mini|hochkant=1.3|Marktplatz und Turm der Kirche Mariä Himmelfahrt Kirchenthumbach ist ein Markt im Oberpfälzer Landkreis Neustadt an der Waldnaab.
Geografie Lage Die Gemeinde liegt in der Region Oberpfalz-Nord im Naturpark Fränkische Schweiz – Frankenjura und grenzt an Mittel- und Oberfranken an. Der überwiegende Teil des Gemeindegebiets wird vorwiegend land- und forstwirtschaftlich genutzt. Südlich der Gemeinde befindet sich der Truppenübungsplatz Grafenwöhr der US Army. Kirchenthumbach wird vom (namensgebenden) Thumbach durchflossen, der eine Gesamtgewässerlange von 21 km bei einem Einzugsgebiet von 50,3 km² hat. Er entspringt an der westlichen Landkreisgrenze unweit der Ortschaft Kirchenthumbach auf einer Höhe von 550 Hm und mündet nach der Durchquerung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr im Innenstadtbereich der Stadt Grafenwohr bei 410 Hm in die Creußen. Bis auf die Ortsdurchquerung in Kirchenthumbach und Grafenwöhr fließt der Thumbach überwiegend unbeeinflusst durch land- und forstwirtschaftliche Flächen.
Gemeindegliederung
Es gibt 45 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt die Gemarkungen Fronlohe, Heinersreuth (nur Gemarkungsteil 1), Kirchenthumbach, Metzenhof, Neuzirkendorf, Sassenreuth, Thurndorf und Treinreuth. mini|Metzlasreuth, Luftaufnahme (2016) mini|Neuzirkendorf, Luftaufnahme (2016)
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Schon im 9. Jahrhundert wird Kirchenthumbach als Tupach erwähnt. Tumbach wurde 1141 bei einer Schenkung der Edlen Adelheid von Wartberg durch ihren Mann den Grafen Kunrath (Kuno) von Hornberg-Lechsgmünd an das Kloster auf dem Michelsberg der Erzdiözese Bamberg genannt. Sie heiratete in zweiter Ehe Graf Konrad II. von Dachau. Aus beiden Ehen gingen vermutlich keine Kinder hervor, was die vielen Schenkungen der Adelheit comitessa de Wartperch († 1146) an die Kirche erklärt. 1174 verkaufte das Kloster Michelsberg Thumbach an den Grafen Adelfolk von Reifenberg, der in seinem Wappen einen weißen Turm führte, der zum Stadtwappen von Kirchenthumbach wurde. Graf Adelfolk erbaute 1175 eine stark befestigte Burg mit vier Ecktürmen, Ringmauer, Wassergraben und Zugbrücke an der Stelle, wo heute die Kirche steht.
Ab 1181 wurde der Ortsnamen als Dumbac und 1335 als Superiori Dumbac zur Differenzierung zum unteren Ort Stegentumpach (Brücke über den Thumbach) in den Urkunden geführt. Stegenthumbach war ein Ortsteil der Stadt Eschenbach in der Oberpfalz im heutigen Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Um 1285 erscheint erstmals die Bezeichnung Chirchen Tumpach, 1348 Kirchtumpach und 1363 Kirchentumpach und im Jahre 1725 als Thumbach genannt. Von 1353 bis 1401 stand Kirchenthumbach unter böhmischer Herrschaft, in der Regentschaftszeit von König Karl IV. wurde das Dorf 1357 zum Markt erhoben, mit vielen Rechten und Freiheiten ausgestattet und mit einer Festungsmauer geschützt, die vom Pfarrgarten zum Bach und auf der Ostseite bergan bis zur Burgbefestigung verlief. In dieser Zeit wurde auf dem Marktplatz ein zweistöckiges Rathaus als höchstes Gebäude des Marktes gebaut, das baufällig 1815 abgetragen wurde.
Während der Hussitenkriege plünderten Hussitenkrieger 1430 den Ort und zerstörten auch die Kirche. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Kirchenthumbach 1634 und 1646 von schwedischen Truppen geplündert und niedergebrannt. Im Spanischen Erbfolgekrieg verbündete sich Bayern mit Frankreich gegen die große Allianz, bestehend aus den Niederlanden, Österreich und Großbritannien. Im Sommer 1704 plünderten österreichische Truppen den Ort, während die französisch-bayerischen Truppen ganz Bayern räumen mussten. Im August 1796 drang die französische Revolutionstruppe Armée de Sambre-et-Meuse bis zur Naab vor, die Schlacht bei Amberg vom 24. August 1796 endete mit einem Sieg der Habsburger unter Erzherzog Karl von Österreich-Teschen über die Franzosen unter der Führung von Jean-Baptiste Jourdan. Bei diesem Feldzug schändeten französische Revolutionstruppen die oberpfälzischen Gotteshäuser, darunter auch in Kirchenthumbach.
Kirchenthumbach war vor 1800 Pflegamt und gehörte zum Rentamt Amberg des Kurfürstentums Bayern. Kirchenthumbach besaß wohl seit Beginn des 15. Jahrhunderts das Marktrecht mit wichtigen Eigenrechten. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
1871 vernichtete ein Großfeuer in wenigen Stunden fast den ganzen Ort, einschließlich Kirche und Pfarrhaus. Die katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt wurde 1875 im neuromanischen Stil wieder errichtet.
Franz Eckert und Jakob Prüschenk 1907 gründeten ein Kalkwerk mit Dampfziegelei. Da das vorhandene Material für die Herstellung von Ziegeln nicht geeignet war, musste die Dampfziegelei nach kurzer Betriebszeit wieder eingestellt werden. 1911 entstand der Elisabethenverein mit 298 Mitgliedern, der den ersten Kindergarten in Kirchenthumbach begründete, der am 25. Mai 1913, seinen Dienst aufnehmen konnte. Infolge der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr 1938, mussten viele Familien ihren Grundbesitz in dem Erweiterungsgebiet räumen, viele siedelten sich in und um Kirchenthumbach an. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ sich eine große Zahl von Heimatvertriebenen nieder, worauf sich die Einwohnerzahl Kirchenthumbachs verdoppelte.
1978 wurde in Kirchenthumbach auch die Verwaltungsgemeinschaft Kirchenthumbach mit den Mitgliedsgemeinden Kirchenthumbach, Schlammersdorf und Vorbach gegründet. Bis zum heutigen Zeitpunkt wurden der Verwaltungsgemeinschaft auch noch Zweckverbände aus Schlammersdorf und Vorbach angegliedert.
Eingemeindungen Im Jahr 1946 wurden die Gemeinden Metzenhof und Treinreuth sowie Gebietsteile von Moos eingegliedert. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern kam am 1. Juli 1972 Sassenreuth hinzu. Neuzirkendorf und Thurndorf folgten am 1. Januar 1978, Heinersreuth am 1. Mai 1978.
Einwohnerentwicklung Jahr 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2023 Einwohner 3452 3518 3403 3489 3479 3418 3367 3263 3261 3237
Zwischen 1988 und 2018 sank die Einwohnerzahl von 3384 auf 3241 um 143 bzw. um 4,2 %.
Politik Gemeinderat und Bürgermeister Im Gemeinderat sind 16 ehrenamtliche Bürger vertreten. Die Gemeinderatswahlen seit 2014 führten zu folgenden Ergebnissen: Partei/Liste 20202014 % Sitze % Sitze SPD25,24 23,6 4 CSU15,82 16,5 2 Christliche Wählergemeinschaft (CWG) 30,75 24,8 4 Bürgergemeinschaft Thurndorf 11,92 12,4 2 Wählergemeinschaft der ehemaligen Gemeinde Sassenreuth 10,52 11,5 2 Wählergemeinschaft der früheren Gemeinde Heinersreuth 5,91 6,4 1 Freie Wähler – Unpolitischer Wählerblock –– 4,9 1 Wahlbeteiligung 82,6 %81,0 % Erster Bürgermeister ist seit 2025 Ewald Plößner (Christliche Wählergemeinschaft). Er folgte auf Jürgen Kürzinger (SPD), der das Amt seit 2014 innehatte und 2020 bestätigt wurde. Plößner gehört qua Amt ebenfalls dem Gemeinderat an.
Verwaltung Der Hauptort ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Kirchenthumbach, bei dem die Gemeinde Mitglied ist.
Wappen
Baudenkmäler
Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (Kirchenthumbach) Schloss Kirchenthumbach Schloss Metzenhof (abgegangen)
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Es gab 2016 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 191 und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 64 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1319. Im verarbeitenden Gewerbe gab es einen, im Bauhauptgewerbe fünf Betriebe. Im Jahr 2010 bestanden 96 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von insgesamt 3018 Hektar, davon waren 1731 Ackerfläche und 1287 Dauergrünfläche.
Verkehr Die Bundesstraße 470 umgeht Kirchenthumbach im Süden. Die Staatsstraße 2120 geht von der B470 im Osten (höhenfreier Anschluss) durch den Ort und führt nach Norden Richtung Heinersreuth. Die Kreisstraße NEW 5 führt vom Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Ernstfeld) im Süden nach Norden in den Ort (höhenfreier Anschluss an die B470)
Von 1904 bis 1969 (Personenverkehr 1962) war Kirchenthumbach Endstation der Bahnstrecke Pressath–Kirchenthumbach.
Bildung Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2017): einen katholischen Kindergarten mit 151 Kindern und fünfzehn Mitarbeiterinnen in fünf Gruppen eine Kinderkrippe mit zwölf Plätzen eine Grund- und Mittelschule mit fünfzehn Lehrern und 123 Schülern in sechs Klassen, der Mittelschulbetrieb ruht
Persönlichkeiten Johann Friedrich Eisenhut (1667–1749), Hoflieferant am Wiener Kaiserhof Max Frey (1799–1871), hoher bayerischer und griechischer Verwaltungsbeamter, Ritter des Verdienstordens der Bayerischen Krone, Vater des Dichters Martin Greif Max von Stadlbaur (1808–1866), römisch-katholischer Theologe August Haase (1873–?), Verwaltungsjurist und Bezirksoberamtmann Paulinus Fröhlich (1903–1986), römisch-katholischer Geistlicher, Heimatforscher Josef Prüschenk (1908–1966), bayerischer Landtagsabgeordneter (CSU) Charles Schumann (* 1941), Barkeeper und Gastronom Sebastian Thiem (* 1985), Technikhistoriker
Literatur Paulinus Fröhlich: Kirchenthumbach: Beiträge zur Geschichte und Kulturgeschichte des Markts Kirchenthumbach. Laßleben, Kallmünz 1951. Bilder aus alten Zeiten. Markt Kirchenthumbach 1996. Geschichten aus alten Zeiten. Kirchenthumbach 1997.
Weblinks
Markt Kirchenthumbach
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Neustadt an der Waldnaab Kategorie:Katholischer Wallfahrtsort in der Oberpfalz Kategorie:Markt in der Oberpfalz Kategorie:Gemeindegründung 1818