mini|hochkant=1.2|Der Eichstätter Dom Der Dom zu Eichstätt (Mariä Himmelfahrt und St. Willibald) ist die Kathedralkirche des katholischen Bistums Eichstätt in Eichstätt, Bayern. Die dreischiffige Hallenkirche geht auf den Gründungsbau des hl. Willibald zurück, der hier bereits im 8. Jahrhundert eine erste Steinkirche errichtet haben soll. Die heutige Kirche entstand im Wesentlichen in hoch- und spätgotischen Stilformen und wurde 1718 durch eine barocke Westfassade abgeschlossen. Zusammen mit dem Kreuzgang und dem zweischiffigen Mortuarium gilt der Dom als eines der bedeutendsten mittelalterlichen Baudenkmäler Bayerns.
Geschichte Frühmittelalter Der Gründungsbau des hl. Willibald im 8. Jahrhundert war ein 12 Meter breiter steinerner Saalbau, der ungefähr unter dem Ostteil des heutigem Mittelschiffs zu verorten ist und die gleiche Orientierung und Breite wie dieses aufwies. Baulich getrennt schloss sich westlich an die Kirche ein steinernes Mönchskloster mit Apsissaal an. Komplettiert wurde der Gebäudekomplex von einigen hölzernen Bauten westlich des Apsissaals. Kieswege verbanden Kirche und Kloster. Das Kloster wurde wahrscheinlich während der Ungarneinfälle zerstört, die Kirche blieb jedoch erhalten.Sage, Walter: Die Domgrabung Eichstätt. In: Rieder, Karl Heinz & Tillmann, Andreas: 10 Jahre Stadtkernarchäologie. Zwischenbilanz einer Chance. Hercynia Verlag. Kipfenberg. 1992. S. 22f. Teile dieser Kirche haben sich im Mauerwerk des Ostchores erhalten.
Bischof Reginold (966–991) ließ über den Ruinen des Missionsklosters einen Rundbau mit zwei Flankentürmen und eine Außenkrypta für die Gebeine des Bistumsgründers errichten.
Romanik Dieser karolingisch-ottonische Architekturkomplex musste den Neubauplänen Bischof Heriberts (1022–1042) weichen. In Augsburg war schon um 1000 eine neue große romanische Kathedralkirche entstanden, gleichzeitig entstand auch in Speyer ein Neubau. Bischof Gundekar II. weihte 1060 ein neues Langhaus und einen Chor.
Die romanische Kathedrale konnte 1972/1975 zusammen mit den Vorgängerbauten unter dem Mittelschiff ergraben werden. Die kreuzförmige Basilika besaß je eine Apsis im Osten und Westen sowie eine 16 m lange Ostkrypta. Aus Kostengründen wurden die Ausgrabungen wieder verfüllt. Die beiden Türme dürften erst im 12. Jahrhundert entstanden sein und zeigen oberitalienische Einflüsse. Einen Bauabschluss dieser Kathedrale kann man in der Weihe am 13. Oktober 1310 vermuten.
Gotik mini|Die Anbetung der Könige am Hauptportal (Abgüsse)
Ab 1256 entstand der frühgotische Westchor, in dem die Gebeine des hl. Willibald neu beigesetzt wurden. 1269 war der Neubau vollendet.
Unter den Bischöfen Raban Truchseß von Wilburgstetten und Friedrich IV. von Oettingen brach man die salische Kirche schrittweise ab und errichtete die erhaltene hochgotische Halle. Nach 1350 wurde der Ostchor begonnen, gegen 1400 wurde der Willibaldschor (Westchor) an das Langhaus angeschlossen. Das Hauptportal im Norden ist mit 1396 bezeichnet.
Die Spätgotik fügte die Kapitelsakristei mit der Roritzerkapelle (1463–1480) hinzu. Der anschließende Domkreuzgang mit dem Mortuarium wurde 1410 mit dem Nordflügel begonnen und 1510 mit der Vollendung des Mortuariums abgeschlossen.
Barock mini|Die barocke Westfassade
Die barocke Westfassade (1716–1718) Gabriel de Gabrielis ist das erste Eichstätter Werk des Graubündner Baumeisters, der anschließend das Bild der Stadt bis heute prägen sollte. Bischof Johann Anton I. Knebel von Katzenellenbogen gab die Fassade als Dank für die Verschonung der Stadt im Spanischen Erbfolgekrieg in Auftrag. 1720 entstand eine barocke Kanzel auf der Nordseite der Mittelschiffsarkaden (Stiftung des Domherren Rudolph Theodorich von Freyberg).
1745 feierte das Bistum sein tausendjähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass stiftete Bischof Johann Anton II. den eleganten Rokokoaltar am Anfang des Willibaldschores, der Teile des Renaissancegrabaltares mit einbezieht. 1749 gab der Bischof anlässlich seines fünfzigjährigen Priesterjubiläums ein aufwändiges Gegenstück (Hochaltar) im Ostchor in Auftrag. Beide Altäre wurden von Matthias Seybold entworfen, der auch für die Planung zweier weiterer Altäre verantwortlich war. Um 1750 baute Johann Martin Baumeister um den mittleren Vierungspfeiler der Nordempore ein Orgelwerk, das 1778 und 1780 überarbeitet bzw. erneuert wurde. Der barocke Orgelprospekt stammte von den einheimischen Schreinern Willibald und Josef Hainle.
Im 18. Jahrhundert waren die Seitenkapellen durch reiche, schmiedeeiserne Gitter vom Langhaus abgeschlossen. Die gusseisernen Chorschranken kamen 1789 hinzu. Heute ist nur noch ein Gitter unter der Empore des Willibaldschores erhalten.
Die gotischen Maßwerke der Fenster waren teilweise durch einfache Windeisen ersetzt worden, die gotischen Glasmalereien durch Blankverglasung. Die Wände und Gewölbe erschienen in einem kühlen Grauton. Zahlreiche barocke Ausstattungsstücke, Grabmäler und Altäre prägten den Raumeindruck. Einige Bischöfe erwählten sich die Langhauskapellen als Grablegen und stifteten hierfür weitere Ausstattungsstücke.
19. Jahrhundert mini|Ein Rest der neugotischen Ausstattung: Die Kanzel (1887)
1845 sollte das elfhundertjährige Bistumsjubiläums „mit Anstand und Würde…, auch mit Glanz begangen werden“. Bischof Karl August von Reisach und das Domkapitel wollten den Dom deshalb wieder dem mittelalterlichen Erscheinungsbild annähern. Die Gotik galt seit dem frühen 19. Jahrhundert als der christliche Idealstil. Aus chronischem Geldmangel beschränkte man sich jedoch zunächst auf die Neuausmalung des Innenraumes und einen neuen Anstrich der barocken Ausstattungsstücke. Einige Altäre wurden sogar entfernt, so etwa die beiden Seitenaltäre im Westchor. Von 1849 bis 1850 setzte man die Sanierung ohne größere Veränderungen am Inventar fort. Von 1866 bis 1869 wurde das Mortuarium wiederhergestellt.
Bischof Franz Leopold von Leonrod veranlasste die umfassende Sanierung der Kathedrale, die sich von 1881 bis 1904 hinzog. Der Sakralraum wurde in ein einheitliches „spätgotisches“ Gewand gekleidet, neugotische Glasfenster ersetzten die Klarverglasung des Hochchores. Auch ein neuer Hochaltar entstand, in den große Teile des ursprünglichen mittelalterlichen Altares integriert wurden. Der barocke Vorgängeraltar befindet sich jetzt in Deggendorf. Die farbige Neuausmalung des Raumes wurde Fritz Geiges anvertraut, der die Gewölbeflächen mit Ranken überzog und großformatige Wandgemälde mit den Legenden der Bistumsheiligen schuf. Auch die Fenster des Langhauses erhielten bunte Glasfenster und „gotische“ Maßwerke.
Die Restaurierung kostete insgesamt über 260.000 Mark, die durch Spenden und das Wirken des Dombauvereins aufgebracht wurden. Der neugotische Dom war 1893 vollendet; die Sanierung des Kreuzganges zog sich bis ins 20. Jahrhundert hin. Bis zur erneuten Sanierung und Stilbereinigung in den Jahren des Zweiten Weltkrieges blieb die Bischofskirche im Wesentlichen unverändert.
20. Jahrhundert mini|Ostchor mini|(Westchor) mini|Willibaldsgrab im Dom zu Eichstätt
Bald meldeten sich jedoch erste Kritiker zu Wort. Der „künstliche“, „akademische“ Raumeindruck der Kathedrale wurde bereits kurz nach der Jahrhundertwende als zu düster und kalt empfunden. Die neugotischen Glasfenster verdunkelten den Raum, so dass permanent künstliches Licht eingesetzt werden musste. 1916/1917 versuchte man deshalb, die Scheiben abzuätzen und so mehr Licht ins Innere zu bringen. Noch radikaler ging man 1936 vor, als die oberen Drittel der Fenster durch blanke Antikglasscheiben ersetzt wurden.
Der unbefriedigende Zustand des Domes führte 1939 zum Beginn einer grundlegenden Restaurierung. Im Juni begann die Neufassung der Raumschale durch eine Münchner Kirchenmalerfirma. Ab Juli versuchte der Dachauer Glasermeister Syrius Eberle, einen besseren Übergang zwischen den Glasfenstern des 19. Jahrhunderts und den Blankglasflächen zu erreichen. Die meisten seiner Entwürfe wurden jedoch von der Denkmalpflege zurückgewiesen. 1945 dunkelte man die Buntglasscheiben einfach mit Wasserfarben ab.
Im Zuge dieser Restaurierung kam es auch zu einer Neuordnung der Altäre. 1942 entstand ein Konglomerat aus der neugotischen Altarausstattung und mittelalterlichen Originalen. Kriegsbedingt mussten geplante Neuanschaffungen weitgehend unterbleiben. Die Verantwortlichen befürchteten eine Beschlagnahme der reichen Bestände des Diözesanmuseums durch die NS-Machthaber und ersetzen deshalb die Skulpturen des 19. Jahrhunderts weitgehend durch mittelalterliche Originale. Das Museum selbst löste man auf. Zudem wollte man so eine künstlerische Aufwertung der Ausstattung erreichen, die der bedeutenden Architektur der Kathedrale besser entsprach.
Ab November 1941 waren besonders die Glocken und bronzenen Ausstattungsstücke von einer Beschlagnahme bedroht. Einiges konnte von der Denkmalpflege bewahrt werden, die sich hierzu manchmal auch außerhalb der damaligen Legalität bewegen musste, anderes konnte zumindest umfassend dokumentiert werden.
Die Maßnahmen der Kriegsjahre prägen das Dombild bis heute. Auch die Sanierung durch Gottfried Böhm von 1971 bis 1976 orientierte sich an diesem Zustand. Der bedeutendste Eingriff war hier die Beseitigung der Chorschranken, die auf Wunsch Bischof Alois Brems geschah. Der heftige Einspruch der Denkmalpflege blieb erfolglos. Auch die Tauf- und die Kriegergedächtniskapelle wurden damals umgewidmet, der Kreuzaltar, mit dem von Loy Hering gestalteten Altarkreuz, das heute in der Anbetungskapelle hängt, verschwand bereits 1968. Von 1968 bis 1971 wurde eine Interimslösung mit einem provisorischen Volksaltar und einem modern gehaltenen Chorgestühl in einem mit Teppich ausgelegtem Altarraum verwendet.
Von 1958 bis 1965 wurde der Außenbau restauriert.
21. Jahrhundert Weitere umfassende Restaurierungen des Doms fanden zu Beginn des 21. Jahrhunderts statt. So wurde die Westfassade zwischen 2014 und 2017 saniert.Der Bistumsgründer ist wieder da. In: Eichstätter Kurier vom 26. September 2017; Zugriff am 27. September 2018 Eine Gesamtsanierung des Doms fand seit 2019 statt.Gesamtsanierung Dom Eichstätt. Staatliches Bauamt Ingolstadt; Zugriff am 27. September 2018. Die für das Wilibaldsfest geplante Wiedereröffnung musste aufgrund eines Kleinbrandes kurzfristig verschoben werden. Somit fand feierliche Wiedereröffnung am bayerischen Kirchweihsonntag, dem 20. Oktober 2024, statt. Seit der Sanierung besitzt der Dom nun einen Aufzug um einen barrierefreieren Zugang zu ermöglichen.
Baumeister und Künstler
Die am Bau beteiligten Handwerker und Künstler werden erst ab dem 15. Jahrhundert namentlich greifbar. 1420 erscheint Frantz Peringer als „tummeister“, 1440 hatte Meister Conradt von Kamerberg dieses Amt inne. Ein Steinmetz und Steinbildhauer Eckhart Gräczer erscheint 1440/1445.
Matthäus Roritzer schuf wahrscheinlich um 1470 die Kapitelsakristei mit der nach ihm benannten Kapelle (Chörlein). Von 1475 bis 1500 war Hans Paur Dombaumeister. Er gilt als Schöpfer des Mortuariums und der Architektur des „Pappenheimer Altars“.
Mit Hans Alberthal kam einer der ersten Graubündner Meister 1609 in die Stadt. Ihm ist der Giebel des Querhauses zuzurechnen. Sein Landsmann Gabriel de Gabrieli aus Roveredo sollte wie kein anderer das Gesicht der Stadt bis heute umprägen. Ab 1714 verwandelte er das mittelalterliche Eichstätt in eine moderne Barockstadt südlicher Prägung. Seine Umgestaltungen am Dom berücksichtigten die mittelalterliche Substanz in bemerkenswerter Weise; dem herausragenden Architekten war die Leistung seiner mittelalterlichen Vorgänger offenbar sehr bewusst. Gabrieli schuf die Westfassade, die Willibaldssakristei und die Wunibaldkapelle.
Ab 1750 war der Norditaliener Maurizio Pedetti Hofbaudirektor. Für den Dom fertigte er die Entwürfe der Schönborn- und Strasoldodenkmäler.
Gottfried Böhm und Nikolaus Rosiny waren für die groß angelegte Domerneuerung von 1972–1975 verantwortlich.