mini|Der engere Vorstand des Bundes der Landwirte um 1900, links Diederich Hahn, Mitte Conrad Frhr. v. Wangenheim, rechts Gustav Roesicke Ulrich Conrad (oder Konrad) Freiherr von Wangenheim (* 17. September 1849 in Neu Lobitz, Kreis Dramburg; † 10. Juni 1926 in Klein Spiegel, Kreis Saatzig) war ein deutscher Agrarfunktionär und Politiker (Deutschkonservative Partei, DVLP). Er war von 1898 bis 1920 Vorsitzender des Bundes der Landwirte und von 1898 bis 1903 Mitglied des Reichstages.

Leben Conrad von Wangenheim entstammte dem ursprünglich thüringischen Adelsgeschlecht Wangenheim. Er war das jüngste Kind des Kammergerichtsrats Karl von Wangenheim (1797–1853). Der Gutsbesitzer und Politiker Ernst von Wangenheim (1829–1890) war sein älterer Bruder, der Landrat Carl von Wangenheim sein Neffe (1860–1931).Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser 1892, 42. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1891, S. 967–968. Er selbst besuchte das Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin.Heinz Wegener: Das Joachimsthalsche Gymnasium – die Landesschule Templin. Berlin Story Verlag, 2007, ISBN 3-929829-62-2, S. 511f. (Google bücher) Anschließend studierte er an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Rechtswissenschaft und wurde 1869 im Corps Hansea Bonn aktiv.Kösener Corpslisten 1960, 11/187. 1870/71 nahm er am Deutsch-Französischen Krieg teil. Danach bewirtschaftete er sein Gut Klein Spiegel im pommerschen Kreis Saatzig, wobei er sich Verdienste in der Entwicklung der Moorkultur erwarb.

Im Februar 1893 war Wangenheim einer der Mitbegründer des Bundes der Landwirte (BdL), einer Interessenvertretung der Landwirtschaft, in der nicht nur Gutsbesitzer, sondern auch die Bauernschaft stark vertreten war. Der BdL-Vorsitzende Berthold von Ploetz und Gustav Roesicke (beides ostelbische Großgrundeigentümer) trugen maßgeblich dazu bei, den BdL zu einer einflussreichen Interessenvertretung zu machen. Als Ploetz im Juli 1898 starb, wurde von Wangenheim BdL-Vorsitzender und blieb es bis 1920. 1913 wurde er Vorsitzender der pommerschen Landwirtschaftskammer in Stettin. Er war Mitglied im Deutschen Landwirtschaftsrat. 1921 brachte er den Bund in den Reichslandbund ein, der durch die Vereinigung rechtsgerichteter Bauernverbände entstanden war.

mini|Conrad Frhr. v. Wangenheim 1924,Fotograf: Robert Sennecke Er wurde bei der Reichstagswahl 1898 für die Deutschkonservative Partei in den Reichstag gewählt und blieb dies während der Legislaturperiode bis 1903. Im Herbst 1898 wurde er auch zum Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses gewählt.

1917 schloss er sich der von Großadmiral Tirpitz und anderen konservativen Politikern gegründeten alldeutsch und Deutschen Vaterlandspartei an und arbeitete zusammen mit Wolfgang Kapp und Heinrich Claß am Aufbau ihres politischen Apparats. Die Partei, eine außerparlamentarische Bewegung mit dem Anspruch auf Integration aller rechten Parteien und Verbände, war eine Sammlung von Gegnern eines Verständigungsfriedens und führte, in Opposition zur Reichstagsmehrheit, den Kampf gegen die Friedensresolution. In ihrer Hochphase, im Sommer 1918, hatte die Partei über 1.250.000 Mitglieder.

In der Reichsregierung, die Wolfgang Kapp, General Walther von Lüttwitz und ihre Mitverschwörer im sogenannten Kapp-Putsch im März 1920 einsetzen wollten, war Conrad von Wangenheim als Landwirtschaftsminister vorgesehen. 1921 wurde er zum Vorsitzenden des Provinziallandtags der Provinz Pommern gewählt.Bert Becker: Revolution und rechte Sammlung: Die Deutschnationale Volkspartei in Pommern 1918/19. In: Siegfried Bahne, Bert Becker, Horst Lademacher (Hrsg.): Geist und Gestalt im historischen Wandel. Facetten deutscher und europäischer Geschichte 1789–1989. Festschrift für Siegfried Bahne. Waxmann, 2000, ISBN 978-3-89325-849-9, S. 213 (online bei Google Books).

Conrad von Wangenheim heiratete 1875 in Zuchow die dortige Gutsbesitzertochter Hedwig von Klitzing. Das Paar bekam sechs Kinder, darunter Hans Walrab von Wangenheim (* 1884), der Direktor der pommerschen Landwirtschaftskammer und Zeitungsverleger wurde.

Ehrungen Unvollständige Liste Wangenheimstraße in Berlin-Grunewald (1891) Roter Adlerorden IV. KlasseOrden und ihre Reihenfolge nach Handbuch für das Deutsche Reich. 1918, S. 215 (Digitalisat bei HathiTrust) Königlicher Kronen-Orden (Preußen) III. Klasse Eisernes Kreuz am weißen Bande Ehrenkreuz des Greifenordens Militärverdienstkreuz (Mecklenburg) II. Klasse Ritter I. Klasse des Oldenburgischen Haus- und Verdienstordens des Herzogs Peter Friedrich Ludwig

Schriften Innere Kolonisation. In: Philipp Zorn, Herbert von Berger (Schriftleitung): Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. Hrsg. von Siegfried Körte, Friedrich Wilhelm von Loebell u. a. 3 Bände. R. Hobbing, Berlin 1914. Bund der Landwirte. In: Handbuch der Politik, Berlin und Leipzig 1914

Siehe auch Wangenheim (Adelsgeschlecht) Liste von Mitgliedern des Adelsgeschlechtes von Wangenheim Liste der Reichstagsabgeordneten des Deutschen Kaiserreichs (10. Wahlperiode)

Literatur Sigmund von Frauendorfer: Ideengeschichte der Agrarwirtschaft und Agrarpolitik im deutschen Sprachgebiet, Bd. 1, 2. Auflage, BLV Verlagsgesellschaft, München/Basel/Wien 1963, S. 370–371. Hans von Wangenheim: Conrad Freiherr von Wangenheim. Pommersche Lebensbilder, Bd. 1. Saunier, Stettin 1934, S. 351–369.

Weblinks

Klein Spiegel (Heimatkreis Saatzig) Nachlass Bundesarchiv N 2323

Einzelnachweise

Kategorie:Reichstagsabgeordneter (Deutsches Kaiserreich) Kategorie:Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses Kategorie:Mitglied des Provinziallandtages von Pommern Kategorie:Mitglied der Deutschen Vaterlandspartei Kategorie:Mitglied der Deutschkonservativen Partei Kategorie:Landwirtschaftskammerfunktionär Kategorie:Verbandsfunktionär (Deutschland) Kategorie:Mitglied im Deutschen Landwirtschaftsrat Kategorie:Landwirt (Deutschland) Kategorie:Verwaltungsjurist Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 4. Klasse Kategorie:Person im Deutsch-Französischen Krieg Kategorie:Träger des Preußischen Königlichen Kronenordens 3. Klasse Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes am weißen Bande Kategorie:Ehrenkreuz des Greifenordens Kategorie:Träger des Mecklenburgischen Militärverdienstkreuzes Kategorie:Ritter des Oldenburgischen Haus- und Verdienstordens des Herzogs Peter Friedrich Ludwig Kategorie:Corpsstudent (19. Jahrhundert) Conrad Conrad Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1849 Kategorie:Gestorben 1926 Kategorie:Mann