mini|Hauptverwaltungsgebäude in Hannover Die Enercity Aktiengesellschaft (Eigenschreibweise enercity; ehemals Stadtwerke Hannover Aktiengesellschaft) in Hannover ist ein kommunales Energieversorgungs- und Energiedienstleistungsunternehmen. Der Umsatz lag 2023 bei 9,2 Milliarden Euro und es wurden rund 3370 Mitarbeiter konzernweit beschäftigt. 2018 wurde der Markenname „enercity“ offizieller Unternehmensname, indem die „Stadtwerke Hannover Aktiengesellschaft“ in „enercity Aktiengesellschaft“ umfirmiert wurde. Eigentümer sind die Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Hannover (76 %) und die Thüga AG (24 %).
Geschichte 19. Jahrhundert: Errichtung erster Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke mini|Gaswerk Glocksee an der Ihme, heute nicht mehr existent mini|hochkant|Medaille mit dem Porträt des ersten Direktors der Stadtwerke Leonard Körting mini|hochkant|Siegelmarke Städtisches Elektrizitätswerk Hannover Gegen Mitte des 16. Jahrhunderts existierte in Hannover eine Wasserverteilung über ein Brunnensystem und Wasserleitungen, die über 300 Jahre lang mittels ständiger Ausbauten und Wartungen erhalten werden konnte. 1875 fasste der Magistrat der Stadt den Entschluss, ein Grundwasserwerk in Ricklingen zu erbauen. Die Einwohnerzahl Hannovers von mehr als 100.000 machte diese Entscheidung notwendig, da die einfachen Brunnen dem Wasserbedarf der Stadt nicht mehr gewachsen waren. 1878 nahm das neue Wasserwerk in Ricklingen seinen Betrieb auf, die Errichtung der Werke bei Laatzen-Grasdorf 1899 und am Fuhrberger Feld bei Fuhrberg 1911 folgten.
Bereits 1825 war ein Vertrag mit der Londoner Imperial Continental Gas Association (ICGA) abgeschlossen worden, der das britische Unternehmen mit der Aufgabe betraute, die alten, noch mit Talg betriebenen Straßenlampen durch neue Gaslampen zu ersetzen, diese zu betreiben und zu warten. Hierzu wurde noch im Jahr der Vertragsunterzeichnung mit dem Bau des Gaswerkes Glocksee begonnen als erste Gasanstalt Deutschlands, die 1826 in Betrieb ging. Dadurch war Hannover die erste Stadt mit Gasversorgung in Deutschland. 1882 bekam das Gaswerk zwei große Gasometer an der Glocksee, von denen einer erhalten ist.
1883 folgte dem Wasserwerk Ricklingen und dem Gaswerk Glocksee eine Blockanlage zur Erzeugung elektrischer Energie. 1891 ging schließlich das erste Elektrizitätswerk in der Osterstraße ans Netz.
1922–1990er Jahre: Städtische Betriebswerke und Stadtwerke Hannover, Umwandlung in Aktiengesellschaft Die einzelnen Wasser-, Elektrizitäts- und Gaswerke wurden 1922 zu einem Regiebetrieb zusammengefasst: den Städtischen Betriebswerken. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden auch die Betriebswerke gleichgeschaltet. In der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurden zudem mindestens 123 Zwangsarbeiter eingesetzt.
Die Nachkriegszeit nach dem Zweiten Weltkrieg war zunächst durch Energieversorgungsprobleme geprägt. Durch Wiederaufbaumaßnahmen und das Wirtschaftswunder profitierten auch die Städtischen Betriebswerke. Neue Anlagen wurden eingerichtet und die Erweiterung der Netze in vorher noch nicht erschlossene Gebiete gefördert. 1952 wurden die Städtischen Betriebswerke in Stadtwerke Hannover umbenannt. Das 1962 in Betrieb genommene Heizkraftwerk Linden begründete das Fernwärmenetz des Unternehmens.
Der Aufschwung der 1950er- und 1960er-Jahre brachte den Stadtwerken bis zu zweistellige Zuwachsraten, woraufhin der Rat der Stadt Hannover im November 1970 die Umwandlung der Versorgungseinrichtungen in eine Aktiengesellschaft beschloss; alleiniger Aktionär der Stadtwerke Hannover AG wurde am 21. Dezember 1970 die Landeshauptstadt Hannover. Die Umwandlung der Stadtwerke in eine Aktiengesellschaft war notwendig, um Stadtwerke und Üstra in der Holding Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Hannover mbH (VVG) zusammenfassen zu können. Unter anderem wurde dadurch ermöglicht, Gewinne der Enercity (früher: Stadtwerke) mit den Verlusten der Üstra zu verrechnen.
Das Geschäft mit Erdgas begann Anfang der 1970er Jahre, 1982 wurde der erste Kavernenspeicher in Empelde in Betrieb genommen, und 1989 begann der Betrieb des Gemeinschaftskraftwerks Hannover in Stöcken. Der erste Block des Kohlekraftwerks Stöcken soll ab Ende 2024 schrittweise im Hinblick auf den Kohleausstieg abgeschaltet werden.
Seit den 1990er Jahren: Energiewende Im Zuge der zunehmenden Liberalisierung der Energiemärkte wurde 1996 aus den Stadtwerken Hannover „enercity“. Zunächst war ein Begriff für die Dienstleistung Wärmeservice gesucht worden, woraufhin der Kommunikationswirt Jochen Winkler von der betreuenden Werbeagentur B&B aus Hannover den Namen Enercity vorschlug und die Stadtwerke ihn dann für das Gesamtunternehmen verwendeten.
Seit Anfang der 1990er Jahre engagiert sich das Unternehmen für den Einsatz von Biomasse zur Wärme- und Stromerzeugung. Das größte Projekt in diesem Zusammenhang ist die Übernahme von Anteilen der Danpower GmbH im Jahr 2006.
Mit dem Beschluss der Energiewende begann Enercity in den 2010er-Jahren, seinen Schwerpunkt von fossilen auf erneuerbare Energien zu verlegen. Von 2015 bis 2023 war Susanna Zapreva die Vorsitzende des Unternehmens; sie war an der Implementierung dieses Kurswechsels maßgeblich beteiligt. 2019 kaufte Enercity der Siemens Gamesa die Projektentwicklungsgesellschaft Gamesa Energie Deutschland GmbH mit Sitz in Oldenburg ab, um stärker in Onshore-Windkraftanlagen zu investieren. Anschließend wurden unter anderem 166 Windkraftanlagen der Norderland-Gruppe in Ostfriesland gekauft.
2023 lag der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien bei rund 52 %, bei der Wärmeerzeugung bei rund 22 %. Laut Angaben des Unternehmens sei das Ziel, bis 2030 einen Ökostromanteil von 85 % zu erreichen. Der Kohleausstieg des Unternehmens soll ab 2024 und möglichst bis 2026, spätestens aber bis 2030 durchgeführt werden. Gemeinsam mit der Stadt Hannover wurde ein Plan erarbeitet, wonach bis 2035 Klimaneutralität bei der Erzeugung von Strom und Wärme erreicht werden soll. Bis 2030 plant Enercity, 7,6 Milliarden Euro in die Dekarbonisierung und den Ausbau der erneuerbaren Energien zu investieren. Seit dem 1. Juli 2024 ist Aurélie Alemany Vorstandsvorsitzende der Enercity AG. Im Jahre 2025 übernahm Enercity das Energiehandelsgeschäft, einige Photovoltaikanlagen sowie die Anteile an der Cloud-Lösungsplattform Lynqtech von dem Energieversorger Hanwha Q Cells.
Unternehmensstruktur mini|Leuchtröhrenwand des KundenCenter von Enercity am Kröpcke Enercity erzielte für das Geschäftsjahr 2023 einen Jahresumsatz von rund 9,2 Milliarden Euro.
Die Hauptverwaltung befand sich von 1975 bis 2023 im Ihme-Zentrum im hannoverschen Stadtteil Linden-Mitte, seit August 2023 ist sie in einem Neubau auf dem Glocksee-Gelände in der Calenberger Neustadt angesiedelt. Das Kundencenter von Enercity befindet sich in der Ständehausstraße 6 in Hannover am Kröpcke.
Das Grundkapital von Enercity gehört zu 76 % der Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Hannover (VVG). Weitere 24 % befinden sich im Besitz der Thüga AG mit Sitz in München, an der wiederum die Enercity AG beteiligt ist. Ein größerer Teil der Unternehmensgewinne fließt durch Konzessionsabgaben wieder an die VVG und die Stadt Hannover zurück. Enercity hält mehrere Beteiligungen an Energieunternehmen in der Region Hannover und führt das operative Geschäft für die beiden großen Kraftwerke in den Stadtteilen Stöcken und Linden sowie für den Gasspeicher in Empelde.
Geschäftsfelder und Produkte In der Region Hannover beliefert das Unternehmen über 700.000 Menschen mit Strom, Erdgas, Fernwärme, Trinkwasser und Energiedienstleistungen.
Strom Seit dem 1. Januar 2018 versorgt Enercity seine Privatkunden bundesweit mit 100 % Ökostrom aus Sonne, Wind, Biomasse und Wasser. Damit zählte Enercity im Jahr 2018 zu den fünf größten Ökostromanbietern in Deutschland. Enercity betreibt zur Produktion von Strom und Fernwärme in Hannover mehrere Kraftwerke: das Heizkraftwerk Linden in Linden-Nord, das Kraftwerk Herrenhausen in Leinhausen sowie zusammen mit VW das mit Steinkohle betriebene Gemeinschaftskraftwerk Hannover in Stöcken, das schrittweise ab Ende 2024 und bis spätestens 2030 abgeschaltet werden soll. Geplant ist, den Kohlestrom in Zukunft unter anderem durch Abwärme, Altholz- und Abfallverwertung und Klärschlammverbrennung zu ersetzen.
Wind und Solar 2019 lieferte Enercity rund 628.000 Megawattstunden Windenergie. 2022 wurden rund 60 Windparks mit 166 Windkraftanlagen von der ostfriesischen Norderland-Gruppe erworben, im Januar 2023 wurde das Geschäft vollzogen. Stand 2023 besaß Enercity damit 83 Windparks mit 348 Windkraftanlagen.
Mit der Firmentochter „enercity solution GmbH“ bietet Enercity deutschlandweit Photovoltaikanlagen zum Kauf oder zur Miete an. Neben den Komponenten und der Installation erhalten die Kunden Serviceleistungen wie Fernüberwachung, Wartung und einen Versicherungsschutz. Im Expo Park Hannover installierte Enercity 2022 die bislang größte Dach-Photovoltaikanlage in Hannover. Mit der Stadt Hannover und dem Land Niedersachsen hat Enercity Kooperationen geschlossen, wonach sie Photovoltaikanlagen auf den Dächern von öffentlichen Gebäuden installieren können.
Wärme Enercity bietet als Wärmeangebote Erdgas, Fernwärme und Wärmepumpen. Nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung wird die Abwärme aus der Stromerzeugung den Kunden als Raum- oder Prozesswärme geliefert. Im Zuge der Wärmewende plant Enercity einen Ausbau der Fernwärme, zudem setzt das Unternehmen auf Geothermie, Großwärmepumpen und Industrieabwärme als Wärmeerzeuger.
Als weiteren Energieträger bietet Enercity Erdgas an, das direkt über die Leitungen ins Haus kommt und z. B. zum Beheizen der Wohnung und zum Kochen genutzt werden kann. Das Gas wird zum größten Teil aus Erdgasspeichern, wie der Gasspeicher Hannover GmbH, gewonnen, oder es entsteht in Biogasanlagen. Enercity stellte Erdgas auch über Erdgastankstellen für Fahrzeuge zur Verfügung, bis diese Anlagen 2018 an das Unternehmen Orange-Gas verkauft wurden.
Über Hannover hinaus arbeiteten die Tochtergesellschaften Enercity Contracting und Danpower Stand 2022 mit mehr als 300 Kommunen im Bereich Wärmeversorgung zusammen.
Zur Geschichte siehe auch: Gaswerke-Verwaltung (Hannover).
Elektromobilität Seit 2010 baut Enercity in Hannover Stromtankstellen für Elektrofahrzeuge aus und stellt dazu stellt in Hannover und Region öffentliche und halböffentliche Ladepunkte für E-Autos, E-Bikes und E-Roller zur Verfügung. Im Dezember 2020 wurde der 1000. Ladepunkt von Enercity eröffnet. Für die Realisierung von DC-Schnellladestationen (Direct Current, kurz DC) arbeiten Enercity und Üstra zusammen. Für das Finden von E-Auto-Ladepunkten brachte Enercity im Herbst 2023 die App „easygo“ auf den Markt. Enercity liefert außerdem Lademöglichkeiten für Privatkunden am Wohnort sowie für Firmen. Zudem vermietete Enercity in Kooperation mit der Autoagentur nextmove Elektroautos unterschiedlicher Hersteller.
Neben einer Beratung für Privatkunden, die auf Elektrofahrzeuge umsteigen wollen, liefert Enercity Stromtankstellen zum Laden ihrer Elektroautos. 2023 installierte Enercity 72 Ladepunkte für E-Autos am Flughafen Hannover.
Glasfaser Im Jahr 2021 nutzten rund 27.000 Privathaushalte und 600 Gewerbekunden Glasfaseranschlüsse durch Enercity. Bis 2030 plant das Unternehmen, 150.000 Haushalte an die Glasfasertechnologie anzuschließen.
Wasser Drei Wasserwerke, in Elze-Berkhof, Fuhrberg und Grasdorf, versorgen die über 700.000 Menschen in Hannover und Region mit Trinkwasser. Insgesamt speist Enercity jedes Jahr rund 43 Millionen Kubikmeter Wasser in das Netz ein.
Beteiligungen (Auszug) Danpower GmbH