mini|Büste des Pyrrhos aus der Villa dei Papiri von Herculaneum. Museo Archeologico Nazionale, Neapel. Pyrrhos I. (, altlateinisch ; * ca. 319/18 v. Chr.; † 272 v. Chr. in ArgosPyrrhos’ Geburtsjahr und Alter wird aus Plutarch, Pyrrhos 3,3 erschlossen, wonach er bei seiner Rückführung nach Epiros 306 v. Chr. zwölf Jahre alt war.) war ein antiker griechischer König der Molosser und Hegemon der Epiroten aus der Dynastie der Aiakiden im 4. und 3. vorchristlichen Jahrhundert. Vor dem historischen Hintergrund der Diadochenkriege war er in der Generation nach Alexander dem Großen einer der führenden Kriegsherren der frühhellenistischen Ära. Bekannt wurde er vor allem durch den nach ihm benannten Pyrrhischen Krieg gegen die junge Römische Republik. Trotz seiner letztendlichen Niederlage in diesem Krieg blieb im Gedenken sein militärisches Können in höchstem Ansehen. Der Begriff „Pyrrhussieg“ für einen zu teuer erkauften Erfolg leitet sich von seinem Namen ab.
Leben Frühe Jahre Pyrrhos war der einzige Sohn des Königs Aiakides und einer Tochter des thessalischen Kavalleriegenerals Menon von Pharsalos. Über seine Großtante Olympias war er mit Alexander dem Großen verwandt, was ihm später mehrfach zum Vorteil gereichte. Seine Schwester Deidameia war auf Olympias’ Betreiben 317 v. Chr. mit Alexander IV. Aigos verheiratet worden, dem Sohn des Welteroberers. Im Krieg gegen Kassander um die Macht in Griechenland und Makedonien waren nacheinander Olympias (316 v. Chr.) und schließlich Aiakides (313 v. Chr.) gefallen. Beim Tod des Vaters war Pyrrhos erst fünf Jahre alt, worauf sein Onkel Alketas II. die Gunst der Stunde nutzte und sich zum König in Epiros aufschwang. Weil der Onkel ein Vasall Kassanders war, musste Pyrrhos von einigen Getreuen seines Vaters in den Norden, zu den Illyrern, gerettet werden, wo er von König Glaukias adoptiert und aufgezogen wurde.
Kassanders Machtposition in Griechenland wurde durch die Anlandung des Demetrios Poliorketes im Jahr 307 v. Chr. in Frage gestellt, was die Epiroten zur Erhebung gegen den ungeliebten Alketas II. veranlasste. Nach dessen Ermordung konnte der zwölfjährige Pyrrhos mit der militärischen Unterstützung seines Adoptivvaters nach Epiros zurückgeführt und als König inthronisiert werden. Um sich gegen Kassander behaupten zu können, hatte er sich außenpolitisch an Demetrios Poliorketes angelehnt, der 303 v. Chr. Deidameia geheiratet hatte. Als aber 302 v. Chr. Pyrrhos anlässlich der Hochzeit einer seiner illyrischen „Brüder“ das Land verlassen hatte, nutzten dies seine von Kassander unterstützten Gegner zur Installierung des Neoptolemos II. als Gegenprätendenten aus. Erneut zur Exilnahme gezwungen, schloss sich Pyrrhos in Kleinasien dem Gefolge seines Schwagers Demetrios Poliorketes an, der sich gerade auf dem Weg zur Vereinigung seiner Streitkräfte mit denen seines Vaters Antigonos Monophthalmos befand. Aber in der entscheidenden Schlacht von Ipsos im Sommer 301 v. Chr., in der Pyrrhos erstmals seine herausragende Tapferkeit beweisen konnte, erlitten die Antigoniden eine schwere Niederlage; Antigonos war gefallen und Pyrrhos war mit Demetrios zur Flucht auf die See gezwungen. Die Chancen zur Rückgewinnung seines Königreichs waren damit geschwunden.
Zum Zwecke eines Friedens mit dem mächtigen Herrscher von Ägypten, Ptolemaios I., wurde Pyrrhos 298 v. Chr. von Demetrios als Geisel nach Alexandria geschickt, was sich für Pyrrhos letztendlich als richtungsweisend erweisen sollte. Denn Ptolemaios war an einer Expansion seines Einflusses in Griechenland interessiert und fand durch eine Protektion des Pyrrhos ein Mittel dazu. Durch seine Heirat mit dessen Stieftochter Antigone war Pyrrhos in die Familie des Ptolemaios aufgenommen worden, der ihm weiterhin Geld, Schiffe und Söldner für seine Rückkehr nach Epiros im Jahr 297 v. Chr. bereitstellte. Nachdem Neoptolemos II. und dessen Gefolgsleute schnell durch Mord beseitigt waren, war Pyrrhos der unumschränkte Herrscher im Land. Als seine Hauptstadt bestimmte er Ambrakia. Im makedonischen Bruderkrieg unterstützte er Alexander V. gegen Antipatros I., wofür er sich 294 v. Chr. mit den Landschaften Tymphaia und Parauaia entlohnen ließ. Aber noch im selben Jahr wurde Alexander V. von Demetrios Poliorketes beseitigt, der somit die Macht in Makedonien übernahm. Fortan stand Pyrrhos im Ringen um die Herrschaft in Griechenland in Rivalität seinem ehemaligen Freund gegenüber. 293 v. Chr. hatte er diesen erstmals im Bund mit den Böotiern angegriffen und war bis zu den Thermopylen vorgedrungen, dann aber von Demetrios wieder nach Epiros zurückgeworfen worden.
Außenpolitisch sicherte sich Pyrrhos durch ein Bündnis mit Agathokles von Syrakus, dem Paionierkönig Audoleon und dem illyrischen König der Dardanier Bardylis II. ab, von denen er in Vielehe je eine Tochter heiratete. Das Bündnis mit Agathokles jedoch hielt nicht lange an, da dessen Tochter Lanassa nicht bereit war, ihre Gleichstellung mit den „barbarischen“ Nebenfrauen ihres Mannes hinzunehmen. Sie verließ Pyrrhos 291 v. Chr. und bot sich Demetrios Poliorketes zur Ehe an. 289 v. Chr. marschierte Demetrios in Epiros ein, konnte aber nach Makedonien zurückgeschlagen werden. Daraufhin verbündete sich Pyrrhos mit dem in Thrakien herrschenden Lysimachos, um Demetrios in einen Zweifrontenkrieg zu verwickeln. 288 v. Chr. marschierte Pyrrhos mit seinem Heer bis Beroia vor, wo sich ihm Demetrios entgegenstellte. Bevor es allerdings zur Schlacht kam, liefen die Makedonen auf die Seite Pyrrhos’ über, der als Verwandter Alexanders des Großen für würdiger befunden wurde, ihr König zu sein. Dem aus Makedonien fliehenden Demetrios setzte Pyrrhos bis nach Athen nach, wo er nach dem endgültigen Abzug seines Rivalen nach Asien einziehen und im Parthenon auf der Akropolis ein Siegopfer darbringen konnte. In Makedonien hatte sich Pyrrhos einstweilen mit Lysimachos zu arrangieren, gegen den er sich nun mit Antigonos Gonatas verbündete, dem Sohn des Demetrios. 285 v. Chr. wurden sie allerdings von Lysimachos geschlagen, der darauf die Alleinherrschaft in Makedonien übernahm.
Kampf gegen Rom 425px|mini|Pyrrhus’ Vormarsch auf Rom – 280 v. Chr. bis 275 v. Chr. mini|Bronzemünze aus Syrakus, Heracleskopf, z. Zt. des Pyrrhos, 287–276 v. Chr. mini|Rückseite: Athena Promachos mit Blitz als Speer und mit Schild
Aus den Belangen in Griechenland hielt sich Pyrrhos nun weitgehend heraus. Stattdessen plante er einen langjährigen Feldzug auf der Italienischen Halbinsel, nachdem er von der griechischen Stadt Tarent ein Hilfsgesuch gegen das nach den Samnitenkriegen in den Raum der Magna Graecia expandierende Rom erhalten hatte: In Tarent war es zu einem Bürgerkrieg (Stasis) zwischen denen, die mit römischer Rückendeckung die Stadt dominierten, und ihren innerstädtischen Rivalen gekommen; letztere wandten sich an Pyrrhos. Dieser glaubte offenbar an eine Gelegenheit, ein eigenes Königreich über die reichen Griechen Süditaliens errichten zu können, und versprach Hilfe. Den fast gleichzeitigen Tod von Lysimachos und Seleukos im Jahr 281 v. Chr. nutzte er daher nicht aus und schloss einen Frieden mit Ptolemaios Keraunos, dem er bereitwillig die Herrschaft in Makedonien überließ. Im Gegenzug erhielt er von allen maßgebenden hellenistischen Königen Unterstützung für seinen Italienfeldzug; Antigonos Gonatas stellte ihm Schiffe für den Truppentransport bereit, Antiochos I. sorgte für den finanziellen Unterhalt, Ptolemaios Keraunos stellte makedonische Krieger ab, während Ptolemaios II. 5.000 Infanteristen, 4.000 Kavalleristen und 50 Kriegselefanten beisteuerte.Justins Bericht (17, 2,14–15) suggeriert, dass Ptolemaios Keraunos für die Bereitstellung der 5.000 Infanteristen, 4.000 Kavalleristen und 50 Kriegselefanten verantwortlich war. Dies wird in der Forschungsliteratur allerdings stark bezweifelt, sondern eher Ptolemaios II. von Ägypten zugerechnet. Siehe Lit. Hammond (1988). Der ägyptische Herrscher sollte außerdem die Schutzherrschaft in Epiros für die Zeit von Pyrrhos’ Abwesenheit übernehmen. Nicht zuletzt deshalb wird dieser Feldzug in der Geschichtsforschung manchmal als ein panhellenischer „Kreuzzug“ angesehen, zur „Befreiung“ der Griechen des Westens von römischer und karthagischer Herrschaft, analog zur Befreiung der Griechen des Ostens durch Alexander den Großen.Siehe Hammond (1988), S. 413. Wahrscheinlicher ist aber, dass die hellenistischen Könige schlicht froh waren, in Gestalt von Pyrrhos einen gefährlichen Rivalen aus dem östlichen Mittelmeerraum entfernen und nach Westen ablenken zu können.
Mit 20.000 Phalangiten, 3.000 thessalischen Reitern, 2.000 Bogenschützen, 500 Schleuderern und 20 Kriegselefanten setzte Pyrrhos im Frühjahr 280 v. Chr. nach Italien über und schlug die Römer unter Publius Valerius Laevinus sogleich in der Schlacht von Heraclea. Anschließend marschierte er vereint mit den Samniten, Lukanern und Tarentinern durch Kampanien und Latium bis vor Rom, dessen politische Führer trotz seiner militärischen Stärke Friedensverhandlungen ausschlugen. Nachdem er den Winter auf 279 v. Chr. in Kampanien verbracht hatte, schlug er die Römer unter Publius Decius Mus erneut in der Schlacht bei Asculum. Dieser Sieg wurde allerdings durch eigene hohe Verluste geschmälert, weshalb der Historiker Diodor ihn als einen „kadmeischen Sieg“ charakterisierte, wonach angeblich Pyrrhos von dunklen Vorahnungen bezüglich eines möglichen weiteren Sieges gegen die Römer befallen wurde, der ihm im Ergebnis keinen seiner eigenen Krieger mehr belassen hätte.Diodor 22,6,1–2 Plutarch überliefert dazu den sagenhaften Ausspruch des Königs: „noch einen solchen Sieg über die Römer, - dann sind wir vollständig verloren!“Plutarch, Pyrrhos 21,9: Daraus etablierte sich die Metapher vom Pyrrhussieg.