miniatur|P-18 miniatur|hochkant|Innenansicht
Die P-18 (, deutsch P-18 Terek) ist ein in der Sowjetunion entwickeltes 2D-Radargerät. Das 1971 in die Bewaffnung der Sowjetarmee eingeführte System wird zur Aufklärung von Luftzielen und zur Zielzuweisung benutzt. Die Werksbezeichnung lautet 1РЛ131 (Transkription: 1RL131). Der NATO-Codename ist Spoon Rest D.
Die Funktechnischen Truppen der NVA bezeichneten die Funkmessstation mit P-18 oder aus Geheimhaltungsgründen mit 08. Bei der Truppenluftabwehr wurde das System auch als Rundblickstation 18, abgekürzt RBS-18 bezeichnet. Entwicklung
mini|Unmittelbarer Vorgänger war die P-12, hier in der Version auf Anhänger
Die P-18 entstand als Weiterentwicklung der P-12. Ziel der Entwicklung war ein verlegefähiges Radargerät hoher Reichweite, das vorrangig zur Aufklärung des Luftraumes und zur Zielzuweisung für die Flugabwehrraketensysteme der Luftverteidigung vorgesehen war. Für diese Raketensysteme großer Reichweite wurde vor allem eine hohe Aufklärungsreichweite in einem großen Höhenbereich gefordert, während Forderungen nach Genauigkeit, Auflösungsvermögen und hoher taktischer Beweglichkeit in den Hintergrund traten.
Gegenüber dem Vorgänger P-12 sollten Reichweite und Störschutzeigenschaften erhöht werden. Die P-12 geht letztlich auf die von Großbritannien während des Zweiten Weltkrieges im Rahmen des Lend-Lease Act gelieferten British Light Warning Radar AA No 4 Mark II bzw. Mark III zurück. Die 30 gelieferten Geräte wurden in der Sowjetarmee als ORL-4 (ОРЛ-4) bezeichnet. Auf dieser Grundlage entstanden die 1946 eingeführten Radarstationen Most-2 und P-5. Ebenfalls 1946 eingeführt wurde die Radarstation P-3, die auf der sowjetischen Eigenentwicklung RUS-2 beruhte. Aus der P-3 und der P-5 entstand schließlich 1948 die P-8 und um 1950 schließlich die P-10. Zwischen 1954 und 1956 entstand dann schließlich die P-12, die bis Anfang der 1970er Jahre kontinuierlich weiterentwickelt wurde. Alle diese Radargeräte sind Impulsradare, die im VHF-Bereich arbeiten. Der Frequenzbereich bedingte eine relativ große Antennenanlage, die als Gruppenantenne mit einzelnen Yagi-Antennen ausgeführt war. Dies machte den Aufbau kompliziert und langwierig, was zu einer geringen taktischen Beweglichkeit führte. Da die Abmessungen der Antennenanlage jedoch auch nicht beliebig groß gewählt werden konnte, waren die Genauigkeit der Winkelbestimmung und die Auflösung des Seiten- bzw. Höhenwinkels relativ gering.
Gegenüber der P-12 wurde bei der P-18 die Anzahl der Yagi-Elemente von 12 auf 16 erhöht, was zu einem schmaleren Richtdiagramm führte. Besonderes Augenmerk wurde auf die Verbesserung der Störschutzmöglichkeiten gelegt. Die Erfahrungen des Vietnam-, als auch des Sechstagekrieges erforderten in diesem Bereich eine Verbesserung der taktisch-technischen Eigenschaften. Mit der ab 1963 eingeführten Antiradarrakete AGM-45 Shrike waren Radarstationen auf dem Gefechtsfeld einer stärkeren Gefährdung ausgesetzt. Gleichzeitig schränkten die sich schnell entwickelnden Möglichkeiten zur aktiven Störung von Radargeräten deren Einsatzmöglichkeiten immer mehr ein. Durch eine Verbesserung der Störschutzsysteme, aber auch durch die Nutzung von weit auseinander liegenden Wellenbereichen suchten die sowjetischen Konstrukteure die Überlebensfähigkeit auf dem Gefechtsfeld zu erhöhen. (russisch)
Konstruktion
Aufbau der Radarstation
mini|P-18 mit 1L22 des Systems Parol im Vordergrund
Das System besteht aus Rundblickstation 18 (1RL131-1). In: Raketen- und Waffentechnischer Dienst im Kdo. MB III, Technikkatalog. dem Gerätefahrzeug auf Lkw Ural-375D später auf Ural-4320 dem Antennenfahrzeug AMU auf Ural-375D später auf Ural-4320 zwei Aggregateanhängern PS-1 und PS-2 mit je einem Elektroaggregat (für die NVA mit GAD-16 und im PS-1 mit einem Schaltschrank zur „unterbrechungslosen Lastübernahme“ ULÜ-M) dem Kennungsgerät NRZ-12 später 1L22 (1Л22) Die Bestandteile des Systems ermöglichen einen weitgehend autonomen Einsatz sowie die Prüfung, Wartung und Instandsetzung unter feldmäßigen Bedingungen.
Grundsätzliches Zusammenwirken der Elemente des Waffensystems Auf dem Antennenfahrzeug ist die Antennenanlage verlastet. Das Gerätefahrzeug nimmt im Koffer die wesentlichen elektronischen Baugruppen des Systems auf. Hier befinden sich ebenfalls die Arbeitsplätze der zur Bedienung des Systems eingesetzten Soldaten. Antennen- und Gerätefahrzeug sowie die Aggregateanhänger werden nach Aufbau der Station miteinander verkabelt. Auf den Aggregateanhängern befinden sich je ein Elektroaggregat, Ersatzteile, Werkzeug und Zubehör sowie die zur Verkabelung der Station notwendigen Kabelsätze. Zum Aufbau des Systems wird eine Zeit von 50 Minuten benötigt, dazu kommt noch einmal 3,0 Minuten zum Einschalten des Systems. Diese Zeit ist durch das notwendige Vorwärmen der elektronischen Baugruppen bedingt. Für das Herstellen der Marschlage, also dem Abbau der Station, wird eine Zeit von 45 min benötigt.Aufklärungsstation RBS-18. In: flak11.de.Die Seiten der Funktechnischen Truppen der NVA, P-18Die für die Auf- und Abrüstung angegebenen Zeiten können je nach Einsatzstaat abweichen.
Aufgeklärte Luftziele werden auf einem Rundsichtgerät dargestellt. Die Bedienung des Systems kann auch von außerhalb des Gerätefahrzeuges erfolgen. Dazu wird das Tochtersichtgerät benutzt, welches in einer Entfernung von bis zu 300 m von der Funkmessstation entfaltet werden kann. Entgegen den Möglichkeiten der P-12 kann mit der P-18 die Höhe des aufgeklärten Luftzieles nicht mehr ermittelt werden. Zur Bestimmung der Höhe (des Flugzieles) muss diese Funkmessstation also mit sogenannten Höhenfindern, wie dem PRW-9 oder dem PRW-16, gekoppelt werden. Die aufgeklärten Luftziele werden mit Hilfe des integrierten Kennungsgerätes identifiziert. Auf den Sichtgeräten der P-18 können auch Zieldaten anderer Radarstationen angezeigt werden, ebenso ist die Übertragung von mit Hilfe der P-18 ermittelten Zieldaten an andere Radarstationen möglich. Dazu werden die Umdrehungen der Antennen und die Impulsfolgen der Sender über eine Koppelapparatur („Schkaf 5“) synchronisiert.
Um die Störfestigkeit und die Aufklärungsreichweite zu erhöhen, wird die P-18 im Regelfall zusammen mit anderen Radarstationen genutzt. Eingesetzt werden regelmäßig die im Dezimeterwellenbereich arbeitende P-15 oder P-19 sowie die P-40. Hinzu kommt: der von der P-18 genutzte Frequenzbereich erleichtert dabei auch eine Aufklärung von Luftzielen mit Stealth-Eigenschaften und: Anti-Radarraketen sind für diesen Frequenzbereich bisher nicht verfügbar.
Die Bedienung (in der NVA) besteht aus insgesamt sieben Soldaten. Damit ist ein Betrieb im Schichtdienst möglich, da zur Bedienung der Station nur vier Soldaten gleichzeitig benötigt werden.
Trägerfahrzeug, Kabine und Stromversorgung Als Trägerfahrzeug kommt der geländegängige Lkw Ural-375D (später Ural-4320) zum Einsatz. Das System kann sowohl auf Straßen als auch im Gelände verlegt werden. Aufgrund des schweren Aufbaus mit hohem Schwerpunkt und der empfindlichen elektronischen Baugruppen darf jedoch eine Höchstgeschwindigkeit von 10 km/h im Gelände nicht überschritten werden.
Sowohl für das Geräte- als auch das Antennenfahrzeug werden eine Länge von 8,4 m bei einer Breite von 2,7 m und eine Höhe (in Marschlage) von 3,4 m angegeben. Das Gesamtgewicht liegt je Fahrzeug bei 13 t. Im Koffer des Gerätefahrzeuges befinden sich die elektronischen Baugruppen, die Fernmeldeeinrichtungen sowie die Arbeitsplätze der Bedienung. Die Heiz- und Lüftungsanlage OW-65 ermöglicht die Wärmezufuhr und Belüftung des Koffers auch im Stand unabhängig vom Betrieb des Fahrmotors. Zum Schutz vor radioaktiv, chemisch und biologisch (bakteriologisch) verseuchter Außenluft ist in späteren Versionen der Koffer mit der Filterventilationsanlage FWUA-100 ausgestattet. Dazu wird der Koffer unter Überdruck gesetzt und die angesaugte Luft gefiltert. Der Betrieb der Anlage ist während der Fahrt und im Stand möglich, zum Auf- und Abbau des Radarsystems muss der Koffer jedoch verlassen werden.
Eine eigenständige Navigationsanlage ist nicht vorgesehen. Zur genauen Positionsbestimmung muss die Einsatz-Stellung mittels eines mitgelieferten Richtkreises unter Zuhilfenahme bekannter und vermessener Geländepunkte eingemessen werden.
Die Leistungsaufnahme des gesamten Systems liegt bei ungefähr 10 kW. Zur Stromversorgung dienen dabei die zwei auf den Aggregateanhängern installierten Elektroaggregate, die eine Dreiphasenwechselspannung mit einer Netzfrequenz von 50 Hz und einer Spannung von 230 Volt (!) bereitstellen. Dabei kann jedes Aggregat bis zu 16 kW erzeugen. In der NVA-Version treibt ein Dieselmotor 4NVD 12,5 SRL einen Generator DCBS-20-4/Z an. In den Anhängern der Station befanden sich weiterhin die für die Wartung und feldmäßige Instandsetzung benötigten Ersatzteile, Werkzeug und Zubehör. Die Kabelsätze wurden auf dem Dach der Anhänger verlastet. Bei den Anhängern K.700 handelt es sich um Zweiachsanhänger mit Achsschenkellenkung. Die gewählte Art der Lenkung erwies sich insbesondere bei hohen Marschgeschwindigkeiten als (sehr) problematisch.
Antennenanlage Als Antenne kommt wie schon bei den Vorgängertypen eine Gruppenantenne zum Einsatz, die aus in zwei Reihen angeordneten Yagi-Antennen besteht. Gegenüber dem unmittelbaren Vorgänger P-12 wurde die Anzahl der Yagi-Antennen von 12 auf 16 erhöht, was die Auflösung im Seitenwinkel verbesserte. Jede Yagiantenne besitzt einen Reflektor und vier Direktoren. Die Antennenanlage ist auf einem Gittermast montiert. Der Antennenmast kann durch den Einsatz von Zwischensegmenten auf bis zu 11 m erhöht werden. Im Betrieb dreht sich der Mastkopf mit 0–10/min in der horizontalen Ebene, zur Anpassung des Richtdiagramms kann die Antennenanlage um einen Winkel von −5° bis +15° in der vertikalen Ebene geschwenkt werden. Aufgrund der Richtcharakteristik der Antenne können Luftziele mit einer Flughöhe bis zu 30 km aufgeklärt werden. Eine Höhendarstellung wie bei der P-12 ist allerdings nicht mehr vorgesehen, da heute wesentlich genauere Höhenmesser (z. B. PRW-16) zum Einsatz kommen. Der tote Trichter hatte einen Winkel von ca. 42°. In diesem Bereich um die vertikale Achse können Luftziele nicht oder zumindest nur sehr ungenau aufgeklärt werden.
Der Antennenantrieb besteht aus einem über einen durch Magnetverstärker und einem sogenannten elektromotorischen Verstärker (EMV) gesteuerten Servomotor. Über im Mastkopf angebrachte Drehmelder ist ein synchrones Drehen mit anderen Radargeräten möglich. Praktiziert wird diese synchrone Arbeit mit fremden Radargeräten des Weiteren über eine Koppelapparatur, die auch die Sender synchronisierte, so dass eine gemeinsame Darstellung der analogen Zielzeichen auf einem PPI-Rundsichtgerät möglich ist.
Die Antennenanlage bestimmt die Genauigkeit der Bestimmung des Seitenwinkels und das Auflösungsvermögen. Der Seitenwinkel konnte mit einer Genauigkeit von 1,5° bestimmt werden, die Auflösung lag bei 6-8°. Dies bedeutet praktisch, dass alle Luftziele, die sich in annähernd gleicher Entfernung in einem jeweils 8° breiten Sektor befanden, auf den Sichtgeräten als ein Luftziel dargestellt wurden.
Radargerät miniatur|SBZ der P-18. Zu erkennen sind die beiden Potenzialspeicherröhren, bei der unteren Röhre ist die Abdeckung abgenommen miniatur|Empfängerschrank mit dem A-scope, dem Empfänger daneben. Das ursprüngliche System zur Selektion beweglicher Ziele wurde hier durch eine digital arbeitende Ausführung ersetzt (obere Reihe der Blöcke rechts)