mini|Junge Blüte Annona senegalensis ist eine Pflanzenart aus der Familie der Annonengewächse (Annonaceae).

Beschreibung Annona senegalensis ist ein halbimmergrünerH. Breman, J.-J. Kessler: Woody Plants in Agro-Ecosystems of Semi-Arid Regions. Springer, 1995, ISBN 978-3-642-79209-0 (Reprint), S. 78. Strauch oder ein kleiner Baum der bis über 6 Meter hoch wird. Die Rinde ist graubraun. Die behaarten Zweige bilden eine unregelmäßige Krone.

Die wechselständigen Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Der mehr oder weniger behaarte Blattstiel weist eine Länge von 5 bis 20 Millimeter auf. Die ganzrandige, eiförmige bis elliptische, längliche oder verkehrt-eiförmige, abgerundete bis stumpfe oder rundspitzige bis eingebuchtete Blattspreite ist 5 bis 20 Zentimeter lang und 3 bis 12 Zentimeter breit mit sieben bis zwölf Paaren deutlich hervortretenden, parallel verlaufenden, braunen Seitennerven. Die Basis ist leicht herzförmig bis stumpf. Die grüne, oft blau oder gelb schattierte Blattspreite ist unterseits behaart und oben relativ glatt.

Annona senegalensis ist vorweiblich, protogyn.Peter K. Endress: Diversity and Evolutionary Biology of Tropical Flowers. Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-42088-1, S. 220. Die duftenden Blüten hängen einzeln oder paarweise an der Unterseite der Zweige an etwa 2 Zentimeter langen Blütenstielen. Die mit einem Durchmesser von bis zu 2 Zentimeter relativ kleinen Blüten sind zwittrig und dreizählig. Die drei kleinen Kelchblätter sind dreieckig und außen behaart. Es sind zwei Kreise mit je drei gelb-grünen oder hellgelben, fleischigen Kronblätter vorhanden, wobei die äußeren drei größer und heller gelb sind, die inneren sind hellorange.

Die großen, rundlichen bis eiförmigen Sammelfrüchte mit erst grüngelber Oberfläche färben sich in der Reifezeit nach orange und nehmen eine Marmorierung an. Auf der Oberfläche verlaufen netzförmig angeordnete Erhebungen, Schuppen. Die Scheinfrüchte erreichen eine Länge von 6 Zentimeter und einen Durchmesser von 3,5 Zentimeter. Das gelbe Fruchtfleisch schmeckt ähnlich wie Ananas und ist süß, weshalb es eine beliebte Affenspeise ist. Es enthält zahlreiche, kleine, harte Samen von länglicher Form und schwarz- bis orange-brauner Farbe mit einem kleinen Arillus.Annona senegalensis In: N. K. B. Robson: Flora Zambesiaca. Vol 1, Part 1, 1960, S. 104, bei JSTOR.

Vorkommen Annona senegalensis kommt in afrikanischen Savannen von der westafrikanischen Sudanzone bis hin zum südafrikanischen Lowveld vor. Sie ist im tropischen und südlichen Afrika weitverbreitet und kommt auch auf den Komoren und Madagaskar vor.

Bevorzugt siedelt diese Baumart im trockenen, offenen Holzland und im Buschgrasland.Hans Dieter Neuwinger: Afrikanische Arzneipflanzen und Jagdgifte. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1994, ISBN 3-8047-1314-9.

Taxonomie und Systematik Annona senegalensis wurde 1806 von Christiaan Hendrik Persoon in Synopsis Plantarum Band 2 Teil 1 Seite 95 erstbeschrieben.

Man kann zwei Unterarten und eine Varietät unterscheiden: Annona senegalensis var. areolata : Sie kommt in Mali, Guinea und in der Elfenbeinküste vor. Annona senegalensis subsp. oulotricha : Sie kommt von Guinea-Bissau bis zur Demokratischen Republik Congo vor. Annona senegalensis subsp. senegalensis: Sie kommt im ganzen Gebiet der Art vor.

Verwendung mini|Blüte von Annona senegalensis subsp. senegalensis mini|Früchte mini|Geöffnete Frucht Nahrung und traditionelle afrikanische Heilkunde Das orange Fruchtfleisch der im Vergleich zu anderen Annonen eher kleinen Früchte ist sehr schmackhaft und wird als Wildobst genutzt.

In Nigeria werden volksmedizinisch große Mengen an Früchten verzehrt, um die Extraktion des Guineawurms zu begünstigen.

Volksmedizinische Verwendung finden die Blätter gegen Arthritis (Mali), Konjunktivitis (Gambia), zur Wundversorgung (Burundi) und gegen Impotenz (Togo).

Die afrikanische Volksmedizin verwendet die Wurzeln zur Behandlung von Gelenkerkrankungen, Darmkrankheiten, zur Behandlung weiblicher Unfruchtbarkeit, gegen die Wirkung von Schlangenbissen, zur Bekämpfung parasitierender Würmer und gegen Durchfall verwendet und wird bei den Zulu in Südafrika auch gegen Wahnsinn, Tollheit und Benommenheit eingesetzt.

Magische Verwendung Im Südwesten der Zentralafrikanischen Republik gilt das Tragen von jungen Schösslingen von Annona senegalensis und von daraus gefertigten Amuletten als Schutz vor Kriegsverletzungen und soll das Erreichen eines hohen Alters ermöglichen. Auch als magischer Diebstahlschutz und zur magischen Herbeiführung eines Freispruchs vor einem Tribunal kommen Pflanzenteile in Fetisch-Praktiken zur Anwendung.E. + J. Hilberth: Contribution à l'éthnographie des Gbaya. (= Studia Ethnographica Upsaliensis. 29). 29 (1968).

Jagdgift Als Bestandteil eines Pfeilgiftes verwenden die Fulbe die Wurzeln, aber auch der Rindensaft wird in Anteilen in Pfeilgiften der Lobedu und der Venda eingearbeitet.

Inhaltsstoffe Zehn verschiedene Diterpene aus der Wurzelrinde,I. Eshiet, A. Akisanya, D. A. H. Taylor: Diterpenes from Annona senegalensis. In: Phytochem. 10, 1971, S. 3294–3295.E. Kayode, J. L. Durodola: Antitumor and antibiotic principles of Annona senegalensis. In: Phytochem. 15, 1976, S. 1311–1312. darunter Stachansäure, allesamt Kauran-Derivate Sesquiterpene in den Blättern,A. Mackie, A. L. Misra: Chemical investigations of the leaves of Annona senegalensis. I. Constituents of the leaf wax. In: J.Sci.Food Agric. 7, 1956, S. 203–209.A. Mackie, N. Gathge: Leaves of Annona senegalensis. II. Carbohydrates, glucosides, protein, amino acids, sterols. In: J. Sci. Food Agric. 9, 1958, S. 88–92. darunter Linalool im etherischen Öl der Blätter und Car-3-en im etherischen Öl der FrüchteO. Ekundayo, B. Oguntimein: Composition of the essential oil of Annona senegalensis. In: Planta Medica. 1986, S. 202–204. PMID 17345240. Flavonoide: Quercetin, Quercitrin in den Blättern Sterole: β-Sitosterol in den Blättern freie Aminosäuren: vor allem Ornithin, Citrullin und ProlinD. Bamba, G. Balansard, C. Maillard: Mise en évidence et caracterisation des acides aminés des écorces de tige d'Annona senegalensis Pers. In: Plant. Méd. Phytothér. 18, 1984, S. 36–45. TannineG. Balansard, D. Bamba, L. Lepogpham: Pharmaceuticals based on a purified extract of Annona senegalensis. Fr.Demande FR 2,530,471 vom 27. Januar 1984. Acetogenine: Annosenegalin und AnnogalenS. Sahpaz, M. C. Gonzalez, R. Hocquemiller, M. C. Zafra-Polo, D. Cortes: Annosenegalin and annogalene: two cytotoxic mono-tetrahydrofuran acetogenins from Annona senegalensis and Annona cherimolia. In: Phytochemistry. 42(1), 1996, S. 103–107. PMID 8728060. das aporphine Alkaloid (−)-RoemerinM. You, D. B. Wickramaratne, G. L. Silva, H. Chai, T. E. Chagwedera, N. R. Farnsworth, G. A. Cordell, A. D. Kinghorn, J. M. Pezzuto: (−)-Roemerine, an aporphine alkaloid from Annona senegalensis that reverses the multidrug-resistance phenotype with cultured cells. In: J Nat Prod. 58(4), 1995, S. 598–604. PMID 7623038.

Toxikologie Erste toxikologische VersucheA. T. de Rochebrune: Toxicologie Africaine. Vol. II, Paris 1898. im Jahre 1898 an Meerschweinchen ergaben eine hohe Toxizität der Pflanze: Ein Dekokt von 1 g Rinde in 2 g Wasser rief Erbrechen, Atemnot, Blutdruckanstieg, dann Blutdruckabfall und Exophthalmus hervor und führte nach tiefem Koma zum Tod. Auch Ratten starben drei Stunden nach Verabreichung eines alkoholischen RindenextraktsF. Sandberg, A. Cronlund: An ethnopharmacological inventory of medicinal plants and toxic plants from Equatorial Africa. In: J. Ethnopharmacol. 5, 1982, S. 187–204. i.p. bei einer LD50 von 100 mg/kg. Hier trat jedoch Enophthalmus auf.

Experimentelle Pharmakologie In der evidenzbasierten Medizin werden Extrakte und Zubereitungen aus Annona senegalensis bislang nicht angewendet. Es mangelt hierfür an beweiskräftigen Studien am Menschen, also In-vivo-Versuchen. In verschiedenen Tiermodellen ergaben sich Hinweise auf mögliche Heilmöglichkeiten gegen parasitäre Erkrankungen, was im Einklang zur volksmedizinischen Verwendung bei einigen afrikanischen Völkern stehen würde. Mit dieser Methodik ergaben sich außerdem mögliche pharmakologische Effekte gegen die Wirkung eines Schlangengifts und gegen Durchfallerkrankungen. Auch gegen Fraßinsekten und Salzwasser-Garnelen sind Wirkstoffe in Annona senegalensis enthalten. Cytotoxische Effekte gegen menschliche und murine Zellen konnten in vitro nachgewiesen werden. Gerade diese zellschädigenden Merkmale lassen eine künftige Anwendung von Drogenextrakten in der westlichen Medizin relativ unwahrscheinlich erscheinen. Auch abgetrennte, isolierte Reinsubstanzen werden derzeit nicht medizinisch angewendet.

Bislang existieren die folgenden pharmakologischen und biologischen Befunde zu Annona senegalensis: Die Verabreichung eines wässrigen Extraktes aus Blättern von Annona senegalensis bewirkte in Mäusen eine vollständige Heilung von einer Infektion mit Trypanosoma brucei brucei.E. O. Ogbadoyi, A. O. Abdulganiy, T. Z. Adama, J. I. R. Okogun: In vivo trypanocidal activity of Annona senegalensis Pers. leaf extract against Trypanosoma brucei brucei. In: J Ethnopharmacol. 112(1), 2007, S. 85–89. Epub 22. Februar 2007. PMID 17418511. Auch der wässrige Wurzelextrakt beseitigte in Mäusen diesen Erreger.A. C. Igweh, A. O. Onabanjo: Chemotherapeutic effects of Annona senegalensis in Trypanosoma brucei brucei. In: Ann Trop Med Parasitol. 83(5), 1989, S. 527–534. PMID 2619365. Beide Zubereitungen wirken jedoch nicht prophylaktisch. Der Erreger Trypanosoma brucei brucei ist der Erreger der Tierkrankheit Nagana. Die Wirksamkeit gegen Trypanosoma brucei rhodesiense, den humanpathogenen Erreger der ostafrikanischen Schlafkrankheit, erwies sich als mäßigF. Freiburghaus, R. Kaminsky, M. H. Nkunya, R. Brun: Evaluation of African medicinal plants for their in vitro trypanocidal activity. In: J Ethnopharmacol. 55(1), 1996, S. 1–11. PMID 9121161 gegenüber den herkömmlichen Trypanociden. Bei Versuchen an Ratten und Salinenkrebsen, denen das Gift einer Kobra verabreicht wurde, zeigte ein methanolischer Extrakt Teilerfolge als Gegengift hinsichtlich der Senkung der durch das Gift ausgelösten Hyperthermie und teilweiser DetoxifizierungB. Adzu, M. S. Abubakar, K. S. Izebe, D. D. Akumka, K. S. Gamaniel: Effect of Annona senegalensis rootbark extracts on Naja nigricotlis nigricotlis venom in rats. In: J Ethnopharmacol. 96(3), 15 Jan 2005, S. 507–513. Epub 2004 Dec 8. PMID 15619571. des Schlangengifts, jedoch konnte der Extrakt keine Wiederherstellung der vergifteten Leberfunktionen bewirken. Gegen den Maiskäfer (Sitophilus zeamais (Motsch.)) wirkt ein Extrakt der Ätherischen ÖleL. S. Ngamo Tinkeu, A. Goudoum, M. B. Ngassoum, P. M. Mapongmetsem, H. Kouninki, T. Hance: Persistance of the insecticidal activity of five essential oils on the maize weevil Sitophilus zeamais (Motsch.) (Coleoptera: Curculionidae). In: Commun Agric Appl Biol Sci. 69(3), 2004, S. 145–147. PMID 15759405. von Annona senegalensis. Nach einer In-vitro-Behandlung von Wurmeiern von Haemonchus contortus mit Annona-senegalensis-Extrakt zeigte sich eine anthelminthische WirksamkeitC. B. Alawa, A. M. Adamu, J. O. Gefu, O. J. Ajanusi, P. A. Abdu, N. P. Chiezey, J. N. Alawa, D. D. Bowman: In vitro screening of two Nigerian medicinal plants (Vernonia amygdalina and Annona senegalensis) for anthelmintic activity. In: Vet. Parasitol. 113(1), 2003, S. 73–81. PMID 12651218. durch die signifikant geringere Zahl an gereiften Eiern.