Rolls-Royce Holdings plc ist ein international tätiger Konzern, der aus dem Hersteller der luxuriösen Rolls-Royce-Automobile entstand, welcher aber seit 1973 nicht mehr zum Konzern gehört. Die Rolls-Royce Holdings plc ist ein im Financial Times Stock Exchange Index in London gelistetes Unternehmen, das vor allem für die Herstellung von Triebwerken und Komponenten für die zivile und militärische Luftfahrt, aber auch in den Bereichen Schifffahrt und Energietechnik bekannt ist.
Der älteste Teil des Unternehmens, die Automobilproduktion, gehört als Bentley Motors zum VW-Konzern, während die Rechte an der Marke Rolls-Royce Motor Cars an BMW gingen. Seit 2000 werden Rolls-Royce-Automobile von einer dafür gegründeten BMW-Tochter produziert.
Geschichte Gründungszeit mini|alternativtext=Aktie der Royce Limited über 25 Preference Shares zu je 1 £, ausgegeben am 7. April 1910. Die Gesellschaft wurde gegründet von Frederick Henry Royce am 4. Juni 1894 unter dem Namen F. H. Royce and Co., Limited und am 17. Oktober 1899 zu Royce, Limited reorganisiert. Unter eigenem Namen baute Royce nur drei Fahrzeuge. Zu einer Serienproduktion kam es erst unter der Markenbezeichnung Rolls-Royce.|Aktie der Royce Limited über 25 Preference Shares zu je 1 £, ausgegeben am 7. April 1910. Die Gesellschaft wurde gegründet von Frederick Henry Royce am 4. Juni 1894 unter dem Namen F. H. Royce and Co., Limited und am 17. Oktober 1899 zu Royce, Limited reorganisiertThe Stock Exchange Year-Book 1912, Publishers Thomas Skinner & Co., London, S. 1976. Unter eigenem Namen baute Royce nur drei Fahrzeuge. Zu einer Serienproduktion kam es erst unter der Markenbezeichnung Rolls-Royce.Die große Automobil Enzyklopädie, von Harald H. Linz und Halwart Schrader, München, 1986, ISBN 3-405-12974-5, S. 139 mini|Spirit of Ecstasy
Im Frühjahr 1904 schlossen sich der Kaufmann Charles Rolls (1877–1910 Flugzeugabsturz) und der Ingenieur Henry Royce (1863–1933) zusammen. Royce selbst bezeichnete sich stets als „Mechanic“, nie jedoch als Ingenieur. Er hatte bereits eine eigene Firma und auch einige wenige Autos gebaut, Rolls wollte sie nun vermarkten. Am 15. März 1906 gründeten sie in Manchester die Firma Rolls-Royce Limited. Als erstes Modell wurde der 40/50 HP (1906–1925) auf einer öffentlichen Automobilmesse in London vorgestellt. Er kostete damals 305 Pfund (entsprechen der Kaufkraft von 37400 Pfund im Jahr 2019 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1066473/umfrage/kaufkraft-eines-britischen-pfund-sterling/). Das Fahrzeug verschaffte dem Unternehmen den Ruf, das beste Automobil der Welt zu bauen, da es einen neuen Langstreckenrekord aufstellte.
Ein Vorführmodell wurde 1907 als Silver Ghost bezeichnet, dieser Begriff wurde alsbald auf die Baureihe übertragen. Der Rolls-Royce 40/50 HP bewährte sich auch im Militäreinsatz. T. E. Lawrence „von Arabien“ schrieb in seinem Buch „Die sieben Säulen der Weisheit“ über dieses famose, zuverlässige Automobil: „Ein Rolls-Royce in der Wüste ist mehr wert als Rubine“.
Ab 1911 trugen Rolls-Royce als Kühlerfigur den legendären „Spirit of Ecstasy“, eine Frauengestalt, für die Miss Eleanor Velasco Thornton dem Bildhauer Charles Sykes Modell gestanden haben soll. Der Ursprung der im deutschsprachigen Raum bekannten Bezeichnung „Emily“ für die Spirit of Ecstasy ist unbekannt. Eleanor Thornton jedenfalls wurde nie so genannt.
Expansion mini|Rolls-Royce Phantom II, Stern von Indien mini|Aktie von Rolls-Royce Ltd vom 22. Dezember 1969
Während der Weltwirtschaftskrise übernahm Rolls-Royce 1931 den in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stehenden Konkurrenten Bentley. Zunächst wurde Bentley als sportliche Marke im Unternehmen geführt; ab 1965 waren Rolls-Royce- und Bentley-Fahrzeuge weitgehend baugleich. Bereits 1946 wurde die Automobilproduktion nach Crewe verlegt.
1914 stieg Rolls-Royce mit dem Hawk in den Flugmotorenbau ein, der später mit Typen wie dem Rolls-Royce Merlin bald den größten Teil der Geschäftstätigkeit ausmachte. Während des Zweiten Weltkriegs waren ca. 50 Prozent der alliierten Flugzeuge mit Motoren von Rolls-Royce und seinen Lizenznehmern ausgestattet.
Die Entwicklung von Strahltriebwerken übernahm Rolls-Royce im Jahre 1943 von der Rover Company und lieferte im gleichen Jahr mit dem Welland den Antrieb für den Prototyp der Gloster Meteor, das erste ab 1944 in Serie produzierte strahlgetriebene Jagdflugzeug der Royal Air Force. Später wurden, beginnend 1948 mit dem Dart, auch Turboprop-Triebwerke (PTL) serienmäßig hergestellt. Nach der Übernahme von Bristol Siddeley im Jahr 1966 hatte Rolls-Royce das umfassendste Triebwerksprogramm der Welt.
Das ursprüngliche Firmenzeichen waren rote Buchstaben auf silbernem Grund. Das schwarze Logo wurde erstmals 1931 verwendet. Henry Royce gab im Jahr 1933 Anweisung, die Schriftfarbe der Buchstaben „RR“ im Firmenlogo dauerhaft von rot auf schwarz zu ändern. Diese Änderung erfolgte auf Grund zahlreicher Beschwerden hochrangiger Kunden (u. a. des Prince of Wales), dass das Rot mit manchen Wagenfarben nicht harmonierte. Schwarz wurde gewählt, weil es für alle Farben passend erschien. Die Legende, dass dieser Farbwechsel aufgrund des Todes von Henry Royce im April 1933 vorgenommen wurde, widerspricht den gegebenen Fakten. In: rollsroyceclub.co.za (englisch) In: britishmm.co.uk (englisch)
Konkurs – Teilung – Renaissance 1971 meldete Rolls-Royce Konkurs an, da die Entwicklung des Dreiwellentriebwerkes Rolls-Royce RB211 für die Lockheed L-1011 TriStar das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten stürzte. Die britische Regierung verhinderte den Zusammenbruch mit einem großen Aufwand an Steuergeldern. Rolls-Royce wurde verstaatlicht, und 1973 wurde der Triebwerks-Hersteller vom Automobilhersteller getrennt.
Der Automobil-Hersteller firmierte nun unter dem Namen Rolls-Royce Motor Cars und der Triebwerks-Hersteller nach der Reprivatisierung 1987 als Rolls-Royce plc. 1980 wurde Rolls-Royce Motor Cars von dem Rüstungskonzern Vickers übernommen. 1998 wollte Vickers Rolls-Royce Motor Cars verkaufen, und alles sprach für einen Zuschlag für BMW, da diese bereits Motoren für Rolls-Royce- und Bentley-Wagen lieferten und zudem seit 1991 als BMW-Rolls-Royce in Deutschland das Flugzeug-Triebwerk Rolls-Royce BR700 herstellen.
Jedoch wurde BMW von der Volkswagen AG überboten, die schließlich den Automobilhersteller Rolls-Royce in Form von Fabrik und Mitarbeitern in Crewe samt Marke Bentley und Rechten an der „Spirit of Ecstasy“ übernahm. Allerdings wollte Rolls-Royce plc, die nach wie vor die Rechte an dem Markennamen Rolls-Royce auch für Fahrzeuge besaßen, diese nicht an VW, sondern an BMW weitergeben. Daher wurde vereinbart, dass ab 2003 Rolls-Royce und Bentley wieder getrennt werden; BMW lieferte bis dahin weiterhin die Motoren für die unter VW-Regie gebauten Rolls-Royce und Bentley. BMW übernahm ausschließlich das Nutzungsrecht am Namen Rolls-Royce für PKW und startete abgesehen von den Motoren einen kompletten Neubeginn mit einem neuen Werk im südenglischen Goodwood bei Chichester, neuen Mitarbeitern und einem neuen Fahrzeug (Phantom), das zwischen 1998 und 2003 entwickelt wurde. Eigentümerin der Marke „Rolls-Royce“ bleibt jedoch der Triebwerkshersteller Rolls-Royce plc. Ironie des Schicksals ist, dass nur kurz nachdem Vickers den Verkauf und die Trennung der Marken Bentley und Rolls-Royce hinter sich gebracht hatte, Vickers selbst in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet und für einen Bruchteil des Erlöses aus dem Rolls-Royce-Verkauf durch Rolls-Royce plc übernommen wurde.
Seit 2003 fertigt Rolls-Royce Motor Cars Automobile in Goodwood, dem sechsten Produktionsstandort in der mehr als 100-jährigen Geschichte der Marke. Circa 10 km entfernt, in West-Wittering an der Küste, verbrachte Henry Royce seine letzten Lebensjahre; sein Haus und sein Studio befinden sich noch dort und sind in Privatbesitz. Am 1. Oktober 2019 übernahm der Konzern das Geschäft für elektrische Flugzeugantriebe von Siemens.
Produkte Luftfahrt-Triebwerke Rolls-Royce plc bietet eine große Palette von Triebwerken für zivile und militärische Flächenflugzeuge und Hubschrauber. Die in Deutschland produzierten Triebwerke bzw. Komponenten sind bei Rolls-Royce Deutschland aufgeführt.
Zivile Triebwerke Strahltriebwerke mini|Rolls-Royce Trent 970, flugbereit an einem Airbus A380
AE 3007 für Geschäftsreiseflugzeuge und Regionalflugzeuge (z. B. in Cessna Citation X, Embraer ERJ 145 Familie) BR710 für die Geschäftsreiseflugzeuge mit großer Reichweite BR715 für die Boeing 717 und die Tupolew Tu-334 BR725 für die Gulfstream G650 RB211-524/-22 für die Boeing 747, Lockheed L-1011 TriStar und Boeing 767 RB211-535 für die Boeing 757 und Tupolew Tu-204 Trent 500 für den Airbus A340-500 und -600 Trent 700 für den Airbus A330 Trent 800 für die Boeing 777 Trent 900 für den Airbus A380 Trent 1000 für die Boeing 787 Dreamliner Trent XWB für den Airbus A350 Trent 7000 für den Airbus 330neo Tay für die Boeing 727, die Fokker 100, die Fokker 70 und die Gulfstream G400 Spey für die Gulfstream II, die Gulfstream III und die Fokker F28
Wellentriebwerke Allison 250, ein Hubschrauberantrieb, z. B. Bo 105 RR300, Triebwerk für Kleinhubschrauber, z. B. Robinson R66
Elektrotriebwerk Im März 2021 wurde ein Flugzeug mit einem Elektrotriebwerk fertig gestellt. Für größere Flugzeuge will Rolls-Royce auch die Wasserstofftechnologie vorantreiben.
Militärische Triebwerke Auf dem militärischen Markt ist Rolls-Royce plc der zweitgrößte Hersteller von Triebwerken weltweit und der größte in Europa.
Strahltriebwerke mini|hochkant=2|Ausgestelltes EJ200 Für den Eurofighter Typhoon
RB.108: Hubtriebwerk für VTOL-Flugzeuge RB.145: Hub- und Marschtriebwerk für VTOL-Flugzeuge RB.162: Hubtriebwerk für VTOL-Flugzeuge F136 für die F-35A/C Joint Strike Fighter RRLS für die F-35B Joint Strike Fighter EJ200 für den Eurofighter Typhoon Turbo-Union RB199 für den Panavia Tornado Pegasus 11-21 für den Harrier/Sea Harrier Pegasus 11-61 für den Harrier II/II+/AV-8B Adour 106 für die SEPECAT Jaguar Adour 871 für die BAE Hawk Adour 951 für die BAE Hawk Avon 200 für den English Electric Lightning und Saab Draken Spey 202 für die F-4 Phantom Spey 251 für die BAe Nimrod Spey 807 für die AMX
Wellentriebwerke mini|Rolls-Royce Tyne
Tyne Mk 21/22, ein Turbopropantrieb, z. B. Transall C-160 TP400-D6 für den Airbus A400M (Joint-Venture Europrop International) Rolls-Royce Allison T56, ein Triebwerk für die Propeller-Flächenflugzeuge Lockheed C-130 Hercules und P-3 Orion sowie Grumman E-2 Hawkeye und C-2A Greyhound
Kolbentriebwerke mini|Rolls-Royce Merlin 23
Rolls-Royce war über Jahrzehnte einer der bedeutendsten Flugmotorenhersteller. In einer Reihe von Triebwerken wurde die Entwicklungslinie über 30 Jahre fortgesetzt.
Rolls-Royce Buzzard Rolls-Royce Condor Rolls-Royce Crecy Rolls-Royce Eagle Rolls-Royce Exe Rolls-Royce Falcon Rolls-Royce Goshawk Rolls-Royce Griffon Rolls-Royce Hawk Rolls-Royce Kestrel Rolls-Royce Merlin Rolls-Royce Pennine Rolls-Royce Peregrine Rolls-Royce R Rolls-Royce Vulture Rolls-Royce/Teledyne Continental Motors Lizenz Motoren (C-90, O-200, O-300, O-240, IO-360)
Weitere Geschäftsfelder Wehrtechnik Insbesondere für die britischen Streitkräfte wurden an Fahrzeug- und Panzertriebwerken nach einem Baukastensystem die folgenden Triebwerksmodelle gebaut: B40 2,8 l, Vierzylinder, Benzin z. B. im Austin Champ B60 4,2 l, Sechszylinder, Benzin, 129 bhp, z. B. im Daimler Ferret B80 5,6 l, Achtzylinder, Benzin, 170 bhp, z. B. im Alvis Saladin B81 6,5 l, Achtzylinder, Benzin, 220 bhp, z. B. im Alvis Stalwart, Saracen K60 Zweitakt, Sechszylinder, Multi-Fuel, 240 bhp, z. B. im FV 432
Marine Weitere Produkte sind technische Ausrüstungen für Schiffe, unter anderem verschiedene Antriebe für Schiffe.
Energie- und Nukleartechnik