Die Gemeinde Engelskirchen ist eine kreisangehörige Gemeinde des Oberbergischen Kreises im Bergischen Land im Südosten des Landes Nordrhein-Westfalen.

Geografie mini|Karte des Gemeindegebietes mini|Der Engelskirchener Engel Engelskirchen liegt im Aggertal im Westen des Oberbergischen Kreises und grenzt dort mit Overath an den Rheinisch-Bergischen Kreis. Im Norden grenzt die Gemeinde an Lindlar, im Osten an Gummersbach, im Südosten an Wiehl und im Süden an Much.

Gemeindegliederung (offizielle Orte der Gemeinde) BBellingroth – Bickenbach – BuschhausenDDörrenbergG GrünscheidHHahn – Hardt – HollenbergKKaltenbachLLoopeMMiebach – MüllensiefenNNeuremscheidOOesinghausen – Ötterstal – OsberghausenPPapiermühleRRemerscheid – Rennbruch – Rommersberg – RünderothSSchnellenbach – StiefelhagenWWahlscheid – Wallefeld – Wiehlmünden

Frühere Ortschaften, die eingegliedert wurden Früherer Ort eingegliedert nachBroich GrünscheidEhreshoven LoopeGosse WahlscheidThal WahlscheidHeide LoopeHintersteimel LoopeHülsenLoopeKastorLoopeNiederhof LoopeOhlGrünscheidOberschelmerath LoopeVordersteimel LoopeUnterbüchel Loope

Einwohnerentwicklung Entwicklung von 1792 bis 1974 Bis zur Kommunalen Neugliederung im Jahr 1975 umfasste die Bürgermeisterei Engelskirchen die Gemeinden Engelskirchen und Hohkeppel.Zahlen bis 1974 entnommen aus: Hesse: Engelskirchen im 19. und 20. Jahrhundert. 1985, S. 70 und 106. Jahr Einwohnerinsgesamt davonGemeindeEngelskirchen davonGemeindeHohkeppel 1792 2.777 1.516 1.261 1821 2.892 1.840 1.052 1831 3.590 2.103 1.487 1850 4.285 2.458 1.827 1860 4.496 2.597 1.893 1870 4.945 2.886 2.059 1880 5.096 3.483 1.613 1890 5.455 3.988 1.467 1900 5.687 4.195 1.492 1910 5.154 4.148 1.006 1920 5.342 4.312 1.030 1933 5.788 4.644 1.144 1939 5.894 4.815 1.079 1945 7.176 5.760 1.416 1950 7.780 5.954 1.826 1961 9.612 7.457 2.155 1970 10.382 8.139 2.243 1974 10.595 8.142 2.453

Entwicklung ab 1975 Einwohnerentwicklung nach der Kommunalen Neugliederung und Zusammenführung von Engelskirchen und Ründeroth:Zahlen bis 1984 entnommen aus: Hesse: Engelskirchen im 19. und 20. Jahrhundert. 1985, S. 106.(jeweils zum 31. Dezember)

Jahr Einwohner 1975 18.555 1976 18.452 1977 18.444 1978 19.002 1979 19.278 1980 19.425 1981 19.552 1982 19.558 1983 19.726 1984 19.740 Jahr Einwohner 1998 20.568 2000 20.647 2001 20.829 2003 20.807 2005 20.569 2008 20.164 2012 19.269 2013 19.211 2022 19.584202319.637 Geschichte Während die Germanisierung des Rheinlands im zweiten Jahrhundert v. Chr. nahezu vollendet war, gibt es für den Bereich des Engelskirchener Gemeindegebiets keine Nachweise für eine dauerhafte Besiedlung zu dieser Zeit; Ausgrabungsfunde weisen auf durchreisende Jäger, Händler und Hirten hin. Gründe für die späte Besiedlung waren vermutlich die dichte Bewaldung und die Agger, die zu dieser Zeit einen deutlich höheren Stand hatte als heute.Peter Kühlheim: Heimatgeschichte der Gemeinde Engelskirchen. In: Opladen, Schiefeling: Engelskirchen im Aggertal. 1951, S. 9–12.

Engelskirchen wurde als alte bergische Siedlung urkundlich erstmals im Jahr 1353 erwähnt, und zwar in der Formulierung: „Gerlaco von Engellerskerken wird als Wipperfürther Schöffe genannt“. Die Schreibweise der Erstnennung war Engellerskerken.Klaus Pampus: Urkundliche Erstnennungen oberbergischer Orte (= Beiträge zur Oberbergischen Geschichte. Sonderbd. 1). Oberbergische Abteilung 1924 e. V. des Bergischen Geschichtsvereins, Gummersbach 1998, ISBN 3-88265-206-3. Älter ist der Ortsteil Ründeroth, der 1174 zum ersten Mal erwähnt wird.

Für das Kirchspiel Engelskirchen, unterteilt in die Honschaften Ober- und Unter-Engelskirchen, war der Lindlarer Fronhof zuständig. Der verantwortliche Stiftskämmerer zählte 1413 im Gemeindegebiet 45 Höfe in 28 Gehöften. Im Kirchspiel wurde schon früh Bergbau und Metallbearbeitung betrieben; urkundliche Belege für die Zeit vor 1500 sind jedoch selten. Das älteste bekannte Fachwerkhaus stellt eine Mühle dar, die in einem Pachtvertrag von 1514 erstmals in Dokumenten zu finden ist.Josef Schiefeling (Hrsg.), Josef Hesse, Hartmut Neuhoff: Engelskirchen – Bilder eines bergischen Ortes. Schiefeling Verlag, Engelskirchen, 1991. Seite 96. Am 3. Mai 1566 erteilte der Herzog von Berg die Erlaubnis von Eisenhämmern.Peter Kühlheim: Heimatgeschichte der Gemeinde Engelskirchen. In: Opladen, Schiefeling: Engelskirchen im Aggertal. 1951, S. 13. Darüber hinaus nutzten die Bewohner die Waldungen zur Gewinnung von Holzkohle für die Eisenwerke und zur Herstellung von Fassreifen, die im 15. und 16. Jahrhundert nach Köln geliefert wurden, wo ein besonderer Reifenmarkt eingerichtet war.

Engelskirchen gehörte bis 1806 zum Herzogtum Berg verwaltungsrechtlich und gerichtlich zum Amt Steinbach.

Von 1800 bis 1820 1806 erhob Napoleon das Herzogtum Berg zum Großherzogtum, das er 1808 in Départements, Arrondissements, Kantone und Mairien unterteilte. In den Mairien blieben die alten Honschafts- und Kirchspielgrenzen unverändert bestehen. Zur Bürgermeisterei Engelskirchen gehörten die Honschaften Ober- und Unterengelskirchen, Tüschen und Vellingen. Engelskirchen wurde dem Kanton Lindlar zugeordnet und bildete aufgrund der geringen Einwohnerzahlen eine Samtgemeinde mit dem Kirchspiel Hohkeppel.Hesse: Engelskirchen im 19. und 20. Jahrhundert. 1985, S. 61–62.

Nach dem Rückzug Napoleons wurde das Großherzogtum Berg Preußen zugesprochen. Bei der folgenden Reorganisation der Verwaltung wurden französische Namen und Begriffe durch deutsche ersetzt. Alexander Court wurde zum Bürgermeister in Lindlar bestellt und übernahm zugleich die Mitverwaltung der Bürgermeisterei Engelskirchen. Lindlar gehörte zum Landkreis Wipperfürth, der Teil des Regierungsbezirks Köln war.Hesse: Engelskirchen im 19. und 20. Jahrhundert. 1985, S. 62–65.

Von 1820 bis 1850: Die Industrialisierung Engelskirchens Von Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Engelskirchen insbesondere Landwirtschaft, Handwerk sowie in geringem Umfang Erzabbau betrieben.Hesse: Engelskirchen im 19. und 20. Jahrhundert. 1985, S. 72 und 80–81. Die Industrialisierung erreichte die Gegend um Engelskirchen erst spät. Während 1850 im Deutschen Bund der Anteil der im gewerblich-industriellen Bereich Beschäftigten über 25 % lag, betrug er im Kreis Wipperfürth 1855 nur ungefähr 9 %.Thomas Schleper: Mit Engels ins Industriezeitalter. Von Wasserkraft, Fabrikarbeit und Baukunst (= Beiträge zur Industrie- und Sozialgeschichte. Bd. 3). 2., unveränderte Auflage. Rheinland-Verlag GmbH, Köln 1993, ISBN 3-7927-1254-7, S. 50–52. Wichtig für die beginnende Industrialisierung Engelskirchens waren in diesen Jahren insbesondere die Ansiedlung der Baumwollspinnerei Ermen & Engels und der Ausbau der Infrastruktur.

Ausbau der Infrastruktur Von 1824 bis 1834 erfolgte der Ausbau und die Befestigung eines Karrenwegs, der von Köln über Engelskirchen nach Eckenhagen geführt hatte, zur befestigten Staatsstraße von Köln nach Minden. Die erste Teilstrecke der neu geschaffenen Köln-Olper Chaussee von Köln bis Engelskirchen wurde 1830 eröffnet. Die Teilstrecke bis Wegeringhausen wurde 1834 freigegeben. Die Straße verbesserte die Anbindung des Gebiets um Engelskirchen mit der Rheinschiene und ermöglichte schnellere und kostengünstigere Transporte der produzierten Güter.Karl-Heinz Lüdenbach, Rainer Schmidt: Freie Fahrt durchs Aggertal. In: Bürger- und Verschönerungsverein Loope e. V. (Hrsg.): Loope. Ein Heimatbuch. Heider, Bergisch Gladbach 2012, ISBN 978-3-87314-473-6, S. 116–117. Dem Neubau der Köln-Olper Chaussee folgte 1843 bis 1845 der befestigte Ausbau einer Straße durch das Horpetal nach Lindlar und der Bau der Leppestraße nach Kaiserau zwischen 1853 und 1856.Hesse: Engelskirchen im 19. und 20. Jahrhundert. 1985, S. 81 und 95.

Ansiedlung der Baumwollspinnerei Ermen & Engels Friedrich Engels erwarb 1837 ein an der Agger gelegenes Industriegebäude, das er zur Baumwollspinnerei Ermen & Engels umbauen ließ. Die Produktion begann 1847. Engels hatte zuvor die Ansiedlung eines Betriebs in Barmen und dem nahegelegenen Overath geprüft, sich jedoch schließlich für eine Ansiedlung in Engelskirchen entschieden.Thomas Schleper: Mit Engels ins Industriezeitalter. Von Wasserkraft, Fabrikarbeit und Baukunst (= Beiträge zur Industrie- und Sozialgeschichte. Bd. 3). 2., unveränderte Auflage. Rheinland-Verlag GmbH, Köln 1993, ISBN 3-7927-1254-7, S. 33–39. Für Engelskirchen sprach aus seiner Sicht die Agger, die eine zuverlässige Energieversorgung gewährleisten könne und zudem über eine Wasserqualität verfüge, die auch die Verwendung des Wassers als Betriebsmittel in der Färbereianlage zulasse. Ein weiterer Faktor war die Verfügbarkeit günstiger Arbeitskräfte, denn „…die Bewohner sind sehr arm, und sehen mit Sehnsucht einer neuen Nahrungsquelle entgegen“, so Engels.Zitiert nach: Thomas Schleper: Mit Engels ins Industriezeitalter. Von Wasserkraft, Fabrikarbeit und Baukunst (= Beiträge zur Industrie- und Sozialgeschichte. Bd. 3). 2., unveränderte Auflage. Rheinland-Verlag GmbH, Köln 1993, ISBN 3-7927-1254-7, S. 38. Darüber hinaus ermöglichten die gut ausgebauten Verkehrswege verhältnismäßig kurze Reisezeiten nach Barmen, wo der Firmensitz Engels lag, sowie nach Köln und Gummersbach.Thomas Schleper: Mit Engels ins Industriezeitalter. Von Wasserkraft, Fabrikarbeit und Baukunst (= Beiträge zur Industrie- und Sozialgeschichte. Bd. 3). 2., unveränderte Auflage. Rheinland-Verlag GmbH, Köln 1993, ISBN 3-7927-1254-7, S. 37. In den Folgejahren stiegen die Beschäftigtenzahlen der Baumwollspinnerei an. Dies führte auch zu einem Anstieg der Einwohnerzahlen in Engelskirchen. In den 1850er Jahren waren fast 50 % der Einwohner in der Textilfabrik beschäftigt.Thomas Schleper: Mit Engels ins Industriezeitalter. Von Wasserkraft, Fabrikarbeit und Baukunst (= Beiträge zur Industrie- und Sozialgeschichte. Bd. 3). 2., unveränderte Auflage. Rheinland-Verlag GmbH, Köln 1993, ISBN 3-7927-1254-7, S. 107.

Von 1850 bis 1900: Eisenbahn und Bergbau mini|Die Grube Bliesenbach um 1900 Im Jahr 1851 existierten in Engelskirchen circa 40 Häuser. In diesem Jahr entstand die erste bekannte Abbildung des Ortes in Form einer Bleistiftzeichnung.Josef Schiefeling (Hrsg.), Josef Hesse, Hartmut Neuhoff: Engelskirchen – Bilder eines bergischen Ortes. Schiefeling Verlag, Engelskirchen, 1991. Seite 1. Das 1860 gegründete „Eisenbahn-Komitee“ unter maßgeblicher Beteiligung von Emil Engels setzte sich für einen Anschluss Engelskirchens an die in Planung befindliche Eisenbahnstrecke nach Siegburg ein, die 1880 projektiert und ab Ende 1882 gebaut wurde. Engelskirchen erhielt somit einen Bahnhof, der am 15. Oktober 1884 erstmals von der Aggertalbahn angefahren wurde. Der Bahnanschluss sowie die 1897 eröffnete Leppetalbahn nach Marienheide führten zu deutlich sinkenden Frachtkosten für die Industriebetriebe und die Steinbrüche im Leppetal.Hesse: Engelskirchen im 19. und 20. Jahrhundert. 1985, S. 86–88.

Neben der Firma Ermen & Engels, die zu ihren Hochzeiten mehr als 600 Personen beschäftigte, wurde der Bergbau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einer der größten Arbeitgeber in Engelskirchen. Während die Gewinnung von Erzen und die Eisenverhüttung bis dahin nur eine geringe Bedeutung hatten, gingen nun mehrere Gruben in Betrieb, die insbesondere Bleierze und Zinkblende abbauten. Zu den wichtigsten Gruben gehörten: Die Grube Castor, die ab 1853 betrieben wurde und bis zu 392 Personen beschäftigte. Die Grube Silberkaule, die jedoch bereits 1893 wieder stillgelegt wurde. Die Grube Bliesenbach, für die gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Pferdelorenbahn nach Loope verlegt wurde. Weitere Gruben gab es in der Umgebung von Kaltenbach, wie zum Beispiel Grube Litz, Grube Braunfels und die Grube 15 Löwenpfähle. Hinzu kamen einige kleinere Abbaustätten in Ründeroth und Hohkeppel.Hesse: Engelskirchen im 19. und 20. Jahrhundert. 1985, S. 89–92.