mini|P-15 Das P-15 Tropa (, ) ist ein sowjetisches Radargerät zur Aufklärung tieffliegender Luftziele und Zielzuweisung. Es wurde 1955 in die Bewaffnung der Sowjetarmee eingeführt. Die Werksbezeichnung lautet 1РЛ13 (Transkription: 1RL13), der NATO-Codename Flat Face A.

Die Funktechnischen Truppen der NVA bezeichneten die Funkmessstation mit P-15 oder aus Geheimhaltungsgründen mit 03. Bei der Truppenluftabwehr (NVA) wurde das System auch als Rundblickstation 15, abgekürzt RBS-15 bezeichnet.

Entwicklung Die Entwicklung des P-15 begann 1952 im Forschungsinstitut NII-244 (НИИ-244) des Ministeriums für Verteidigung der Sowjetunion.РЛС П-15 „ТРОПА“ (russisch) Ziel war die Entwicklung eines Radargerätes zur Aufklärung tieffliegender Ziele. Gegenüber den Radarstationen P-8 und P-10 sollten die Genauigkeit und die taktische Beweglichkeit erhöht werden. Die Entwicklung der P-8 und der P-10 geht letztlich auf die von Großbritannien während des Zweiten Weltkrieges im Rahmen des Lend-Lease Act gelieferten British Light Warning Radar AA No 4 Mark II bzw. Mark III zurück. Die 30 gelieferten Geräte wurden in der Sowjetarmee als ORL-4 (ОРЛ-4) bezeichnet. Auf dieser Grundlage entstanden die 1946 eingeführten Radarstationen Most-2 und P-5. Ebenfalls 1946 eingeführt wurde die Radarstation P-3, die auf der sowjetischen Eigenentwicklung RUS-2 beruhte. Aus der P-3 und der P-5 entstand schließlich 1948 die P-8 und um 1950 schließlich die P-10. Alle diese Radargeräte sind Impulsradare, die im VHF-Bereich arbeiten. Der Frequenzbereich bedingte eine relativ große Antennenanlage, die als Gruppenantenne mit einzelnen Yagi-Antennen ausgeführt war. Dies machte den Aufbau kompliziert und langwierig, was zu einer geringen taktischen Beweglichkeit führte. Da die Abmessungen der Antennenanlage jedoch nicht beliebig groß gewählt werden konnte, waren die Genauigkeit der Winkelbestimmung und die Auflösung des Seiten- bzw. Höhenwinkels relativ gering. Mit dem Übergang zum UHF-Bereich konnten diese Nachteile weitgehend beseitigt werden. Alle Bestandteile der Station, einschließlich der Antennenanlage, konnten auf einem geländegängigen Lkw SiL-157 und einem Einachsanhänger untergebracht werden.

Parallel zur P-15 wurde im NII-244 die Radarstation Topol-2 (Тополь-2) entwickelt. Diese Radarstation sollte bei Aufklärungsreichweiten von ungefähr 150 km eine gegenüber der P-15 nochmals gesteigerte Auflösung und Genauigkeit aufweisen. Ermöglicht wurde das durch die Nutzung von Frequenzen im cm-Bereich. Die Radarstation durchlief die staatliche Erprobung, wurde aber letztlich von der Führung der Sowjetarmee abgelehnt.

Die P-15 konnte dagegen die staatliche Erprobung im Jahr 1955 erfolgreich abschließen und wurde anschließend in die Bewaffnung der Sowjetarmee übernommen. Zum Einsatz kam sie bei den Truppen der Luftverteidigung, der Landstreitkräfte, aber auch der sowjetischen Seekriegsflotte. Das Radargerät wurde laufend modifiziert. Wesentliche Meilensteine in der Entwicklung waren die 1959 erprobte P-15M, die 1962 erprobte P-15N und schließlich die 1970 erschienene P-15MN, die schließlich zur P-19 führte. Letztere löste die P-15 im Einsatz bei der Sowjetarmee und anderen Streitkräften ab.

Da bei den Truppen der Luftverteidigung eine hohe taktische Beweglichkeit nicht unbedingt erforderlich war, kam hier zumeist die Version P-15M2 zum Einsatz. Die Antennenanlage wurde hier auf einen abgesetzten Mast montiert. Diese Konfiguration erhielt den NATO-Code Squad Eye.

Konstruktion mini|Antennenaufbau der P−15

Aufbau der Radarstation Das System besteht ausRaketen- und Waffentechnischer Dienst im Kdo. MB III, Technikkatalog, Rundblickstation 15 (russisch) dem Gerätefahrzeug mit Kofferaufbau auf ZIL-157 dem Kennungsgerät NRS-15 dem Anhänger TAPZ-755 B oder 1-AP-1,5 B zwei Elektroaggregaten AB-8-0/230/Tsch-425 Zubehör und Ersatzteilen.

Grundsätzliches Zusammenwirken der Elemente des Waffensystems Im Kofferaufbau befanden sich die elektronischen Baugruppen, die Antennenanlage und die Arbeitsplätze der Bedienung. In Marschlage wurde der Gittermast nach hinten abgeklappt. Die Mittelsegmente der Antennen lagen auf dem Dach des Kofferaufbaus auf, die seitlichen Segmente wurden nach unten abgeklappt. Für den Eisenbahntransport wurden die seitlichen Segmente abmontiert und seitlich am Einachshänger befestigt. Zum Aufbau des Systems wurde eine Zeit von maximal 17 Minuten benötigt, dazu kamen noch einmal 3,5 Minuten zum Einschalten des Systems. Diese Zeit war durch das notwendige Vorwärmen der elektronischen Baugruppen bedingt. Für die Stromversorgung wurden die mitgeführten Elektroaggregate genutzt, dabei war ein Aggregat auf dem Lkw verlastet, das zweite befand sich auf dem Einachsanhänger.

Aufgeklärte Luftziele wurden auf einem 2D-Rundsichtgerät dargestellt. Zur Bestimmung der Höhe musste das System mit sogenannten Höhenfindern wie dem PRW-10 gekoppelt werden. Die aufgeklärten Luftziele wurden mit Hilfe des integrierten Kennungsgerätes NRS-15 identifiziert. Die P-19 konnte ebenfalls mit dem automatisierten Feuerleitkomplex 9S44 „Krab“Raketen- und Waffentechnischer Dienst im Kdo. MB III, Technikkatalog, Automatisierter Feuerleitkomplex 9S44 (russisch)Feuerleitkomplex K1 (KBU/KPZ) eingesetzt werden.

Um die Störfestigkeit und die Aufklärungsreichweite zu erhöhen, wurde die P-15 im Regelfall mit anderen Radarstationen genutzt. Dies war auch deshalb notwendig, da eine Aufklärung hochfliegender Luftziele mit der P-15 technologisch bedingt nicht möglich war. Zum Einsatz kamen regelmäßig die im Meterwellenbereich arbeitende P-12 oder P-18. Mit Hilfe der genannten Radarstationen konnten vor allem höher fliegende Luftziele aufgeklärt werden. Der genutzte Frequenzbereich erleichtert dabei auch eine Aufklärung von Luftzielen mit Stealth-Eigenschaften. Die Aufklärungsergebnisse der verschiedenen Radargeräte wurden dabei zusammengefasst und auf Sichtgeräten des automatisierten Feuerleitkomplexes dargestellt.

Die Bedienung besteht aus insgesamt fünf Soldaten.takt.-techn. Angaben zur FuMS P-15 Damit ist ein Betrieb im Schichtdienst möglich, da zur Bedienung der Station nur zwei bis drei Soldaten gleichzeitig benötigt werden.

Trägerfahrzeug, Kabine und Stromversorgung Als Trägerfahrzeug kam der geländegängige Lkw ZIL-157 zum Einsatz. Das System konnte sowohl auf Straßen als auch im Gelände verlegt werden. Aufgrund des schweren Aufbaus mit hohem Schwerpunkt und der empfindlichen elektronischen Baugruppen durfte jedoch eine Höchstgeschwindigkeit von 10 km/h im Gelände nicht überschritten werden, auf der Straße war eine Marschgeschwindigkeit von 40 km/h zulässig. Das Fahrzeug hatte eine Länge von 7,3 m (10,6 m mit Anhänger) bei einer Breite von 3,1 m und einer Höhe (in Marschlage) von 4,0 m. Das Gesamtgewicht lag bei 9,2 t. Im Koffer befanden sich die elektronischen Baugruppen, die Fernmeldeeinrichtungen sowie die Arbeitsplätze der Bedienung. Während die ersten Versionen noch mit einer Ofenheizung ausgestattet waren, kam ab der Version P-15M1 die Heiz- und Lüftungsanlage OW-65 zum Einsatz. Sie ermöglichte die Wärmezufuhr und Belüftung des Koffers auch im Stand unabhängig vom Betrieb des Fahrzeugmotors.Raketen- und Waffentechnischer Dienst im Kdo. MB III, Technikkatalog, Heiz- und Lüftungsanlage OW-65, OW-95, 015, 030

Eine eigenständige Navigationsanlage war nicht vorhanden. Zur genauen Positionsbestimmung musste die Stellung mit Hilfe des zugehörigen Richtkreises/Theodolits PAB-2 unter Zuhilfenahme bekannter und vermessener Geländepunkte eingemessen werden.

Die Leistungsaufnahme des gesamten Systems liegt bei ungefähr 7,5 kW. Zur Stromversorgung dienen dabei die zwei Elektroaggregate AB-8-0/230-Tsch-425, die Dreiphasenwechselstrom mit einer Netzfrequenz von 425 Hz und einer Spannung von 3 × 230 Volt bereitstellen. Dabei kann jedes Aggregat bis zu 8 kW erzeugen.Raketen- und Waffentechnischer Dienst im Kdo. MB III, Technikkatalog, Elektroaggregat AB-8

Antennenanlage

mini|P-15 mit Antenne in Gefechtslage, man beachte das Zwischenstück im Antennenmast

Die Antennenanlage bestand aus zwei angeschnittenen Parabolspiegeln. Diese Ausführung als zwei übereinandergesetzte Rotationsparaboloide ergab eine relativ hohe Auflösung in der horizontalen, aber nur eine geringe in der vertikalen Ebene. Gespeist wurden diese Antennen wiederum durch zwei Hornstrahler. Vor dem oberen Hornstrahler ist zur Formierung des Richtdiagramms noch ein zusätzliches „Leit-Blech“ eingebaut (welches bei Alarm-Übungen wegen des Zeitdrucks gerne mal „vergessen“ wurde). (Das gleiche „Problem“ haben übrigens heutzutage die meisten Museen, bei denen die P-15 ausgestellt wird.) Die Speisung konnte sowohl gegen- als auch gleichphasig erfolgen, dadurch änderte sich die Form des Richtdiagramms. Die Antennenanlage ist auf einem Gittermast montiert, der in Marschlage nach hinten geklappt wird. Im Betrieb dreht sich der Mast mit 6/min in der horizontalen Ebene, in der vertikalen Ebene kann die Antennenanlage nicht geschwenkt werden, daher ist eine Bestimmung der Flughöhe des Luftzieles nicht möglich. Durch Umschalten der Einspeisung der beiden Parabolantennen kann jedoch ein Luftziel einem von insgesamt drei Höhensektoren zugeordnet werden. Aufgrund der Richtcharakteristik der Antenne können Luftziele mit einer Flughöhe von über 5 km nicht aufgeklärt werden.

Die Antennenanlage bestimmt die Genauigkeit der Bestimmung des Seitenwinkels und das Auflösungsvermögen. Der Seitenwinkel konnte mit einer Genauigkeit von 2° bestimmt werden, die Auflösung lag bei 8°. Dies bedeutet praktisch, dass alle Luftziele, die sich in annähernd gleicher Entfernung in einem jeweils 8° breiten Sektor befanden, auf den Sichtgeräten als ein Luftziel dargestellt wurden.

Um die Aufklärungsmöglichkeiten gegen tieffliegende Luftziele zu verbessern, kann zur Erhöhung der Antenne ein Zwischenstück eingesetzt werden. Die Nutzung des Zwischenstückes erhöht jedoch den Zeitbedarf für Auf- und Abbau, da der Mast nicht mehr einfach in Marschlage abgeklappt werden kann. Für den Einsatz bei den Luftstreitkräften war zusätzlich der separat aufzustellende Mast AMU-15 bzw. AMU-30 verfügbar. Die Nutzung des Mastes vergrößerte die Zeit zum Auf- und Abbau nochmals, allerdings verbesserten sich durch die größere Höhe der Antenne über der Erdoberfläche von bis zu 50 m auch die Aufklärungsmöglichkeiten gegen tieffliegende Ziele.

Radargerät

Das Radargerät arbeitet im UHF-Bereich mit einer Sendefrequenz im Bereich von ca. 830 MHz. Im Sender des Radargerätes wird ein Magnetron eingesetzt. Der Sender erzeugt Impulse mit einer Länge von 1,5 μs und einer Impulsleistung von 270…300 kW. Die Impulswiederholfrequenz beträgt 500…660 Hz Damit konnte die Schrägentfernung zum Luftziel bis auf 900 m genau bestimmt werden, die Auflösung wird mit 2500 m angegeben. Dies bedeutet praktisch, dass alle Luftziele, die sich in gleicher Richtung in einem jeweils 2500 m tiefen Abschnitt befinden, auf den Sichtgeräten nicht als zwei Objekte erkannt werden konnten.

Zum Schutz vor aktiven Radarstörungen konnte die Sendefrequenz schnell zwischen vier voreingestellten Frequenzen umgeschaltet werden.

Der Empfänger hat eine Empfindlichkeit von 2 × 10−14W. Im Empfänger kam eine Wanderfeldröhre zum Einsatz. Die Störschutzsysteme wurden laufend überarbeitet. Zum Schutz vor passiven Störmaßnahmen (Düppel) war ein System zur Selektion beweglicher Ziele (SBZ) vorhanden. Während in den ersten Versionen dieses System mit Verzögerungsleitungen aufgebaut wurde, kamen in späteren Versionen Potenzialspeicherröhren zum Einsatz.

Die Luftlage wurde auf dem Rundsichtgerät im Kofferaufbau dargestellt. Dabei wurde das Lagebild alle zehn Sekunden erneuert. Auf den Sichtgeräten dargestellt wurde ebenfalls das Ergebnis der Kennungsabfrage. Das zur Kennungsabfrage in der Station integrierte Kennungsgerät NRS-15 ist Bestandteil des Freund-Feind-Kennungssystems Kremnij 2.