Das Museum für Kommunikation ist ein interaktives Museum zum Thema Kommunikation in der Schweizer Hauptstadt Bern. Es wurde 2019 mit dem Museumspreis des Europarates ausgezeichnet.The Museum of Communication (Bern, Switzerland) wins 2019 Museum Prize, pace.coe.int, 7. Dezember 2019 Gegründet wurde es 1907 als Firmenmuseum der Schweizerischen Post (der späteren PTT).Das Schweizerische PTT Museum. Hrsg. PTT Museum. Bern 1990, S. 5. Die thematische Öffnung und die Umbenennung in Museum für Kommunikation erfolgten mit der Umstrukturierung zu einer Stiftung der Schweizerischen Post und der Swisscom AG.Museum für Kommunikation, Bern. Dauerausstellungen 2003 – 2016. Hrsg. Museum für Kommunikation. Bern 2015, S. 8. Seit der letzten Neukonzipierung und der Wiedereröffnung der Dauerausstellung 2017 stellt das Museum die Museumsgäste gänzlich in den Mittelpunkt.Kommunikator_innen im Museum für Kommunikation. Konzept, Ausbildung, Publikumsaktivitäten, Stimmen. Hrsg. Museum für Kommunikation, Bern 2017, S. 4. Das Museum für Kommunikation ist mit zehn anderen Institutionen Teil vom Museumsquartier Bern.

Wechselausstellungen Seit dem Umzug in sein erstes eigenes Museumsgebäude 1990 führt das Museum für Kommunikation regelmässig Wechselausstellungen durch.Das Schweizerische PTT Museum. Hrsg. PTT Museum. Bern 1990 und Museum für Kommunikation, Bern. Dauerausstellungen 2003 – 2016. Hrsg. Museum für Kommunikation. Bern 2015. Mit diesen thematisiert das Museum gesellschaftliche und kulturelle Auswirkungen der Kommunikation und ihrer Technologien und vertieft überraschende Aspekte der Kommunikation.Museum für Kommunikation, Bern. Dauerausstellungen 2003 – 2016. Hrsg. Museum für Kommunikation. Bern 2015, S. 126–129. In den letzten Jahren waren dies etwa die Funktion von Hemmungen, die Kunst des AlternsMuseum für Kommunikation Bern: Dialog mit der Zeit. Wie lebe ich, wenn ich alt bin? Art-TV, 15. Januar 2016 oder die Herausforderungen und Potenziale der Stille. Diese Ausstellung «Sounds of Silence» gewann mehrere internationale Preise, darunter den iF Design Award vom iF Industrie Forum Design. Der anfängliche Rhythmus von jährlich drei bis vier solcher Wechselausstellungen reduzierte sich später auf eine. Diese Strategie zeitigt, basierend auf den Besucherzahlen, Erfolge: Sowohl für 2023 als auch für 2024 konnten Besucherrekorde verzeichnet werden und es wurden spezifisch die Sonderausstellungen als Grund für die Erfolge genannt.

Kernausstellung

Nach einer einjährigen Umbauphase feierte das Museum für Kommunikation Bern am 17. August 2017 die Vernissage seiner neuen permanenten Ausstellung.Die Technik ist Mittel, nicht Zweck. Sonntagsinterview mit Jacqueline Strauss. Bieler Tagblatt. 19. August 2017 (Paywall)«Lauter Anstifter.» Das Berner Museum für Kommunikation hat sich erneuert: Der Alltag zählt mehr als die Technik - und die eigene Auseinandersetzung mehr als die Vermittlung von fertigem Wissen. In: Der Bund. 18. August 2017«Es dreht sich alles um dich.» Das Berner Museum für Kommunikation umgestaltet. In: NZZ. 19. August 2017. Sie macht die Allgegenwart der Kommunikation sowie deren analoge und digitale Bereiche spielerisch erfahrbar. Im Zentrum stehen das Begegnen, Experimentieren und verständliche Inszenieren. Das Wissen rund um die Ausstellungsinhalte wird auch durch ständig anwesende Kommunikatoren vermittelt sowie durch die Förderung des Austauschs der Gäste untereinander. Die Kommunikatoren haben nichts mehr mit dem klassischen Aufsichtspersonal in Museen zu tun, sondern suchen den direkten Dialog mit den Museumsgästen.Kommunikator_innen im Museum für Kommunikation. Konzept, Ausbildung, Publikumsaktivitäten, Stimmen. Hrsg. Museum für Kommunikation, Bern 2017. Für dieses interaktive Gesamtkonzept und die personelle Vermittlung gewann das Museum für Kommunikation 2019 den Museumspreis des Europarates.

Chronologie der Dauerausstellungen

Postmuseum und PTT-Museum als Firmenmuseum Seit seiner Gründung 1907 präsentiert das Museum Dauerausstellungen. Nach der Aufbauphase im Hauptpostgebäude in Bern und einer Schliessung aufgrund der Mobilmachung während des Ersten Weltkrieges wurde die gezeigte Briefmarkensammlung hauptsächlich von Philatelisten besucht.Das neue PTT Museum. PTT (Red.), Bern, S. 9.

Nach dem Umzug in den Neubau des Alpinen Museums der Schweiz schlug die Museumsleitung vor, «dem Postmuseum etwas mehr Gegenwarts- und Gebrauchswert»Zitiert aus Das neue PTT Museum. PTT (Red.), Bern, S. 11. zu verleihen. Entwickelt wurde eine modernere Ausstellung, die bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs jährlich rund 12'000 Besuchende ins Museum lockte.Das neue PTT Museum. PTT (Red.), Bern, S. 11.

Nach Kriegsende konnte das Museum wieder normale Öffnungszeiten anbieten und die Forschungs- und Sammeltätigkeit wieder aufnehmen. Darüber hinaus beteiligte es sich an Schaufensterausstellungen in unterschiedlichen Landesteilen und an regionalen Messen und kulturellen Veranstaltungen. Dies wirkte sich positiv auf die Bekanntheit und die Besuchszahlen aus.Das neue PTT Museum. PTT (Red.), Bern, S. 11ff.

Mit dem Bau eines eigenen PTT-Museums (Eröffnung 1990) sollten die drei wesentlichen Ausstellungsbereiche miteinander verbunden und für die Besuchenden als Ganzes erlebbar gemacht werden: die Postgeschichte, die Geschichte des Fernmeldewesens und die Wertzeichensammlung. Ziel war es, «die PTT als Kommunikations-Vermittlerin ganzheitlich und umfassend darzustellen».Zitiert aus Das neue PTT Museum. PTT (Red.), Bern, S. 29. Die Ausstellung sollte auch für Laien aufschlussreich und verständlich sein. Man wollte die Ausstellungsstücke im gesellschaftlichen Umfeld zeigen. Die Exponate sollten zudem in einer «didaktisch durchdachten Weise präsentiert und anhand thematisch leicht überschaubarer Leitideen gruppiert»Zitiert aus Das neue PTT Museum. PTT (Red.), Bern, S. 44. werden. Zusätzlich sollten Besucher aktiv in nachgestellte Realsituationen eingreifen können. Beispiele dafür sind Stationen zum Schreiben von Briefen sowie zur Simulation von Sender und Empfängerin.Das neue PTT Museum. PTT (Red.), Bern, S. 44.

Museum für Kommunikation als Themenmuseum Mit der Änderung des rechtlichen Rahmens zu einer Stiftung und dem neuen Namen wurde das Museum für Kommunikation 1997 in die Selbstständigkeit überführt. Dies machte es möglich, die historischen Sammlungsgegenstände in einen grösseren thematischen und zeitlichen Zusammenhang von Kommunikation zu stellen.Museum für Kommunikation, Bern. Dauerausstellungen 2003 – 2016. Hrsg. Museum für Kommunikation. Bern 2015, S. 8.

1998 verabschiedete der Stiftungsrat ein Grobkonzept für die neue Ausstellung, die das Publikum aktiv in das Geschehen einbeziehen sollte. Ziel war es, nicht nur rationale Bildungsinhalte, sondern auch emotionale Erlebnisse und Erfahrungen zu vermitteln. 1999 zählte das Museum für Kommunikation Bern 36'297 Besuchende.Jahresbericht 2019. Museum für Kommunikation. Jahresberichte Online.

Im Jahr 2000 wurde die Umsetzung etappenweise in Angriff genommen. Dafür wurde das Museumsgebäude mit einem Veranstaltungsraum, einer Cafeteria und einem Shop baulich erweitert. 2003 eröffnete das erste Drittel der Dauerausstellung mit dem Namen «Abenteuer Kommunikation», der später in «nah und fern: Menschen und ihre Medien» umbenannt wurde.Museum für Kommunikation, Bern. Dauerausstellungen 2003 – 2016. Hrsg. Museum für Kommunikation. Bern 2015, S. 9.

2007 wurden die anderen beiden Teile der dreiteiligen Dauerausstellung eröffnet: «As Time Goes Byte: Computer und digitale Kultur» sowie «Bilder, die haften: Welt der Briefmarken». Damit schloss das Museum die Gesamterneuerung ab und stellte seine mehrteilige Dauerausstellung unter das Motto «Abenteuer Kommunikation».Museum für Kommunikation, Bern. Dauerausstellungen 2003 – 2016. Hrsg. Museum für Kommunikation. Bern 2015, S. 68f. Die Besuchszahlen erreichten nun erstmals die 80’000er-Marke.

Im November 2012 begann die Initialisierungsphase einer Gesamterneuerung des Museumskonzepts für ein interaktives, zeitgemässes Museum für Kommunikation. Nach einer einjährigen Umbauphase eröffnete 2017 die neue Kernausstellung.

Seitdem sind die Besuchszahlen stark gestiegen. 2019 besuchten insgesamt 115'664 Personen das Museum für Kommunikation. Innerhalb von 20 Jahren hat es damit seine Besuchszahlen mehr als verdreifacht. 2023 ein absolutes Rekordjahr für das Museum mit 128'491 Besuchenden. Bereits Ende November 2024 egalisierte das Museum für Kommunikation den Besuchsrekord, den es im Vorjahr aufgestellt hatte und erwartete 135'000 Besuche. Schliesslich wurden es 140'000 im Jahr 2024.

Um den Aufgaben in einer Gesellschaft im schnellen technologischen Wandel gerecht zu werden, wurde 2019 eine digitale Strategie erarbeitet. Sie zielt mit den Schwerpunkten digitale Präsenz, Kultur der Teilhabe und kulturelles Gedächtnis darauf ab, die Stärken des Museums auch im digitalen Raum zugänglich zu machen.Christian Rohner: Das Museum ist bis auf weiteres geschlossen. In: Schweizer Museumszeitschrift. 15, VMS & ICOM, 2020, S. 34–37. Online.

Geschichte, Architektur, Standorte

1901 erteilte Oberpostdirektor Anton Säger den Auftrag, Gegenstände und Dokumente aus früheren Zeiten des Postwesens zu sammeln. Bereits 1893 hatte er als Oberpostinspektor erstmals eine «Instruktion betreffend die Besorgnis des Archivs und des Postmuseums»Zitiert aus Das neue PTT Museum. PTT (Red.) Bern, S. 9. erlassen. 1907 wurde im Hauptpostgebäude am Bollwerk in Bern ein Postmuseum eröffnet.Das neue PTT Museum. PTT (Red.), Bern, S. 9.

Später wurde die PTT zur neuen Trägerin des Postmuseums. Wegen der räumlichen Erweiterung der Bollwerk-Telefonzentrale zog das Museum 1933 in das Untergeschoss des neuen Alpinen Museums der Schweiz am Helvetiaplatz. Der Neubau des Alpinen Museums im damals jungen Stadtquartier Kirchenfeld gehört zu den Beispielen des Neuen Bauens in Bern. 1949 wurde das Postmuseum in PTT-Museum umbenannt. Weil die eigene Sammlung laufend erweitert wurde und das Alpine Museum selbst mehr Platz beanspruchte, musste sich das PTT-Museum nach neuen Räumen umsehen.Das neue PTT Museum. PTT (Red.) Bern, S. 11ff.

Als Burgergemeinde, Stadt und Kanton ein Kulturgüterschutzzentrum im Kirchenfeld planten – das aber letztlich nur im Ansatz realisiert wurde – wurde ein Neubau eines eigenen PTT-Museums Tatsache: 1990 zog das Museum in den vom Architekten Andrea Roost entworfenen Bau an der Helvetiastrasse im Kirchenfeld-Quartier ein.Das neue PTT Museum. PTT (Red.), Bern, S. 13, 18–26, 28–33. Bis heute ist das sein Standort.

1997 wurde die PTT im Zug der Liberalisierung in die Schweizerische Post AG und die Swisscom AG aufgeteilt. Die beiden Unternehmen entschieden, die Schweizerische Stiftung für die Geschichte der Post und Telekommunikation zu gründen. Dabei wurde das PTT-Museum von einem Firmen- zu einem Themenmuseum erweitert und erhielt den heutigen Namen Museum für Kommunikation.Museum für Kommunikation, Bern. Dauerausstellungen 2003 – 2016- Hrsg. Museum für Kommunikation. Bern 2015, S. 5.

1998 erhielt die Stiftung den Auftrag von Post und Swisscom, das PTT-Archiv für sie zu verwalten. Die Archivräume befinden sich nicht im Museumsgebäude, sondern in Köniz bei Bern. Seit 1999 gehört auch der ehemalige Kurzwellensender Schwarzenburg zum Museum und wird seither als Depot genutzt. Zuvor lagerte das Museum seine Kulturgüter in mehreren kleineren Depots an verschiedenen Standorten. 2013 wurde das Depot in Schwarzenburg mit einem Holzbau nach dem Entwurf von Patrick Thurston erweitert. Der Holzbau wurde 2015 mit dem Prix Lignum in Gold ausgezeichnet.

Das Museum für Kommunikation ist Mitglied im Verein Museumsquartier Bern, der seit Juni 2021 die organisatorische Klammer für die Zusammenarbeit der Kulturinstitutionen im Museumsquartier bildet.

Sammlungen