mini|Douglas Gordon fotografiert von Oliver Mark, Berlin 2012 Douglas Gordon (* 1966 in Glasgow, Schottland, Großbritannien) ist ein schottischer Künstler.
Leben Von 1984 bis 1988 absolvierte Gordon ein B.A.-Studium an der Glasgow School of Art, von 1988 bis 1990 ein weiterführendes Master-Studium u. a. bei Phyllida Barlow an der Slade School of Art in London. 1993 hatte er seine erste Einzelausstellung.
Er lebt in Glasgow, Berlin-KreuzbergTiergartener Gewerbehof – Ende eines Vorzeigeprojekts, in der Berliner Zeitung vom 14. Juli 2012, abgerufen am 9. April 2016. und New York.
Werk Douglas Gordon wurde 1993 mit der Videoinstallation 24 Hour Psycho bekannt, in der er eine handelsübliche Videokassette von Alfred Hitchcocks Psycho (1960) auf eine Dauer von 24 Stunden ausdehnt. Das Interesse für die Verfremdung von Kino-Ikonen bestimmt seitdem sein Œuvre: 1998 entsteht die Idee, The Searchers von John Ford aus dem Jahr 1956 auf die Dauer der Handlung des Films, 5 Jahre, auszudehnen (5 year drive by). Sie wurde in Teilen am Drehort des Films, in der Wüste des Monument Valley, verwirklicht.
In something between my mouth and your ear von 1994 vergegenwärtigt Gordon die Zeit, die er während der Schwangerschaft seiner Mutter in ihrem Bauch vor der Geburt erlebt hat; in einem dunklen Raum hört man aus verschiedenen Lautsprechern Charthits der Zeit von Januar bis zum 20. September 1966, dem Tag seiner Geburt; mit dieser Zeitreise in das Jahr 1966 holt er die Vergangenheit in die Gegenwart und fördert wie ein Archäologe Kulturerzeugnisse vergangener Zeit zutage. Gleichzeitig versetzt er sich und den Zuschauer in seine Vor-Zeit zurück; er misst mit den neun Monaten die Zeit seiner „Produktion“.
In Between Darkness and Light (after William Blake) (1997) verwendet Gordon zwei weitere Klassiker der Kinogeschichte, Der Exorzist von William Friedkin und Das Lied von Bernadette von Henry King. Er projiziert je einen Film von der einen und von der anderen Seite auf eine freistehende, durchscheinende Leinwand, so dass sie sich spiegelverkehrt überlagern.
Feature Film (1999) ist der erste selbstgedrehte Film von Douglas Gordon, eine weitere Auseinandersetzung mit einem Hitchcock-Film. Gordon ließ die einprägsame Filmmusik von Vertigo, die von Bernhard Hermann komponiert wurde, vom Orchester der Opera National de Paris unter seinem damaligen Chefdirigenten James Conlon neu aufführen. Während der Aufführung filmte Gordon das Gesicht und die Hände des Dirigenten mit mehreren Kameras aus verschiedenen Perspektiven. Musik und Bild verschmelzen hier zu einer eigenen Interpretation der bekannten musikalischen Motive, die Verbindung zur filmischen Handlung entsteht im Kopf des Betrachters.. In: monopol-magazin.de vom 21. Februar 2013 (aufgerufen am 21. Februar 2013)
Auf der Art Basel 2006 zeigten Gordon und der französische Filmemacher Philippe Parreno ihren Film Zidane: A 21st Century Portrait. Darin porträtieren sie den Fußballstar und ehemaligen französischen Nationalspieler Zinédine Zidane über die gesamte Zeit eines Ligaspiels seines Vereins Real Madrid. 16 Hochgeschwindigkeitskameras mit starken Zoomobjektiven wurden am Spielfeldrand sowie auf dem obersten Rang des Stadions postiert, die Zidane alle gleichzeitig, zumeist in Großaufnahme verfolgen. Der Verlauf des Spiels bleibt aufgrund des fehlenden Kommentars und der Konzentration auf einen Spieler unklar. Der Fokus der Betrachtung richtet sich auf Mimik und Gestik Zidanes, auf wiederkehrende Bewegungsmuster und minimale Ausbrüche aus der professionellen Routine des Fußballers.
Das Konzept des Films ist nicht neu, denn bereits 1970 drehte der deutsche Regisseur Hellmuth Costard einen ähnlichen Film („Fußball wie noch nie“) über George Best, damals bei Manchester United. Acht 16-mm-Kameras nahmen damals ausschließlich George Best auf. Der Film wurde 1971 von der ARD ausgestrahlt. Dennoch unterscheiden sich die beiden Filme im Hinblick auf die Qualität und Anzahl der Kameras, den Schnitt und die daraus resultierende Bildästhetik. Letztlich werden mit dem charismatischen George Best und dem undurchdringlichen Zidane zwei sehr unterschiedliche Fußballpersönlichkeiten porträtiert. Douglas Gordon selbst stellte in einem Interview den Bezug zu Andy Warhols Screen Tests her.
Neben den Werken, die sich mit Kinofilmen beschäftigen, sind von Douglas Gordon konzeptuelle Textarbeiten (list of names, 1990-fortlaufend), Fotografien sowie einige Videoinstallationen ausgestellt worden, in denen er historisches Found Footage Material benutzt (Hysterical, 1994/95, 10 ms-1, 1994).
2008 wurde Gordon in die Wettbewerbsjury der 65. Filmfestspiele von Venedig unter dem Vorsitz des deutschen Regisseurs Wim Wenders berufen.vgl. Vivarelli, Nick: , 29. Juli 2008 (aufgerufen am 30. Juli 2008) Im Mai 2018 wurde Gordon als Mitglied in die Sektion Bildende Künste der Berliner Akademie der Künste gewählt. Deutschlandfunk vom 10. Juli 2018, abgerufen am 10. Juli 2018.
Preise und Auszeichnungen 1996: Turner Prize 1997: Premio 2000 award der Biennale di Venezia 1998: Central Kunstpreis 1998: Hugo Boss Prize, verliehen durch das Solomon R. Guggenheim Museum 2008: Roswitha Haftmann-Preis 2011: Les Rencontres d’Arles Festival, Frankreich 2011: London Award for Art and Performance 2012: Käthe-Kollwitz-Preis der Berliner Akademie der KünsteKäthe-Kollwitz-Preis für Douglas Gordon. In: Saarbrücker Zeitung (Kultur) vom 30. August 2012, S. B5 2012: Ordre des Arts et des Lettres, Grade de Commandeur
Ausstellungen (Auswahl) 1996: Einzelausstellung Dia Center for the Arts, New York 1996: Einzelausstellung Centro Cultural de Belém, Portugal 1996: Einzelausstellung Musée National d’Art Moderne, Paris 1996: Einzelausstellung Van Abbemuseum, Eindhoven 2001: Retrospektive, Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington, D. C. 2001: Retrospektive, Museo Rufino Tamayo, Mexiko-Stadt 2001: Retrospektive, Vancouver Art Gallery, Kanada 2005: The VANITY of Allegory, Deutsche Guggenheim, Berlin 2006: National Gallery of Scotland, Edinburgh, Scotland 2006: Timeline, Museum of Modern Art, New York 2006: Fundació Joan Miró, Barcelona 2006: Museo di arte moderna e contemporanea di Trento e Rovereto, Rovereto 2007: Einzelausstellung Between Darkness and Light, Kunstmuseum Wolfsburg, Wolfsburg 2010: Emscherkunst.2010 mit dem Projekt Monument for a Forgotten Future"Monument for a Forgotten Future" 2011: Douglas Gordon, Museum für Moderne Kunst (MMK), Frankfurt am Main 2013: The Only Way Out Is the Only Way In. Australian Centre for Contemporary Art, Melbourne, Victoria, Australien. 2013/14: Everything Is Nothing without Its Reflection. A Photographic Pantomime, Museum Folkwang, Essen, abgerufen am 23. September 2014. 2017: documenta 14, Kassel
Theaterstücke 2015 Neck of the Woods, Premiere beim Manchester International Festival mit Charlotte Rampling in der Hauptrolle 2015 Bound to Hurt
Öffentliche Sammlungen Dänemark Arken, Kopenhagen
Deutschland Museum Ludwig, Köln Sammlung Goetz, München Kunstmuseum Wolfsburg, Wolfsburg Museum für Moderne Kunst, Frankfurt
Frankreich Collection Lambert en Avignon, Avignon FRAC - Languedoc-Roussillon, Montpellier Fondation Cartier pour l’art contemporain, Paris Frac Ile-de-France - Le Plateau, Paris Centre Pompidou – Musée National d’Art Moderne, Paris Fonds National d’Art Contemporain (FNAC), Puteaux
Italien Museo d’Arte Contemporanea Donna Regina, Neapel
Kanada National Gallery of Canada – Musée des beaux-arts du Canada, Ottawa, Ontario Vancouver Art Gallery, Vancouver, British Columbia
Niederlande Stedelijk Museum, Amsterdam
Norwegen Astrup Fearnley Museet für Moderne Kunst, Oslo
Portugal Ellipse Foundation, Alcoitão
Schweiz Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich
USA MOCA Grand Avenue, Los Angeles, CA
Vereinigtes Königreich Scottish National Gallery of Modern Art, Edinburgh (Schottland) GoMA-Gallery of Modern Art, Glasgow (Schottland) Tate Britain, London (England)
Literatur Kidnapping. In conversation with Jan Debbaut, hrsg. von Jan Debbaut. Stedelijk Van Abbemuseum, Eindhoven 1998, ISBN 90-70149-65-6. Douglas Gordon. Katalog zur Ausstellung im Kunstverein Hannover, 27. September bis 29. November 1998. Hrsg. von Eckhard Schneider, Hannover 1998, ISBN 3-9805041-2-3. Douglas Gordon. Katalog zur Ausstellung im Museum of Contemporary Art, Los Angeles, 16. September 2001 – 20. Januar 2002. Hrsg. von Russell Ferguson. MIT Press, Los Angeles 2001, ISBN 0-262-06222-4. Philip Monk: Double-cross, the Hollywood films of Douglas Gordon. Toronto 2003, ISBN 978-0-921047-96-4. Douglas Gordon, Timeline. Katalog zur Ausstellung im Museum of Modern Art, New York, 11. Juni bis 4. September 2006. New York 2006, ISBN 0-87070-390-0. Douglas Gordon. Between Darkness and Light. Katalog zur Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg, 20. April bis 12. August 2007. Ostfildern 2007, ISBN 3-7757-1960-1.
Weblinks
Douglas Gordon Videointerview (Hobnox.com, 2008)
Einzelnachweise
Kategorie:Künstler (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Zeitgenössischer Künstler Kategorie:Turner-Preisträger Kategorie:Träger des Ordre des Arts et des Lettres (Komtur) Kategorie:Person (Glasgow) Kategorie:Künstler (documenta) Kategorie:Absolvent der Glasgow School of Art Kategorie:Absolvent der Slade School of Fine Art Kategorie:Schotte Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1966 Kategorie:Mann