mini|Porträt Ernst Koch, 1969 Ernst Koch (* 17. Dezember 1930 in Nieder Langenau, Landkreis Görlitz, Provinz Niederschlesien; heute Dłużyna Dolna) ist ein deutscher lutherischer Theologe.
Leben Koch, ein Sohn des Superintendenten Hans Koch, legte 1949 das Abitur in Görlitz ab und studierte anschließend bis 1954 Theologie an der Universität Halle-Wittenberg und an der Universität Leipzig. 1956/57 verbrachte er ein Studienjahr an der Universität Zürich. In Leipzig wurde er 1960 über das Thema Die Theologie der Confessio Helvetica posterior bei Ernst Sommerlath promoviert. 1959 wurde er in Eisenach in das geistliche Amt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen ordiniert. Ab 1959 arbeitete er als Studieninspektor am Ursula-Cotta-Heim, einem kirchlichen Schülerheim in Eisenach, ab 1961 als Pfarrstellenverwalter bzw. Pfarrer in Körner (bei Mühlhausen/Thüringen). Ab Februar 1964 setzte er sich gegen die Einführung der Frauenordination in seiner Landeskirche ein. Von 1969 bis 1976 leitete er als Rektor das Predigerseminar in Eisenach. Ab 1976 war er Dozent (mit Schwerpunkt auf Kirchengeschichte und Philosophie) am Theologischen Seminar Leipzig, dessen Rektor er von 1982 bis 1984 war. 1991 erfolgte die Habilitation über Studien zu Theologie und Frömmigkeit in Spätreformation und Frühorthodoxie an der Kirchlichen Hochschule in Naumburg. Mit der Auflösung des Theologischen Seminars 1992 wurde er Rektor der Ausbildungsstätte für die Aus- und Weiterbildung der thüringischen Pfarrvikare in Reinhardsbrunn. 1995 schied er aus dem Dienst aus.
Seit 2000 war er Honorarprofessor an der Theologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Bis 2017 lehrte er als Gastdozent an der Lutherischen Theologischen Hochschule Oberursel. Im Jahr 2003 erhielt er den Hermann-Sasse-Preis der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK). 2005 ehrte ihn das Concordia Seminary in St. Louis, Missouri mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde. Er ist Mitglied der Historischen Kommission für Thüringen und seit 2001 Ehrenvorsitzender der Gesellschaft für Thüringische Kirchengeschichte e. V.Vorstand. In: kirchengeschichte-thueringen.de. Gesellschaft für Thüringische Kirchengeschichte e. V., abgerufen am 14. April 2026.
Ernst Koch ist verheiratet mit Anna-Margarethe Koch und hat sechs Töchter.
Koch hat sich in seinen Arbeiten zunächst mit Heinrich Bullinger auseinandergesetzt und erforschte in den folgenden Jahrzehnten schwerpunktmäßig Theologie und Frömmigkeit des Luthertums und legte dazu zahlreiche Aufsätze vor,Siehe hierzu und für die folgenden Themen beispielgebend die Aufsätze Ernst Kochs in: Studien zur Theologie- und Frömmigkeitsgeschichte des Luthertums im 16. bis 18. Jahrhundert (= Texte und Studien zum Protestantismus des 16. bis 18. Jahrhunderts. Band 3). Hrsg. von Matthias Richter und Johann Anselm Steiger. Spenner, Waltrop 2005, ISBN 3-89991-047-8 (Inhaltsverzeichnis). die sich zum Beispiel mit einzelnen Theologen (z. B. Johann Agricola), der Auslegung und Wirkung der Bibel (Hohelied) und Musikern wie Heinrich Schütz und Johann Sebastian BachU. a.: Ernst Koch: Tröstendes Echo. Zur theologischen Deutung der Echo-Arie im IV. Teil des Weihnachts-Oratoriums von Johann Sebastian Bach. In: Bach-Jahrbuch. Band 75, 1989, S. 203–211, doi:10.13141/bjb.v19892618.Ernst Koch: „Aus der Tieffen …“ – Zum Entstehungskontext der Kanatate BWV 131 von Johann Sebastian Bach. In: Bach-Jahrbuch. Band 95, 2009, S. 75–94, doi:10.13141/bjb.v20091860. sowie Lesegewohnheiten von Pfarrern und Volksfrömmigkeit beschäftigen. Darüber hinaus gilt er als Experte auf dem Gebiet der Thüringischen Kirchengeschichte.Johannes Schilling: Ernst Koch – doctor pietatis. Ein Lehrer der Frömmigkeit. In: Ernst Koch: Musik der Menschen und Musik der Engel. Frömmigkeitsgeschichtliche Beiträge zur lutherischen Musikkultur. Hrsg. von Stefan Michel und Johannes Schilling. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2021, ISBN 978-3-374-06797-8, S. 9–23 (e-bookshelf.de [PDF; 638 kB]). Im Jahr 2000 erschien in Leipzig seine Monographie Das konfessionelle Zeitalter – Katholizismus, Luthertum, Calvinismus (1563–1675).
Veröffentlichungen (Auswahl) Die Theologie der Confessio Helvetica Posterior (= Beiträge zur Geschichte und Lehre der reformierten Kirche. Band 27). Neukirchener Verlag des Erziehungsvereins, Neukirchen-Vluyn 1968, (455 S.; als Dissertation, Theologische Fakultät, Universität Leipzig, Leipzig 1962, ). Thüringer Wege im „Dritten Reich“. In: Thüringer Gratwanderungen. Beiträge zur fünfundsiebzigjährigen Geschichte der evangelischen Landeskirche Thüringens (= Herbergen der Christenheit. Sonderband 3). Hrsg. von Thomas A. Seidel im Auftrag der Evangelischen Akademie Thüringen und der Gesellschaft für Thüringische Kirchengeschichte e. V. Bearb. von Dietmar Wiegand. Leipzig 1998, ISBN 3-374-01699-5, S. 80–93. Das konfessionelle Zeitalter – Katholizismus, Luthertum, Calvinismus (1563–1675) (= Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen. Band II/8). Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2000, ISBN 3-374-01719-3. Studien zur Theologie- und Frömmigkeitsgeschichte des Luthertums im 16. bis 18. Jahrhundert (= Texte und Studien zum Protestantismus des 16. bis 18. Jahrhunderts. Band 3). Hrsg. von Matthias Richter und Johann Anselm Steiger. Spenner, Waltrop 2005, ISBN 3-89991-047-8. „Mit Gottes und der Landesfürsten Hülf.“ Die Reformation in der Residenzstadt Gotha und ihrer Umgebung (= Beiträge zur Reformationsgeschichte in Thüringen. Band 1). Vopelius, Jena 2015, ISBN 978-3-939718-75-8. Musik der Menschen und Musik der Engel. Frömmigkeitsgeschichtliche Beiträge zur lutherischen Musikkultur. Hrsg. von Stefan Michel und Johannes Schilling. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2021, ISBN 978-3-374-06797-8.
Literatur Gerhard Graf: Vestigia pietatis. Studien zur Geschichte der Frömmigkeit in Thüringen und Sachsen. Ernst Koch gewidmet (= Herbergen der Christenheit. Sonderband 5). Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2000, ISBN 3-374-01827-0. Johannes Schilling: Ernst Koch – doctor pietatis. Ein Lehrer der Frömmigkeit. In: Ernst Koch: Musik der Menschen und Musik der Engel. Frömmigkeitsgeschichtliche Beiträge zur lutherischen Musikkultur. Hrsg. von Stefan Michel und Johannes Schilling. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2021, ISBN 978-3-374-06797-8, S. 9–23 (e-bookshelf.de [PDF; 638 kB]).
Fernsehdokumentation Peter Grimm, Frank Wolfgang Sonntag: Der Einfluss des Theologischen Seminars Leipzig auf die Bürgerrechtsbewegung der DDR im Magazin FAKT der ARD vom 7. Oktober 2014, 21:45 Uhr (6:35 Min.; ).
Weblinks
Wolfgang Hirsch, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Referat Öffentlichkeitsarbeit: . In: uni-protokolle.de. Martin Bauer, 6. Dezember 2000 (Kurzbiografie; private Webseite; Quelle: idw)
Einzelnachweise
Kategorie:Lutherischer Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Lutherischer Theologe (21. Jahrhundert) Kategorie:Person des Christentums (DDR) Kategorie:Kirchenhistoriker (Theologe) Kategorie:Ehrendoktor einer Hochschule Kategorie:Lutherischer Geistlicher (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Friedrich-Schiller-Universität Jena) Kategorie:Hochschullehrer (Lutherische Theologische Hochschule Oberursel) Kategorie:Mitglied der Historischen Kommission für Thüringen Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1930 Kategorie:Mann