Obermillstatt ist ein Kirchdorf und eine Katastralgemeinde der Marktgemeinde Millstatt am See im Bezirk Spittal an der Drau im österreichischen Bundesland Kärnten. Wie die umliegenden Siedlungen ist der Ort mit Einwohnern (Stand ) ein bäuerlich strukturiertes Erholungsdorf. Mangels ortsansässiger Betriebe pendelt ein Großteil der berufstätigen Bevölkerung aus. Ein wichtiger Arbeitgeber ist seit 1907 das Magnesitwerk der RHI AG im 13 km entfernten Radenthein. Die Magnesitlagerstätte auf der Millstätter Alpe liegt auf dem Gebiet der Katastralgemeinde Obermillstatt. 84 Jahre lang, zwischen 1889 und 1973, war Obermillstatt eine eigenständige Gemeinde.
Geographie mini|hochkant|links|Nordansicht Das Haufendorf am Millstätter Berg liegt in Seehöhe auf einem Hochplateau rund 150 m über dem Millstätter See am Fuße der Millstätter Alpe in den Nockbergen und ist über die B 98 von Millstatt (2 km) bzw. über die L 17 von Dellach oder Seeboden aus erreichbar (Entfernung zur Tauern Autobahn A10 / Knoten Spittal-Millstätter See 9 km). Unmittelbar benachbarte Orte sind Lammersdorf und Kleindombra.
Klima Kärnten liegt in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas. Durch die Lage südlich des Alpenhauptkamms als wichtige Wetterscheide, orientiert sich das Klima eher an den südlichen Wetterereignissen beispielsweise den Mittelmeertiefs. Durch die Lagen zwischen den Bergen ist das Klima in Hinblick auf die Großwetterlage kleinräumig strukturiert. Der Niederschlag folgt dem mitteleuropäischen Muster mit Niederschlagsminima im Winter und Maxima im Sommer. Der Niederschlag im Sommer erfolgt vielfach über Starkregen, besonders bei Gewittern (siehe historische Zusammenstellung der Naturkatastrophen am Millstätter Berg). Seine nach Süden offene Beckenlage und der Schutz gegen Nordwinde führen am Millstätter See zu mehr Sonnenstunden als sonst in Oberkärnten.
Geschichte Frühgeschichte mini|hochkant|links|Älteste Siedlungsspur – Boden eines Keramikruges, ca. 3100 Jahre alt mini|hochkant|Pfarrkirche Obermillstatt Die Gegend um Obermillstatt ist seit mindestens 4000 Jahren besiedelt. Die prähistorischen Fundstellen von Lammersdorf und Sappl – die bisher ältesten in Oberkärnten – sind nur rund eineinhalb Kilometer entfernt. Die in der Gegend vorkommenden Hügelkuppen, wie es sie auch am unteren Ortsrand von Obermillstatt gibt, wurden in prähistorischer Zeit als befestigte Siedlungsplätze genutzt. Der Standring eines Keramikkruges der Laugen-Melaun-Kultur aus der Spätbronzezeit (ca. 13–11. Jh. v. Chr.), gefunden im neuen Bereich des Friedhofs, ist die älteste Siedlungsspur im Ortsbereich.Gefunden vom Totengräber Alois Auer vlg. Messner 1994. Axel Huber: Obermillstatt: Keramik vom Typ Laugen-Melaun. In: Carinthia I. 190. Jahrgang, 2000, S. 470–471. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt die Urne, die beim früheren Gasthaus Fastian im benachbarten Lammersdorf gefunden wurde.
mini|hochkant|links|Säulenfragment vmtl. 6. Jh. aus Molzbichl mini|hochkant|Obermillstatt gegen Nordwesten (Luftbild) Aus der Zeit der römischen Provinzialkultur liegen bis dato keine Funde in Obermillstatt vor. Aufgrund der topographischen Lage kann man von einer kleinen Siedlung ausgehen, da der Ort an der alten Römerstraße zwischen Turracher Höhe und Teurnia an einem Bach liegt. Die durchwegs slawischen Ortsnamen auf dem Millstätter Berg deuten auf eine großflächige Erschließung durch die Alpenslawen im Fürstentum Karantanien ab dem Jahre 600 n. Chr. Ab dem 8. Jahrhundert geriet Karantanien allmählich unter bayrisch-fränkischen Einfluss und verlor schrittweise seine Selbständigkeit.
mini|hochkant|links|Auflager einer Stampfe aus dem Bach beim vlg. Messner Es ist wahrscheinlich, dass viele Höfe am Millstätter Berg vor der Gründung des Stifts Millstatt um 1080 zum ältesten Kärntner Kloster Molzbichl gehörten, das im Zuge der zweiten, der bairischen Missionierung um 780 gegründet wurde. Die erste Missionierung des Gebiets war aus Aquileia erfolgt. Matzelsdorf als Filialkirche von Döbriach gehörte noch bis 1768 zu Molzbichl. Ein Säulenfragment, gefunden im Bach beim Messner unweit der Kirche, könnte aus der frühmittelalterlichen Schrankenanlage aus der Molzbichler Klosterkirche stammen und wurde vermutlich auf Anordnung der St. Georg-Ritter nach Obermillstatt gebracht. Eine zeitlich nicht genau einordenbare, vermutlich aber mittelalterliche Siedlungsspur ist das Auflager einer Stampfe, das in zwei Meter Tiefe im Bachbett gefunden wurde. Mit den Baiern kam ab dem 12 Jhdt. auch deren Dialekt und damit die deutsche Sprache nach Kärnten, woraus in weiterer Folge die Kärntner Mundart entstand.
Römische Spuren Aus römischer Zeit sind in der Umgebung Einzelgebäude wie die frühchristliche Kirche in Laubendorf, als Fluchtkirche von Teurnia gedeutet oder eine römische Villa in Dellach am Millstätter See bekannt. Eine alte Römerstraße zwischen Teurnia und dem Kirchheimer Tal führte am südlichen Ortsrand von Obermillstatt vorbei. In trockenen Jahren, berichten die Bauern, ist deren Verlauf beim örtlichen Sportplatz noch erkennbar. Direkt am See war wegen der Hohen Wand bei Döbriach lange keine Straßenführung möglich. Vermutlich hatte man schon in der Römerzeit einige Gunstlagen urbar gemacht. Die schönsten Obermillstätter Felder sind relativ flach und groß. Der Ort liegt auf einem Plateau zwischen zwei großen Bächen. Im Westen fließt der Riegerbach oder Leitenbach. Der Bachname Riegerbach wird auch für den Pesentheiner bzw. Radentheiner Bach verwendet. Das schriftslowenische reka bedeutet Bach.Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. II. Teil, 1958, S. 178. Auf der östlichen Seite liegt nach Pesenthein abfließende PöllandbachPölland vom slow. poljána, dem Flachland, also dem Obermillstätter Plateau. Kranzmayer, Ortsnamenbuch, II. Teil, S. 38. genannt wurde. Der kleine Obermillstätter Bach, auch Mühlbach genannt, ist von jeher regulierbar, denn er kann bei Hochwassergefahr in den Pesentheiner Bach umgeleitet werden. In Millstatt, angelegt am Schwemmkegel des Riegerbaches, sind die für die Landwirtschaft zur Verfügung stehenden Flächen deutlich kleiner und immer wieder vom Hochwasser bedroht. In vortouristischer Zeit war das Leben am Wasser wegen des oft sumpfigen Ufers wenig attraktiv. Die früheste Form der grundherrlichen Wirtschaftsweise war das Villikationssystem der Römer.Wilhelm Wadl: Grundherrschaft und Untertanen in Millstatt. Millstatt 1982 (Symposium zur Geschichte von Millstatt und Kärnten 1982. Hrsg. v. Franz Nikolasch). Eine Villa war ein herrschaftlicher Gutshof, dessen Großgrundbesitz von hörigen Knechten und Mägden bearbeitet wurde. Bauern im heutigen Sinn gab es noch nicht.
Spätestens mit der Jahrtausendwende war die Gegend um Obermillstatt großflächig gerodet. Möglicherweise waren die gerodeten Flächen noch größer als heute. Im Frühmittelalter gab es eine Wärmephase, wodurch die Siedlungsgrenzen deutlich anstiegen. Dass es im Millstätter Gebiet wärmer und Weinbau möglich war, geht nicht nur aus der Flurbezeichnung „Weinleitn“, sondern auch aus Urkunden hervor. 1447 erhielt ein Ulrich Staindell einen Weingarten als Lehen auf Lebenszeit. Im 20. Jahrhundert wurden viele der weniger ertragreichen und abgelegenen Bergwiesen aufgegeben, die einstweilen verwaldet sind. Durch die gesellschaftlichen Veränderungen gab es immer weniger Arbeitskräfte für landwirtschaftliche Arbeit. Knechte und Mägde fanden besser bezahlte Tätigkeiten in anderen Bereichen. Die Schulpflicht wurde zunehmend schärfer exekutiert. Die immer weniger werdenden Bauernkinder durften nicht mehr eingeschränkt zur Arbeit am Hof herangezogen werden.
Namensverbundenheit von Millstatt und Obermillstatt mini|hochkant|links|Obermillstatt von der Millstätter Alpe / Tschiernock aus mini|hochkant|Obermillstatt um 1910 mini|hochkant|Obermillstatt um 1950 Die Namensverbundenheit der Orte ist bemerkenswert, zumal wesentlich kleinere Streusiedlungen der Umgebung eigene Ortsnamen haben wie etwa Kleindombra, was so viel wie ein kleiner Eich- oder Sumpfwald bedeutet.Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. II. Teil, 1958, S. 52. Einerseits mag dies mit der Dominanz des Millstätter Klosters zusammenhängen, für das der Ort das unmittelbare landwirtschaftliche Hinterland war. Andererseits gibt es auch Überlegungen, ob das urkundlich erstmals 1070 erwähnte Milistat ursprünglich die Bezeichnung eines älteren Ortes bei Obermillstatt war und von dort ins Tal „gewandert“ ist. Flussnamen gehören zu den ältesten überlieferten Namen. Der Namenskern von Millstatt kommt vermutlich aus keltischer Zeit und bezeichnet eine Stätte an der Mils. Der Bachname Mils aus einem vorslawischen „Melissa“, bedeutet „Bergbach“ oder „Hügelbach“, womit vermutlich der RiegersbachEberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. II. Teil, 1958, S. 156 f. oder aber auch der Obermillstätter Bach gemeint sein könnte. Vielleicht finden sich in Zukunft in Obermillstatt noch frühe Siedlungsspuren, um diese Frage zu klären.
Bauern und Grundherren mini|hochkant|Gotische Muttergottes, die früher in der vom Herzog-Bauer gestifteten Schluchtwirtkapelle stand. Bereits aus der frühesten erhaltenen Millstätter Urkunde geht hervor, dass Pfalzgraf Aribo II. aus Bayern vor dem Jahre 1060 zwei Kirchen in Millstatt besaß. Mit großer Wahrscheinlichkeit waren damit Millstatt und Obermillstatt gemeint. Im Zuge einer Zehentregulierung tauschte Aribo zur Zeit des salzburgischen Erzbischofs Gebhard von Helfenstein für die Kirche den dritten Teil des Zehents von seinen Gütern und denen seiner Gemahlin Liutkard im Erzbistum Salzburg.Infotafel in der Kirche. 2006. Somit war er auch zuständig für das Tauf- und Begräbnisrecht und alle kirchliche Gewalt im dazugehörigen Gebiet. In weiterer Folge schenkte Aribo seine Obermillstätter Besitzungen dem Stift Millstatt, wobei nicht überliefert ist, wie viele Güter es waren. Eine Gründungsurkunde von Millstatt wurde bisher nicht aufgefunden. Die Mönche beendeten die adelige Gutsbewirtschaftung und verteilten die Besitzungen auf abgabepflichtige Bauern. Aus der Benediktinerzeit gibt es viel Urkundenmaterial, in dem auch Erwerbungen in Obermillstatt angeführt werden.Zusammenstellung bei 1338 erhielt das Kloster u. a. ein Gut in Obermillstatt und Matzelsdorf von der Stifterin Irmgart von Obermillstatt und ihrer Tochter Sophey. Als Gegenleistung wurde vereinbart: „1 Herrenpfründe auf Lebenszeit, 1 Maß Weizen vom Kasten“. 1339 kaufte das Kloster fünf Äcker in Obermillstatt von einem Ott von Obermillstatt um 15 Mark Aquiläer Pfennig. Von 1364 datiert eine Schenkung einer „halben Hube zu Matzelsdorf“ durch Elsbet Gutmanin und ihrem Vater Friedrich. Gekauft hat das Stift 1415 von Jörg von Lind ein Lehen und fünf Äcker in Obermillstatt um „160 Mark Aquiläer Pfennig u. 6 Pfund Perner“. Durch Lehensverzicht erhielt das Stift 1444 von Christof, Sohn des Heinrich Feichter, ein Haus, zwei Gärten und einen halben Hof in Obermillstatt. Aus der Benediktinerzeit selbst ist keine Aufstellung des Klosterbesitzes vorhanden. Die erste Inventarisierung entstand bei der Übergabe an die Sankt-Georgs-Ritter. Der Urbar von 1470 weist für Obermillstatt einen Stiftsbesitz von 16 Huben, 3 Lehen, 1 Schwaige, 1 Neubruch und 1 Anger auf.Weinzierl-Fischer: Benediktinerkloster Millstatt. S. 86. Da im Urbar Tschierweg, Großdombra und Lammersdorf extra aufgeführt sind, war Obermillstatt zu dieser Zeit ein recht stattliches Dorf, jedenfalls das größte des Stifts Millstatt.