenningen und Weißenstein seit 1964 den Abwasserzweckverband „Oberes Lautertal“, und die Degenfelder Schulkinder besuchten die Hauptschulen in Nenningen und Weißenstein sowie seit 1966 auch die Grundschule in Weißenstein; in Weißenstein war der Bau einer weiteren Hauptschule für die drei Gemeinden geplant.
Als absehbar war, dass dieser geplante Neubau unterhalb Weißensteins keine Aussicht auf Genehmigung hatte, nahm Degenfeld im Februar 1970 Kontakt mit der Stadt Schwäbisch Gmünd auf. Der dortige Gemeinderat zeigte Interesse an einer Eingemeindung von Degenfeld. Auch die Stadt Weißenstein, unterstützt durch das Landratsamt Göppingen, und die Gemeinde Waldstetten bekundeten Interesse.
Bei einer Bürgerversammlung am 4. April 1970 gewann der damalige Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Norbert Schoch, durch Versprechungen für die Förderung des Fremdenverkehrs und den Ausbau der Infrastruktur die Degenfelder für seine Kommune; Degenfelds Bürgermeister Libor Steppan hatte eine Eingemeindung nach Waldstetten bereits im Vorfeld abgelehnt. Nur zwei Tage später beschloss der Gemeinderat einstimmig eine Bürgeranhörung zum Thema.
Auch der Bürgermeister von Weißenstein und der Landrat von Göppingen versuchten wie der Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, auf Versammlungen die Degenfelder in ihrem Sinne zu beeinflussen.
Am 10. Mai 1970 stimmten bei einer Wahlbeteiligung von 88,1 % 197 Bürger für die Eingemeindung nach Schwäbisch Gmünd, 67 waren dagegen, drei Stimmen waren ungültig. Dass das Regierungspräsidium mit der Genehmigung der Eingemeindung zögerte, war für die Aushandlung des Eingemeindungsvertrages hinderlich. Es wünschte die Eingemeindung in den Landkreis Göppingen und sah deshalb den Eingemeindungswunsch Degenfelds als einen unerwünschten Präzedenzfall an. Vertreter des Innenministeriums und Regierungspräsident Friedrich Roemer versuchten noch im Juli 1970 vor Ort, die Degenfelder umzustimmen.
Nachdem die Gemeinderäte von Schwäbisch Gmünd und Degenfeld am 23. bzw. 27. Juli 1970 jeweils einstimmig den Eingemeindungsvertrag gebilligt hatten, entsprach das Regierungspräsidium durch Verfügung am 13. November 1970 der Eingemeindung von Degenfeld nach Schwäbisch Gmünd. Am 1. Januar 1971 wurde sie vollzogen. Degenfeld ist nun der südlichste Stadtteil von Schwäbisch Gmünd.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1812 291 1834 302 1848 318 1867 300 1900 252 1939 306 Jahr Einwohner 1945 365 1961 394 1970 411 1974 460 2004 489 2014 455
Politik Ortschaftsrat Der Ortschaftsrat von Degenfeld besteht aus sechs Mitgliedern und wurde zuletzt bei der Kommunalwahl 2024 gewählt. Sämtliche Mandatsträger gehören der Degenfelder Liste an. Ortsvorsteher ist seit 28. Juli 2014 Hans-Peter Wanasek (Degenfelder Liste). Er ist Nachfolger von Angelika Wesner (Degenfelder Liste), die seit 1. Oktober 2009 im Amt war..
Bürgermeister und Gemeinderat vor 1971 Degenfeld hatte vor seiner Eingemeindung anfangs sechs, später acht Gemeinderäte, die von den Bürgern in geheimer Wahl bestimmt wurden. Bei wichtigen Angelegenheiten wurde bis 1918 auch der Bürgerausschuss berufen.
Die Ortsvorsteher führten vor 1930 den Titel Schultheiß, danach Bürgermeister. Bis ins 20. Jahrhundert wurden die Schultheiße zunächst auf Lebenszeit, dann nur noch für 10 Jahre gewählt. Degenfelds letzter Bürgermeister, Libor Steppan, wurde am 1. Januar 1971 erster Ortsvorsteher des Stadtteils.
Schultheiße und Bürgermeister Amtszeit Johannes Fuchs 1810–1816 Alois Aubele 1816–1824 Bernhard Schmid 1824–1832 Johannes Weitmann 1832–1856 Johannes Kaiser 1856–1857 Johannes Mak 1858–1865 Sebastian Geiger 1865–1906 Sebastian Binder 1906–1938 Friedrich Lang 1938–1945 Paul Aubele 1945–1947 Josef Nägele 1948–1960 Libor Steppan 1960–1970
Wappen
Die Flagge war weiß-rot.Richard Schall: Die amtlichen Wappen und Flaggen im Landkreis Schwäbisch Gmünd in einhorn – Illustrierte Zeitschrift zur Pflege des Heimatgedankens und zur Förderung des Fremdenverkehrs in Stadt und Kreis Schwäbisch Gmünd, Nr. 33, einhorn-Verlag Eduard Dietenberger, Schwäbisch Gmünd, Februar 1959, S. 22f.Seehofer, S. 50.
Wie alle Wappen und Flaggen der ehemals selbständigen Gemeinden Gmünds sind die Degenfelder Symbole mit der Eingemeindung am 1. Januar 1971 als amtliches Bildkennzeichen erloschen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Degenfeld-Schanzen