mini|Kutte eines Hertha BSC-Anhängers Unter dem Begriff Kutte versteht man eine von Fußballfans getragene Weste, die meist mit Aufnähern des geliebten Vereins oder auch mit Hassbekundungen gegen gegnerische Vereine bestickt ist. In den meisten Fällen ist die Kutte aus blauem Jeansstoff. Manchmal handelt es sich um „echte“ Jeanswesten, manchmal auch um Jeansjacken, deren Ärmel herausgetrennt werden.
Dabei wird häufig nicht nur das Kleidungsstück, sondern auch der kuttentragende Anhänger mit diesem Begriff bezeichnet, vgl. pars pro toto. In Frankreich wird der mit den diversesten Devotionalien „seines“ Vereins wie Vereinstrikot und oft mehreren Schals ausgestattete Fußballfan Mastre genannt. Die Kutte symbolisiert also bedingungslose Vereinstreue und Tradition. Im Gegensatz zur modernen Ultra-Kultur (oft in Schwarz gekleidet) stehen klassische Kuttenträger meist für ein friedliches Miteinander über Vereinsfarben hinweg. „In den Farben getrennt, in der Sache vereint“. Eine wesentliche Gemeinsamkeit zwischen den deutschen und französischen Fanszenen besteht hinsichtlich der teilweisen Ablehnung von Kutten seitens der Ultrà-Bewegung, die auf der angeblich häufig fehlenden Sangesfreude basiert. Dem Begriff Kutte wird im Zusammenhang mit dieser Ablehnung eine negative Konnotation verliehen.
Als gängige Rituale für eine „echte“ Kutte gelten:
Niemals waschen: Eine Kutte wird traditionell nur gelüftet, um den „Geruch des Stadions“ (Bier, Bratwurst, Schweiß) zu bewahren.
Handarbeit: Die Aufnäher werden in der Regel selbst per Hand aufgenäht („gestrickt“). Reines Aufbügeln gilt unter Puristen als verpönt.
Kuttentaufe: Neue Kutten werden oft in feierlichen Fan-Ritualen eingeweiht, zum Beispiel mit Bier übergossen oder kurzzeitig vergraben. Als Kuttenbestückung kommt üblicherweise ein Backpatch, ein riesiger Rückenaufnäher des eigenen Vereins zum Einsatz, der das optische Zentrum bildet. Auf der Vorderseite eher kleinere Patches sowie Pins, Buttons und Nieten.
Kutten gelten auch als Symbol der „guten alten Zeit“ des Fußballs, denn die Bewegung entstand in deutschen Stadien in den 1970er und 1980er Jahren, denn Fans wollten sich optisch von den „normalen“ Zuschauern abgrenzen. Die Anzahl der Kuttenträger im Stadion wurde weniger und wurden älter als die Mitglieder der Ende der 1990er Jahre entstandenen Ultra-Bewegung. Nach dem Rückgang erleben Kutten seit den 2010er Jahren bei vielen Traditionsvereinen ein Comeback.
Fan-Kutten sollten jedoch nicht mit den von Heavy-Metal-Anhängern (Metal-Kutte) oder Motorradfahrern (Motorrad-Kutte) getragenen Kutten verwechselt werden. Im Gegensatz zu den anderen beiden Gruppen gibt es bei Kutten von Fußballfans kein „Verbot“, diese zu waschen. Das Nicht-Waschen der Kutte hat eher praktische Gründe (z. B. aufgesteckte Pins, angenähte Fransen).
Einzelnachweise
Kategorie:Weste Kategorie:Fußballfankultur Kategorie:Subkultur Kategorie:Kleidung nach Verwendung Kategorie:Personenbezeichnung