Die Bräuteschule 1958 ist eine Doku-Soap der ARD, die von Lichtblick Film produziert und im Januar/Februar 2007 im Ersten ausgestrahlt wurde. Im Dezember 2008/Januar 2009 wurde die Serie ein zweites Mal im Ersten ausgestrahlt.

Im Rahmen eines Experiments wurde versucht, in der Bildungsstätte Soonwald Schlösschenhttp://www.soonwald-schloesschen.de/ in Mengerschied im Hunsrück die Bedingungen einer Hauswirtschaftsschule der 1950er Jahre, umgangssprachlich Bräuteschule genannt, nachzustellen. Die siebzehn 25-minütigen Folgen (von denen sechzehn im Fernsehen ausgestrahlt wurden) wurden unter der Regie von Susanne Abel zusammengestellt.

Die Serie gliedert sich ein in eine Reihe von Living-History-Produktionen der ARD, zu denen neben der Bräuteschule 1958 auch Schwarzwaldhaus 1902 (2002), Abenteuer 1900 – Leben im Gutshaus (2004), Abenteuer 1927 – Sommerfrische (2005) und Steinzeit – Das Experiment (2007) gehören.

Grundkonzept und Technik Die Doku-Soap gehört zur Living-History-Kategorie, da die meisten Protagonisten für 6 Wochen unter den Bedingungen von 1958 lebten und sich in diesem Sinn einer Zeitreise unterzogen. Grundidee war herauszufinden und filmisch festzuhalten, was passiert, wenn eine Gruppe von Mädchen aus der heutigen Zeit mit dem Frauenbild der 1950er Jahre konfrontiert wird. Es war nicht geplant, dabei eine vorher feststehende Botschaft zu vermitteln.Vivian Vrancken 2007. Die Bräuteschule 1958 – Zehn Fräulein erleben ihr Wirtschaftswunder. Hampp Verlag, Stuttgart Als Protagonisten fungierten 10 Schülerinnen, mehrere Lehrkräfte einschließlich Hausmeister sowie zwei Hausmeistergehilfen. Die um 1930 als Jagdschloss erbaute Bildungseinrichtung wurde für 6 Wochen bis ins Detail (Möbel, Tapeten, elektrische Ausstattung, sanitäre Einrichtungen) als Internat im Stil der 1950er Jahre umgebaut und mit funktionsfähigen Geräten und Lehrmaterial der 1950er Jahre ausgestattet. Im Ort Mengerschied wurde für die Zeit der Dreharbeiten eine Milchbar im Stil von 1958 eingerichtet, in der sich die Mädchen samstags für drei Stunden mit den Tanzschülern trafen.

Es handelte sich um die bis dahin kostenaufwendigste Fernsehproduktion der ARD. Die hohen Kosten entstanden vor allem dadurch, dass die Geräte nicht nur original aus der Zeit, sondern auch funktionsbereit sein und im Lehrbetrieb benutzt werden mussten. In der ursprünglichen Planung waren 12 Schülerinnen und das Jahr 1956 anvisiert worden,Kölner Stadt-Anzeiger 28. April 2006 , aufgerufen am 6. Mai 2010stern.de vom 12. Dezember 2005 , aufgerufen am 6. Mai 2010 realisiert wurde das Projekt mit 10 Schülerinnen. Eine wissenschaftliche Begleitung und Auswertung des Experiments fand nicht statt.

Drehbedingungen Die Situation am Drehort wurde von Vivian Vrancken 2007 in ihrem Buch (siehe Literatur) ausführlich beschrieben. Zwischen Drehteam und Internatsbetrieb gab es eine klare Trennung. Die Protagonistinnen kamen nur mit den wenigen Mitarbeitern beim Dreh in Kontakt, bei denen dies unvermeidbar war. Der Großteil des Produktionsteams blieb fast immer unsichtbar. Für die Funktion des Tagesablaufs und Einhaltung der Regeln war die Direktorin Frau Dittrich alleine verantwortlich. Die Mädchen waren vom Drehteam verpflichtet worden, die Tagebuchkamera zu nutzen. Diese befand sich in einem kleinen und abgedunkelten Raum im Haus. Die Beteiligten sollten dort ihre Eindrücke und Gefühle zum Ausdruck bringen. Dieser Raum stellte auch einen gewissen Freiraum dar, der zum Essen von Äpfeln genauso genutzt wurde wie für Albernheiten. Die Tagebuchkamera wurde von der Produktion täglich ausgewertet, um für die Regie aktuelle Kenntnisse über die Befindlichkeiten der Mädchen zu gewinnen, und Hilfestellungen beim Rekonstruieren von Handlungssträngen zu bekommen.

Im Gegensatz zu einem Film, der in der Regel nach Vorlage eines Drehbuchs gedreht wird, wird beim dokumentarischen Erzählen das Drehbuch erst nach der gefilmten Handlung geschrieben. Dies hatte zur Folge, dass von 600 Stunden Handlung, die mit der Kamera festgehalten wurden, am Ende nur Filmmaterial in der Länge von ca. 8 Stunden ausgewählt wurde.Ellen Dennhoven in Westdeutsche Zeitung, Mönchengladbach 18. November 2006 Dieser Aufwand ist nur möglich, seitdem bezahlbare Kameras und Aufnahmematerialien verfügbar sind sowie Schnittsysteme, die diese Massen an Material verwalten können.Produzent Carl-Ludwig Rettinger auf Seite 131 in Vivian Vrancken 2007. Die Bräuteschule 1958 – Zehn Fräulein erleben ihr Wirtschaftswunder. Hampp Verlag, Stuttgart Vorgegeben war die Anzahl von 16 Folgen und deren Länge von 25 Minuten. Was im Internat passierte, wurde nach Beginn des Unterrichts weder von der Produktion noch von der Regie beeinflusst. Ereignisse konnten generell nicht nachgestellt, Szenen nicht wiederholt werden. Die Kameraeinstellung oder Beleuchtung konnte in einer Szene mitunter ungünstig sein, besonders wenn in engen Räumen gedreht wurde. Um die Protagonistinnen nicht zu stören, wurde außerdem auf jegliche künstliche (und unzeitgemäße) Beleuchtung sowie auf Blitzlicht bei Fotos verzichtet, was häufig eine schlechte Bildqualität in filmischen und fotografischen Aufnahmen in Innenräumen zur Folge hatte (Vrancken 2007 entschuldigt sich gleich am Anfang ihres Buches dafür).

Dokumentarisches Erzählformat Bei diesem Format wird versucht, die Wirklichkeit möglichst tatsachengetreu nachzuerzählen, in einer kondensierten und bei dieser Produktion nach Maßgabe der Regie möglichst dramatischen Form. Da die beiden Kameras nicht 24 Stunden jeden Ort des Geländes überwachen konnten, kam es vor, dass die Kamera bei wichtigen Entwicklungen nicht dabei war. Dies war vor allem dann problematisch, wenn spätere Handlungen sich auf ein Ereignis bezogen, das nicht gefilmt worden war. Es muss außerdem Szenen gegeben haben, die gefilmt worden waren, jedoch aus technischen Gründen (z. B. Kameramann versehentlich im Bild oder technische Defekte) nicht verwendbar waren. In Folge 4 ist bei der Ankunft des Schulrats kurz der Schatten eines Kameramanns zu sehen, kurz vorher in derselben Folge läuft ein Kameramann unbemerkt am Fenster der Direktorin vorbei.

Tanzlehrer Henseling beschreibt in Vrancken 2007 eine Situation, in der er außerhalb des Internats Julias Freund Tom auf seinen bevorstehenden Heiratsantrag vorbereitete. Diese Szenen mussten beide Protagonisten unter Regieanleitung mehrere Male wiederholen, damit das Drehteam die ideale Kameraeinstellung für die spätere reale Szene herausfinden und üben konnte. Beim Schnitt habe die inszeniert wirkende Szene laut Vrancken 2007 starke Diskussionen ausgelöst. Es liegt nahe, dass auch die Ankunftsszene des Schulrats geübt worden war.

In vielen Situationen wurden ähnliche Szenen als Ersatz für versäumte Filmszenen verwendet und später durch Schnitt zu einer inhaltlichen Einheit zusammengefügt. Hierfür gibt es viele Beispiele. In Folge 6 werden am Ende Schülerinnen gezeigt, die sich trösten – laut Sprecherin wird Julia getröstet, die jedoch nur kurz ins Bild kommt und unbeteiligt danebensteht. Gegen Ende von Folge 3 wird im Salon gesungen, dabei wurden Bilder von zwei Abenden mit unterschiedlicher Chorzusammensetzung abwechselnd zusammengeschnitten. Vrancken argumentierte 2007, der Wahrheitsgehalt der erzählten Geschichte werde dabei nicht verfälscht. Allerdings unterliegt dies der Verantwortung der für den Schnitt verantwortlichen Regie, Kontrollinstanzen gibt es nicht.

Durch das Vertrauensverhältnis zwischen Kamerateam und Schülerinnen kam es vor, dass die Mädchen den Kameraleuten, die ihnen gelegentlich auch eine Schulter zum Ausweinen anboten, manchmal kleine Geheimnisse anvertrauten. Hieraus erklärt sich, dass die Kamera Szenen wie Alkoholschmuggel, heimliches Trinken oder Rauchen filmen konnte.

Tontechnik Im Bereich Tontechnik wurde nicht Neuland betreten, da Konzept und Team aus den vorangegangenen Produktionen Abenteuer 1900 – Leben im Gutshaus und Abenteuer 1927 – Sommerfrische übernommen wurden. Allerdings wurden durch Vrancken 2007 die ton- und kameratechnischen Einzelheiten bei einer Living-History-Produktion erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Gegensatz zu einem nach Drehbuch inszenierten Film, bei dem Szenen wiederholt werden können, konnte hier jede Szene nur einmal aufgezeichnet werden. Dies erhöhte auch die Anforderungen an die Tontechnik. Gearbeitet wurde mit einem Tontechniker-Team aus fünf Personen, an die besonders hohe Ansprüche an Verantwortungsbewusstsein und Teamfähigkeit gestellt wurden. Insgesamt 35 Protagonisten wurden mit Ansteckmikros und Taschensendern ausgestattet, die sie morgens selbst aktivierten. Gedreht wurde in der Regel mit zwei Kameras gleichzeitig, Ton wurde auf Mehrspurrekordern mit bis zu 32 Tonspuren aufgezeichnet und in einem Nebengebäude auf dem Gelände mit zwei digitalen Mischpulten gemischt. Bei Aufnahmen außerhalb des Hauses wurden mobile Festplatten-Rekorder mit 8 Tonspuren verwendet. Die Tontechnik hatte die Bilder beider Kameras live auf Monitoren sichtbar. Um Voyeurismus zu vermeiden, wurde grundsätzlich nur abgehört, wer sich im Bild befand. Um unnötige Störungen im Internatsleben zu vermeiden, verließen die Tontechniker das Grundstück abends ungesehen durch den angrenzenden Soonwald.

Musik Die Musik zur Serie und für den Tanzunterricht wurde von den Komponisten Michael Klaukien und Andreas Lonardoni geschrieben, die Titelmusik wurde mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg aufgenommen.Michael Klaukien und Andreas Lonardoni, zitiert auf Seite 66 in Vivian Vrancken 2007. Die Bräuteschule 1958 – Zehn Fräulein erleben ihr Wirtschaftswunder. Hampp Verlag, StuttgartVideo-Originalaufnahme des Orchesters bei , aufgerufen am 8. Mai 2010 Grundrhythmen und Tempi für den Tanzunterricht waren von Jörg Henseling vorgegeben worden. Der größte Teil der Musik wurde am Computer produziert, wobei zur Erzeugung eines authentischen 1950er-Jahre-Klangs in die Playbacks live spielende Musiker integriert worden waren. In den 1950er Jahren war ausschließlich mit großen Orchestern gespielt worden.

Inhalte mit Erläuterungen Folge 1 – Die Stunde Null Begrüßung der 10 Schülerinnen durch das Lehrpersonal, Verabschiedung der Angehörigen und Vergabe der Zimmer und Kleidung (Schuluniformen im Stil einer Hauswirtschaftsschule der 1950er Jahre), in Verbindung mit zeitgemäßen Frisuren. Alle Utensilien der gegenwärtigen Zeit müssen abgegeben werden, darunter sämtliche elektronischen Geräte und kosmetischen Artikel. Die Lehrkräfte versuchen zunächst den hauswirtschaftlichen Vorkenntnisstand zu ermitteln und äußern sich darüber anschließend überrascht und enttäuscht. In den 1950er Jahren hatten Mädchen in diesem Alter im Vergleich deutlich mehr Vorkenntnisse in Sachen Putzen, Kochen und Haushaltsführung in eine Hauswirtschaftsschule einbringen können. Einige der Mädchen betreten fast absolutes Neuland (als Beispiel wird Sandrin gezeigt, die die Begriffe für die verschiedenen Putztücher nicht kennt und dies in der Tagebuchkamera auch so benennt). Im Erziehungsstil der 1950er Jahre entscheidet die Direktorin, dem Problem mit strenger Disziplin zu begegnen.