Oberkirch ist eine Stadt im Westen Baden-Württembergs, etwa zwölf Kilometer nordöstlich von Offenburg. Sie ist nach der Kreisstadt Offenburg und den Städten Lahr/Schwarzwald, Kehl und Achern die fünftgrößte Stadt des Ortenaukreises und gehört zum Mittelbereich Offenburg im gleichnamigen Oberzentrum.

Seit dem 1. Januar 2004 ist Oberkirch eine Große Kreisstadt. Mit der Stadt Renchen und der Gemeinde Lautenbach ist die Stadt eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.

Geographie Geographische Lage mini|Blick Richtung Norden von der Ruine Schauenburg auf Oberkirch mini|Blick Richtung Süden von der Passstraße nach Kappelrodeck Oberkirch liegt am Rande der Oberrheinischen Tiefebene am Eingang des Renchtals in den Schwarzwald.

Die Rench betritt im Südosten vom Schwarzwald kommend das Stadtgebiet, durchfließt dann in nordwestlicher Richtung die Kernstadt (die Altstadt befindet sich am rechten Ufer), anschließend den Stadtteil Stadelhofen und verlässt das Stadtgebiet dann im Nordwesten in Richtung Rhein wieder. Zu Oberkirch gehören zwei Exklaven, die sich in der nördlichen Ortenau im Maiwald befinden.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Oberkirch. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt: Renchen, Kappelrodeck, Lautenbach, Oppenau, Nordrach, Durbach und Appenweier (alle Ortenaukreis).

Stadtgliederung Das Stadtgebiet Oberkirch gliedert sich in die Kernstadt und die im Rahmen der Gemeindereform der 1970er-Jahre eingegliederten Stadtteile Bottenau, Butschbach, Haslach, Nußbach, Ödsbach, Ringelbach, Stadelhofen, Tiergarten und Zusenhofen.

Die Stadtteile mit Ausnahme von Butschbach sind zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, das heißt, es gibt jeweils einen von den Wahlberechtigten bei jeder Kommunalwahl zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzenden. Die Ortschaftsräte haben zwischen sechs und zehn Mitglieder, je nach Größe der Ortschaft.

Zu einigen Stadtteilen gehören teilweise weitere Wohnplätze mit eigenem Namen, die meist nur sehr wenige Einwohner haben. In Oberkirch gibt es sehr viele Wohnplätze, da einige Stadtteile ausgesprochene Streusiedlungen sind. Andererseits gibt es auch neue Wohngebiete mit eigenem Namen, deren Grenzen meist jedoch nicht genau festgelegt sind.

Im Einzelnen gehören folgende Wohnplätze zu den Stadtteilen: zu Bottenau: Buseck, Diebersbach, Fröschhof, Herbstkopf, Hummelswald, Kaltenhof, Kernenhof, Korberg, Lerchenlochhof, Meisenbühl, Rohrbach, Rottelshalt, Saalengrund, Schlatten zu Butschbach: Albersbach, Eckenberg, Fürsteneck, Hesselbach, In der Rot, Köbelesberg, Schafhof zu Haslach: Waldeck zu Nußbach: Herztal, Müllen (teilweise), Neubergerhof, Weierhof zu Oberkirch: Gaisbach, Hilzen, Oberdorf, Schloßhof, Waldhof, Wolfhag zu Ödsbach: Bergle, Fiegenbach, Giedensbach, Gnadhof, Grimmersbach, Gründle, Hanselbach, Hengstbach, Heuberg, Hochkopf, Holdersberg, Laibach, Lendersbach, Löchle, Mooshof, Ötsch, Rank, Rotengaß, Scheuermatt, Sieferspring, Steinhof, Stöckert, Unrechtenbach, Vordere Allmend, Wäldenstraße, Weierhof zu Tiergarten: Hubeneck, Niederlehen, Springhöfe, Tanzberg zu Zusenhofen: Müllen (teilweise)

Geschichte Frühe Geschichte Oberkirch wurde im 11. Jahrhundert als Obernchirchen erstmals erwähnt. Die Siedlung wurde wohl von den Zähringern angelegt und lag nördlich der heutigen Stadt. Wohl nach 1218 kam der Ort an das Reich und wurde den Markgrafen von Baden zu Lehen gegeben. 1225 wurde es als civitas und später als oppidum erwähnt. 1246 wurde der Ort niedergebrannt und danach an heutiger Stelle neu erbaut. Über die Fürstenberger kam Oberkirch 1303 an das Hochstift Straßburg. 1326 wurden ihm die Stadtrechte verliehen. Bis auf wenige Unterbrechungen wurde es von den Straßburger Bischöfen beherrscht, doch war es teilweise zu Lehen vergeben (1604 bis 1634 und 1649 bis 1665 an Württemberg und 1683 bis 1697 an Baden). Im 15. Jahrhundert wurde Oberkirch Sitz eines Vogts, dem mehrere Gerichte im Umland unterstanden. Im Dreißigjährigen Krieg wurde es stark zerstört, ebenso 1689 (bis auf die Kirche), danach aber wieder aufgebaut.

19. und 20. Jahrhundert Im Jahr 1803 kam Oberkirch zu Baden und wurde Sitz eines Bezirksamtes, das 1936 aufgehoben wurde. Sein Gebiet wurde überwiegend dem Bezirksamt Offenburg zugeordnet, aus dem 1939 der Landkreis Offenburg hervorging.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte der Landkreis Offenburg zum Land Baden und ab 1952 zum Regierungsbezirk Südbaden. Bei der Kreisreform zum 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Offenburg aufgelöst. Er wurde dem neu gebildeten Ortenaukreis zugeordnet. Die Eingliederung von neun umliegenden Gemeinden Anfang der 1970er-Jahre schuf die Voraussetzungen, dass die Einwohnerzahl 2002 die 20.000-Grenzmarke überschreiten konnte. Daraufhin stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die Landesregierung von Baden-Württemberg dann mit Wirkung zum 1. Januar 2004 beschloss. Oberkirch wurde somit die fünfte Große Kreisstadt im Ortenaukreis.

Auch die Stadtteile haben eine lange Geschichte. Sie gehörten fast alle zum Gericht Oberkirch des Bistums Straßburg (Gaisbach war vor 1805 ein ritterschaftlicher Ort (Schauenburg), Nußbach und Zusenhofen gehörten zu Vorderösterreich), kamen alle mit Oberkirch 1805 an Baden und gehörten danach meist zum Amtsbezirk Oberkirch. Meisenbühl, Nußbach, Stadelhofen und Zusenhofen gehörten zunächst zum Amt Appenweier und kamen erst 1819 zum Bezirksamt Oberkirch, Ringelbach gehörte zum Bezirksamt Achern und kam ebenfalls 1819 zum Bezirksamt Oberkirch. Bei der Auflösung des Bezirksamts Oberkirch 1936 kamen alle Gemeinden zum Bezirksamt Offenburg sowie 1939 zum Landkreis Offenburg.

Ortsteile Bottenau wurde erst 1935 als selbständige Gemeinde gebildet. Der namensgebende Ort war 1296 als Botnowe erstmals erwähnt worden und gehörte bis 1935 zur Gemeinde Durbach. Die zu Bottenau gehörigen Weiler Diebersbach (1381 als Diepolczbach erwähnt) und Schlatten (1381 als „in dem Slatten“ erwähnt) gehörten bis 1935 zur Gemeinde Butschbach sowie Meisenbühl (1432 als „uff der Egesen“ erwähnt) zur aufgelösten Gemeinde Herztal. Herztal (1346 „zu Hetzelis“ erstmals erwähnt und heute zum Stadtteil Nußbach gehörig), war seit 1846 der Name der Gemeinde Meisenbühl, als diese aus mehreren Weilern neu gebildet worden war.

Butschbach wurde 1360 als Buspbach by Fursteneck, Haslach 1247 als Hasilach, Ödsbach im 11. Jahrhundert als Ongisbach, Ringelbach 1225 als „in dem Ringelbach“, Stadelhofen 1347 als Stadelhoven und Tiergarten 1319 als „in dem Thiergarten“ erstmals erwähnt und waren früh Teil des Hochstifts Straßburg, Gericht Oberkirch bzw. Oppenau.

Gaisbach, 1225 „in dem Geißbach“ erstmals erwähnt, entwickelte sich am Fuße der Schauenburg, die ein eigenständiges Territorium der Ritterschaft Ortenau ausmachte und kam 1805 an Baden.

Nußbach wurde 994 als Nuzbach und Zusenhofen im 12. Jahrhundert als Uzzenhöfen erstmals erwähnt. Diese Dörfer gehörten zur Landvogtei Ortenau, die vorderösterreichisch war.

Eingemeindungen Folgende Gemeinden wurden in die Stadt Oberkirch eingemeindet: 1827: Oberdorf 1837: Wolfhag 1872: Fernach 1936: Gaisbach 1939: Winterbach (nur teilweise, der Rest verblieb bei der Gemeinde Lautenbach) 1. Januar 1971: Butschbach (mit der 1837 eingegliederten Gemeinde Hesselbach) 1. Juli 1971: Haslach 1. Juli 1972: Ringelbach 1. Januar 1974: Stadelhofen, Tiergarten, Zusenhofen 1. Juli 1974: Nußbach (mit Teilen der 1935 aufgelösten Gemeinde Herztal) 1. Januar 1975: Bottenau (1935 aus einigen Weilern, darunter Teile der aufgelösten Gemeinde Herztal, gebildet) und Ödsbach

Einwohnerentwicklung Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). mini|500px|Oberkirch (Baden) Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner 1825 1.859 1834 1.524 1847 1.970 1855 1.960 1858 2.008 1. Dez. 1871 2.878 1. Dez. 1880 ¹ 3.052 1. Dez. 1900 ¹ 3.584 1. Dez. 1910 ¹ 4.369 16. Juni 1925 ¹ 4.721 16. Juni 1933 ¹ 4.865 17. Mai 1939 ¹ 5.350 1948 ¹ 6.121 13. Sept. 1950 ¹ 6.365 Jahr Einwohner 6. Juni 1961 ¹ 7.654 27. Mai 1970 ¹ 8.418 31. Dez. 1975 16.371 31. Dez. 1980 16.550 25. Mai 1987 ¹ 16.711 31. Dez. 1990 17.619 31. Dez. 1995 18.935 31. Dez. 2000 19.879 31. Dez. 2005 20.137 31. Dez. 2010 19.961 31. Dez. 2015 19.833 31. Dez. 2020 19.944 ¹ Volkszählungsergebnis

Religionen mini|hochkant|Turm der Sankt-Cyriak-Kirche

Der Name Oberkirch bezieht sich auf eine Kapelle, die vor dem 13. Jahrhundert der Kirche in Nußbach zugeordnet war. 1225 wurde eine bereits bestehende Kapelle durch den Straßburger Bischof Bertold von Teck zur ständig mit einem Geistlichen zu besetzenden Kirche erhoben und vom Kloster Allerheiligen mit Seelsorgern besetzt. 1803 kamen die Orte zum Bistum Konstanz, bevor diese 1821/27 Teil des neu gegründeten Erzbistums Freiburg wurden. Die Gemeinden gehörten dann zum Dekanat Oberkirch. Heute gehören alle Gemeinden im Oberkircher Stadtgebiet zum Dekanat Acher-Renchtal. Es gibt folgende katholische Gemeinden (zu ihren Kirchen vgl. bei Bauwerke): St. Cyriak Oberkirch (mit Butschbach und seit 1937 auch mit Ringelbach), St. Sebastian Nußbach (mit Bottenau), St. Jakob der Ältere Ödsbach (eigene Pfarrei seit 1932), St. Wendelin Stadelhofen (eigene Pfarrei seit 1887), St. Urban Tiergarten (eigene Pfarrei 1875) und St. Joseph Zusenhofen (eigene Pfarrei seit 1961). St. Aloysius Haslach war eine Filialgemeinde von Renchen-Ulm und ist heute Teil der Seelsorgeeinheit Oberkirch.

Anfang des 19. Jahrhunderts zogen auch Protestanten nach Oberkirch. Eine eigene Kirche erhielt die evangelische Gemeinde 1866. Die evangelische Kirche trägt seit dem 1. Advent 2016 den Namen Martin-Luther-Kirche. Zur evangelischen Gemeinde gehören auch die Protestanten aller neun Stadtteile: Bottenau, Butschbach, Ödsbach, Ringelbach, Tiergarten, Haslach, Stadelhofen, Nußbach und Zusenhofen. Die Evang. Kirchengemeinde Oberkirch gehört zum Evang. Kirchenbezirk Ortenau, Region Kehl, der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Gemäß Zensus 2011 waren 68,4 % der Bevölkerung Oberkirchs römisch-katholisch, 14,7 % evangelisch, 0,7 % orthodox und 14,9 % gehörten einer anderen oder keiner öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft an. Der Anteil der katholischen und evangelischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Derzeit sind 54 % der Einwohner katholisch und 12 % evangelisch.Bevölkerung im Renchtal steht zu den beiden großen Kirchen, abgerufen am 30. Mai 2025

Für die Muslime in Oberkirch, die überwiegend türkischer Herkunft sind, unterhält der Türkische Verein Oberkirch e. V. eine Moschee in der Oberdorfstraße.

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat wird für fünf Jahre direkt gewählt und hat 26 Mitglieder, die die Bezeichnung Stadträtin/Stadtrat führen.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu dem in nebenstehenden Diagrammen dargestellten Ergebnis.

Bürgermeister An der Spitze der Stadt Oberkirch stand der vom Bischof eingesetzte Schultheiß. Daneben ist seit 1327 ein Rat nachweisbar. In badischer Zeit leiteten Bürgermeister und Gemeinderat die Stadtverwaltung. Seit Erhebung zur Großen Kreisstadt 2004 trägt das Stadtoberhaupt die Amtsbezeichnung Oberbürgermeister. Dieser wird für eine Amtszeit von acht Jahren direkt gewählt. Er ist Vorsitzender des Gemeinderats. Sein allgemeiner Stellvertreter ist der Erste Beigeordnete mit der Amtsbezeichnung „Bürgermeister“.

Die Bürgermeister und Oberbürgermeister:

Wappen und Flagge

Die Stadtflagge ist rot-weiß-rot. Sie ist seit 1926 im Gebrauch.

Wappen der Ortsteile:

Städtepartnerschaften Oberkirch unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft: Draveil, Île-de-France, Frankreich, seit 1971 Haverfordwest, Wales, Vereinigtes Königreich, seit 1989 Oosterzele, Flandern, Belgien, seit 1991

Daneben unterhält Oberkirch freundschaftliche Kontakte zu: