mini|EMS-Logo Der Eignungstest für das Medizinstudium (EMS) ist ein fachspezifischer Studierfähigkeitstest zur Erfassung der Studieneignung für ein Studium der Medizin, der in der Schweiz seit 1998 für Humanmedizin, 1999 für Veterinärmedizin und 2004 auch für die Zahnmedizin als an den Studienplatzkapazitäten orientiertes Auswahlverfahren für die Zulassung eingesetzt wird. Er wurde von 2006 bis 2012 auch in Österreich durchgeführt.
Verantwortlich für den Test ist das Zentrum für Testentwicklung und Diagnostik (ZTD) an der Universität Freiburg (Schweiz), welches den Test im Auftrag von Swissuniversities durchführt. Es besteht eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Entwickler des Tests für medizinische Studiengänge (TMS) in Deutschland, dem Institut für Test- und Begabungsforschung und seiner Nachfolgeeinrichtung ITB Consulting GmbH (Bonn), von welchem der EMS eine Schweizer Adaptation darstellt.
Einsatz Von 1998 bis 2006 war und ab dem Jahr 2013 bei ausschliesslichem Einsatz in der Schweiz ist der Name „Eignungstest für das Medizinstudium in der Schweiz“ (EMS) bzw. Test d’aptitudes pour les études de médecine en Suisse und Test attitudinale per lo studio di medicina in Svizzera in Verwendung. Als Abkürzung für beide letztgenannten Bezeichnungen wird AMS verwendet. Zu Zeiten des gleichzeitigen Einsatzes in Österreich wurde er nur Eignungstest für das Medizinstudium genannt.
Einsatz in der Schweiz als Zulassungskriterium im Rahmen des Numerus clausus (NC) Der EMS wird in der Schweiz im Rahmen von universitären Auswahlverfahren als Zulassungskriterium für ein Medizinstudium bei Notwendigkeit eines Numerus clausus angewendet. Die Notwendigkeit besteht, wenn eine 20-prozentige Kapazitätsüberschreitung bei den Anmeldungen Mitte Februar vorliegt und keine Umleitungsmöglichkeiten zwischen den Universitäten das ausgleichen können. Die Empfehlung an die Kantone erfolgt durch die Schweizerische Hochschulkonferenz Anfang März jeden Jahres. Die Einführung des NC unterliegt dann dem jeweiligen kantonalen Recht und wird je nach Rechtslage durch Regierung oder Parlament beschlossen.Die gesetzlichen Grundlagen für NC und Eignungstest finden sich auf der Website von Swissuniversities.
Für Humanmedizin (seit 1998), Veterinärmedizin (seit 1999) und Zahnmedizin (seit 2004) besteht ein Numerus clausus (NC) für Personen, die sich an den Universitäten Basel, Bern, Freiburg oder Zürich angemeldet haben. Dazugekommen sind Studienplätze für ein Bachelor-Studium an der ETH Zürich (ein anschliessendes Masterstudium an einer anderen Universität ist garantiert). die Universität Luzern, die Universität St. Gallen und die Università della Svizzera italiana (USI) bieten Masterstudiengänge in Humanmedizin an, die jeweiligen Bachelor-Studiengänge werden in Zürich, Basel oder Bern angeboten, wobei die Zulassung bereits dafür erfolgt. Seit 2008 werden auch 20 Plätze für Chiropraktik an der Universität Zürich vergeben.
An den Universitäten Genf, Lausanne und Neuenburg gibt es keinen Numerus clausus für Medizin, hier finden nach dem ersten Jahr verschärfte inneruniversitäre Prüfungen statt, um die ressourcenanhängigeren folgenden Studienabschnitte nicht zu überlasten.
Swissuniversities hat die Governance für das gesamte Auswahl- und Zulassungsverfahren, für welches die Schweizerische Hochschulkonferenz die politische Verantwortung trägt.
Der Test findet jeweils Anfang Juli am gleichen Tag statt. Es ist in der Regel der erste Freitag – liegt dieser wegen der Maturitätsprüfungen zu früh, wird auf den zweiten Freitag gewechselt. Er wird an den Universitätsstandorten und einigen anderen Orten angeboten, die bei der Anmeldung zum Studium im Februar ersichtlich sind.
Einsatz in Österreich 2006 bis 2012 Von 2006 bis 2012 wurde der EMS auch in Österreich (Wien und Innsbruck) für die Zulassung zeitgleich wie in der Schweiz eingesetzt. Die Vorbereitung und Auswertung oblag der Schweizer Seite. Bei der dortigen Anwendung ergaben sich jedoch spezifische Unterschiede zwischen den Ergebnissen der Geschlechter: Deutlich schlechtere Ergebnisse für Frauen, was sich auch auf die Zulassungszahlen auswirkte und weder in der Schweiz, noch in Deutschland beim TMS in diesem Ausmaß aufgetreten ist. Es fand eine Evaluation statt, die Evaluationsstudie von Christiane Spiel führte zu Stellungnahmen der Schweizer Rektorenkonferenz und des ZTD. Die Schweizer Seite kündigte 2012 die Zusammenarbeit auf. Seit 2013 wird in Österreich der MedAT als Test verwendet.
Obligatorischer nichtselektiver Einsatz in Genf 2010 bis 2012 2010 bis 2012 wurde der EMS obligatorisch, aber nichtselektiv an der Universität Genf eingesetzt. Das heißt, man musste an dem Eignungstest teilnehmen, das Ergebnis entschied aber nicht über die Zulassung. Er war damit eher einem Self-Assessment vergleichbar: Die Studierenden sollten dadurch eine Hilfe zur Selbstbewertung ihrer Studieneignung erhalten und unter Umständen daraus selbstständig Konsequenzen ziehen. Das ZTD beurteilte den Versuch eines obligatorischen nichtselektiven Einsatzes negativ: Die dissuasive (abschreckende) Wirkung im Sinne eines Bewerbungsverzichts bei relativ schlechteren Testergebnissen sei nicht ausreichend gewesen. Auch das Angebot eines Beratungsgesprächs sei kaum in Anspruch genommen worden. Über die drei Jahre Laufzeit verschlechterten sich sowohl die absoluten Testergebnisse als auch die Vorhersagegenauigkeit des Tests. Gemäß der Interpretation der Autoren wurde der Test zunehmend als lästige Pflichtübung wahrgenommen, was sich auch an der geringeren Vorbereitungszeit gezeigt habe; ein Self-Assessment bei freiwilliger Teilnahme ergebe regelmäßig bessere Werte. Ihnen zufolge ermöglicht der EMS bei obligatorischem nichtselektivem Einsatz keine kapazitätsgenaue Zulassung.
Konzept des Tests – Was misst der EMS? Der EMS ist ein psychometrisches Verfahren in der Tradition der Klassischen Testtheorie. Die Aufgabengruppen sind nicht (wie etwa der amerikanische Scholastic Aptitude Test (SAT) bzw. die PISA-Studie) nach dem Rasch-Modell konzipiert, d. h. die Subtests sind nicht eindimensional, sondern sollen bewusst komplexe Studienanforderungen („Arbeitsproben“) nachempfinden.
Der Test ist auf die Messung der Studieneignung, die optimale Vorhersage des Studienerfolges ausgelegt. Es sollen diejenigen Personen bevorzugt einen Platz erhalten, die für das Studium am besten geeignet sind: Studieneignung als erfolgreicher Abschluss des Studiums in einer angemessen (kurzen) Studienzeit mit guten Ergebnissen. Die vorhandenen Studienplätze werden entsprechend der Höhe des Testergebnisses zugeteilt. Der als Rechtfertigung dieses Vorgehens notwendige Zusammenhang zwischen besserer Testleistung und höherer Bestehenswahrscheinlichkeit der Prüfung wurde in Prognosestudien evaluiert.
Aufgabengruppen Der EMS besteht seit 2016 aus neun Aufgabengruppen, die als Eintagesassessment zu bearbeiten sind. Die Belastung gehört mit zum Konzept des Tests, weil Medizinstudium und -beruf eine hohe Belastbarkeit voraussetzen. Eine Aufgabengruppe „Planen und Organisieren“ wurde bis 2015 durchgeführt. Wegen der Corona-Pandemie wurde auf die Pause verzichtet und wurden Aufgabengruppen verkürzt. Beispielaufgaben stehen für die Vorbereitung zur Verfügung. Über die aktuellen Abläufe informiert eine Test Info.
Die Teststruktur wurde so geändert, das keine Pause mehr notwendig ist. Die aktuell genutzten neun Aufgabengruppen des EMS sind:
Aufgabengruppe Aufgabenzahl und Dauer Beschreibung BeispielaufgabeMuster zuordnen 18 Aufgaben 16 MinutenTest der visuellen Strukturierungsfähigkeit mini|150px|Medizinisch-Naturwissenschaftliches Grundverständnis 18 Aufgaben 45 MinutenTest zu naturwissenschaftlichem Denken mini|150px|Objekte im Raum 18 Aufgaben 10 Minutenmentaler Rotationstest zu räumlichen FähigkeitenQuantitative und Formale Probleme 18 Aufgaben 45 MinutenTest zu mathematischen Fähigkeiten im naturwissenschaftlichen Kontext mini|150px|Figuren lernen, Einprägephase 18 Aufgaben 5 Minuten lernen Test der figuralen Merkfähigkeit mini|150px|Fakten lernen, Einprägephase 18 Aufgaben 6 Minuten lernen Test der verbalen Merkfähigkeit und assoziativen Erinnerungsbildung mini|150px|Textverständnis 3 Texte 18 Aufgaben, 45 MinutenTest zum Lesesinnverständnis im naturwissenschaftlichen Kontext mini|150px|Figuren Lernen und Fakten Lernen Reproduktionsphase Figuren lernen: 5 Minuten Fakten lernen 7 MinutenDiagramme und Tabellen 18 Aufgaben 45 MinuteTest zum Verständnis und zur Interpretation von Diagrammen und Tabellen mini|150px|Konzentriertes und Sorgfältiges Arbeiten 1600 Zeichen, 8 MinutenAufmerksamkeitsbelastungstest mini|150px|
Mit Hilfe der Faktorenanalyse wurde ermittelt, welche gemeinsamen Komponenten sich in den zehn Aufgabengruppen finden. Etwa 30 % der Varianz der Testergebnisse werden durch einen Faktor „Schlussfolgerndes Denken (Reasoning)“ aufgeklärt, etwa 15 % Anteil hat die „Merkfähigkeit“ und etwa 20 % „Visuelle Fähigkeiten und Konzentrationsfähigkeit“. 35 % der Varianz sind spezifisch für die einzelnen Aufgabengruppen oder andere Anteile.
Wie funktioniert der Test? mini|200px|Auswertung des EMS (alte Form, heute weniger Aufgaben)
Im Unterschied zu einer Prüfung kann man den Test genau genommen nicht „bestehen“ oder „nicht bestehen“, er ist ein wettbewerbsorientiertes Reihungsverfahren: Es steht eine bestimmte Studienplatzanzahl zur Verfügung, die Plätze werden unter der Bedingungen eines Numerus clausus an die Testbesten in der Reihenfolge der Ergebnisse vergeben. Personen, die nicht zugelassen werden konnten, sind daher nicht unbedingt für das Studium ungeeignet. Andere waren besser und die Kapazität begrenzte die Auswahl.
Auch für die Vergabe eines Platzes der gewünschten Universität oder eine notwendige Umleitung an weniger ausgelasteten Universitäten wird der Testwert herangezogen.
Der seit 2014 für diese Zulassung verwendete Prozentrang (TP) wird direkt aus der kumulierten Häufigkeitsverteilung der Punktwerte aller Personen berechnet, die in einem Jahr am EMS-Test teilnehmen und ist ganzzahlig. Der Bereich ist eigentlich 0 bis 100, Werte unter 10 werden auf 10 gerundet. Er zeigt an, wie viele Prozent aller teilnehmende Personen ein schlechteres (oder gleich gutes Ergebnis) erreicht haben. Die Testwerte sind zwischen den Jahren vergleichbar und können ins Folgejahr übernommen werden.
Die früher verwendete Standardisierung des Punktwertes auf der Basis von Mittelwert und Standardabweichung der Gesamtpunktzahl in den Bereich von 70 bis 130 hat wegen der steigenden Teilnehmerzahlen nicht mehr ausreichend für eine kapazitätsgenaue Zulassung differenziert.
Bei gleichem Testwert werden weiterhin die Personen in der Reihenfolge des mittleren Rangplatzes aller Aufgabengruppen berücksichtigt, wenn die Kapazität keine Zulassung aller Personen mit einem Testwert zulässt bzw. für Umleitungen eine Differenzierung notwendig ist. Um auch hier eine Vergleichbarkeit zwischen den Jahren herzustellen, werden die Rangplätze auf jeweils 1000 Personen bezogen umgerechnet. Diese Auswertung wichtet gute Leistungen in schwereren Aufgabengruppen höher als der einfache Punktwert.Erklärung der früheren Auswertung des EMS, aus Bericht 19 des ZTD (PDF; 113 kB)Aufbau des EMS ab 2016, Materialien des ZTD (Auswertung seit 2014 und aktuelle Struktur)
Verschiedene Sprachversionen Bedingt durch die Mehrsprachigkeit der Schweiz wird der Test in deutscher, italienischer und französischer Sprache entwickelt. Dabei werden die Aufgaben hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Wirkung in den verschiedenen Sprach- und Länderversionen mit Hilfe des sog. Differential item functioning (DIF-Analyse) überprüft. Für Fragen, die in der französisch- oder italienischsprachigen Version im Vergleich zur Erwartung aufgrund der deutschsprachigen Version deutlich schwerer sind, werden den dadurch möglicherweise testbedingt benachteiligten Teilnehmern (Zehntel-)Bonuspunkte gutgeschrieben.