mini|Bahnsystem von Carrera für Autos im Maßstab 1/24 auf der Spielwarenmesse 2005 mini|Bahnsystem von NINCO für Autos im Maßstab 1:32 auf der Spielwarenmesse 2005 mini|Eine Slotfire-Holzrennbahn im Modulsystem – mit Randsteinen und begrünten Infields

Als Autorennbahn, auch Slotcar-Bahn, Slot-Bahn (von englisch Slot für Schlitz) oder in Deutschland nach dem dort bekanntesten Hersteller Carrera-Bahn, wird eine technische Einrichtung benannt, mit der elektrisch angetriebene Modellautos spurgeführt befahren werden.

Die Spielzeugindustrie liefert zusammensteckbare Fahrbahnteile mit zwei Spuren, die jeweils einen Schlitz zur Führung und zwei Leiterbahnen zur Stromversorgung der Modellfahrzeuge besitzen. Die Fahrer haben jeweils einen Handregler und können damit Geschwindigkeit und Bremsverhalten der Modellautos steuern. Ziel des Spieles ist es, möglichst schnelle Runden zu fahren, ohne dass die Fahrzeuge von der Strecke abkommen, und natürlich Rennen auszutragen (Slotracing). Carrera Autorennbahn wird in Deutschland oft als Synonym für Slotracing verwendet.

Geschichte Vorläufer Vorläufer der heutigen schlitzgeführten Autorennbahnen waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mittels Uhrwerk angetriebene Automodelle, die durch eine Randerhöhung in der Spur gehalten wurden.

Der Anfang in den 1950er-Jahren In den frühen 1950ern kam im wettfreudigen Großbritannien, bevorzugt in den Hinterzimmern von Gaststätten, das „Railracing“ in Mode. Die überwiegend aus Balsaholz und Messingblech selbstgebauten Fahrzeugmodelle wurden mittels Metallbändern, ähnlich der Form von Vorhangschienen, die oben auf der Fahrfläche montiert wurden, geführt. Der Antrieb erfolgte anfangs angeblich mit Miniaturdieseln (Modellflugmotoren), später mit frisierten Elektromotoren, die meist aus dem Sortiment der bereits boomenden Modelleisenbahnindustrie stammten. Mittels der Führungsschiene und einem weiteren flachen Kontaktband wurden die Modellautos über Gleitkontakte mit Strom versorgt. Da noch keine Handregler in heutigen Sinne erhältlich waren, wurden zur Geschwindigkeitskontrolle lenkradähnliche Drehregler und/oder morsetastenartige Druckknöpfe usw. benutzt.

Die Fahrzeuge waren zwar den damaligen Originalrennwagen nachempfunden, jedoch gab es keinen verbindlich definierten Maßstab. Auch waren die Bahnanlagen landschaftlich nicht komplett durchgestaltet, wie es z. B. in Modelleisenbahnclubs üblich ist. Es ging also vorrangig um das Austragen von Wettbewerben.

Der Boom in den 1960er-Jahren mini|Scalextric Cooper und B.R.M. mit Lenkung (1965). mini|Slotcarzubehör – 1964 bis 1972. In den 1960er-Jahren entwickelte sich der Slotracingboom mit Meisterschaften und attraktiven Preisgeldern zunächst in den USA auf Mietbahnen, den „Modelcar-Raceways“ des ganzen Landes. Gefahren wurde mit Fahrzeugen im Maßstab 1:24 und einer Bahnspannung von 12 V, die über eine Autobatterie geliefert wurde, da stabilisierte Netzteile damals nicht verfügbar oder extrem teuer waren. Die Spuren wurden getrennt vermietet, und der Zubehörverkauf boomte. Renncenter mit viel Platz boten mehrere, meist 8-Spurige Bahnen mit Steilkurven und Fahrstrecken zwischen 20 und 80 Metern pro Runde. Tuningzubehör, Bausatz- und Ready-to-Race-Slotcars wurden von vielen Firmen angeboten. Die ersten Autorennbahn-Packungen kamen ab Mitte der 1950er von englischen Firmen in den Spielwarenhandel. Durchsetzen konnten sich Hersteller, die auch Modelleisenbahnzubehör im Angebot hatten, z. B. Strombecker und Tri-Ang Scalextric.

In Deutschland brachte Anfang der 1960er-Jahre zunächst Scalextric Grundpackungen mit dem „Plexi-Track System“ (baugleich mit Scalextric Classic) im Maßstab 1:32 in den Handel. Die weitgehend modellgetreuen, jedoch filigranen Scalextric-Fahrzeuge, zum Teil mit Lenkung ausgestattet, sind inzwischen gesuchte Sammlerstücke. Fast zeitgleich brachte Stabo, bekannt als Hersteller von Funkgeräten, das Bahnsystem „Stabo Car“ mit etwas rundlichen, für Kinderhände konzipierten Slotcars auf den Markt. Ein ähnliches Konzept verfolgte die Firma Carrera mit dem System Universal, das ebenfalls großen Erfolg hatte und bis heute zu den bekanntesten Systemen zählt. Weitere Modelleisenbahnhersteller schlossen sich dem Trend an: Märklin mit „Märklin Sprint“, Fleischmann mit „Auto Rallye“ und Arnold mit „MiniMobil“. Bei der Minimobil lief im Schlitz eine Spirale um, die durch Mitnehmer die Autos bewegte. Angetrieben wurde die Spirale von einem Elektromotor, der in einem Tankstellengebäude versteckt war. Stabo, Fleischmann und Carrera versuchten zusätzlich, mit Bausatzfahrzeugen im Maßstab 1:24 und Ready-to-Race Slotcars (RtR) auch in der Mietbahnszene mitzumischen. Der Erfolg blieb jedoch bescheiden.

Ab Mitte der 1960er-Jahre versuchte sich in Deutschland der Kölner Holzbahnhersteller Minerva gegen die US-Importbahnen durchzusetzen. Airfix (MRRC) und Revell – vorwiegend durch Plastikmodellbausätze bekannte Firmen (Revells Slotcar-Motto: „Build – Race – Win“) – brachten ebenfalls eigene Heimbahnsysteme heraus. Die Revellbahn war etwas breiter und eher zu den Mietbahnen kompatibel als die üblichen 1:32-Produkte und somit auch für 1:24-Slotcars verwendbar. Stabo und Carrera erweiterten nun auch ihr Angebot. Carreras 8-spurig ausbaubares 1:24-Bahnsystem „Carrera 124“ – inzwischen als „Carrera Exclusiv“ neu aufgelegt – und „Carrera Evolution“ in 1:32 waren und sind bis heute erfolgreich. Stabo setzte sich mit seinem 1:24-System nicht durch.

Faller kam zunächst im kleineren Abbildungsmaßstab H0 (ca. 1:64) mit Faller AMS, die eigentlich als Auto-Spiel zur Ergänzung von H0-Eisenbahnen gedacht war, auf den Markt. Neben „Faller AMS“ und „Model Motoring Thunderjet 500“ des US-Herstellers Aurora, mit seinem umfangreichen Angebot an 1:64-Slotcars, die mit dem beliebten, später von diversen Herstellern kopierten „T-Jet“-Flachankermotor ausgestattet waren, versuchte sich auch die Firma Reinhard & Co. mit der „RASANT“-Modellautostraße (1964 bis 1968) an dem kleinen Maßstab. Die Firma Tyco ließ diese Größe später neu aufleben.

Später erschien von Faller ein etwas konfus konzipiertes, aus zweispurigen, grauen Plastikbahnteilen bestehendes 1:24-Bahnsystem mit eingeklebten Stromleitern aus Kupfergeflecht namens „Faller Club Racing“. Faller stattete die dazugehörigen Fahrzeuge mit den damals gängigen Mabuchi 18D-Motoren aus dem Mietbahnbereich aus. Sie waren in den Maßstäben 1:32 und 1:24 als Bausatz und „RtR“ (Ready to Race) für kurze Zeit ausschließlich im Spielzeughandel erhältlich. Heute sind sie gesuchte Raritäten.

In der DDR wurden von Prefo Autorennbahnen produzierte.

Ende des Booms in den 1970er-Jahren mini|Ein Ford Capri Turbo der Firma Fly. In den frühen 1970er-Jahren endete der erste Slotcar-Boom. Die kommerziellen Renncenter mit ihren riesigen Gewerbeflächen mussten nach vergeblichen Versuchen, das Geschäft über Reduzierung des Bahnangebotes und ersatzweisem Aufstellen von Flipperautomaten, Billardtischen oder Tischtennisplatten wiederzubeleben, schließen. Viele Zubehörhersteller stellten die Produktion komplett ein. Zwar versuchten sowohl Stabo als auch Carrera auf Basis der bei ihnen im Haus vorhandenen Schienensysteme eine Modell- und Spiellandschaft mit Baufahrzeugen und Transportaufgaben einzuführen, dies war jedoch nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt.

Der neue Boom seit den 1990er-Jahren mini|Bentley EXP Speed 8 von Carrera auf einer Carrerabahn. Eine Wiederbelebung des Marktes gelang erst in den 1990ern durch Hersteller, die ähnlich wie bei Modelleisenbahnen sehr detaillierte Fahrzeuge auf den Markt brachten, die sowohl für die Vitrine, als auch zum Fahren gedacht waren. Insbesondere die spanische Firma Fly/GB Track hatte einen Detaillierungsschub ausgelöst. Zum Revival der Autorennbahn hat sicher auch beigetragen, dass die Modellautos inzwischen auf allen konkurrierenden Schienensystemen fahren, also untereinander weitgehend kompatibel sind.

Systeme mini|SCX Digitalbahn mit Weichen und Kreuzungen auf der Spielwarenmesse 2005. Es gibt Autorennbahnen für Autos in den Maßstäben 1:24, 1:28, 1:32, 1:43 und 1:64. Der am weitesten verbreitete Standard bei Fahrzeugen für Erwachsene ist heutzutage der Maßstab 1:32. Die „Carrera Go!!!“-Bahnen und deren digitale Verwandte D143 für Autos im Maßstab 1:43 sind als Einstieg für Kinder ab 6 Jahren gedacht. Die im gleichen Maßstab hergestellte Carrera Profi wurde eingestellt. Nicht mehr produziert werden auch die Systeme „Carrera Universal“ (drei Leiter) – bei der zwei Autos hintereinander, aber unabhängig auf einer Spur fahren konnten – sowie „Carrera Servo“ (vier Leiter) bei der Spurwechsel möglich waren.

Kunststoff-Autorennbahnen für Autos im Maßstab 1:32 werden zurzeit von den Firmen Ninco, Policar, Scaleauto, Scalextric und SCX hergestellt. Rennbahnen für Autos im Maßstab 1:24 werden nur von Carrera angeboten, wobei dies dieselbe Schiene ist, die Carrera für ihre Autos im Maßstab 1:32 vermarktet.

Zielgruppe für die Autos in den „großen“ Maßstäben 1:32 und 1:24 und die hierfür geeigneten Bahnen aus Kunststoff oder Holz sind heute – wie bei den detaillierten Modelleisenbahnen – primär Erwachsene. Als Kinderspielzeug werden einfachere, meist vom Maßstab her kleinere, Autorennbahnen wie die oben erwähnte Carrera GO!!! oder Bahnen z. B. von Artin und Racy angeboten. Inzwischen werden von den meisten Herstellern „Digital“-Systeme angeboten. Damit sind das Fahren von mehreren Fahrzeugen in einer Spur und der Spurwechsel (über Weichen) möglich.

Eine Alternative zu den Kunststoff-Autorennbahnen stellen Holzrennbahnen dar. Waren diese Bahnen bis vor kurzem noch professionellen Renncentern vorbehalten, bieten die Hersteller von fest installierten Club-Rennbahnen vergleichbare Qualitäten mit digitaler Rennsteuerung und Features wie automatischem Überholen mit Kollisionsschutz inzwischen auch für den Hobby-/Privatbereich an. Holzrennbahnen für Endverbraucher stellt beispielsweise die Firma SlotfireSlotfire, Webseite der Fa. Slotfire in den Maßstäben 1:24 und 1:32 her. Das meistverwendete Bahnsystem im Clubsport ist von der Firma Plazidus, welche Holzbahnen in Modulbauweise, als Bausatz oder Fertigelemente, herstellt. Aufgrund des meist limitierten Platzes im Endverbraucherbereich gibt es hier neben Schienensystemen Modulsysteme, bei denen die Rennstrecke in frei kombinierbare MDF-Platten integriert ist. Als wichtigste Vorzüge gegenüber Kunststoffrennbahnen nennen die Hersteller hier unter anderem einen schnelleren Auf- und Abbau sowie die hohe Verwindungssteifigkeit der Systeme. Auch bieten die Lacke dieser Strecken besseren Grip.

Ferner existieren Systeme, die versuchen, die Flexibilität der kurzen Kunststoffschienen mit der Stabilität einer MDF-Holzbahn zu vereinen. Jüngstes Beispiel hierfür ist die deutsche Fa. Harrel mit ihrem Harrel-RS-System.

Fahrzeuge mini|Aktuelle Wing-Cars mini|1:24 Slotcar auf Momo-Chassis mini|1:24 Dragster auf Parma-Chassis

Fertig-Automodelle werden von einer Vielzahl von Herstellern angeboten (Maßstab 1:32: Carrera, Fly, Ninco, Revell, Scalextric, SCX, slot.it, usw. / Maßstab 1:24: Carrera, ScaleAuto, BRM, JK, ProSlot, Parma). Diese Modelle sind meist sehr detailliert und originalgetreu und sind teilweise mit Magneten zur Verbesserung der Fahreigenschaften ausgestattet. Die Verwendung von Magneten ist jedoch umstritten. In Slotracing-Clubs kommen diese in der Regel nicht zum Einsatz.

Neben den originalgetreuen Fertigmodellen gibt es eine Reihe von Herstellern, die Chassis (bspw. Schöler, Plafit, Modern-Motor [Momo] usw.), Karosserien, Motoren, Reifen und anderes Zubehör für den Bau individueller Modelle anbieten.