Die Sea Shepherd Conservation Society, kurz Sea Shepherd („Meereshirte“), ist eine Umweltschutzorganisation mit Sitz in Friday Harbor, Washington, die sich besonders dem Schutz der Meere, dem Kampf gegen illegale Fischerei, das Töten von Meeressäugern, Schildkröten und Wildlachs, sowie der Bekämpfung der Meeresverschmutzung verschrieben hat. Von der internationalen Meeresschutzorganisation Sea Shepherd Global ist sie sowohl finanziell als auch rechtlich unabhängig.

Geschichte mini|Flagge von Sea Shepherd

Sea Shepherd wurde 1977 von Paul Watson gegründet, nachdem er die wenige Jahre zuvor gegründete Umweltschutzorganisation Greenpeace, zu deren ersten Mitgliedern er gehörte, im Streit verlassen hatte. Bei einem Protest gegen die Robbenjagd 1977 auf dem Eis vor Kanadas Küste hatte Watson die erbeuteten Felle und den Knüppel eines Robbenjägers ins Wasser geworfen. Es kam daraufhin innerhalb der Organisation zum Streit um den Einsatz von Gewalt, in dessen Folge Watson Greenpeace verließ.

Die Sea Shepherd Society entstand wie auch andere Gruppen wie Earth First! in der Reagan-Ära vor dem Hintergrund des Deep-Ecology-Ansatzes. Die Gruppen vertraten Grassroots-Ansätze und grenzten sich mit radikaleren Ansätzen gegen etablierte US-Umweltschutzorganisationen ab.Kathrin Voss: Öffentlichkeitsarbeit von Nichtregierungsorganisationen: Mittel – Ziele – interne Strukturen. Springer 2007. Seite 37ff

1978 erwarb die Gesellschaft ihr erstes eigenes Schiff, einen Atlantiktrawler, der nach einem Umbau auf den Namen Sea Shepherd getauft wurde. Die Sea Shepherd ist das erste Schiff, das sich für Robben einsetzte. Ihre Besatzung besprühte über 1000 Robben mit einer ökologischen, nicht löslichen Farbe. Dadurch wurde ihr Pelz für die Robbenjäger wertlos.

1981 dokumentierte Sea Shepherd illegale sowjetische Walfangaktivitäten und legte dem Kongress Beweise dafür vor.

1982 wurde der Sea Shepherd Islands Trust gegründet und erwarb die Orkney-Insel Green Holm. Diese wurde zu einem Schutzgebiet für Kegelrobben gemacht.

1991 fuhr ein Sea-Shepherd-Schiff namens Sea Shepherd II nach Trinidad und Tobago, um dort gegen die illegale Treibnetzfischerei vorzugehen. Kurz nachdem die Sea Shepherd II einen taiwanischen Treibnetzfischer entdeckt hatte, wurde sie von diesem gerammt. Paul Watson ließ die Sea Shepherd II daraufhin zurückfallen und rammte nun das taiwanische Schiff. Bei der Rückkehr wurde die Sea Shepherd Crew feierlich empfangen und zum offiziellen Helfer der Küstenwache von Trinidad und Tobago ernannt. Die Mannschaft der Sea Shepherd II half der Küstenwache dabei, die Bestechung von trinidadischen Regierungsvertretern durch die taiwanische Fischindustrie zu untersuchen und aufzudecken. Infolgedessen wurden mehrere Regierungsmitglieder, die Bestechungsgelder angenommen hatten, verhaftet.

1999 reisten Freiwillige nach Frankreich und in die Türkei, um in Zusammenarbeit mit anderen Helfern und Hilfsorganisationen die von Tankerunglücken ölverschmierten Vögel zu retten.

2000 koordinierte Sea Shepherd die Rettung von Wildtieren nach einem Leck in einer Ölpipeline in der Nähe von Rio de Janeiro.

Ebenfalls im Jahre 2000 stellte Sea Shepherd den Parkbehörden ein Schiff namens Sirenian samt Besatzung zum Schutz des Nationalparks Galapagosinseln zur Verfügung.

Nach einem Tankerunglück 2001 war die Sirenian als erstes am Unfallort und unterstützte das Team des Nationalparks Galapagosinseln und der US-Küstenwache bei den Aufräumarbeiten.

Mit Nationalparkaufsehern an Bord erwischte die Farley Mowat 2001 einen ecuadorianischen Langleiner beim Wildern vor den Kokosinseln. Rund 50 km Langleinen samt illegalem Fang sowie das Schiff wurden konfisziert. Außerdem gelang es Sea Shepherd, einen Korruptionsskandal innerhalb der ecuadorianischen Marine aufzudecken.

2004 half die Farley Mowat bei der Verhaftung eines costa-ricanischen Langleiners, eines ecuadorianischen Stellnetzfischers und eines amerikanisch/ecuadorianischen Thunfischfischers. Die Sea Shepherd Mannschaft zerschnitt und öffnete das Netz des Thunfischfischers und befreite circa zehn Tonnen illegalen Fangs.

2007 führte Sea Shepherd Galapagos Direktor Sean O’Hearn Razzien auf dem ecuadorianischen Festland durch. Dabei wurden 45.000 Haifischflossen und 92.000 Seegurken sichergestellt. Daraufhin wurden über ein Dutzend Wilderer verhaftet.

2010 befreite Sea Shepherd, im Zuge von Operation Blue Rage, 800 Blauflossen-Thunfische, die illegal von dem Fischereiunternehmen Fish&Fish gefangen wurden. Infolgedessen verklagte das betreffende Unternehmen Sea Shepherd auf eine Million Euro Entschädigung. Fish&Fish verlor den Fall und musste seinerseits eine Zahlung über 250.000 € an Sea Shepherd leisten, um die Organisation für die angefallenen Gerichtskosten zu entschädigen.

Mittlerweile gibt es bereits 20 Ländergruppen. Um diese zu koordinieren, wurde die internationale Meeresschutzorganisation Sea Shepherd Global gegründet. Diese koordiniert nun Finanzen, Logistik, Kommunikation und Flotte für sämtliche Ländergruppen, außer für die Sea Shepherd Conservation Society. Den Vorstandsvorsitz übernahm Alex Cornelissen.An exclusive interview with Sea Shepherd Captain and CEO Alex Cornelissen In: hoodlamb.com. 10. Februar 2015, abgerufen am 2. Mai 2017.

Am 21. Juli 2022 rief Sea Shepherd Gründer Paul Watson eine weitere Meeresschutzorganisation, namens Captain Paul Watson Foundation (CPWF) ins Leben. Eine Woche später verließ er die Sea Shepherd Conservation Society (USA). Am 3. September wurde er schließlich, durch weitere Mitglieder, aus dem Vorstand von Sea Shepherd Global entfernt. Zwei der größten Ländergruppen, Frankreich und UK, spalteten sich in Folge der Ereignisse von Sea Shepherd Global ab. Sea Shepherd UK benannte sich in die Captain Paul Watson Foundation UK um und Sea Shepherd Frankreich arbeitet nun verstärkt mit der Captain Paul Watson Foundation zusammen.

Anti-Walfang-Kampagnen in der Antarktis 2002–2003 fand die erste Kampagne in der Antarktis statt. Die japanische Walfangflotte wurde jedoch nicht gefunden.

2005–2006 fand die Farley Mowat im Zuge von Operatian Antarctica zum ersten Mal die japanische Walfangflotte. Diese floh, wurde dabei 15 Tage am Walfang gehindert und konnte die selbst gesteckte Quote nicht erreichen.

Operation Leviathan 2006–2007 war die erste Kampagne mit zwei Schiffen auf Seiten von Sea Shepherd. Der Organisation gelang es, die japanische Walfangflotte abzulenken. Diese blieb dadurch unter ihrer Quote.

2008 verbot ein australisches Gericht den Walfang in australischen Gewässern. Am Tag der Urteilsverkündung half Sea Shepherd den beiden Sea Shepherds Benjamin Potts und Giles Lane an Bord eines japanischen Harpunierers zu gelangen, um dem Kapitän einen Brief zu überreichen. In dem Brief wurde der Kapitän darauf hingewiesen, dass er und seine Flotte mit dem Töten von Walen sowohl internationales als auch australisches Recht brechen. Die beiden Sea Shepherd Aktivisten wurden daraufhin gegen ihren Willen auf dem Schiff festgehalten. Auf einem Video ist zu sehen, wie die beiden Aktivisten zuerst über Bord geworfen werden sollten und, als das nicht gelang, an die Reling gebunden wurden. Nach 3 Tagen wurden die beiden Aktivisten nach Australien zurückgebracht. Die Aktion hatte die japanische Flotte aufgehalten und unerwünschte mediale Aufmerksamkeit auf sie gezogen. Doch auch Sea Shepherd wurde für das Provozieren eines diplomatischen Skandals kritisiert. Der Vorfall ereignete sich während der Operation Migaloo 2007–2008, Sea Shepherds vierter Anti-Walfang-Kampagne. Die japanische Walfangflotte blieb in diesem Jahr 500 Stück unter der selbst gesteckten Quote. Operation Migaloo war auch die erste Kampagne, die von einem Animal Planet Kamerateam begleitet wurde, und bildet somit die Grundlage der ersten Staffel Whale Wars. Laut eigenen Angaben wurde Paul Watson im Zuge dieser Kampagne am Freitag, dem 7. März 2008 während eines Zwischenfalls mit der japanischen Küstenwache von einer Kugel in die Brust getroffen. Die Kugel wurde nach seiner Darstellung von seiner Kevlar-Weste aufgehalten. Während der Kampagne kam es zur direkten Konfrontation zwischen dem Sea-Shepherd-Schiff Steve Irwin und dem Walfänger Nisshin Maru. In der letzten Folge der ersten Staffel von Whale Wars ist dieser Zwischenfall zu sehen. Danach stand Watson an Deck der Steve Irwin, während seine Besatzung kleine, mit Buttersäure befüllte Flaschen auf die Nisshin Maru warf. Zu sehen ist, wie die Japaner Blendgranaten zurückwarfen. Anschließend zeigt Watson auf der Brücke seine Jacke und die schusssichere Weste und sagt: „Ich wurde getroffen“. Es ist zu sehen, wie er eine runde Metallkugel aus der Weste holt. Das japanische Institute of Cetacean Research wies die Behauptung, die japanische Küstenwache habe scharfe Munition eingesetzt, als Lüge zurück. Das Institut und die japanische Küstenwache gaben an, dass es sich bei den Leuchtgranaten ausschließlich um pyrotechnische Gegenstände gehandelt habe, welche einen Lärm- und Lichteffekt produzieren, ohne jemanden verletzen zu können. Diese Leuchtgranaten würden u. a. auch bei Demonstrationen eingesetzt. Der Fall wurde von keiner unabhängigen Stelle untersucht. Am selben Tag gab es zwei Presseerklärungen des australischen Außenministeriums. Laut der ersten wurde die australische Botschaft in Tokio von japanischer Seite darüber informiert, dass „Warnschüsse“ abgegeben worden seien. In einer späteren Version wird der Ausdruck “‘warning balls’ – also known as ‘flashbangs’ – had been fired” (dt. „‚Warning-Balls‘ – auch bekannt als ‚Blendgranaten‘ wurden abgefeuert“) verwendet.

Im Zuge der fünften Anti-Walfang-Kampagne Operation Musashi 2008–2009 jagte die Steve Irwin die japanische Walfangflotte über 5000 km. Die Japaner töteten dadurch 300 Wale weniger als geplant.

Während der sechsten Anti-Walfang-Kampagne Operation Waltzing Matilda 2009–2010 kollidierte der 800 Tonnen schwere japanischen Harpunierer Shonan Maru 2 mit dem 18 Tonnen schweren Trimaran Ady Gil. Beide Seiten gaben sich die Schuld an dem Zwischenfall. Die Shonan Maru 2 trug dabei keine nennenswerten Schäden davon, die schwer beschädigte Ady Gil sank jedoch kurz darauf. Daraufhin betrat deren Kapitän Pete Bethune heimlich die Shonan Maru 2, um eine zivilrechtliche Verhaftung des japanischen Kapitäns Hiroyuki Komura vorzunehmen und ihm eine Rechnung über 3 Millionen Dollar für die Zerstörung der Ady Gil vorzulegen. Die japanische Seite wertete das heimliche Betreten des Schiffes als Piraterie und verhaftete Pete Bethune. Die Shonan Maru 2 kehrte mit ihm an Bord nach Japan zurück. Der Vorfall trug damit wesentlich dazu bei, dass die japanische Walfangflotte in dieser Saison 528 Wale weniger als geplant tötete. Pete Bethune wurde nach 5 Monaten vorzeitig aus einem japanischen Gefängnis entlassen. Dabei dürfte ihm geholfen haben, dass er sich zuvor von Sea Shepherd distanziert und erklärt hatte, dass er nicht ins Südpolarmeer zurückkehren würde. Nachdem Bethune aus dem Gefängnis entlassen worden war, verklagte er Sea Shepherd, gemeinsam mit dem Schiffseigentümer Ady Gil, da ihm sein Admiral Paul Watson angeordnet hätte, die Ady Gil zu versenken. Watson erwiderte, dass der Trimaran nicht mehr zu retten war und dass die Entscheidung ihn zu versenken letztendlich von Bethune getroffen worden war. Pete Bethune ist auf einer Filmaufnahme zu sehen, wie er sagt: “Yes, I guess we’re going to have to let it go”.