Deutsch als Fremdsprache (DaF) bezeichnet einerseits den Status der deutschen Sprache für alle Sprecher oder Lernenden, für die Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, und andererseits bezeichnet es den Deutschunterricht für diese Lernenden, einschließlich der entsprechenden Didaktik. Dieser Unterricht kann an Menschen in deutschsprachigen oder auch in anderssprachigen Ländern oder Gebieten gerichtet sein.

Laut der im Juni 2020 veröffentlichten Studie von Goethe-Institut, DAAD und der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen lernen immer mehr Menschen Deutsch als Fremdsprache, insgesamt sind es 15,4 Millionen weltweit.

In einem sehr weit gefassten Sinn steht DaF für „alle unterrichtspraktischen und wissenschaftlichen Aktivitäten, die sich mit der deutschen Sprache und Kultur der deutschsprachigen Länder […] beschäftigen“.Hans Barkowski: Fachlexikon Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Francke, Tübingen / Basel 2010, S. 47. In einem engeren Sinn spricht man von Deutsch als Fremdsprache, wenn die deutsche Sprache im Ausland erworben wird und nicht zum alltäglichen Gebrauch notwendig ist. Die Vermittlung der deutschen Sprache erfolgt dabei meist gesteuert, das heißt im Fremdsprachenunterricht.

DaF ist zu unterscheiden von Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Von Deutsch als Zweitsprache spricht man, wenn die deutsche Sprache in einem deutschsprachigen Land erworben wird und zum alltäglichen Gebrauch notwendig ist. Der Erwerb erfolgt dabei weitgehend außerhalb des Unterrichts, aber auch in speziellen Kursen. Deutsch gilt beispielsweise als Zweitsprache für in Deutschland lebende Flüchtlinge, Aussiedler, Arbeitsmigranten und Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, sofern Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. In Verbindung mit der Arbeitsmigration löste DaZ die in den 1970er Jahren übliche Bezeichnung „Gastarbeiterdeutsch“ und den in der Sprachkursförderung verwendeten Begriff „Deutsch für ausländische Arbeitnehmer“ ab.

Mit rund 18 Prozent der Muttersprachler und etwa 14 Prozent der Fremdsprachler ist die deutsche Sprache vor dem Englischen in der Europäischen Union die verbreitetste Muttersprache und zusammen mit Französisch die zweitverbreitetste Fremdsprache.Europäische Union: Eurobarometer Spezial – Die Europäer und ihre Sprachen (PDF; 6,77 MB; abgerufen am 25. November 2010).

Das akademische Fach Deutsch als Fremdsprache Das Fach Deutsch als Fremdsprache entwickelte sich Ende der 1960er-Jahre insbesondere aus zwei Gründen: Zum einen stieg die Zahl der ausländischen Studierenden in der Bundesrepublik und der DDR, zum anderen nahm die Anzahl von Migranten in Deutschland zu.Lutz Götze, Gerhard Helbig, Gert Henrici, Hans-Jürgen Krumm: Entwicklungslinien des Faches. Die Strukturdebatte als Teil der Fachgeschichte. 2010, S. 20. Daraus resultierte der wachsende Bedarf an ausgebildeten DaF- und DaZ-Lehrkräften. Dieser Bedarf schlägt sich in vielfältigen Studiengängen und der Professionalisierung der Ausbildung von DaF-/DaZ-Lehrkräften nieder. Gegenwärtig nimmt Deutsch als Fremdsprache den Status eines Kleinen Fachs in der deutschen Hochschullandschaft ein. Die Arbeitsstelle Kleine Fächer kartiert gegenwärtig (Stand Juni 2019) 36 eigenständige Lehrstühle an 23 deutschen Universitäten.

Historische Entwicklung des Faches Deutsch als Fremdsprache 1956 wurde das Institut für Ausländerstudium an der Leipziger Universität (seit 1961 Herder-Institut) gegründet, an dem ausländische Studierende auf ein Fachstudium in Deutschland vorbereitet wurden. Ab 1970 bot die Universität Heidelberg einen spezifischen germanistischen Studiengang für ausländische Studierende an. Den ersten Lehrstuhl für DaF besetzte Gerhard Helbig in den 1960er-Jahren am Herder-Institut der Universität Leipzig. 1968 gliederte man dem Herder-Institut die Zentrale Schule für ausländische Bürger zur sprachlichen Vorbereitung auf die produktionstechnische Ausbildung an, die schon seit 1962 existierte. Im Jahr 1975 wurden ein weiterer Lehrstuhl in Hamburg und 1978 weitere Lehrstühle in München und in Bielefeld eingerichtet.Lutz Götze, Gerhard Helbig, Gert Henrici, Hans-Jürgen Krumm: Entwicklungslinien des Faches. Die Strukturdebatte als Teil der Fachgeschichte. 2010, S. 21. 1997 bestanden bereits 14 Lehrstühle an elf deutschen Universitäten.

Inhaltsbereiche als Kern des Faches Deutsch als Fremdsprache 1979 Kontrastive Linguistik Sprachnormenforschung Sprachlehrforschung Fachsprachenforschung Gastarbeiter-Linguistik Deutsche Literatur als fremde Literatur Deutsche LandeskundeLutz Götze, Gerhard Helbig, Gert Henrici, Hans-Jürgen Krumm: Entwicklungslinien des Faches. Die Strukturdebatte als Teil der Fachgeschichte. 2010, S. 23.

Schwerpunkte des Faches Deutsch als Fremdsprache in den 1990er Jahren eine linguistische Ausrichtung eine lehr-/lernwissenschaftliche (didaktisch/methodische) Ausrichtung eine landeskundlich-kulturwissenschaftliche Ausrichtung eine literaturwissenschaftliche AusrichtungLutz Götze, Gerhard Helbig, Gert Henrici, Hans-Jürgen Krumm: Entwicklungslinien des Faches. Die Strukturdebatte als Teil der Fachgeschichte. 2010, S. 24.

Unverzichtbare Gegenstände des Studiengangs seit 2005 Im Studienprojekt „Studienstrukturreform und Kerncurricula im Fach Deutsch als Fremdsprache“ wurde das „Grundsatzpapier des Fachverbands Deutsch als Fremdsprache (FaDaF) zur curricularen Basis der BA-/MA-Studiengänge ‚Deutsch als Fremdsprache‘ (DaF)“ ausgearbeitet. Dort werden die unverzichtbaren Gegenstände eines Studiengangs Deutsch als Fremdsprache aufgeführt. die deutsche Sprache als fremde Sprache die Kultur und Gesellschaft des deutschsprachigen Raums in der Fremdperspektive (unter Einbeziehung der deutschsprachigen Literatur) Lernprozesse bezogen auf die Sprache Deutsch als fremde Sprache die Vermittlung der Sprache Deutsch als fremde Sprache sowie kultureller Inhalte innerhalb und außerhalb des deutschsprachigen Raums mindestens ein profiliertes berufsbezogenes Praktikum Sprachlernerfahrung (PDF; 98 kB; abgerufen am 22. Januar 2012).

Die im Grundsatzpapier aufgeführten zentralen Kenntnisse und Fähigkeiten für den Bachelor, (PDF; 98 kB; abgerufen am 25. Juni 2012). beinhalten alle eine interkulturelle Ausrichtung. Für die Masterstudiengänge gelten die für den Bachelor formulierten Basiskompetenzen als Grundvoraussetzung. Diese werden im Master vertieft und erweitert. Schwerpunkte werden durch die präzise Benennung des Studiengangs kenntlich gemacht. (PDF; 98 kB; abgerufen am 22. Januar 2012).

Entwicklung akademischer Studiengänge des Fachs Deutsch als Fremdsprache Im Jahr 2012 gab es allein in Deutschland über 50 Hochschulen, an denen Deutsch als Fremdsprache oder Deutsch als Zweitsprache als Haupt- oder Nebenstudiengang studiert werden kann. Website des Fachverbandes Deutsch als Fremdsprache. Abgerufen am 23. Januar 2012. Aufgrund der Umstrukturierung in Bachelor- und Masterstudiengänge seit dem Bologna-Prozess wurden verbindliche Kanons von Lehrveranstaltungen und Modulen im Fach DaF eingeführt. Diese orientieren sich an den Kompetenzen, die während des Studiums in relevanten Studienfeldern erworben werden sollen.Christian Fandrych, Britta Hufeisen, Hans-Jürgen Krumm, Claudia Riemer: Deutsch als Fremd- und Zweitsprache als spezifisches Lehr- und Forschungsgebiet. Perspektiven und Schwerpunkte des Faches Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. 2010, S. 13.

Studiengangstypen vor Beginn der Umstrukturierung in Bachelor- und Masterstudiengänge (bis zu den 1990ern) Grundständige DaF-/DaZ-Studiengänge: DaF/DaZ als Haupt- oder Nebenfach (vor allem in Magisterstudiengängen); DaF/DaZ als Schwerpunkt im Rahmen anderer grundständiger Studiengänge (z. B. Germanistik, Sprachlehrforschung); DaF/DaZ als Ergänzungs-, Aufbau- und Zusatzstudiengang.Claudia Riemer: DaF-/DaZ-Studiengänge und Studiengänge mit DaF/DaZ in Deutschland: Versuch eines Berichts zum Stand der Studienstrukturreform. 2006, S. 58.

Studienangebote nach Beginn der Umstrukturierung (November 2005) Konsekutiver BA-/MA-Studiengang DaF/DaZ; nur Bachelorstudiengang DaF/DaZ; nur Masterstudiengang DaF/DaZ; DaF-/DaZ-Angebote (Module, Schwerpunkte) im Rahmen anderer Studiengänge (häufig bei Germanistikstudiengängen).Claudia Riemer: DaF-/DaZ-Studiengänge und Studiengänge mit DaF/DaZ in Deutschland: Versuch eines Berichts zum Stand der Studienstrukturreform. 2006, S. 57. Trotz der Studienstrukturreform, die zu einer besseren Vergleichbarkeit und Übersichtlichkeit der Studiengänge führen sollte, herrscht eine große Heterogenität der DaF-/DaZ-Studiengänge. Allgemeine Faktoren, wie zum Beispiel Strukturentscheidungen durch Land und Hochschulen, Lehrerkapazität, Berufsfeldbezug etc., und standortspezifische Bedingungen beeinflussen die Profilausbildung der Studiengänge.Claudia Riemer: DaF-/DaZ-Studiengänge und Studiengänge mit DaF/DaZ in Deutschland: Versuch eines Berichts zum Stand der Studienstrukturreform. 2006, S. 60. . Aufgrund der verschiedenen Studiengänge ergeben sich unterschiedliche Qualifikationsprofile, je nachdem, ob Absolventen einen Bachelor-Master-DaF/DaZ oder einen MA DaF/DaZ nach einem anderen Bachelorstudiengang absolvieren.Claudia Riemer: DaF-/DaZ-Studiengänge und Studiengänge mit DaF/DaZ in Deutschland: Versuch eines Berichts zum Stand der Studienstrukturreform. 2006, S. 61.

Der Bachelor im Fach Deutsch als Fremdsprache soll auf das Berufsfeld vorbereiten, die Grundlagen für einen anschließenden MA-Studiengang desselben Fachs oder der gleichen Fachrichtung liefern. Außerdem müssen die Absolventen des Bachelors den Übergang in einen fachlich verwandten, aber inhaltlich abweichenden MA-Studiengang schaffen können.Frank G. Königs: Holzweg – Umweg – Lösungsweg? Überlegungen (und Träumereien) zur Neustrukturierung von Studiengängen Deutsch als Fremdsprache. 2006, S. 4f. An den meisten Universitäten wird DaF/DaZ aufbauend auf einen Bachelor der Germanistik in Masterstudiengängen angeboten. . Um eine Professionalisierung und Qualifizierung der Lehrkräfte zu erreichen, werden DaZ-Inhalte in den DaF-Studiengängen stärker berücksichtigt. Außerdem ist DaZ in einigen deutschen Bundesländern und an den Pädagogischen Hochschulen in Österreich in Lehramtsstudiengängen als Pflicht- oder Wahlpflichtelement integriert.Hans-Jürgen Krumm, Claudia Riemer: Ausbildung von Lehrkräften für Deutsch als Fremdsprache und Deutsch als Zweitsprache. 2010, S. 1343f.

Eine Übersicht der DaF-Studiengänge an deutschen Hochschulen befindet sich auf den Seiten des Fachverbands Deutsch als Fremdsprache. Des Weiteren sind auf dieser Seite europäische und außereuropäische Länder aufgelistet, in denen DaF-Studiengänge existieren.. Website des Fachverbandes Deutsch als Fremdsprache. Abgerufen am 24. April 2012. Unter den einzelnen Hochschulen werden teilweise genauere Angaben zu den Bezeichnungen der Studiengänge, den Zulassungsvoraussetzungen, den Inhalten, dem Berufsbezug etc. gegeben.

Berufsfelder Deutsch als Fremdsprache