mini|Burgruine Peggau, Lithographie von J. F. Kaiser um 1830 mini|Badlwandgalerie Peggau ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) nördlich von Graz im Bezirk Graz-Umgebung in der Steiermark (Österreich).
Geografie Geografische Lage Peggau liegt circa 15 km nördlich der Landeshauptstadt Graz im Mittleren Murtal am Rand des Grazer Berglandes. Von der Nachbargemeinde Deutschfeistritz ist Peggau durch die Mur getrennt.
Ausdehnung des Gemeindegebiets Der Gemeinde reicht vom Ufer der Mur bis zu den Bergen des Bergstocks Tanneben mit bis zu 910 m. Im Gemeindegebiet befindet sich die Peggauer Wand, eine steil abfallende, höhlenreiche Wand.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst zwei Katastralgemeinden bzw. gleichnamige Ortschaften (Fläche Stand , Bevölkerung Stand ):
Friesach (, Ew.) samt Hiening und Lantschbauer Peggau (, Ew.) samt Badl, Hinterberg, Mautbichl und Obertrumm
Nachbargemeinden
Geschichte Aus den Höhlen der Umgebung konnten zahlreiche Funde, beginnend ab der Steinzeit, geborgen werden. Bronzezeitliche Funde aus der Badlhöhle sowie eine römerzeitliche Höhensiedlung auf dem Kugelstein belegen eine durchgehende Besiedlung.
Aus der Zeit um 800 n. Chr. stammt ein frühmittelalterliches karolingisches Gräberfeld, welches im Jahre 1987 bei Kanalgrabungsarbeiten angeschnitten und teilweise freigelegt wurde.
Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte um 1050. Ursprüngliche Schreibung ist Peka oder Peckach, der Name könnte zum slowenischen Wort , dt. entlehnt Pötsche ‚Fels‘ oder ‚Höhle‘ stehen.Heinz Dieter Pohl: Stichwort Peggau. In: Bergnamen (in 2.), (abgerufen am 10. März 2011).
Burg und Herrschaft waren im Besitz der Herren von Peggau (Peckach), die später auch die Burg Pfannberg erwarben und sich nunmehr Grafen von Pfannberg nannten. Um 1270 wurde die Burg von König Ottokar II. Przemysl zerstört.
Um 1301 bestand bereits eine Straßenmaut, welche erst um 1800 aufgelassen wurde. Bis 1740 bestand auch eine Wassermaut auf der Mur für Flößer. Die Marktrechtsverleihung erfolgte bereits vor 1576. Dies ist jedoch das erste gesicherte Datum.
Auf seinem berühmten Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802 kam der deutsche Reiseschriftsteller Johann Gottfried Seume durch Peggau. Er schrieb:Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802. Band 1, S. 48, 56 ().
1843 bis 1844 wurde die Badlwandgalerie gebaut, in deren Gewölben die Südbahn und darüber die Reichsstraße geführt wurde.
Im Jahre 1893 wurde das erste Schotterwerk (heute W&P) eröffnet. Ab 1894 erfolgte eine intensive Erforschung der Lurgrotte.
Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte im Rahmen der Österreichischen Höhlendüngeraktion ein intensiver Phosphatabbau in der Badlhöhle und den Peggauer-Wandhöhlen. Insgesamt konnten 86 Eisenbahnwaggons gefördert werden.
Von 17. August 1944 bis 2. April 1945 wurde auf einem enteigneten Grundstück des Stifts Vorau bei Hinterberg eine Außenstelle des KZ Mauthausen eingerichtet. Am Fuße der Peggauer Wand wurde eine Stollenanlage zur unterirdischen Verlagerung von Teilen der Flugzeugteile- und Panzerherstellung des Werks Thondorf der Steyr-Daimler-Puch AG in Betrieb genommen. 1955 wurde ein Mahnmal errichtet und am 24. März 2006 eine Gedenkstätte eingeweiht.()
Am 15. Juli 1975 verursachte ein verheerendes Hochwasser große Schäden im Gemeindegebiet. Bei diesem Hochwasser wurden auch die Steiganlagen in der Lurgrotte zerstört. Der Führungsbetrieb durch die Höhle nach Semriach musste eingestellt werden.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Evangelische Friedenskirche mini|Katholische Filialkirche
Burg Peggau Badlwandgalerie: Ehemals Teil der Streckenführung der Südbahn im Bereich der Badlwand, nach Verlegung der Trasse ist sie im Verfall begriffen. Evangelische Pfarrkirche Peggau, eine Friedenskirche. Katholische Filialkirche Peggau hl. Margaretha
Naturdenkmäler mini|hochkant|Lurgrotte, Stalaktit „Prinz“ Das bekannteste Ziel in Peggau ist die Lurgrotte. Auf dem gut gesicherten Weg werden ein- und zweistündige, aber auch Abenteuerführungen angeboten. Die Repolusthöhle befindet sich nördlich von Peggau im Badlgraben. Hier finden sich die bislang ältesten Spuren menschlicher Existenz in Österreich (circa 300.000 Jahre). Die Badlhöhle befindet sich ebenfalls im Badlgraben. Der Mitterbach-Wasserfall unterhalb der Burgruine.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Der Bahnhof Peggau-Deutschfeistritz ist Ausgangspunkt der Übelbacherbahn. Peggau ist verkehrstechnisch sehr gut angeschlossen. Durch das Gemeindegebiet verläuft die Brucker Schnellstraße S 35, die über zwei Anschlussstellen erreicht werden kann. Dadurch gelangt man in etwa zwei Kilometern zur Pyhrn Autobahn A 9 über den Knoten Deutschfeistritz (165) und zur Grazer Straße B 67.
In Peggau befindet sich der Bahnhof Peggau-Deutschfeistritz an der Südbahn. Vom Bahnhof gibt es stündliche Schnellbahnverbindungen S1 nach Graz und Bruck an der Mur. Außerdem zweigt von der Hauptstrecke die Lokalbahn Peggau–Übelbach der Steiermärkischen Landesbahnen als S11 ab, sie verkehrt stündlich nach Übelbach.
Der Flughafen Graz ist rund 30 Kilometer entfernt.
Ansässige Unternehmen Weithin sichtbar sind die Anlagen zur Steinverarbeitung u. a. zu Fertigputz der Firma Wietersdorfer&Peggauer („w&p“), welche aus den Firmen Kern und MM hervorgegangen ist. Ihr Steinbruch nimmt eine bedeutende Fläche nördlich des Eingangs zur Lurgrotte ein. Weiters befindet sich das Kraftwerk Peggau-Deutschfeistritz im Gemeindegebiet.
Politik mini|Das Rathaus (ehemaliges Gasthaus Hochhuber) von Peggau steht unter Denkmalschutz. Gemeinderat Der Gemeinderat hat 15 Mitglieder.
Gemeinderatswahlen in der Steiermark 2000: Heimatliste Peggau 11, SPÖ 2, ÖVP 2, FPÖ 1. Gemeinderatswahlen in der Steiermark 2005: Heimatliste Peggau 10, SPÖ 3, ÖVP 2. Gemeinderatswahlen in der Steiermark 2010: Heimatliste Peggau 9, SPÖ 3, ÖVP 2, FPÖ 1. Gemeinderatswahlen in der Steiermark 2015: Heimatliste Peggau 8, SPÖ 3, ÖVP 2, FPÖ 2. Gemeinderatswahlen in der Steiermark 2020: Heimatliste Peggau 10, SPÖ 3, ÖVP 2. Gemeinderatswahlen in der Steiermark 2025: Heimatliste Peggau 10, SPÖ 2, ÖVP 1, FPÖ 1, GRÜNE 1.
Bürgermeister
1990–2008 Werner Rois (Heimatliste)Michael Jost: Trauer um HBI OAR iR Werner ROIS. Landesfeuerwehrverband Steiermark, 4. August 2008 2009–2017 Helmut Michael Salomon (Heimatliste)Robert Preis: Wie vor der Wahl 2015 geplant: Gestern übergab Helmut Michael Salomon sein Amt als Bürgermeister an seinen Nachfolger Hannes Tieber. Kleine Zeitung, 5. Oktober 2017 2017–2024 Hannes Tieber (Heimatliste)Nico Deutscher: Marktgemeinde Peggau. Bürgermeister Hannes Tieber legt sein Amt nieder. meinbezirk.at, 14. November 2024 seit 2024 Christoph Pirstinger (Heimatliste)Christoph Pirstinger ist neuer Bürgermeister von Peggau. kommunalnet.at, 12. Dezember 2024
Wappen
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter von Peggau Johann Georg Fellinger (1781–1816), Offizier und Schriftsteller Georg Gimpl (1887–1947), Pfarrer, Politiker der Christlichsozialen Partei, Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung 1919–1920, Abgeordneter zum Nationalrat 1920–1927 Karl Kriso (1887–1972), Hochschullehrer Hans H. Walser (1920–2022), Medizinhistoriker Mit Peggau verbundene Persönlichkeiten Ignaz Czernits (1814–1896), Schauspieler und Theaterdirektor Anton Lanner (1882–1924), Politiker, Abgeordneter zum Nationalrat 1920–1923, Mitglied des Bundesrates 1923–1924 Walter Rentmeister (1894–1964), Politiker der NSDAP, Abgeordneter zum Landtag von Niederösterreich 1932–1933 Barbara Taufar (* 1943), Diplomatin und Schriftstellerin, berichtet in ihrer Autobiographie „Die Rose von Jericho“ über ihre Kindheit in Peggau
Literatur Marktgemeinde Peggau: Festjahr 2004. Herausgegeben zur 950-Jahr-Feier. Franz Wild: Zur Postgeschichte von Peggau. Herausgegeben vom Briefmarkentauschverein Peggau-Deutschfeistritz-Übelbach.
Weblinks
Lurgrotte Peggau: Lurgrotte Peggau Offizieller Internetauftritt (abgerufen am 27. April 2015) ARGIS Archäologie Service: Mittelpaläolithischer Lagerplatz in der Lurgrotte-Peggau (Steiermark) (abgerufen am 27. April 2015) Wehrbauten in Österreich: Burgruine Peggau (abgerufen am 27. April 2015)
Einzelnachweise
Kategorie:Grazer Bergland Kategorie:Ort an der Mur Kategorie:Ort im Einzugsgebiet Rötschbach Kategorie:Ersterwähnung 1050