mini|Louise Stomps (1987) Louise Stomps (* 5. Oktober 1900 als Sophie Luise Adele Stomps in Berlin; † 22. April 1988 bei Wasserburg am Inn) war eine deutsche Bildhauerin und Grafikerin. Nach anfänglicher Orientierung an der Kunst der klassischen Moderne lösten sich ihre Arbeiten langsam und kontinuierlich von den figurativen Ursprüngen. Selbst ihre späteren, überwiegend abstrakten und ungegenständlichen Arbeiten lassen jedoch diesen figurativen Ursprung, in dem der menschliche Körper im Mittelpunkt steht, deutlich durchscheinen.

Leben mini|Louise Stomps 1987 auf ihrem Motorrad mit Beiwagen mini|Grabstätte Stomps auf dem Berliner Friedhof Zehlendorf (im Jahr 2023 aufgelöst, s. Text) (2019) mini|Umarmung, Bronze, Höhe 24 cm, 1966 (Foto: 2019)

Louise Stomps war das zweite Kind des Rechtsanwalts und Justiziars Otto Stomps (1860–1931) und dessen Frau Else, geb. Kempff (1873–1952). Ihr Bruder war der Schriftsteller und Verleger Victor Otto Stomps (1897–1970). Louise Stomps absolvierte 1917 das Elisabeth Lyceum in Berlin-Lichterfelde und besuchte anschließend ein Mädchenpensionat im bayerischen Feldafing. Im Jahr 1922 heiratete sie den Diplom-Ingenieur Hans Becker, in der Ehe wurden die Töchter Inge (1921–2003) und Annemarie (1922–2013) geboren. Nach ihrer Scheidung im Jahr 1927 zog sie mit den Töchtern ins elterliche Einfamilienhaus in der Teichstraße 10 (heute Leo-Baeck-Straße) in Berlin-Zehlendorf.

Stomps begann 1928 ihre künstlerische Ausbildung mit dem Besuch der Akt-Abendklasse von Johannes Röttger an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst. Kurz darauf erhielt sie die Ausnahmegenehmigung, die Räume der Abendklasse auch tagsüber für ihre Arbeit zu nutzen. Parallel dazu besuchte sie die Bildhauerklasse von Milly Steger beim Verein der Berliner Künstlerinnen, dessen Mitglied sie von 1928 bis 1943 war. Dennoch bildete sich Stomps überwiegend autodidaktisch weiter. 1932 hatte sie ihr erstes eigenes Atelier, das sie gemeinsam mit der Bildhauerin Lidy von Lüttwitz nutzte, zunächst in Berlin-Grunewald, später in der Wilmersdorfer Schaperstraße Nr. 32. Mit Lüttwitz unterhielt sie für einige Zeit eine Liebesbeziehung und später eine lebenslange Freundschaft.

Nicht nur die Behinderung ihrer künstlerischen Arbeit, sondern vor allem auch ihre entschiedene Ablehnung des Nationalsozialismus führte dazu, dass sie – nach wenigen Ausstellungsbeteiligungen vor der Machtergreifung – in den Jahren 1933 bis 1945 in die innere Emigration ging. Abgeschieden vom Wirken anderer Künstler arbeitete sie weiter im Verborgenen und unter schwierigsten materiellen Bedingungen. 1934 trat sie aus Protest gegen den Ausschluss von Käthe Kollwitz und Ernst Barlach aus der Reichskulturkammer aus. Während des Zweiten Weltkriegs wurden 1943 sowohl ihre Wohnung Achenbachstraße Nr. 3 als auch ihr Atelier (seit Ende der 1930er Jahre in der Neuen Grünstraße Nr. 40) durch Luftangriffe auf Berlin zerstört und damit auch viele ihrer Arbeiten.

Nach Kriegsende war Stomps unter der sowjetischen Besatzung wegen Spionageverdachts für sechs Wochen inhaftiert. Anschließend mietete sie ein Atelier in der Schillerstraße 21 und nahm in Berlin ihre Ausstellungstätigkeit wieder auf. Insbesondere stellte sie in der Galerie Gerd Rosen Markus Krause: Galerie Gerd Rosen. Ars Nicolai, Berlin 1995, ISBN 3-89479-070-9 im Rahmen des Künstlerkreises der Galerie aus. Das Angebot, die Leitung der Klasse für Holzbildhauerei an der Staatlichen Hochschule für Baukunst und Bildende Künste Weimar zu übernehmen, lehnte sie 1947 ab. 1950 wurde sie Mitbegründerin des Berufsverbandes Bildender Künstler Berlin. Von 1949 bis Ende der 1950er Jahre lebte und arbeitete sie im Souterrain ihres inzwischen vermieteten Hauses in Berlin-Zehlendorf. Im Jahr 1958 nahm sie am Wettbewerb Internationales Denkmal für Auschwitz teil.

Ihre zweite Schaffensperiode verbrachte Stomps seit 1960 in Rechtmehring in Oberbayern, wo sie eine alte Wassermühle, die Kumpfmühle, erwarb. Sie setzte dieses bereits im Verfall begriffene Haus aus dem 14. Jahrhundert eigenhändig instand und richtete ein Atelier ein, in dem sie auch über drei Meter hohe Skulpturen bearbeiten konnte. Noch in Berlin hatte Stomps 1958 ein gebrauchtes BMW-Polizeimotorrad mit Beiwagen gekauft, das ihr im ländlichen Oberbayern eine hohe Mobilität ermöglichte. Sie reiste damit u. a. mehrfach nach Italien, einmal bis nach Paestum, südlich von Neapel. Als ihr altes Motorrad über 30 Jahre alt war, erwarb sie 1984 eine rote Yamaha XS 650 mit Seitenwagen, die sie bis zum Lebensende fuhr.

Louise Stomps starb am 22. April 1988 nach einem Unfall mit ihrem Motorrad. Beigesetzt wurde sie auf dem Berliner Friedhof Zehlendorf (Feld12-204/206) neben ihren Eltern und ihrem Bruder. 2003 wurde hier auch ihre ältere Tochter Inge Becker-Schrader beigesetzt. Die Grabskulptur Mutter Erde hatte sie um 1935 nach Tod und Beisetzung des Vaters geschaffen.Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 679 Die Grabstätte von Louise Stomps wurde 1990 zum Ehrengrab des Landes Berlin. Im Jahr 2023 wurde die Grabstätte aufgelöst und die Skulptur Mutter Erde gelangte durch Schenkung der Erben an das Georg Kolbe Museum, Berlin. Sie steht im großen Garten des Museums am Rondell des Tänzerinnenbrunnens von Georg Kolbe.

Werk mini|hochkant|Skulptur mit Baum im Garten der Kumpfmühle (Foto: 1987) mini|hochkant|Skulptur auf dem Vorplatz der Sparkasse Wasserburg: Entstehung, Granit, 1975, Höhe 155 cm (Foto: 2007) mini|hochkant|Bronzeskulpturen Skulpturenweg Wasserburg: Pilger (1966), Höhe 303 cm; Asket (1962), Höhe 285 cm; Gilgamesch, (1980), Höhe 320 cm – von links nach rechts (Foto: 2007) mini|hochkant|Norne (1985), Salingarten, Rosenheim (Foto: 2019) 1927/28 entstanden erste Skulpturen, vorwiegend Arbeiten in Holz und Gips, ab 1933 auch zahlreichere Arbeiten in Stein. In diesen Jahren schuf sie auch die ersten Porträtplastiken einiger Autoren der Rabenpresse, beispielsweise Walther G. Oschilewski und Alfred Richard Meyer. In späteren Jahren entstanden weitere Porträts (Gips/Bronze), u. a. von Theodor WernerPinakothek Münchenneben drei weiteren Arbeiten von Louise Stomps und Hanna Bekker vom RathMarian Stein-Steinfeld Kurzbiografie mit Abbildung der Porträtplastik Hanna Bekker vom Rath.

Von 1933 bis Anfang der 1950er Jahre entstanden zahlreiche Arbeiten in Gips, von denen allerdings zu dieser Zeit – insbesondere aus wirtschaftlichen Gründen – nur wenige Bronzeabgüsse gefertigt wurden. 1943 verliert Stomps durch Bombenangriffe ihre Wohnung und ihr Atelier. Fast alle ihrer Arbeiten wurden dabei zerstört oder haben die zahlreichen Atelierwechsel der Kriegs- und Nachkriegszeit nicht überdauert. Nur wenige hat sie zum Schutz vor Bombenangriffen vergraben und damit retten können.

Nach ihrem Umzug nach Bayern im Jahr 1960 wandte sich Stomps zunehmend dem Material Holz zu. Ganz sicher hatte sie dort leichteren Zugang zu gutem Ausgangsmaterial und zweifellos haben sie auch die regionalen Traditionen angeregt. Vor allem aber erschlossen sich ihr in der Arbeit mit dem Material Holz ganz eigene Möglichkeiten, der Natur zu folgen, indem sie Wuchs und Maserung nicht als Einschränkung, sondern als Anregung aufnahm. Von äußeren Einflüssen noch weniger als zuvor berührt, hat sie bis zu ihrem Tod im Alter von 87 Jahren an ihrer sehr eigenständigen Entwicklung gearbeitet.

Ausstellungen (unvollständig) Einzelausstellungen 1947: Louise Sophie Stomps. Plastiken, Galerie Gerd Rosen, Berlin 1958: Louise Stomps Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt am Main 1960/61: Louise Stomps. Skulptur, Galerie Diogenes, Berlin 1964: Louise Stomps, Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt am Main 1966: Louise Stomps. Holzskulpturen 62-66, Rathaus Kreuzberg, Berlin 1968: Louise Stomps. Holzskulpturen, Galerie Günther Franke, München 1970: Louise Stomps. Skulpturen und Zeichnungen, Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt am Main 1975: Louise Stomps. Skulpturen, Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt am Main 1979: Louise Stomps. Skulpturen 1928–1979, Galerie der Künstler, München 1980: Louise Stomps, Städtische Galerie RosenheimHans Kiessling: Begegnungen mit Bildhauern. Münchner Kunstszene 1955–1982. EOS Verlag, St. Ottilien 1982, ISBN 3-88096-183-2, S. 526 ff. Postum 1990: Louise Stomps 1900–1988. Gedächtnis-Ausstellung, Galerie im Ganserhaus, Wasserburg am InnMichael Freitag, Berthold Kogut (Hrsg.): Louise Stomps 1900–1988. Katalog zur Ausstellung des Arbeitskreises 68 (Wasserburg) 1994: Louise Stomps. Zeichnungen früher Jahre, Galerie Wegmann, Grafing bei München 2021/22: Louise Stomps. Natur Gestalten. Skulpturen 1928–1988, Das Verborgene Museum zu Gast in der Berlinischen Galerie, Berlin 2026: Louise Stomps. Konturen des Inneren, Käthe Kollwitz Museum Köln

Ausstellungsbeteiligungen

1934: Frühjahrsausstellung der Preußischen Akademie der Künste, Berlin

1945: Plastik und Bildhauerzeichnungen, Galerie Gerd Rosen, Berlin 1947: 2. Jahresschau Künstlerkreis Gerd Rosen, Galerie Gerd Rosen, Berlin 1971: Die zwanziger Jahre (II). Deutsche Kunst von 1924 – 1933, Galerie Nierendorf, Berlin 1980: Der Kuss – Liebespaare in Graphik und Plastik des 20. Jahrhunderts, Altes Museum, Berlin Postum 2000–2001: Drei Bildhauerinnen. Emy Roeder, Louise Stomps, Wanda Pratschke, Stadtmuseum Hofheim am TaunusAusstellungskatalog (Kuratierung und Redaktion: Marian Stein-Steinfeld), Hofheim 2000, ISBN 3-933735-20-3 2013: Künstlerinnen im Dialog – Gemälde, Fotografien, Skulpturen (mit Skulpturen und Zeichnungen), Das Verborgene Museum, Berlin 2015–2017: Porträt Berlin. Künstlerische Positionen der Berliner Nachkriegsmoderne 1945 – 1955, Kunsthaus Dahlem, Berlin 2015–2016: Die schwarzen Jahre. Geschichten einer Sammlung 1933 – 1945, Neue Galerie im Hamburger Bahnhof, organisiert durch die Nationalgalerie (Berlin), 2017: Künstlerinnen im Dialog – Drei Tassen und eine japanische Puppe (mit Zeichnungen), Das Verborgene Museum, Berlin 2018: Die erste Generation. Bildhauerinnen der Berliner Moderne, Georg Kolbe Museum, BerlinJulia Wallner: Form und Abstraktion – "Das ist Natur". In: Julia Wallner, Günther Ladwig (Hrsg.): Die erste Generation. Bilhauerinnen der Berliner Moderne, Georg Kolbe Museum, Berlin 2018, ISBN 978-3-9819776-0-8 2018–2019: Bildhauerinnen in Deutschland, Kunsthalle Vogelmann, Heilbronn; Gerhard-Marcks-Haus, BremenMarc Gundel, Arie Hartog, Frank Schmidt (Hrsg.): Bildhauerinnen in Deutschland. Wienand, Köln 2019, ISBN 978-3-86832-520-1 2019–Februar 2020: Das weibliche Statement. Künstlerinnen im 20. Jahrhundert, Salongalerie „Die Möwe“, Berlin Salongalerie "Die Möwe"mit 9 Skulpturen und 9 Grafiken von Louise Stomps 2023: Die Abstraktion der Dinge. Marianne Mangels im Dialog mit Louise Stomps. Haus Coburg – Städtische Galerie Delmenhorst 2025: Kühne Frauen. Von Leidenschaft und Widerstand in der Kunst; mit Inge Flierl, Margarete Kubicka, Katja Meirowsky, Margarethe Moll, Erna Schmidt-Caroll und Johanna Schütz-Wolff. Salongalerie „Die Möwe“, Berlin

Ehrungen 1951: Berliner Kunstpreis 1953: Anerkennung beim internationalen Wettbewerb für das Denkmal des unbekannten politischen Gefangenen, London1953 fanden eine Ausstellung in Berlin (Januar: Haus am Waldsee, Ausstellung der deutschen und schweizerischen Modelle für den Londoner Wettbewerb) sowie zwei Ausstellungen in London (März: Ausstellung der Preisträger | Dezember: New Burlington Gallery, German Skulptors) statt, an denen Louise Stomps beteiligt war

Arbeiten im öffentlichen Raum und in Museen Rosenheim, Bronzeabguss (1985) der Holzskulptur Norne im Salingarten der Stadt Wasserburg am Inn, drei Bronzeskulpturen, Skulpturenweg am Inn Wasserburg am Inn, Granitskulptur auf dem Vorplatz der Kreissparkasse (s. Abbildung) Skulpturenweg in Obing (Oberbayern) mit einer Skulptur aus grauem Granit