Lothar Voigtländer (* 3. September 1943 in Leisnig; † 4. Juli 2026 in Berlin) war ein deutscher Komponist.
Leben Seine prägende musikalische Ausbildung erhielt Voigtländer in den Jahren 1954 bis 1962 als Sängerknabe und später Chorpräfekt im Dresdner Kreuzchor unter Rudolf Mauersberger. Von 1961 bis 1968 studierte er Dirigieren bei Rolf Reuter und Komposition bei Fritz Geißler an der Leipziger Musikhochschule sowie von 1970 bis 1972 als Meisterschüler an der Akademie der Künste der DDR bei Günter Kochan.
Ab 1973 arbeitete Voigtländer freischaffend in Berlin. 1984 gründete er gemeinsam mit Georg Katzer die Gesellschaft für elektroakustische Musik. 1992 erhielt er eine Gastprofessur an der Universität von Paris, war von 1990 bis 1996 Vorsitzender des Komponistenverbandes Berlin, Mitglied des Bundesvorstandes des Deutschen Komponistenverbandes und Stellvertretender Vorsitzender des Werkausschusses der GEMA. Ab 2001 hatte Voigtländer eine Honorarprofessur für Komposition an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden inne, ab 2006 war er Mitglied des Aufsichtsrates der GEMA.
Voigtländer begründete mehrere Konzertreihen in Berlin, u. a. die Lange Nacht der elektronischen Klänge. Elektroakustische Arbeiten führten ihn in die Studios Bourges, Zürich, Basel, Hilversum, Freiburg, Budapest und Bratislava. Voigtländer erhielt internationale Preise, mehrfach wurde er auf dem Festival für elektroakustische Musik in Bourges ausgezeichnet (Grand Prix 1996). Voigtländer lebte zuletzt in Berlin-Kaulsdorf.
2015 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Pressemitteilung der Berliner Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten vom 10. Februar 2015
Werke Zu Voigtländers Kompositionen gehören Bühnenwerke, Tanztheater, elektroakustische Klangperformances, Klangskulpturen, Raum-Klang-Installationen, Motetten und Chorlieder, Solo-Lieder, Kammermusiken, Orchester- und Orgelwerke. Matthias Herrmann, der Biograph des Komponisten, gibt die Einschätzung, dass „mit der Zeit ein OEuvre [entfaltet wurde], das zur Grenzüberschreitung nicht nur mit elektro-akustischen Mitteln tendierte. Es konnte szenisch ausgerichtet und bildkünstlerisch inspiriert sein. Was anderen Komponisten als Modernismen oder Spielerei ausgelegt werden könnte, besitzt bei ihm eine wirkliche Tiefenschärfe. Ging es ihm mit den neuen Möglichkeiten doch nicht vorrangig um angewandte Techniken, sondern um das Transportieren von Aussage und Botschaft auf Grundlage ihm sinnvoll erscheinender Mittel. Hinzu kommt, dass Voigtländer dem ‚Komponieren aus dem Bauch heraus‘ zunehmend kein Verständnis mehr entgegenbrachte. Vielmehr setzte er sich seit den mittleren 1970er-Jahren auch mit Kompositionsprinzipien von Karlheinz Stockhausen auseinander. Dass die ‚Klangentfaltung nicht mehr an den Ort ihrer Entstehung gebunden ist‘, bildete sich in ihm nun als Erkenntnis heraus.“
(Auswahl, hauptsächlich erschienen bei Edition Peters, B&H/DVfM)
Antike Epigramme für gemischten Chor, Text: Catull, Sulpicia, Ausonius, 1975. Drei elektronische Studien für Singstimme und Tape, Text: Erich Arendt, 1975. Orchestermusik I „Memento“, Hommage á Schostakowitsch, 1975. Vier Minnelieder des Oswald von Wolkenstein für Tenor und Orchester, 1977. Einmal Lieder für hohe Stimme und Klavier, Text: Federico Garcia Lorca, Louis Aragon und Friedemann Berger, 1977. Am Ende des Regenbogens (Chorzyklus) 8 Lieder für gemischten Chor a cappella nach Texten von Berger, Kahlau, Morgenstern, Strittmatter, Rive und Ketschua-Lyrik. 1978, Ed. Peters 1983 vergesse...durcheinander...o süße für Gesang, 4 Pos., 4 Perc., Text: Marc Braet, Erich Fried, Samuel Becket, E.E.Cummings, (1983, rev. mit Tape 2005). Maikäfer flieg, elektro-akustisches Hörstück, 1985. Litaneia, Motette für Bariton und 2 gemischte Chöre, 1985, rev. 1987. Orchestermusik II, 1988. II. Sinfonie. Harfen-Sinfonie, 1989. Le temps en cause, Kammeroratorium, Text: Eugène Guillevic, 1990. III. Sinfonie. Orgel-Sinfonie, 1990. Trällerlieder, Kinder-Liedsammlung, 1970–1990. Adoratio, Motette, Text: Thomas v. Aquino, 1994. Voici-Feuerklang! für Sopran, Kontrabass, 2 Schlagzeuger, Tape, live-Elektronik, Pyrotechnik, Rheinsberg, 1995. Guillevic-Recital, Collage für 3 Sprecher und Tape mit Malerei von Dieter Tucholke, Berlin 1996. Lichtklang Nr.2, Klangskulptur für den Deutschen Reichstag Berlin mit dem Architekten Wolfgang Heinrich Fischer, 1999. Missa Electroacoustica in 4 Teilen, elektro-akustische Kompositionen zu Videos von Veit Lup, Stahlskulpturen von Reinhardt Grimm und Choreographien von Iris Sputh, 2002. Visages, KammerSzenario (Kammeroper) in 8 Teilen (E.Guillevic) für S, 3 Sprecher, 3 Tänzer, 3 Schlgz., Klaviertrio, Pos., Klar. und elektronische Raum-Klang-Kompositionen, Rheinsberg 2002. glockenfern-glasschärfe-schwarz, Tanzperformance für 3 chinesische Klangschalen und Tape, 2005. Orchestermusik III was immer ein wenig zittert, das ist dann in uns, 2005.
Filmmusik 1983: Abhängig
Hörspielmusik 1991: Edgar Hilsenrath: Das Märchen vom letzten Gedanken – Regie: Peter Groeger (Hörspiel – SFB/HR)
Literatur
Albrecht von Massow, Thomas Grysko, Josephine Prkno (Hg.): Ein Prisma ostdeutscher Musik: Der Komponist Lothar Voigtländer. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2015. ISBN 978-3-412-22518-6. Über Voigtländer-Aufführungen des Dresdner Kreuzchores, in: Matthias Herrmann (Hrsg.): Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische Chormusik. Ur- und Erstaufführungen zwischen Richter und Kreile, Marburg 2017, 96–98, S. 313–317 (Schriften des Dresdner Kreuzchores, Bd. 2) Lothar Voigtländer und sein kompositorisches Werk. Texte von ihm und anderen Autoren, hrsg. von Matthias Herrmann (= Dresdner Schriften zur Musik, Band 13), Baden-Baden: Tectum 2023, 290 S., Abb., Notenbeispiele. ISBN 978-3-8288-4442-1.
Weblinks
Website von Lothar Voigtländer Lothar Voigtländer im Archiv Zeitgenössischer Komponisten der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
Einzelnachweise
Kategorie:Komponist klassischer Musik (20. Jahrhundert) Kategorie:Komponist (Deutschland) Kategorie:Klassische Musik (DDR) Kategorie:Musiktheater (DDR) Kategorie:Hochschullehrer (HfM Dresden) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1943 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann