Die Stadtbibliothek Duisburg ist eine öffentliche Bibliothek in der Stadt Duisburg. Sie wird von der Stadtverwaltung Duisburg verwaltet. Die Bibliothek wurde am 1. Oktober 1901 unter dem Namen „Duisburger Bücher- und Lesehalle“ gegründet und leistet mit ihrem Angebot von aktuell mehr als 580.000 Medien einschließlich aller Zweigstellen (Stand 2018) einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Bildung und zum kulturellen Leben in der Stadt Duisburg.
Neben Büchern, Zeitungen, Zeitschriften, Noten, CDs und DVDs bzw. Blu-rays, stehen den Kunden zahlreiche Online-Angebote zur Verfügung, die in der Regel rund um die Uhr auch von außerhalb der Bibliothek zu nutzen sind. Über 46.000 E-Books und andere E-Medien finden sich dabei in der Onleihe sowie in dem internationalen Zeitungs- und Zeitschriftenportal PressReader. Umfangreiche Nachschlagewerke bieten das Munzinger-Archiv und der Brockhaus Wissensservice. Mit dem Angebot von Rosetta Stone hat man die Möglichkeit 30 Sprachen online zu erlernen, während die Fachdatenbanken Beck-Online und LexisNexis den Bereich rechtlicher- und wirtschaftsbezogener Fragestellungen abdecken. Eine Literaturrecherche ermöglicht der bibliothekseigene Medienkatalog (OPAC) und das Rechercheportal Digitale Bibliothek (DigiBib), über den auch ein Online-Auskunftsservice angeboten wird.
Eine ihrer wesentlichen Aufgaben sieht die Stadtbibliothek in der Förderung der Lese- und Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen, daher erhalten alle Kinder bis 12 Jahre einen kostenlosen Bibliotheksausweis zur Nutzung der Medien in der Kinderbibliothek. Die seit 1971 stattfindende Internationale Kinder- und Jugendbuchausstellung (IKiBu) findet alljährlich überregionale Beachtung.
Die Zentrale der Stadtbibliothek Duisburg hat ihren Sitz zusammen mit der Volkshochschule (VHS) im 2015 neu eröffneten Duisburger Stadtfenster.
Geschichte Anfänge bis 1933 Nachdem sich ein Jahr zuvor der Düsseldorfer Regierungspräsident Hans Dietrich von Holleuffer an den Duisburger Oberbürgermeister Karl Lehr mit der Bitte wandte, „auf die Errichtung einer kommunalen Volksbibliothek nach Möglichkeit hinzuwirken“, wurde auf der Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung vom 23. Juli 1901 der politische Beschluss zum Aufbau einer Bücher- und Lesehalle gefasst. Die offizielle Gründung erfolgte dann zum 1. Oktober 1901.
Die Bücher- und Lesehalle wurde in dem von der Stadt erworbenen Rorei’schen Haus am Burgplatz 12 in unmittelbarer Nähe des Rathauses untergebracht. Der Anfangsbestand umfasste rund 1.000 Bücher, wobei die Büchereikommission einen Ausbau auf 3.000 Bände eingeplant hatte. Aufgrund der unerwartet großen Resonanz der neuen Einrichtung bei den Duisburger Bürgern musste die Bücherei bereits ein Jahr nach Eröffnung in ein ehemaliges Verwaltungsgebäude auf der Oberstraße 4 verlegt werden. Zudem wurde Heinrich Grosch (1852–nach 1912), Rektor der städtischen Volksschule, als nebenamtlicher „Bücherwart“ für die Stadtbibliothek tätig.
Mit der Eingemeindung von Meiderich und Ruhrort 1905 wurden auch die jeweils unabhängig eingerichteten lokalen Büchereien zusammengelegt. Ab 1908 existierte zudem ein interner Leihverkehr und die Duisburger Bevölkerung hatte damit Zugriff auf einen neuen Gesamtbestand von rund 9.600 Büchern (4.600 in Duisburg, 3.000 in Meiderich, 2000 in Ruhrort). Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 wuchs der Bestand der Zentralbibliothek auf rund 7.300 Bücher, 55 Zeitschriften sowie verschiedene lokale, überregionale und internationale Zeitungen. Ebenfalls 1914 wurde eine durch einen Prüfungsausschuss für Jugendschrifttum ausgewählte, nach Altersstufen geordnete und durch ein eigenes Verzeichnis erschlossene Jugendbücherei mit rund 700 Büchern eingerichtet. Nach der Eingemeindung von Beeck 1918 wurde auch der Bestand der dortigen Volksbücherei im alten Rathaus integriert.
1916 erhielt die Duisburger Stadtbibliothek mit Victor Sallentien (1885–1935) ihren ersten hauptamtlichen Direktor. Er entwickelte die Duisburger Stadtbibliothek zu einem festen Bestandteil des städtischen Bildungs- und Kulturlebens. Im gleichen Jahr wurde zudem die Fernleihe als neuer Service eingerichtet, um den Bürgern die Ausleihe von Büchern aus Bibliotheken anderer Städte zu ermöglichen.
mini|Karte der Umgebung des Burgplatzes um 1925 mit der heute nicht mehr existierenden Knüppelstraße Aufgrund des weiter zunehmenden Bestandes und der unverändert großen Beliebtheit bei den Bürgern musste die Bibliothek 1920 erneut umziehen und wurde am 27. Juni im ehemaligen Bankgebäude am Knüppelmarkt 7 wiedereröffnet. Der Lesesaal wurde deutlich vergrößert mit einem Präsenzbestand von 1.500 Büchern, 170 Zeitschriften sowie lokalen und auswärtigen Zeitungen. Hinzu kamen als neue Einrichtungen Magazinräume, Buchbinderei, Studierzimmer und Ausstellungsflächen. Durch die Übernahme der Bestände des geschlossenen städtischen Gymnasiums und der Restbestände der bereits 1819 geschlossenen Duisburger Universität gelang es, den Bestand der Stadtbibliothek beträchtlich auszubauen. Mithilfe des 1920 ebenfalls deutlich erhöhten Etats auf rund 170.000 Reichsmark wuchs der Bestand bis Ende der 1920er Jahre auf rund 75.000 Bände. Einen neuen Bestandszweig bildete die 1929 eingerichtete Musikabteilung in der Zentralbibliothek mit einem Bestand von rund 7.000 Notenbüchern. Den Sammelschwerpunkt bildeten aber vor allem Belletristik und wissenschaftliche Fachliteratur.
Mit der Eingemeindung Hamborns 1930 und deren Bücherei in der städtischen Berufsschule an der August-Thyssen-Straße nahm der Gesamtbestand noch einmal um 15.000 Bücher zu.
Während des Nationalsozialismus Unter dem Druck des NS-Regimes wurde 1933 ein Teil der Bücher mit „marxistischen und sittlich anstößigen Inhalten“ aus dem Bestand entfernt, abgesondert aufgestellt und durfte nicht mehr entliehen werden. Des Weiteren wurde die Nutzung der Bibliothek auf die „deutschstämmigen Volksgenossen“ beschränkt. Sallentien durfte allerdings sein Amt als Direktor behalten, da er 1932 der NSDAP beigetreten war und konnte daher vermutlich auch verhindern, dass es zu Bücherverbrennungen in Duisburg kam.
1934 erfolgte ein weiterer Umzug der Zentralbibliothek an die Königstraße 1 in das ehemalige Gebäude der Duisburger Gesellschaft aus dem 18. Jahrhundert. Zusammen mit der Tonhalle, dem Stadttheater, dem Kunstmuseum und dem Duisburger General-Anzeiger entstand damit auf der Königstraße eine repräsentative „Kulturmeile“.
Nach dem Tod Sallentins 1935 blieb die Leitung der Stadtbibliothek zunächst zwei Jahre vakant und wurde am 7. Juni 1937 mit dem vom NS-Regime besonders geförderten sudetendeutschen Schriftsteller und Bibliothekar Robert Hohlbaum besetzt. Fünf Jahre später verließ er die Stelle bereits wieder, um einer Berufung an die Landesbibliothek Weimar (heute Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena) zu folgen. Bis zu seinem Weggang sorgte er allerdings einerseits für einen Ausbau des Bestandes auf rund 150.000 Bände sowie die Gründung einer Sammlung wertvoller Handschriften wie unter anderem den Sachsenspiegel von 1385, Werken von Martin Luther ab 1539 und Handschriften zeitgenössischer deutscher Dichter.
Ab Oktober 1942 übernahm der Direktor des Niederrheinischen Heimatmuseums (heute Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg) Wilhelm Schmitz-Veltin (1907–1968) zunächst kommissarisch und ab November 1949 dauerhaft die Leitung der Duisburger Stadtbibliothek. Im Zuge der „heißen Phase“ des Zweiten Weltkriegs fiel der größte Teil des Bestandes dem Luftangriff am 20. Dezember 1942 zum Opfer, als das Gebäude bis auf die Grundmauern niederbrannte. Mit Unterstützung der Berliner Regierung und des örtlichen Buchhandels gelang es jedoch bereits wenige Monate später, den Bestand wieder auf rund 45.000 Bücher zu erhöhen. Die Wiedereröffnung erfolgte am 20. April 1943 im Gebäude des Heimatmuseums, dessen Inventar aus Schutzgründen zu 75 % ausgelagert worden war. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, genauer am 21. Februar 1945, wurde die Zentralbibliothek erneut zerstört und mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen einen Monat später endete der Krieg in Duisburg.
Während des Zweiten Weltkriegs waren neben der Zentralbibliothek nur noch die Zweigstellen in Beeck, Duissern, Hochfeld, Neudorf, Ruhrort und Huckingen aktiv.
Nach 1945 bis 2014 Die Neueröffnung der Duisburger Stadtbibliothek unter britischer Besatzung fand im Oktober 1945 im Haus an der Düsseldorfer Straße 193 statt. Trotz des geringen Startbestandes von rund 18.000 Bänden und der stark gesunkenen Einwohnerzahl von 440.000 auf 144.800 war die Wiedereröffnung ein voller Erfolg mit mehr als 70.000 Ausleihen im ersten Jahr.
Aufgrund der Einstufung als „politisch nicht tragbar“ durch die britischen Besatzungsbehörden musste Schmitz-Veltin im September 1945 seinen Posten als Bibliotheksleiter abgeben. Er wurde allerdings als wissenschaftlicher Assistent mit gekürztem Gehalt weiterbeschäftigt. Die Bibliotheksleitung übernahm Kulturdezernent Ernst D’ham. Bereits sieben Monate später, also noch während des laufenden Entnazifizierungsverfahrens, wurde Schmitz-Veltin wieder als Leiter eingesetzt – zunächst kommissarisch und nach Abschluss des Verfahrens als „Entlasteter“ ab November 1949 dauerhaft.
Auf Beschluss des Rates der Stadt Duisburg wurde ab 1951 ein neues Gebäude für die Stadtbibliothek im Bauhaus-Stil entworfen, im Kant-Park gebaut und am 4. April 1952 eingeweiht. Das Gebäude war zudem der erste öffentliche Neubau einer Stadtbibliothek in der Bundesrepublik Deutschland. 1955 folgte die erneute Einrichtung einer Kinder- und Jugendbibliothek, bei der erstmals ein großer Teil des Bücherbestandes in Freihandaufstellung präsentiert wurde, was mit einer Anerkennung als UNESCO-Modellbücherei honoriert wurde.
Ab 1961 verfügte die Stadtbibliothek Duisburg aufgrund des vom Stadtrat verabschiedeten Bibliothekenentwicklungsplans über ein Büchereinetzwerk, bestehend aus 27 Zweigstellen und zwei Bücherbussen.
mini|Ehemaliges Bibliotheksgebäude auf der Düsseldorfer Straße Da der Platz im Kant-Park-Neubau jedoch bereits 1965 nicht mehr ausreichte – allein das Magazin (geplant für 60.000 Bände) war aufgrund des jährlichen Zuwachses von rund 15.000 Bänden schon überfüllt – musste die Zentralbibliothek abermals umziehen und erhielt als neuen Sitz das ehemalige Deutsche Familien-Kaufhaus (DeFaKa) auf der Düsseldorfer Straße 5–7. Nach umfangreichen Umbaumaßnahmen fand die Wiedereröffnung am 14. Mai 1966 mit einem Festakt im anliegenden Studio „Europa-Palastes“ statt.
Mit der Größe des Bestandes und der Ausstattung im neuen Gebäude lag die Zentralbibliothek 1966 an der Spitze in NRW und nahm aus gesamtdeutscher Sicht (BRD) den 3. Platz ein. Auf drei Etagen wurden die inzwischen 135.000 Bände nach amerikanischem Vorbild größtenteils in Freihandaufstellung präsentiert. Zu den modernen Neuheiten zählten auch die Leser-Registratur sowie Ausleihverbuchung, Mahnwesen und Statistik über eine elektronische Datenverarbeitung.
1968 übernahm Franz Rakowski die Bibliotheksleitung für den verstorbenen Schmitz-Veltin und entwickelte die Duisburger Bibliothek im Verlauf seiner Amtszeit zu einem anerkannten Vorbild für das öffentliche Bibliothekswesen. Unter seiner Führung wurde der Bestand derart ausgebaut, dass er selbst den hohen Ansprüchen einer wissenschaftlichen Bibliothek entsprach. In den 1970er Jahren wurden weitere Serviceleistungen ergänzt wie unter anderem ein Bücherbus und der Aufbau der Abteilung „Türkische Bibliothek“ (heute „Interkulturelle Bibliothek“) im Erwachsenenbereich. Parallel dazu wurde eine „Internationale Kinderbibliothek“ im Kinder- und Jugendbereich eingerichtet und als jährliche Großveranstaltung kam ab 1971 die Internationale Kinder- und Jugendbuchausstellung (IKiBu) hinzu.